Nachwuchs bei den Zwergen :-)

Da war es also, dieses kleine Wesen. Sein Herz konnte ich ganz schnell schlagen sehen, und es hatte die Augen noch nicht wirklich offen. Mit 2-3 Lebenswochen und etwa 1,8 Gramm war es noch relativ nackt und daher auch sehr empfindlich. Ich musste es also warmhalten. Doch eins nach dem anderen…

Am Wochenende wurde es flattrig. Eine Zwergfledermaus hatte ihre Wochenstube verlassen, da es dort evtl. zu warm geworden ist. Dann landete sie mit ihrem Nachwuchs im Garten und dann im Wohnzimmer eines Anwohners.
Wir kennen uns und er kam zu mir mit der kleinen Familie. Denn er wusste, dass ich Fledermaus-Kundschafter des NABU bin.

Ein bisschen baff war ich schon, als ich nun zum ersten mal in meinem Leben wirklich eine Fledermaus so nah vor mir sah. Zunächst war ja sogar die Mutter noch mit dabei.
Ich dachte sofort an den NABU, doch sonntags ist es ja immer schwierig, jemanden zu erreichen. Zum Glück gibt es das NABU-Fledermaustelefon. Man findet es hier zusammen mit weiteren interessanten Infos rund um die flatternden Wesen. Von dort erhielt ich einige Infos, zusammen mit einer Telefonnummer zu einem Spezialisten. Der gab mir weitere Tipps und so versuchten wir dann, dass die Kleinen mitsamt Mutter wieder aufbrechen konnten.

Leider machte sich dann aber in der Nacht die Mutter aus dem Staub und ließ die beiden zurück.
Zum Glück kam uns ein weiterer NABU-Kollege zur Hilfe, der auf dem Gebiet sehr viel erfahrung hat. Dann gingen wir abends in den Garten, wo die Fledermäuse zuvor in Not geraten waren und bauten einen Sockenturm.

Ich wusste zuerst natürlich nicht, was das sein sollte, aber es ist eine richtig tolle Lösung

  • damit die Jungtiere nicht auskühlen (mit warmem Wasser gefüllte Flasche, überzogen mit einem Socken)
  • damit die Fledermaus-Mutter gut anfliegen kann

Hier gibts ein Bild, wie das aussehen kann.

Wir setzten also nach dem Aufbau die beiden Kleinen auf den Socken und es war verblüffend, wie schnell die erwachsenen Fledermäuse ihre winzigen Artgenossen detektiert und erkannt hatten, driekt auftauchten und um den Turm herum flatterten. Immer wieder versuchten sie, den Sockenturm anzufliegen. Doch es gelang zunächst nicht.

Junge Fledermaus

In der Nacht regnete es leider und wurde sehr kühl. Und am Morgen hatte die Zeit offenbar nur für einen der beiden Fledermaus-Jungs gereicht. Der hatte sich bei der Mutter am Bauchfell festgebissen und sie hatte ihn davongetragen. Der andere saß noch da, nass und frierend.
Nun musste es schnell gehen, damit er nicht auskühlte: Wärmen und füttern.
So übernahm ich dann die „Notversorgung“ dieses winzig kleinen Tieres, das da über meine Hand tollpatschig kletterte. Und ich fütterte es mit spezieller Nahrung, versorgte es mit Wasser und Wärme.

Fledermaus auf der Hand

Der Spezialist vom NABU kam gegen Abend schließlich vorbei und nahm das kleine Wesen mit in seine Obhut. Ich hoffe sehr, dass es auch bald durch die Lüfte flattern kann und diesen etwas holprigen Lebensstart gut übersteht. Hier gibts noch ein Video des Kleinen:

Diese spannende Erfahrung hat mir gezeigt, wie wichtig und richtig es ist, sich für diese wunderbaren und faszinierenden Geschöpfe einzusetzen.

  • Ausreichend Quartiere schaffen und erhalten – an Gebäuden, Brücken, Bäumen, in Stollen und Kellern
  • Heckenstrukturen erhalten und neue schaffen
  • Alte Bäume mit Höhlen, Spalten und Totholz erhalten
  • Insekten schützen – speziell auch nachtaktive Insekten fördern durch das Anpflanzen von Nachtkerzen, Nachtviolen, Seifenkraut, Liguster und mehr

Weitere Tipps gibts auch beim NABU unter folgendem Link.

11 Gedanken zu “Nachwuchs bei den Zwergen :-)

    • Ja, spannend. Und das Beste ist, dass fast alle überlebt haben. Ein Jungtier nahm leider keine Milch an und hat es nicht geschafft. Zwei sind wieder bei ihrer Mutter und ein weiteres befindet sich in einer festen Pflegestelle.

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    • Es war auch ein ganz seltsames Gefühl, diese kleinen Tiere auf der Hand zu halten. Sie waren so leicht, das glaubt man kaum. Und auch noch so klein. Aber teilweise schon verblüffend stark. LG Torsten

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    • Also die erste wurde tatsächlich von der Mutter abgeholt, direkt vom „Sockenturm“. Die zweite blieb leider zurück, die befindet sich nun in Pflege bei einer NABU-Kollegin, und ihr geht es wohl gut. Dann gab es noch eine dritte in einem anderen Garten, die ich mit spezieller Milch gefüttert und dann wieder über den Sockenturm der Mutter zurückgegeben habe. Und dann war noch eine vierte. Sie war von Anfang an relativ schwach, wollte auch keine Milch annehmen. Ich hatte alles probiert, den Bauch massiert und immer wieder Milch angeboten. Aber die Kleine hat es leider nicht geschafft. 😦 Und bisher ist auch kein weiterer „Bruchpilot“ aufgetaucht. Ich hoffe es bleibt so… 🙂

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