Von Stein- und Betonköpfen

Irgendwie war die letzten Wochen so viel los, dass es hier ruhiger wurde. Heute habe ich auch gar nichts wirklich Konkretes, aber ein paar Neuigkeiten gibt es schon. – Tolle und weniger tolle. Die Geschichte eines Steinkopfes und eines Betonkopfes. Von Hühnern, Tomaten, und ein Igel ist auch noch mit dabei…

Doch erst mal zum Kopf im Müll. Irgendwie scheint mir dies in mehrfacher Hinsicht ein Sinnbild zu sein. Die Aufnahme stammt vom Rhinecleanup, den wir hier in Bodenheim von der Naturschutzgruppe organisiert haben. Und der Kopf wurde dabei gefunden. – Vielleicht sogar ein archäologisch wertvoller Fund, das wird sich noch herausstellen. Aber das nur am Rande.
Der Müll mit all seinen Folgen und auch Auswirkungen steht der Menschheit bis zum Halse. Gleichzeitig füllt sehr viel Müll die Köpfe der Menschheit. Werbeverlockungen, Glücksversprechen – der Konsum und der Markt sollen alles richten, und uns alle mit Sinn und Glück erfüllen.
Doch stehen viele Lügen dahinter, der Kapitalismus zeigt immer öfter seine hässliche Fratze und seine wahren Beweggründe.

Habt ihr mitbekommen, dass ein bekannter Spitzenpolitiker tatsächlich Naturschutzverbände zu Demokratiefeinden erklärt hat?
Herr Merz von der CDU verwechselt da offenbar jedoch Demokratie mit Raubtierkapitalismus. Er möchte wohl auch, wie man dem Artikel entnehmen kann, Greenpeace die Gemeinnützigkeit aberkennen.
Ein solcher kleiner persönlicher Feldzug gegen NGOs erscheint mir dann doch eher selbst undemokratisch, gesteuert von der Gier nach dem Kapital und verschiedenen Lobbyisten. Denen sind nämlich die NGOs durchaus ein Dorn im Auge. Deutlich erinnern mich diese Forderungen an Trump, Orban und Erdogan. – Man beseitige jene, die einem im Weg stehen, weil sie angeblich Terroristen – oder in diesem Fall Demokratiefeinde – sind. 
Wie bekannt ist gab es das in historischer Sicht auch schon mal in Deutschland und es ist schon bedenklich, dass diese Aussage nicht von den üblich verdächtigen rechten Pöblern kommt, sondern von einer Volkspartei.
Über welches Demokratieverständnis jedenfalls Herr Merz (CDU) verfügt, wäre zumindest mal zu hinterfragen.

Eine schönere kurze Geschichte gibt es von meinem Garten zu berichten. Die fünf kleinen Hühner entwickeln sich prächtig. Hier sieht man nur drei, die anderen sind noch etwas schüchtern. Sie beginnen jetzt auch, mit der Mutter auf der Stange zu sitzen und dort die Nacht zu verbringen.

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Mein Teich hat sich in der Zwischenzeit leider wieder etwas eingetrübt. Ich bin noch nicht hinter das Geheimnis gekommen, warum dies geschieht. Ich vermute aber, dass es mit dem Absterben von Wasserpflanzen zusammenhängt. Bepflanzt ist er jedenfalls mit filtrierenden Sumpfpflanzen, und Sauerstoff bildenden Unterwasserpflanzen. Von daher kann da eigentlich nichts schief gehen. Bisher hat sich nach einiger Zeit auch immer wieder das Wasser geklärt. Erste Stimmen von Bekannten, man müsse einen Filter einbauen, habe ich zurückgewiesen. Ein Naturteich ist ein Naturteich, weil er eben nicht filtriert wird. Nur dann entwickelt sich ein entsprechendes Ökosystem auch unter Wasser. Mit Filter würde alles durchmischt und somit die unterschiedlichen Temperaturschichten verwirbelt. Was wieder deren Bewohnern die Lebensgrundlage entziehen würde.

Die Ernte fällt teilweise gut, teilweise aber auch recht mager aus. Das hängt jedoch auch damit zusammen, dass ich mal eine Zeit lang außer Gefecht war, und daher nicht viel pflegen konnte. Das nahmen mir dann Möhren & Co. doch etwas übel. Was sich beim Pfirsisch bewährt hat war der Platz unterm Dachvorsprung. Dadurch bekam er wenig Regen ab, die Kräuselkrankheit tauchte gar nicht auf. Dafür einige sehr leckere Früchte.

Pfirsisch

 

Die meisten Tomatenpflanzen fielen leider der Krautfäule zum Opfer. Allerdings konnte ich tatsächlich ein paar retten, die sogar jetzt noch Früchte tragen. Das „Zaubermittel“ bestand aus Haushaltsnatron. Man kann ihn für unterschiedliche Dinge verwenden, z.B. im Garten . Und mein Versuch gegen diese Pilzerkrankung an den Tomaten war ein voller Erfolg. Ich mischte einfach einen halben Beutel mit einem Liter Wasser und sprühte die Pflanze komplett ein. Das wiederholte ich ein zweites mal. Und es blieb sogar eine dünne, pulverige Schicht nach dem Trocknen auf den Blättern zurück. Dies gefiel dem Pilz offenbar nicht, die Pflanzen stehen (zumindest teilweise) im Regen und sind noch immer einigermaßen fit.

Zum Schluss gibt es noch eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Unsere Naturschutzgruppe Bodenheim hat für ihre Arbeit gleich zwei Auszeichnungen erhalten, was uns sehr freut!

Das bestätigt uns einierseits in dem, was mir machen und wird auch dazu führen, dass unsere Stimme hörbarer wird. Andererseits werden wir natürlich auch durch das Preisgeld einiges praktisch umsetzen können.

Ein Thema könnte der Schutz von Igeln sein. Und somit bin ich beim negativsten Punkt meines Posts angelangt.

Toter Igel

Dieser Igel hatte gerade damit begonnen, sich in meinem Garten ein Winterquartier einzurichten. Er bekam Futter, damit er auch gut über den Winter kommt. Und dann wurde er Opfer eines – offenbar blinden oder dummen – Autofahrers. In letzter Zeit findet man wieder erschreckend oft tote Igel auf der Straße. Auch innerorts! Da ich mir nicht vorstellen kann, dass hier überall Kamikaze-Igel durch die Gegend laufen, denke ich, es hängt einfach an den vielen Rasern. Igel gehören zu den bedrohten und geschützten Arten, trotzdem sieht man einfach und fast gleichgültig zu, wie sie regelmäßig zermatscht auf dem Asphalt enden. Das kanns ja nicht sein…

Und so schließt sich irgendwie der Kreis mit den Beton-, Stein und Holzköpfen. Und ich genieße heute den restlichen, sonnigen Tag. 🙂

4 Gedanken zu “Von Stein- und Betonköpfen

  1. Man bekommt verschiedentlich ein Würgen im Hals, wenn man diese geballte Ladung liest.
    Gestern fand ich bei „Ralph Butler“ ein spannendes Radio-Interview, eine Aufnahme des DLF, mit Harald Welzer, Sozialpsychologe, zu Demographie und Wahlverhalten – Autor Thielko Grieß:

    https://daoweg.wordpress.com/2021/09/20/interview-mit-harald-welzer-sozialpsychologe-zu-demographie-und-wahlverhalten-autor-thielko-griess/

    Ich hoffe inständig, dass die unterrepräsentierten jungen Menschen ihre Wahl treffen und die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, die Betonköpfe und Marktwirtschaftshörigen in ihre Schranken zu weisen.

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    • Ja, das stimmt. Und leider hat die Wahl nicht so wirklich ein Ergebnis zum Wandel gebracht. Zwar wird es wahrscheinlich ein deutlich kleineres Übel sein, aber ob eine Beteiligung ausgerechnet der Liberalen etwas ändern wird – an der sozialen Spaltung, aber auch beim Klimaschutz – kann man nicht so wirklich glauben. Aber gut, wenigstens laufen die Sondierungen nicht chaotisch, sondern auch wohl vertrauensvoll. Mal abwarten, was hierbei am Ende herauskommt. In Rheinland-Pfalz funktioniert dieses Dreier-Bündnis ja auch schon seit einiger Zeit. Obwohl der Standpunkt des FDP-geführten Wirtschaftsministeriums (das auch gleichzeitig für die Landwirtschaft zuständig ist) den Schutz von Insekten nicht ausreichend berücksichtigt.

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  2. herzlichen glückwunsch der naturschutzgruppe zu den auszeichnungen! und dir ganz persönlich gratuliere ich zu dem allerliebsten jung-federvieh! so schön anzuschauen, die drei auf dem foto …

    über das negative will ich schweigen. (herr merz, der tumbe knecht des kapitals, soll keinen weiteren raum hier einnehmen – und die raser mit ihrem „sportlichen“ fahrstil auch nicht …)

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    • Danke dir 🙂 Ich habe leider eben erst den Kommentar gesehen, weil die letzten Tage hier so viel los war.
      Glücklicherweise bleiben uns Merz, Scheuer, Klöckner & Co dem ersten Anschein nach erspart. Fragt sich was als nächstes kommt – mit liberalem „Der Markt wird es richten“-Geist wird es wahrscheinlich nicht einfacher werden…

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