Bäume, Bäume, Zwischenräume

Heute war ich mal wieder im Garten. Durch den Zeckenbiss und die Borreliose-Behandlung musste ich über drei Wochen lang die Sonne meiden und daher kam der Garten etwas zu kurz. Vor einigen Tagen hatte ich bereits gesehen, dass das Unkraut extrem gewuchert war, und mein Gemüsebeet auch ein Stück weit davon befreit. Die Möhren und Rote Bete sahen nicht sehr glücklich aus. Überall Arbeit und Wildwuchs, vieles schien bereits verloren. Das frustrierte mich und mich verließ die Motivation. Aber heute wagte ich mal einen zweiten, und völlig anderen Blick auf die Sache…

Denn mir kam die Regel aus dem Mentaltraining in den Sinn, die eine Dozentin bei meiner Ausbildung zum Psychologischen Berater immer mit einem Spruch dargestellt hat: Bäume, Bäume – Zwischenräume

Ich weiß nicht mehr genau, wie sie ihn hergeleitet hatte. Jedenfalls zielte der Spruch darauf ab, dass man immer den Blick auf die guten Dinge richten sollte, und nicht auf die schlechten. Sonst kommt man einfach nicht weiter und versäumt das Glück. 🙂 Ja, dieses Denken hatte ich eine Zeit lang wirklich im Sinn, und habe es immer versucht anzuwenden. Doch die alten Muster stecken halt noch drin. Und wenn man dann plötzlich vor einem gefühlten Urwald aus Brennnesseln, Disteln und anderen riesigen Unkräutern steht, und vor lauter Unkraut das Kraut nicht mehr sieht, vergisst man das schnell.

Jedenfalls wagte ich ihn dann heute – diesen Blick auf die kleinen Erfolge. Und plötzlich waren die gar nicht mehr so klein. Je mehr ich hinsah, desto mehr Positives entdeckte ich: Einen riesigen Mangold, Paprikapflanzen mit schon recht großen Früchten, die blühende Eierfrucht, die ersten kleinen Bantam-Zuckermaiskolben, eine große Gurke und viele kleine, dicke Kohlrabi und Rote Bete, eine erntereife Zucchini, blühende Sonnenblumen, ein Blütenmeer am Andorn mit vielen Insekten, und viele blaue Blüten der Mariendistel.

Zwar werde ich nächste Woche ein wenig jäten, ein paar Pflück- und Romanasalate habe ich auch eingesät, in Voranzucht wegen der Schnecken-Armee. Aber ganz so katastrophal sieht der Garten gar nicht aus. Und noch etwas Gutes gibts zu berichten: Meine Araucana-Henne hat Muttergefühle und brütet seit einigen Tagen. Also gibts vielleicht bald neues Leben im wilden Garten. 😉

Hier ein paar Bilder…

 

Blühende Eierfrucht
Blühende Eierfrucht
Gelbe Zucchini
Gelbe Zucchini

Sonnenblumen

Mangold
Mangold

Zuckermais

Kleine Gurke mit Blüte
Kleine Gurke mit Blüte – und unten eine große

Salatgurke

Mariendistel
Mariendistel

Roter Mangold

Blauer Kohlrabi
Blauer Kohlrabi

Kleine Paprikaschote

Alte Dufrosensorte
Alte Dufrosensorte

Brütende Henne

10 Gedanken zu “Bäume, Bäume, Zwischenräume

  1. ich wusste gar nicht, dass du psychologischer berater bist. glückwunsch, falls das neu abgeschlossen ist! falls nicht, dann auch. 🙂
    den blick auf das positive, ja, das ist wichtig.
    dein garten sieht sehr schön aus. wie alles wächst und blüht. ich finde, gartenarbeit ist insgesamt sehr „erhebend“, bereichend, belebend. insofern hast du ja etwas sehr kraftspendendes bei dir.
    viel freude dort! hat dir sicher gefehlt, als du nicht durftest.
    liebe grüße und eine gute woche dir!

    Gefällt 2 Personen

    • Ja, die Ausbildung habe ich schon vor etwa zwei Jahren abgeschlossen, dann noch einen „Entspannungspädagogen“ dran gehängt. Theoretisch könnte ich mich hiermit selbstständig machen, aber dazu hänge ich zu sehr an meinem eigentlichen Job. Und er bietet auch mehr Sicherheit als eine Selbständigkeit. Speziell jetzt in der Corona-Krise wäre das wahrscheinlich schief gegangen. Jedenfalls habe ich dadurch einiges auch für mich mitgenommen, also für den Umgang mit mir selbst und auch mit dem Außen. Achtsamkeitstraining ist toll, das kann man auch speziell bei der Arbeit im Beet ganz gut umsetzen. Ja, ein Garten ist was richtig Schönes und Wichtiges. Und mir hat es wirklich gefehlt, dass ich nicht konnte wie ich wollte. Das heißt, jetzt hänge ich auch so ein bisschen rum. Am Donnerstag habe ich die zweite Impfung erhalten, seit gestern habe ich Erkältungssymptome. Aber gut, besser das als eine Corona-Infektion. Und ein arbeitgeberfreundlicher Schnupfen ist es auch noch… – Direkt am Wochenende 🙂
      LG und ein schönes Wochenende

      Gefällt 1 Person

  2. ☺️ was musste ich beim Lesen schmunzeln… Mein Mann und ich sehen in unserem Garten Unterschiedliches: ich – unerschöpfliche Quelle an Arbeit, mein Mann – unerschöpfliche Quelle an Dingen zum Bestaunen. So liest es sich in deinem Post auch! Wie schön, dass du aus eigenem Antrieb das Positive gefunden hast. Du hast aber auch wunderbare Pflanzen zum Angeben! Was für eine coole Auswahl. Die Eierfrucht muss ich doch gleich „googeln“, die Blüte gleicht einer Kartoffel- oder Auberginenblüte… Ein Nachtschattengewächs? Ist sie sehr anspruchsvoll?
    Ich drücke dir/euch die Daumen, dass bald mehrere kleine wuschelige Kugeln unter der Aufsicht der Mama-Henne durch deinen Garten huschen.
    Liebe Grüße
    Natalia

    Gefällt 1 Person

    • Ja, manchmal ist es für mich schwierig, das Positive zu sehen. Aber es gelingt mir immer öfter das zu hinterfragen und einen anderen Blickwinkel zu wagen.
      Genau, die Eierfrucht ist eine Aubergine. Vor zwei Jahren hatte ich mal eine „echte“ Aubergine im Garten, sie hatte richtig dicke Früchte. Das Problem war nur, dass ich nicht so recht erkennen konnte, ob sie reif waren. Ich habe sie geerntet und zum Kochen aufgeschnitten. Und dann habe ich gesehen, dass sie innen noch einen grünen Rand hatte. Und der ist giftig, weil sie ein Nachtschattengewächs ist, also wie bei den Tomaten. Dieses mal werde ich ein bisschen länger warten bis ich sie ernte. Wahrscheinlich sind sie dann faul. 😉 Das zum Thema positives Denken… Also Auberginen brauchen es vor allem warm, und speziell am Anfang ist es wichtig sie vor Schnecken zu schützen. Wasser brauchen sie auch genügend, und Kompost. Dann läufts, zumindest wenn man erkennt, wann man sie ernten muss… Das hab ich noch nicht so richtig drauf. 😉 Danke fürs Daumendrücken, bisher sind die kleinen noch nicht geschlüpft, aber die Henne sitzt hartnäckig drauf und hat sogar noch ein weiteres Ei dazu gelegt.
      LG Torsten

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