Die Welt steht Kopf

Heute habe ich mal wieder beim Rhein vorbeigeschaut. Da bereits sehr viele „Hochwasser-Touristen“ einen Anlaufpunkt vollgeparkt hatten und ich mich nicht noch dazu gesellen wollte, habe ich mich woanders umgeschaut. Auch dort wurde ich fündig, und bekam nicht mal nasse Füße.

Das Rheinwasser, so viel kann man definitiv sagen, steht ganz schön hoch und manchem schon im Keller. Felder und Wiesen sind überflutet, auch die Rheininseln Kisselwörth und Sändchen.

Insel Kisselwörth - Land unter
Insel Kisselwörth – Land unter

 

Reißende Fluten im Seitenarm
Reißende Fluten im Seitenarm

Aber dann, nur wenige hundert Meter vom Rhein entfernt, sitzt manches Gewässer noch immer auf dem Trockenen.

Trocken im Hochwasser
Angelweiher mit niedrigem Wasserstand

Auch die anderen Seen in der Nähe, die mitten im Naturschutzgebiet liegen, haben noch immer einen erschreckend niedrigen Wasserstand. Zu ihnen konnte ich nicht gehen, denn das Erdreich ist in den oberen Schichten derart aufgeweicht. Laut Experten sind jedoch die Erdschichten ab 2 Meter noch immer relativ trocken. Das ist ein Desaster und ich hoffe, dass es dieses Jahr nicht wieder zur einer Dürre kommen wird.

Rhein Richtung Nierstein
Anderswo sickert das Wasser auch bereits durch das Erdreich unter er B9. Vielleicht dauert es nicht mehr lange und erste Straßen müssen hier gesperrt werden.

Der Klimawandel ist tückisch. Morgen gibt es hier wohl sogar wieder Schnee. Und das Verblüffende: Der Frost wird einige Tage anhalten. In solchen Situationen höre ich dann von manchem Zeitgenossen wieder die Frage, wo denn nun der Klimawandel bleibe. Die Erderwärmung und das alles. – Was entgegne ich ihm dann? Früher war der Rhein sogar mal zugefroren, damals gab es regelmäßig Tiefsttemperaturen von -20°C und ganz viel Schnee. Heute gibt es das ganz selten, am Nordpol schmilzt den Bären das Eis unter den Füßen, der Permafrost in Sibieren taut auf, in den Regenwäldern fehlt der Regen und in Australien fackelt regelmäßig immer mehr Wald ab. Genauso wie bei uns.
Aber dann weiß der Zeitgenosse zu berichten, dass es doch die ganze Zeit schon regne, wie viel es denn noch sein sollte… Und dass es in Spanien ja sogar geschneit hätte, was das mit der Klimaerwärmung zu tun hätte.

Zuletzt hatte ich eine rege Diskussion mit einem Zeitungsleser, der einen meiner Leserbriefe nicht so toll fand und mir vorwarf, ich würde zusammen mit „meinen Freunden“ irgendwelche Unwahrheiten über einen nicht existierenden Klimawandel verbreiten. Dann sandte er mir einige dubiose Auszüge aus Studien, die auch gar nicht zum Thema passten bzw. aus dem Zusammenhang gerissen waren. Und meinte, früher hätte es auch Klimawandel gegeben. – Ohne Zutun des Menschen.
Da weiß man zunächst nicht so recht, was man noch sagen soll und bleibt sprachlos zurück.

Drache Blog

Irgendwann komme ich in solchen Fällen jedoch zu dem Punkt, dass ich sage: Manchmal genügt es den Blickwinkel zu ändern und einfach mal anzuschauen, was auf den Klimawandel hinweist. Und nicht alles zu sammeln, was auf den ersten Blick gegen ihn spricht. Denn wenn man etwas nicht sehen will, wird man es auch nicht erkennen, weil man immer Gegenargumente sucht.

Ich glaube, so ein Perspektivwechsel wäre grundsätzlich überhaupt sehr postiv für diese Welt. Die Welt mit anderen Augen sehen, zu erkennen dass wir Teil von ihr sind, und nur mit ihr sein können. Es gibt keine zweite Erde.
Und wenn die Menschheit diesen Perspektivwechsel wagen würde, dann könnte sie auch sehen dass darin ganz neue Chancen stecken. Auch neue Hoffnungen bringt ein solcher Perspektivwechsel hervor.

Die Welt steht ohnehin momentan Kopf. Warum also nicht auch die Perspektive meines Beitragsbilds ändern und es auf den Kopf drehen, dachte ich mir…
Und schon wirkten die Bäume grün im Licht der Hochwasser-Krise. Grün wie die Hoffnung.

Nixe Blog
Und so grün wie diese Nixe aus Moos, die mir auf dem Rückweg noch über den Weg geschwommen ist… 😉

 

6 Gedanken zu “Die Welt steht Kopf

    • Es dauert sehr lange, bis größere Teiche wieder aufgefüllt werden durch Regenwasser. Bei mir der Teich hatte leider scheinbar mit dem Nachfüllen (kalkhaltiges Wasser) und der Hitze im Sommer zu kämpfen. Denn er wurde im Herbst relativ trüb. Ich habe dann Zeolith ins Wasser gegeben, das überschüssige Nährstoffe binden soll. Die Bepflanzung mit Rohrkolben und anderen Sumpfpflanzen ist ja noch nicht so stark gewachsen. Dann regnete es zum Glück viel, der Teich ist jetzt randvoll. Und das Wasser ist nicht mehr milchig, sondern eher bräunlich in unteren Schichten. Die oberen Schichten sind wieder klar. Ich hoffe, im nächsten Jahr wird er sich nach einer Algenblüte wieder erholt haben. Die Pflanzen und auch Wasserinsekten scheinen mit der Trübung kein großes Problem gehabt zu haben. Denn Ruderwanzen, Wasserkäfer und Wasserläufer waren im Herbst noch aktiv.

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  1. Oh, solche Diskussionen mit Klimawandelleugner*innen kenn ich nur zu gut! Das schwierige ist, sich nicht auf diese Scheinargumente einzulassen. Denn wie du sagst: Wenn man etwas nicht sehen will, dann sieht man es auch nicht.
    Jaja, ich kenne sie alle, diese Sprüche und Scheinargumente, die du hier aufzählst! Das Ding ist: Für unser heutiges Leben und Überleben spielen frühere Klimaveränderungen gar keine Rolle. Es betrifft uns einfach jetzt, und zwar mehr als 7 Milliarden Menschen.
    Abgesehen davon, dass Homo sapiens (inkl. seiner Homo-Vorfahren) noch nie eine so hohe CO2-Konzentration erlebt hat, gab es auch noch nie so viele Menschen. Wenn sich früher etwas verändert hat, dann sind die kleinen Menschengruppen einfach weitergezogen.
    Aber wo ziehen denn jetzt 3 Milliarden Menschen hin, wenn ihr Land unter geht oder ihre Heimat unbewohnbar wird?
    Ja, die Zusammenhänge sind komplex, die Auswirkungen auch. Eine einfache schwarz-weiß-Sicht hilft hier halt einfach nicht weiter. Egal, wie sehr sich manche*r dagegen wehrt, es betrifft uns alle.

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    • Ja, stimmt. Aus diesem Blickwinkel habe ich es noch gar nicht gesehen. Die vielen Menschen z.B. in den Küstenregionen können nicht einfach mal wegziehen an einen anderen Ort. Dazu fehlen anderswo dann auch die Lebensgrundlagen. Das Argument muss ich mir mal merken.
      Ja, und dann gibt es ja auch nicht mehr die Puffer, die eigentlich die Natur bereithält. Die haben wir schon zerstört oder sind gerade dabei sie auszubeuten.
      Heute bin ich bei einem Spaziergang indirekt auf einen Leserbrief angesprochen worden, den ich wegen einem geplanten Parkplatz geschrieben hatte. Sie wollen nämlich bei uns in der Gemeinde mitten im Ort einen großen Grünstreifen umfunktionieren zu einem Parkplatz, also alles weg holzen, versiegeln und so Platz schaffen. Dass dieser Grünstreifen gerade in Zeiten von Klimawandel und Hitzewellen lebenswichtig werden könnte, sehen sie nicht. Vielmehr sieht man nur das Parken, und dass man sein Auto ja braucht. Das sei schon mal dahingestellt, aber wenigstens könnten sie doch nachhaltig planen. Ein kleines Parkhaus würde mehr Platz für Autos bieten, somit weniger Fläche verbrauchen. Oder eben den Bereich, in dem sie den großen Parkplatz einrichten, wenigstens naturnah gestalten, Bäume pflanzen, Sträucher und grüne Wände schaffen. Aber das wird dann wieder als zu teuer angesehen… Wie teuer uns allerdings dann die zu erwartenden Hitzesommer zu stehen kommen, wie viele Menschen unter der Hitze leiden und vielleicht auch sterben, das rechnet man nicht ein…

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      • Genau so ist es! Die Natur hat keinen Puffer mehr.
        Oh mann, diese Art der Parkplatzdiskussion kenn ich auch. Ökozid nennt man das mittlerweile. In der Klimabewegung gibt es die Forderung, Ökozid strafbar zu machen. Mir geht das sowas von auf die Nerven, dass man immer nur Grünflächen platt macht! Ist hier in Nürnberg grad genau das gleich. „Aber wir brauchen Wohnraum, wir brauchen dies, wir brauchen jenes!“ Ja, vielleicht alles richtig, aber warum immer nur auf Kosten der Grün- und Naturflächen? Immer auf Kosten von Bäumen? Warum macht man nicht mal ein altes, unbenutzes Industriegelände dafür platt? Oder statt gigantische Autobahnkreuze zu bauen, vielleicht baut man auf diesen Flächen was anderes hin?
        Hier in Nürnberg sollen für ein ICE-Werk (das man natürlich braucht, um die ICEs zu warten) allen ernstes 42 ha Wald gerodet werden… 42 ha – das kann niemals mehr ausgeglichen werden! Wo denn? Wo soll man 42 ha Wald nachpflanzen? Abgesehen davon, dass Neupflanzungen erst in 60 Jahren und später wirken.
        Es ist der totale Witz, dass es dann heißt: „Ja, wollt ihr jetzt Verkehrswende oder nicht?“
        Verkehrswende heisst: Den Platz, den man aktuell dafür hat, neu aufteilen und schrumpfen!
        Satt immer alles gegen die Natur auszuspielen. Keine Ahnung, wie sich diese Menschen vorstellen, dass das weitergehen soll… Ich glaube, da fehlt es nicht nur an Einsicht, sondern auch echt an Fantasie.
        Find ich total gut, dass du dich wegen dem Parkplatz zu Wort gemeldet hast! Man muß das. Unbedingt! Immer und immer wieder. Man darf sowas nicht mehr kommentarlos lassen. Dafür ist die Lage viel zu ernst!

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      • Ja, solche Entwicklungen sind haarsträubend. Da wird die Verkehrswende gegen Artenschutz oder Waldschutz ausgespielt. Bei uns fand am Wochenende eine Aktion statt, die meinen Blutdruck in die Höhe gejagt hat. Die Verbandsgemeindeverwaltung (konkret involviert die Umweltbeauftragte!) hat den Großteil einer Heckenstruktur durchlöchern lassen, damit man mit einem Bagger den Graben säubern kann. Ich konnte das am Samstag ausbremsen und es wurde ein Teil der Hecken stehen lassen. Ich begründete es damit, dass diese Struktur dem Fledermausschutz dient. Ich bin doch NABU-Fledermauskundschafter und konnte dort mit dem Echometer festhalten, dass Fledermäuse diesen Streifen, der aus dem Ort heraus zu einem Regenrückhaltebecken führt, als Jagdrevier und Orientierung nutzen. Das teilte ich mich, auch der Unteren Naturschutzbehörde. Resultat: Man kam wieder mit dem Totschlagargument – der Funktion des Grabens, die angeblich gefährdet war (also Wasserabfluss). Und jetzt halt dich fest was sie an dem Graben gemacht haben: Sie haben die Böschung BEIDSEITIG mit einem Phasenmäher bodengleich gemulcht, obwohl der Bagger nur von einer Seite beifahren kann. Sie haben es so tief abgemäht, dass das pure Erdreich raus schaut. Beim nächsten Regen landet also das Erdreich zusammen mit dem Mulch wieder im Graben und man hat seine eigene Argumentation grundsätzlich widerlegt. Außerdem haben sie auch Heckenpflanzen weitab von der Böschung entfernt. Die vom Gartenbaubetrieb, mit der wir diskutiert haben, meinte sie hätte die deswegen entfernt, damit wir besser mit dem Auto durchfahren könnten. (Ein sehr wenig befahrener Grasweg!) Außerdem meinte sie, es würde ja doch wieder nachwachsen. Ich hab sie dann mal gefragt, wie lange sie wohl glaub dass es dauert, bis diese Gehölze wieder Früchte und Blüten tragen. Darauf meinte sie, dann sollten die Tiere doch woanders hingehen. Meine Güte – Betonköpfe. Gut, sie hatte ja nur den Auftrag befolgt, also Schuld hat die Verbandsgemeindeverwaltung und ausgerechnet auch noch mit Segen der Umweltbeauftragten. Sie ist wohl auch der Meinung, dass Fledermäuse dort gar nicht jagen würden. Die würden nur über Wasser jagen… – Genau, deswegen kennt auch jedes Kind Fledermäuse, die um die Straßenlaternen fliegen und Falter fangen. Katastrophe hier – wirklich! Und das Resultat ist, dass die Arbeiten heute weitergingen. Aber ich habe alles schön dokumentiert und das wird weitere Folgen haben. Das kann hier so nicht weitergehen. Und jetzt brauch ich erst mal nen Baldrian-Tee… 😉

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