Ein komischer Igel

Eigentlich wollten wir von der Naturschutzgruppe Bodenheim auf unserer Fläche einen Igel filmen, der sich eventuell den Überwinterungskasten als Aufzuchtsort für seine Jungen ausgesucht hat. Doch dann tauchte noch etwas ganz anderes auf…

Igel kennt jedes Kind. Sie sind Sympathieträger und so mögen viele die stacheligen Tiere mit der langen Schnauze und dem kurzen Schwanz.

Aber leider ist auch dieses Säugetier in manchen Bundesländern in seinen Beständen bedroht und steht auf der Roten Liste. Beispielsweise in Rheinland-Pfalz.

Was sind die Ursachen?
Sicher spielt der Straßenverkehr eine Rolle, denn ich sehe oft überfahrene Igel und kann nicht nachvollziehen, wie das innerhalb von geschlossenen Ortschaften so oft passieren kann. Manches mal bleibt mir nichts anderes übrig, als an die Pure Absicht von einigen Fahrern zu denken, dieses Tier platt zu machen. Denn anders kann es nicht sein.

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Doch der Straßenverkehr ist nicht das einzige Problem. Die Tiere stehen vor großen Herausforderungen, zu denen auch der Klimawandel gehört:

Die Winter verlaufen milder, die Igel kommen nicht so recht in den Winterschlaf und verlieren dadurch sehr viel Energie. Erwachen sie im zeitigen Frühjahr, besteht die Gefahr von Spätfrösten und Wintereinbrüchen, welche die Igel dann kalt erwischen. Denn sind sie sehr früh im Jahr erwacht, gibt es im Zweifel noch nicht genügend Futter. Dabei spielt auch die zunehmende Trockenheit der Erde eine Rolle, denn Igel ernähren sich natürlicherweise von Regenwürmern, aber auch von Laufkäfern, Spinnen und Tausendfüßlern.
Und hier gesellt sich ein weiteres Problem hinzu: Viele dieser Tiere benötigen Pflanzenmaterial, um zu existieren. Der Mensch entfernt, wo er nur kann, Laub und anderes Pflanzenmaterial, damit es „schön sauber“ ist. Dadurch fallen nicht nur die Unterschlupf- und Überwinterungsplätze für Igel weg, sondern eben auch die Futterquellen ihrer eigenen Beutetiere.

Viele sind der Meinung, dass Igel gerne Schnecken fressen. Und man stuft Igel deshalb auch als „nützlich“ ein – eine Einstufung des Menschen, die ich ohnehin nicht nachvollziehen kann. Alles hat seinen Platz und seinen Sinn in den Ökosystemen. Und nicht alle Arten müssen einen Nutzen vorweisen. Sonst hätte gerade der Mensch global-okologisch gesehen seine Existenzberechtigung schon längst verloren.

Doch zurück zu den Schnecken: Die frisst der Igel auch, aber nur in der Not, also wenn er keine anderen seiner Lieblingsbeutetiere findet. Er futtert also Schnecken, und zusammen das tolle Schneckenkorn, das man in den Beeten verstreut. Somit vergiftet er sich, stirbt oder wird zumindest krank und schwach, anfällig für Krankheiten und Parasiten.

Der Herbst kommt dann bestimmt, er läuft schon mit einem „Hungerknick“ durch die Gegend, sucht verzweifelt nach einem Unterschlupf. In der Dämmerung läuft er über eine Rasenfläche und – Zack! Ist der Kopf ab. Denn ein Rasenmäher-Roboter hat ihn erwischt. Und das ist kein Einzelschicksal: Es werden immer mehr Igel zu Tierschützern und -ärzten gebracht, die durch einen solchen Rasenmäher-Roboter schwer verletzt und verstümmelt werden.

Und wir fragen uns trotzdem, warum der Igel auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten steht?

Umso glücklicher sind wir, dass auf unserer Naturschutz-Fläche jetzt evtl. ein Igel-Weibchen seinen Nachwuchs großzieht.

 

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Aber Moment! Was ist denn das für ein Igel?

Natürlich gar keiner. Das ist ein Tier mit Zorro-Maske – und leider auch bundesweit einbrechenden Beständen. Und hier weiß noch keiner so recht warum.

Sicher gibt es Anhaltspunkte, wie die Zersiedelung der Landschaft, die Vernichtung von Lebensräumen, der Wegfall von Lebensgrundlagen und allgemein der Einsatz von Umweltgiften.
Aber so richtig klar ist auch die Datenlage noch nicht.

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Der Gartenschläfer ist eine Schlafmaus, von der vieles noch nicht bekannt ist. Deshalb existiert auch die Spurensuche Gartenschläfer, ein Gemeinschaftsprojekt des BUND, der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Senckenberg-Gesellschaft. Hier kann man auch die Sichtung, das Hören oder den Fund von Gartenschläfern melden. All diese Meldungen fließen dann in ein wissenschaftliches Projekt mit ein, das die Lebensweise und das Verschwinden des Gartenschläfers erfoschen soll.

Hier auch noch mal das offizielle Fahndungsvideo der „SOKO Gartenschläfer“

2 Gedanken zu “Ein komischer Igel

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