Gar nicht süß

Honigbienen sind bekannt dafür, dass sie jede Menge Süßes liefern: Leckeren Honig. Und ausgerechnet ist es ebenso etwas Süßes, das in Bayern vielen Insekten momentan die Orientierung nimmt, sie lähmt, tötet. Und alles mit Segen aus dem zuständigen Bundeslandwirtschaftsministerium. Denn eigentlich ist es seit 2018 verboten, was nun auf die Felder ausgebracht wurde und sich ungehindert verbreitet.Man könnte meinen, die Menschheit hätte allmählich dazugelernt. Doch sind scheinbar die Bretter noch sehr viel dicker, die man bohren muss, um endlich den gesunden Selbsterhaltungstrieb unserer Spezies anzubohren und ihn zum Sprudeln zu bringen.

Da sich beim konventionellen, monokulturellen Anbau von Zuckerrüben ein Virus extrem verbreitet und somit die Ernte schmälert, oder ganz ausfallen lässt, hat man nun schwere Geschütze aufgefahren. Ein Pestizid aus der Gruppe der Neonikotinoide, das bereits 2018 in der EU verboten wurde, hat man nun aus der Mottenkiste geholt und per „Notfallzulassung“ (Link zum Artikel in der Taz) auf die Felder gebracht. Angeblich wurde nach Aussaat des gebeizten Samens nicht alles vorschriftsmäßig vorbereitet, und nun kommt es dazu, dass das Gift in die Bäche und die Natur rundherum gelangt. Die Werte dort liegen deutlich über den (ja ohnehin oft großzügigen) Grenzen und so werden unzählige Insekten – im Wasser, im Boden und in der Luft – an diesem Gift sterben. Es hält sich lange in der Natur, und auch die Pflanze nimmt es komplett in sich auf. Das heißt, von der Wurzel bis zur Blattspitze steckt es drin – dieses Nervengift, das angeblich nur Insekten schädigt. Für den Menschen sind die relativ geringen Mengen Nikotin – es lebe der Nichtraucherschutz! – angeblich harmlos. Doch macht bekanntlich die Dosis das Gift und stecken die Gifte in vielen Lebensmitteln, reichern sie sich auch am Ende an. Und zwar in uns!
Es ist einfach die Frage, inwieweit es uns daher nicht schadet. Von Vögeln oder anderen Insektenfressern einmal abgesehen, denn sie nehmen natürlich potentiell Saatgut und vergiftete Tiere auf, und bei ihnen wird sich früher oder später eine nervenschädigende Wirkung zeigen.

Aber selbst wenn man „nur“ von den Insekten spricht… Sie werden vergiftet. Nicht nur die Honigbiene wird krank und stirbt. Die vielen Wildbienenarten, aber auch Falter und viele andere Insekten werden getötet Dank dieses Nervengifts, das sich eben auch in der Umgebung anreichert.

Es ist daher schlichtweg dumm, solch ein Gift anzuwenden. Aber es geht eben auch nichts über die Gewinne der Chemieriesen auf Kosten der Gesellschaft. Und einen wirklichen Umbau der Landwirtschaft, weg von Masse statt Qualität, von konventionell zu öko, will eben auch keiner. Nicht die Politik, nicht die Industrie (oh Gott – die Kunden würden wegbrechen), viele Landwirte wollen es nicht, und auch sehr viele Verbraucher (jeder Lebensmitteleinkauf ist eine Entscheidung darüber, welche Landwirtschaft man möchte)

Passend zum Thema habe ich ein paar Fotos von Insekten aber auch von ihren Räubern gemacht.
Der Star (Link zum NABU-Porträt) ist bedroht in Deutschland, sammelt sich gerade in großen Schwärmen und ist eben auch in seiner Ernährung von Insekten abhängig.
Wollen all diese wunderschönen Geschöpfe riskieren, beim Zugrunderichten unserer Welt weiterhin zusehen? Ich denke, diese Welt ist es wert gerettet zu werden. Denn mit jeder aussterbenden Art, stirbt auch ein Stück der Zukunft der Spezies Mensch.

Stare im Wilden Wein
Stare im Wilden Wein. Die Kletterpflanze zieht mit ihren Blüten zunächst sehr viele Insekten an. Dann folgen die Beeren – und dadurch die Vögel. Das ist die ideale Kombination aus Insekten- und Vogelschutz

Bestäuber im Anflug auf Efeublüte
Efeu ist nur wenig beliebt, aber steht es lange genug (etwa 7 Jahre) entwickelt sich aus dem rankenden Gewächs die Altersform. Sie rankt nicht mehr, sondern blüht und bringt somit im Herbst noch Futter für Insekten. Später können Vögel mit Beerenhunger ihren Appetit stillen. Also eine sehr nützliche Pflanze – für Insekten und Vögel.

Efeublüte mit Biene
Man sieht hier schon erste Beeren-Ansätze an der Efeu-Blüte

Aber nicht nur Bienen sondern auch Falter holen sich hier ihr Futter.

Tagpfauenauge
Tagpfauenauge

Stare im Anflug
Bei uns sammeln sich momentan regelmäßig über 100 Tiere im Walnussbaum und den Birken im Garten, sowie einem Walnussbaum in der Nachbarschaft.

Stare
Sie zwitschern wild durcheinander, aber es ist dann auch immer wieder verblüffend, wie sie plötzlich verstummen und dann schlagartig losfliegen. – Wie auf Kommando, ohne zusammenzustoßen, in wundervoll kunstvollen Schwärmen. Sie funktionieren im Schwarm und steuern ihn nicht bewusst in den Abgrund, wehren sich im Verbund gegen Angreifer. Diese Eigenschaft täte auch der Menschheit mal gut.

Wunderschönes Gefieder

5 Gedanken zu “Gar nicht süß

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