Knödel to go?

Heute war der Tag der komischen Vögel. Aber auch der Naturkunst und der alten Bäume. Ich war unterwegs zum wunderschönen Fischweiher unserer Gemeinde, wo es immer was zu entdecken gibt. Aber auch drumherum gab es einiges zu sehen.

Es war noch immer verblüffend kalt hier in Rheinhessen, auch wenn die 0-Grad-Marke heute leider überschritten wurde. Die ohnehin dünne Schneedecke schmilzt weg. Man sieht schon erste Frühlingsboten, die Schneeglöckchen blühen, die Weidenkätzchen sind schon ganz schön weit ausgetrieben. Die Vögel singen, die Meisen suchen bereits nach passenden Nistgelegenheiten. Und die Spechte hämmern, um klar zu machen, wessen Revier das ist.

Doch noch ist der Winter präsent. Schon lange habe ich nicht mehr eine solche Eisdecke auf dem Fischweiher gesehen. Zusammnen mit der dünnen Schneeschicht und dem Spiel zwischen Licht und Schatten ergaben sich heute tolle Muster.

Schneeeiskunst

Schnee, Licht und Schatten - und dazwischen eine kleine Insel
Schnee, Licht und Schatten – und dazwischen eine kleine Insel

Der erste komische Vogel saß dann schon an der Futterstelle, die man hier eingerichtet hatte. Mir war gar nicht bewusst, dass eine Meise ihren Kopf so stark drehen kann. Sie war jedenfalls ganz aufgeregt, dass sie an ihrem leckeren Buffet gestört wurde von so einem Zweibeiner mit Kamera. Also ließ ich sie nach ein paar Schnappschüssen mit ihren Leckereien und einigen anderen gefiederten Kollegen alleine. Das Thema „Meisenknödel“ sollte mich allerdings noch verfolgen.

Blaumeise

Diesen Fischweiher habe ich schon als Kind mit meinem Opa zusammen besucht. Und schon damals hatte man dort nicht nur Wert aufs Angeln gelegt, sondern auf den Artenschutz. Heute findet man dort einige Insketenhotels, ganz viele Nistkästen, einen Amphibienteich und einige Informationen zum Naturschutz. Eine tolle Einrichtung, wie ich finde. Und der Verein beteiligt sich auch am RhineCleanUp, sowie an der neuen Müllsammel-Aktion in diesem Jahr.

Hinter dem Weiher befindet sich das „Lörzweiler Wäldchen“, ein Gebiet, das durchaus noch Entwicklungspotential in eine nachhaltige Richtung hätte. Angepflanzt wurde es Mitte des letzten Jahrhunderts, um die Bevölkerung mit Brennholz zu versorgen. Heute könnte hieraus etwas ganz tolles entstehen und man könnte es auch erweitern. Könnte – angeblich liegen bereits seit Jahren Pläne hierzu in der Schublade, getan wird jedoch wenig. Dafür wird man nicht müde zu beklagen, dass man in der Gemeinde ja gar keine Flächen für ein Wäldchen hätte… Am Lörzweiler Wäldchen hat Bodenheim einen Anteil und insgesamt ist es Teil der Verbandsgemeinde Bodenheim. Daher könnte man hier durchaus etwas umsetzen, wenn man denn wollte.

Weiter ging mein Spaziergang durch die Weinberge und dabei flog mir zunächst dieser Vogel vor die Linse. Ein Flugzeug in großer Höhe, die Sonne in der richtigen Position… Und schon entsteht neben dem Kondenzstreifen hinter dem Flugzeug auch noch ein Schatten in Flugrichtung.

Schattenspiel am Himmel

Inmitten der einheitlichen Weinberge stieß ich ganz in der Nähe des Fischweihers auf eine Brachfläche, auf der noch Disteln und die Wilde Karde stand. Daneben wuchsen Hecken und plötzlich war da dieser alte knorrige Baum.

Birnbaum
Kennt ihr auch dieses Gefühl, einen solchen Baumstamm anfassen zu müssen? Einfach um zu sehen, wie sich das anfühlt? Ich finde solche Bäume mit Geschichte einfach herrlich. Auf der Erde lagen faulende Birnen und so konnte ich mir auch sicher sein, dass hier ein uralter Birnbaum vor mir stand. Was er wohl schon erlebt hat? Und wie lange man ihn hier wohl noch in Ruhe lassen würde? Kurzerhand entfernte ich mir vier dünne Zweige und entschloss mich, diese mit nach Hause zu nehmen. Ich will versuchen, diese auf einen anderen Baum zu okulieren. Im Nachhinein ist mir jetzt aufgefallen, dass der Zeitpunkt wohl nicht gut gewählt war. Eigentlich sollte man das erst ab Mai machen. Ich werde es aber einfach mal ausprobieren. Vielleicht hab ich Glück und es funktioniert trotzdem. Wer weiß, welche alte Birnensorte ich mir hier in den Garten holen könnte…

Birnbaumast

 

Ich ging weiter und dann flog plötzlich ein Specht vorbei. Schnell zückte ich die Kamera, machte ein paar Bilder und dachte, vielleicht sind sie ja ganz gut geworden. So einen Buntspecht im Flug hatte ich bisher noch nicht so oft fotografiert.
Dann ging ich weiter und fotografierte kurzerhand noch eine Rabenkrähe, die an einem – wieder mal radikal gerodeten Graben – saß. Und schließlich machte ich noch ein Foto vom Feldberg im Taunus. Die Sicht war heute sehr gut.

Feldberg im Taunus

Dann ging ich heim und sah meine Bilder durch. Und dann wurde es mysteriös. Was war das?

Buntspecht Knödel to go

Dieser Buntspecht htte etwas ganz Seltsames im Schnabel. Was war das? Eine Nuss konnte das nicht sein. Es wirkte eher wie ein Ei. Doch wo sollte er das her haben? Er würde sicher auch keine Schneeballschlacht mit den benachbarten Eichelhäher anzetteln wollen. Also, was war hier los?

Specht Knödel to go 2

Auch auf dem zweiten Foto erkennt man nicht wirklich, was er da erbeutet hat.

Während ich dann weiter meine Bilder durchsah und noch immer die Frage im Hinterkopf hatte, was dieser Vogel da wohl mit sich rum trug, sah ich plötzlich das:

Rabe Knödel to go

Ja zum Kuckuck nochmal… Was hatte diese Rabenkrähe da im Schnabel? Was war hier los? Ja war denn heut schon Ostern? Überall Eier? Ich war ein bisschen ratlos und als ich die Bilder einer Freundin schickte, brachte sie mich auf eine Idee. Vielleicht waren es ja Meisenknödel, die die Vögel hier herum schleppten. Irgendwo hatte man sie ausgelegt und anstatt vor Ort ewig zu picken, nahmen die größeren Vögel sie scheinbar mit auf die Reise. Zumindest einen Teil davon.
Etwas anderes kann ich mir nun auch nicht vorstellen. Zumindest scheint das das Zeugs zu schmecken, sonst wäre die Nachfrage ja nicht so groß. – Nach einem Knödel to go… Oder besser: to fly 🙂

3 Gedanken zu “Knödel to go?

  1. Dass ein Buntspecht einen ganzen Meisenknödel wegschaffen kann, hätte ich nicht gedacht.
    Tolle Aufnahmen sind dir von den Knödelmopsern gelungen.
    Zu deinem Birnbaum-Projekt wünsche ich dir viel Glück und Erfolg.
    Alte Obstbäume haben eine andere Anziehungskraft als andere Baummethusalems, aber der Impuls, ihnen die Hand an die Rinde legen zu wollen (und mit ihnen zu reden), ist mir auch vertraut. 🙂

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