Mutter Erde

Bloß nicht zu viel…

Klimaschutz ja, aber doch bitte kein Verzicht und alles freiwillig! So möchte ich mal viele Stimmen, die man momentan hört, in einem Satz zusammenfassen. Das sagen Leute aus der Mitte der Gesellschaft, genauso Spitzenpolitiker die Kanzler werden wollen oder Bundesministerin sind. Und mir kommt da nur ein Satz in den Sinn: Die haben den Schuss noch nicht gehört!

Man kann doch niemandem verbieten, 200 km/h auf der Autobahn zu rasen. Und auch nicht viermal im Jahr in Urlaub zu fliegen. Kein tägliches Billig-Fleisch – um Himmels Willen, das wäre ein Verstoß gegen die Menschenrechte. Jedes Jahr ein neues Handy steht offenbar auch in der UN-Charta, was einem Menschen zusteht. Alles zubauen und zupflastern muss erlaubt bleiben! Wo kämen wir denn ansonsten hin? Gift spritzen auf den Äckern, aber auch im Garten und selbst auf dem Gehweg. Ansonsten herrscht ja Anarchie und ein Wildkräuter-Urwald würde wachsen und alles auffressen. – Selbst ein kleiner Löwenzahn in der Ritze zwischen den Steinen geht gar nicht! Alles glatt und akkurat. In den Gärten riesige Rasenflächen, deren Pflege wir Robotern anvertrauen. Alle Bäume weg, weil die ja nur Laub werfen.
Letztens hat mich sogar mal einer angesprochen und gefragt, welchen Sinn unsere Hecken-Fläche hätte. Da könne man doch auch einfach alles asphaltieren und grün anmalen. Gut, er wollte einen Witz machen, doch war er der Realität fast schon so nahe, dass sich mir der Magen umdrehte.

Irgendwie wollen viele auf nichts „verzichten“. Sie haben sich ihre persönlichen Grundrechte und Freiheiten zurechtgelegt und beharren nun darauf. Verzicht? – Um Gottes Willen! Regeln? – Niemals!!! Sie wollen sich doch nicht bevormunden lassen!
Okay, schaffen wir dann auch alle Stoppschilder und Ampeln ab, oder stellen sie gleich mal auf grün? Dann muss man nicht mehr so oft bremsen und kann machen was man will. Schluss mit den Vorschriften! Greifen die dann jetzt alle auf die heiße Herdplatte, auch wenn ihre Eltern schon früher gesagt haben, mach das besser nicht? – Riecht doch so schön nach Grillfleisch und kostet nix…

Ganz ehrlich – ich kann mir meinen Sarkasmus einfach nicht mehr verkneifen. Bei so viel geballter Blind- und Taubheit kann ich nicht anders als zu sagen:
Leute, wenn ihr jetzt schon jammert, weil ihr auf all die Dinge verzichten sollt, was macht ihr dann bitte, wenn es aufgrund der Klimakatastrophe für immer mehr Menschen nicht mehr genug zu essen gibt? Oder Wasser? Wenn immer mehr Menschen ihre Heimat verlieren, ihr Hab und Gut – aufgrund von Wetterextremen. – Das kann Bangladesch genauso treffen wie die Eifel, wie man sieht!
Wenn man irgendwann nicht mehr atmen kann, weil die Luft wegen Waldbränden oder fehlenden Bäumen so dreckig und dünn wird, was machen die Verzicht-Verweigerer dann? Wenn es immer öfter Pandemien gibt, weil der Mensch auch noch in den entlegensten Teil der Welt vordringen muss, um dort Land, Bodenschätze und Holz der Erde zu entreißen. – Und neben wilden Tieren auch Erreger einzufangen…? Die Massentierhaltung für das tägliche Billig-Fleisch bietet ebenso ausreichend Möglichkeiten für neue Erreger.

Wo wollen die dann klagen, die jetzt schon jammern, weil man ihnen die 200 km/h auf der Autobahn wegnehmen will, oder das tägliche Stück Billig-Fleisch?

Herr Laschet meinte ja, ein einzelnes Ereignis könne nicht dazu führen, dass die Klimapolitik nun geändert würde.
Nein, es ist nicht ein Tag! Es sind die letzten 40 Jahre, in denen schon bekannt ist, dass der Mensch die Erde zugrunde richtet und eine Klimakatastrophe verursacht, deren Auswirkungen wir nun immer mehr bitter zu spüren bekommen.

Die Leute, die heute über einen vermeintlichen Verzicht klagen, den man ihnen auferlegt, werden noch lernen, was wirklicher Verzicht bedeutet, wenn ihnen irgendwann das Dach wegfliegt oder das Haus wegschwimmt. Oder sie sich nichts mehr zu essen leisten können, denn auch Deutschland ist vor Versorgungsengpässen nicht gefeit. Lebensmittel wachsen nicht in den Supermarktregalen, sondern auf den Feldern, die immer mehr unter Klimaextremen und Monokultur leiden.
Und es ist einfach unglaublich, dass man selbst kleinsten Veränderungen mit so viel Ablehnung entgegentritt. Wie engstirnig kann man sein? Während man Impfgegner und Querdenker zunehmend belächelt und ausgrenzt, dürfen die Klimawandel-Leugner noch immer reden, sie dürfen noch immer ihre Unwahrheiten verbreiten und selbst bis in höchste Ämter vordringen. Dabei sind sie nichts anderes als Querdenker, aber sie belächelt man nicht. Ihnen schenkt man teilweise sogar noch Glauben. Trotz der Ereignisse, die wir alle erleben.

Erschreckend, aber ich habe die Hoffnung, dass sich noch etwas wandelt. Und den Verzicht-Verweigerern klar wird, dass das tägliche Billigfleisch weder Menschenrecht noch förderlich fürs eigene Glück ist. Einschränkungen und Verzicht müssen nichts Negatives sein. Sie können auch den Wert einer Sache steigern, das Empfinden und Erleben intensivieren. Mir geht es immer so mit den Erdbeeren: Wenn die Saison vorüber ist esse ich Sommer, Herbst und Winter keine frischen Erdbeeren mehr. Erst wenn es in der Region oder in meinem Garten welche gibt, esse ich sie mit Genuss. Und es ist jedes Mal aufs Neue eine Geschmacksexplosion. Es ist ein Gewinn, eben nicht die Erdbeeren aus der Ferne zu kaufen, sondern auf die neue Saison zu warten. So kann es mit dem Fleisch sein wie mit allen anderen Dingen. Der Wert einer Sache oder eines Erlebnisses steigt mit seiner Seltenheit. Früher hat man schon gesagt: Vorfreude ist die schönste Freude. Heute sagt man uns: Leistet euch alles, immer und überall. Kurz: Seid gierig…
Und ihre Folgen kann man an immer mehr Orten der Welt beobachten, in erschreckenden Bildern.

Hier noch ein paar toll umgesetzte Videos, die mir zum Thema einfallen. Manche sind schon älter, aber haben leider von ihrer Aktualität nichts eingebüßt.

Natürlich darf da der „Earth-Song“ nicht fehlen, den ich vor einiger Zeit sehr stimmungsvoll umgesetzt instrumental in der Kirche in meinem Nachbarort mit Orgel und Saxophon gehört habe. Aber auch „Astronaut“ (komischerweise mit Altersbeschränkung) und „Gebet an diesen Planet“ sind Lieder, die die Welt jetzt braucht, um die Menschen zu erreichen und zum Nachdenken anzuregen. Jene die noch immer denken, sie könnten nicht mal mit einem Tempolimit leben, aber dafür ohne Natur.

5 Gedanken zu “Bloß nicht zu viel…

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