Jahresrück … Glück

So, heute wird’s Zeit, sich von einem schwierigen Jahr zu verabschieden. Und einen kleinen Rückblick zu wagen. Das Corona-Virus hat sehr viel Schrecken und Leid verbreitet – ganz ohne Frage. Ich möchte das hier keinesfalls relativieren. Dennoch fällt mein Rückblick positiv aus. Erst mal aus meiner Sicht, und dann auch mit Blick auf die Welt.

Wie kann man denn da ein positives Fazit ziehen, fragt sich vielleicht mancher.
Ich habe mir fürs neue Jahr vorgenommen, zwar das Negative nicht aus den Augen zu verlieren, aber noch mehr auf das Gute zu schauen. Dazu gehört auch ein positiver Jahresrückblick.

Für mich selbst hatte die Corona-Krise eine wirklich positive Auswirkung.
Ich hatte oft schlimme Migräne-Attacken und war daher öfters krank. Das kam bei meinem Arbeitgeber natürlich nicht gut an und ich musste schon um meinen Büro-Job fürchten. Dann kam Corona, die Firma stellte um aufs Homeoffice und meine Attacken reduzierten sich extrem. Die eine Stunde Fahrt, die dadurch wegfiel, machte sich deutlich bemerkbar. Weniger Stress, weniger Anstrengung, mehr Freizeit, … Ich wurde leistungsfähiger, flexibler, motivierter und entspannter.

Natürlich gab es noch weitere Vorteile:

  • Keine Benzinkosten
  • Keine Abnutzung am Auto
  • Die eigenen Nerven geschont
  • Die Nerven der anderen geschont… 😉

Mein ökologischer Fußabdruck wurde dadurch natürlich auch verbessert. Ich fuhr 10.000 km weniger im Jahr.

Und einen Teil der gewonnenen Zeit konnte ich in Projekte unserer Naturschutzgruppe stecken, oder in andere mir wichtige Aktionen.

Aber durch diese Krise veränderten sich auch andere Bereiche. So wurden z.B. Kurse, die ansonsten irgendwo an einem fernen Ort angeboten wurden, plötzlich erreichbar. Virtuelles Lernen, ohne stressige und umweltschädliche Anfahrt, mit hoher Flexibilität. So wurde ich zum Fledermaus-Kundschafter, ohne ins Auto steigen und weite Strecken zurücklegen zu müssen.
Durch die neuen Möglichkeiten in Kontakt zu treten, rückte die Welt enger zusammen. Ich konnte neue Leute kennenlernen, die ich ansonsten wahrscheinlich nie getroffen hätte.

Natürlich nervt mich die Isolation. Nur selten andere Menschen vor Ort treffen, nicht mehr ins Cafe oder ins Restaurant gehen, Freunde lange Zeit nicht sehen. Das ist schon schwierig.
Aber diese zwangsläufige Ruhe hat mir auch geholfen, reflektierter zu werden.

Ein klares Spiegelbild sieht man nicht im fließenden Wasser, sondern im ruhigen.

Ich konnte mich mehr mit mir selbst und dem Leben beschäftigen. Während man im Alltag ansonsten meistens zwischen beruflichen Terminen, privaten Treffen, Werbung und Information das Wichtigste aus den Augen verlieren kann: Nämlich sich selbst und sein Wohlergehen.
So habe ich manche Marotte bei mir entdeckt, die mir nicht guttat, manche Eigenschaft konnte ich entschärfen.

Was ich aber auch toll fand: Durch die reduzierten direkten Kontakte wurden die virtuellen umso wertvoller. Und man rückte dadurch oft auch enger zusammen. Das wurde mir gerade in meinem Bürojob bewusst.

Die Masken, die man tragen muss, schützen einem nicht nur vor Corona. Sie schützen auch vor Erkältungen und Grippe. Und durchs verstärkte Händewaschen fängt man sich auch seltener Magen-Darm-Infektionen ein. So hatte ich bisher noch keine Erkältung in diesem Herbst und Winter. Wenn die Nase mal kribbelte oder der Hals kratzte gab es:

  • Einen Esslöffel Kapuzinerkresse-Essig in einem Glas Mineralwasser
  • Eine Tasse Ingwer-Tee
  • Und ein paar Sprühstöße Meersalz-Nasenspray

Durch die Einschränkungen bei der Reisefreiheit habe ich auch noch vermehrt die Region erkundet und den Blick auf die Nähe und aufs Kleine geschärft. – Anstatt in die Ferne zu schweifen.
Ich habe eine Ökokiste mit regionalem Obst und Gemüse abonniert, anstatt im Supermarkt einfach „nur“ bio zu kaufen.

Auswirkungen auf die Natur

  • Es gab deutlich weniger Flüge
  • Weniger lange Urlaubsfahrten und Tourismus mit seinen oft negativen Folgen – dafür aber leider deutlich mehr Warenverkehr…
  • Ein anderer Blick auf die Natur und die schönen Ecken auch vor der Haustür – aber auch mehr Schutz?!
  • Keine Silvesterböller in diesem Jahr (hoffe ich doch!)
    • Kein Stress für Wildtiere, keine tödlichen Unfälle bei der Flucht vor Lärm und Licht in der Nacht.
    • Kein Böller-Dreck in der Natur – aber leider übers ganze Jahr sehr viele Einweg- und To-Go-Verpackungen
    • Kein Feinstaub in der Luft
  • Geschenke an Weihnachten spielten nicht mehr so eine große Rolle. Einfach, weil man sie nicht kaufen konnte. Und war das wirklich so schlimm? Hat uns wirklich etwas Wichtiges gefehlt? Oder haben wir uns aufs Wesentliche konzentrieren können?
  • Das Virus wirft auch ein Licht auf viele Probleme:
    • Massentierhaltung
    • Lebensraumzerstörung
    • Klimawandel
    • Artensterben
    • Regenwaldabholzung
    • Wildtierhandel

Und die Menschheit

  • Europa rückt enger zusammen, Staaten unterstützen sich gegenseitig
  • Trump wird wohl auch aufgrund seiner irren Corona-Politik abgewählt
  • Die AfD verliert deutlich an Zustimmung und kann mit ihrem einen Thema nicht mehr punkten – und von anderen hat sie keine Ahnung.
  • Die Weltgemeinschaft denkt auch an die Staaten, die sich den Corona-Impfstoff nicht leisten können. Und versorgt sie damit.
  • Auch im Kleinen helfen die Menschen einander. Es gibt viel Solidarität für Alte, Schwache, Erkrankte, …
  • Es gibt kleine Hoffnungsschimmer, wie z.B. bei uns in der Gemeinde die Aktion der „Bodensteine“, die einfach nur darauf abzielt, dass sich ein fremder Passant über einen schön bemalten, gefundenen Stein freut.
  • Menschen im Lockdown singen zusammen, es gibt den größten Virtuellen Chor Deutschlands.
  • Die Menschen werden kreativ und denken nach.

All das ist positiv, finde ich. Und man sollte das nicht aus den Augen verlieren, wenn man die ganzen Horror-Meldungen hört.

Außerdem kann 2020 zum Jahr der Erkenntnisse werden. Kann, denn was wir aus all den Erfahrungen und Themen machen ist eine andere Frage. Und zwar die für 2021.

Es gibt im Mentaltraining eine gute Übung, die ich mir auch fürs nächste Jahr vornehme. Und sie sorgt automatisch für ein besseres Jahr.

Dazu schreibt man jede Woche auf einen kleinen Zettel etwas, das besonders positiv war.
Diesen faltet man dann zusammen und wirft ihn in ein Glas. Am Ende des Jahres, also an Silvester, nimmt man sich die 52 Zettel vor, liest sie durch. Und dann sieht man, wie positiv das Jahr eigentlich war.
(Man kann die Zettel auch täglich schreiben, braucht dann aber ein größeres Glas und mehr Zeit an Silvester.)

Diese Übung verhindert zwar keine unglücklichen Momente, aber sie hält das Glück fest. Und mit ihm wächst ein Stück Dankbarkeit.

Dankbarkeit für alles was man hat – anstatt Gram für alles, was mich nicht hat. – Ich glaube das ist Glück

In diesem Sinne wünsche ich euch einen guten Rutsch in ein glückerfülltes, gesundes und mit positiven Momenten übersätes Jahr 2021

Und für alle die das bunte Spektakel am Himmel vermissen, hier ein ganz besonderes, das sich immer ereignet… Ganz von selbst, ohne Gestank oder Lärm…  🙂

 

6 Gedanken zu “Jahresrück … Glück

  1. danke für deinen rückblick. ich schreibe meinen bislang noch in gedanken, irgendwie will es noch nicht so richtig.
    deine genannte übung mit den zetteln finde ich toll. das probiere ich auch mal. in anderer form mache ich das schon, aber so auf zetteln, die man dann im rückblick liest, finde ich, ist noch mal etwas anders. wegen der menge dann auch, und dem, was man vielleicht schon vergessen hatte. was die gärtnersache angeht, weil wir ja kürzlich darüber „sprachen“ hier bei dir unter einem deiner postings: ich habe vorgestern damit angefangen. mal sehen, was draus wird, aber es macht jetzt schon viel spaß.
    ich wünsche dir einen angenehmen jahreswechsel und eine erholsame nacht.
    liebe grüße aus berlin, bis ins nächste jahr. 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Ich wünsche Dir ein frohes neues Jahr.
      Ja, mir ist der Rückblick auch irgendwie schwer gefallen, weil ja irgendwie alles durch die Krise bestimmt war. Und deshalb dachte ich mir, ich schaue mir mal die positiven Auswirkungen an.
      Ich wünsche Dir viel Spaß beim Gärtnern, heute habe ich auch die ersten Chili-, Paprika und Auberginen-Samen eingesät. 🙂 Mal sehen wie es wird. Liebe Grüße nach Berlin. Torsten 🙂

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  2. Hallo Grünschreiber!
    Vielen Dank für deinen schönen positiven Beitrag! Ich habe sehr ähnliche Erfahrungen gemacht – wie du hatte ich das große Glück, von vielen Dingen nicht betroffen gewesen zu sein, und so auch viel positives aus der Situation rausziehen zu können. Ein riesiges Privileg, das nicht alle haben, dessen bin ich mir voll bewusst!!!
    Die Idee mit den Zettelchen im Glas find ich super! Das hätte ich mal letztes Jahr machen sollen, um die Good News zu sammeln. Und weißte was? Das mach ich jetzt für 2021! Ich such jetzt sofort, nachdem ich hier auf Senden geklickt habe, ein großes Einmachglas für „Good News in 2021“.
    In 2020 gab´s nämlich tatsächlich auch einige sehr gute Entwicklungen (man glaubt es kaum), aber die hab ich auch leider gar nicht mehr so auf dem Schirm, total schade…
    Herzliche Grüße!
    Sabine

    Gefällt 1 Person

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