Grün strahlt die Hoffnung

Morgen beginnt die UN-Weltklimakonferenz und viele Hoffnungen ruhen darauf. Dabei hatte letzte große Konferenz in Paris hauptsächlich eines produziert: Heiße Luft! Und davon haben wir ja bekanntlich schon genügend. Nun werden auch wieder Stimmen laut, die die Kernenergie als klimafreundliche Alternative preisen. Doch ist das gerechtfertigt? Lieber die Kernschmelze riskieren, um die Eisschmelze zu stoppen?Natürlich brauchen wir Energieversorgungssicherheit und Stabilität in den Netzen. Das steht schon mal außer Frage.
Und die Erneuerbaren sind momentan noch nicht ganz so zuverlässig. Wenn die Sonne mal nicht scheint oder der Wind nachlässt, muss trotzdem noch Strom durchs Netz fließen.
Doch es gibt bereits viele technische Entwicklungen, die reif wären, um tatsächlich umgesetzt zu werden. Sie könnten dafür sorgen, dass die Kohlekraftwerke noch in den 30er Jahren abgeschaltet werden können, Netzstabilität herrscht, und somit der wichtige Klimaschutz vorangetrieben wird.
Denn Zeit zum Abwarten haben wir keine mehr! Irgendwann sind bestimmte Kippeffekte erreicht, was dazu führt, dass das Klimasystem so weit aus der Bahn gebracht wird, dass nicht nur die Existenz sehr vieler Tier- und Pflanzenarten auf dem Spiel steht. Auch unsere Existenz ist kein „Selbstläufer“ und von vielen Bedinungen abhängig: Hitze fordert Opfer, ebenso Unwetter, Meeresspiegelanstieg und Wassermangel, damit verbunden soziale Konflikte sowie Kriege. Die Ausbreitung von tropischen Krankheiten werden unsere Existenz bedrohen, ebenso wie das Ausfallen von Ernten, und somit Hungersnöte.

Nun preisen viele bereits wieder die Atomkraft an, fordern verlängerte Laufzeiten und teilweise auch den Neubau von Kraftwerken. Sicher, aus den Schloten ihrer Kühltürme steigt kein CO2 in die Atmosphäre, sondern Wasserdampf. Doch schon der Abbau von Uran verursacht jede Menge Treibhausgase.
Dies ist aber nicht der Hauptgrund, weshalb die Kernenergie keine Lösung sein kann. Der liegt nämlich genau in den Kühltürmen. Zum Betreiben eines AKW benötigt man Wasser. Dieses wird durch die nukleare Reaktion erhitzt, der Wasserdampf treibt Turbinen an. Gleichzeitig kühlt das Wasser die Brennstäbe, die ansonsten schmelzen würden. Und was bei einer Kernschmelze herauskommt, hat man in Tschernobyl oder Fukushima gesehen.
Was uns der Klimawandel in den letzten zehn Jahren jedoch gezeigt hat, ist die Tatsache, dass unsere Flüsse teilweise extremes Niedrigwasser führen. Gleichzeitig erhitzt sich ihr Wasser deutlich, was die Ökosysteme belastet. Entnimmt man dann auch noch Wasser zum Kühlen von Brennstäben, und leitet das erhitzte Wasser wieder in die Flüsse, kippt das ganze System. Zumal auch die Frage interessant wäre, was zu tun ist, wenn kein Wasser mehr zum Kühlen vorhanden wäre.
Hinzu kommt die Frage, was eigentlich passiert, wenn massive Niederschläge binnen kürzester Zeit neidergehen, wie z.B. an der Ahr 2021. Die Flutwelle des Tsunami in Fukushima beschädigte das Kraftwerk derart stark, dass es am Ende zum Super-GAU kam, mit verstrahlter Natur, toten und geschädigten Menschen, sowie vielen Flüchtlingen. Glaubt man denn tatsächlich, dass man ein AKW derart sicher bauen kann, dass es immer stärkeren Unwettern standhält? Vielleicht auch einem Tornado, der mit mehreren hundert Stundenkilometern zerstörerischer Wucht massive Schäden verursacht?
Und dann bleibt ja immer noch die Frage nach der Endlagerung. Der Atommüll strahlt über zehntausende wenn nicht sogar hunderttausende Jahre. Wer kann denn sicherstellen, dass ein „Endlager“ derart sicher ist, um Unwetterereignisse oder gar einen Meeresspiegelanstieg unbeschadet zu überstehen? Man hat es ja nicht mal geschafft in der „Asse II“ schwach und mittel strahlenden atomaren Abfall über 40 Jahre sicher zu lagern – dann brach nämlich Wasser ein, und jetzt muss alles ausgeräumt werden.

Eines muss endlich mal klar werden: Man kann ein Problem nicht mit den Methoden lösen, durch die es entstanden ist!

Die Atomenergie ist nicht nachhaltig, sie ist nicht sicher, sie ist ein Fluch für unsere Nachkommen und sie ist tödlich. Sie ist lebensfeindlich und daher kann sie nicht die Lösung für den Klimawandel sein – so sehr man sie auch in ein grünes Mäntelchen packt!

Die Lösung für effektiven Klimaschutz besteht vor allem in einem ganz wichtigen Punkt:

Wir müssen unsere Ansprüche senken, unseren Energieverbrauch!
Und zwar nicht nur beim Strom, sondern allgemein.
Es muss bewusst werden: Alles was neu produziert wird, befeuert den Klimandel! Auch Verpackungen! Alle Bäume die gefällt werden, alles Land das entwaldet wird, Natur die zerstört und zubetoniert wird, treibt den Klimawandel an. Jedes Moor, das abgebaut wird und im Gartenbeet landet, ist ein Beitrag zur Erderwärmung. Jede Fahrt, jeder Transport, jede Reise erhöht die Treibhausgaskonzentration. Jedes unnötige Werbeprospekt im Briefkasten genauso wie jedes Obst aus Übersee (anstatt aus der Region) Und auch jedes Stück Fleisch, jedes von Tieren erzeugte Produkt, befeuert die Klimakrise.

Das heißt nicht, dass wir nichts mehr dürfen und auf alles verzichten sollen. Wir müssen nur ein vernünftiges, angemessenes und auch bescheideneres Maß finden. Ein Beipiel: In den 70er Jahren war das gute Stück Sonntagsbraten noch der Höhepunkt der Woche. Einmal pro Woche Fleisch. Heute reicht oftmals nicht mehr einmal am Tag. Mein Großvater hat früher sehr viele Dinge repariert, anstatt sie neu zu kaufen. Heute landen selbst funktionsfähige und noch schöne Dinge im Müll – Elektrogeräte, Möbel, Fahrräder. Einfach nur, weil man sich mal was neues kauft. Und weil es so schön billig war.

Das Blöde ist nur: Die Rechnung kommt später, in Form von Unwetterkatastrohen, Seuchen, Dürren, Hitzewellen, Hunger, Krieg und Not. Und zwar garantiert für alle von uns. Nicht nur die „Menschen in der Dritten Welt“ – es trifft uns alle. Das zeigte zuletzt ganz konkret und dramatisch auch die Flutkatastrophe an der Ahr. Und es wird leider nicht die letzte Katastrophe dieser Art gewesen sein. Die Solidarität mit den Menschen hier war und ist groß, was mich wirklich bewegt hat. Doch noch besser wäre eine Solidarität mit unserer Erde, unserer Natur, und somit unserer Lebensgrundlage.

So viele Menschen haben Entbehrungen in Kauf genommen, sich engagiert, so viel geopfert. Da wäre es doch vielleicht auch möglich, Bedürfnisse von Bedarf zu trennen, und mit ein wenig mehr Demut und Weitsicht auf die Welt zu schauen. Eine Welt, die ausgebeutet und zum puren Wunscherfüller der Spezies Mensch degradiert wurde, zum Produktionsfaktor. Und die doch am Ende eines ist: Mutter Erde – unsere Mutter, die uns trägt, ernährt, die uns den Atem schenkt und mit deren Existenz die unsere untrennbar verknüpft ist.

Ein Gedanke zu “Grün strahlt die Hoffnung

  1. Der Raubbau an der Natur, den Du in einigen Punkten darlegst, Torsten, ist im Grunde
    a) ein uraltes Menschproblem. MP Jena hat nachgewiesen, daß schon Tausende vor Christus in ziemlich großem Umfang die Natur verändert wurde. Man kann das angeblich sogar auf Satellitenfotos nachweisen.
    b)nicht nur alleine stehend, sondern verbunden mit anderen massiven Problemen wie Kriege, Schere Arm-Reich, Abschottung gegen Migration ect.
    Wo soll man also ansetzen?
    Ich hörte gestern Abend einen Bericht über Missbrauch in einem fränkischen Dorf im DLF gehört.
    Man glaubte, im Mittelalter zu sein. Die Opfer wurden zu Tätern, weil sie sich erfrechten, sich zu wehren. Wenn man so etwas hört, dann kann man nicht an das Gute, sprich einer Abkehr der Welt von bisherigem Produzieren und Konsum sprechen.
    Es scheint einfach nicht zu gehen.
    Welche Argumente könntest Du denn anführen, daß die Wende trotzdem gehen könnte?

    Gefällt 1 Person

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