Das kommt mir nicht mehr in die … Tonne!

Bei diesem Post handelt es sich um eine Anzeige/ Werbung. Momentan beginnen ja wieder viele Menschen damit Vorräte anzulegen. Nicht nur Klopapier, auch Nudeln, Reis, Mehl, Fertiggerichte und Dosensuppen stehen auf den Einkaufslisten. Doch auch unabhängig von der Corona-Pandemie kaufen wir Lebensmittel in Massen – und werfen sie am Ende weg. Warum ist das so? Und was kann man dagegen tun?

Pro Jahr werden alleine in Deutschland Schätzungen zufolge 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Anderswo verhungern die Menschen, und bei uns landet diese gewaltige Menge Essen im Müll.

Dazu zählen Obst und Gemüse ebenso, wie Backwaren, Milchprodukte und Fleisch. Laut Fleischatlas der Heinrich Böll Stiftung aus dem Jahr 2014 werden alleine in Deutschland jährlich über 750 Millionen Rinder, Schweine, Hühner, Puten und Enten geschlachtet. Davon landen 230.000 Rinder, 1.800.000 Enten, 2.700.000 Puten, 4.100.000 Schweine und 45.000.000 Hühner im Abfall. Diese Zahlen beziehen sich zudem ausschließlich auf die deutschen Privathaushalte!

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Tiere leiden also in der Massentierhaltung, damit wir viel billiges Fleisch kaufen können. Für die „Herstellung“ von Fleisch, also das Aufziehen und Mästen eines Lebewesens, sind natürlich auch Wasser und Futter nötig. Meist werden Tiere in der Massentierhaltung mit billigen Sojabohnen gefüttert, die in riesigen Monokulturen auf den Böden gerodeter Ur- und Regenwälder angebaut wurden, unter Einsatz von Pestiziden und Dünger. Das Futtermittel wird dann über tausende Kilometer klimaschädlich transportiert, damit unsere Tiere in der Massentierhaltung gefüttert werden können. Die Massentierhaltung produziert Unmengen an Gülle, die auf die Felder ausgebracht wird und die Natur belastet, das Bodenleben zerstört. Allein im Jahr 2015 entstanden laut Greenpeace 208 Millionen Tonnen davon.
Und das alles nur, damit am Ende ein erschreckend großer Teil des „produzierten“ Fleisches auch noch im Müll landet.

Gesicht-Gedicht Rind

Angesichts der Klimakrise, des Artensterbens, der vielen hungernden Menschen und des Tierschutzgedankens dürfen wir uns dieses Handeln einfach nicht mehr leisten.

Mindestens haltbar bis…“ heißt nicht: „Tödlich ab…

Zum Glück gibt es viele Möglichkeiten, diese Entwicklung zu stoppen.
Das beginnt schon bei der Einkaufsplanung. Richte ich mich nach den Angeboten, kaufe ich schnell mal über meinen Bedarf hinaus und stelle am Ende fest: Ich kann das alles gar nicht essen, bevor es abgelaufen ist. Dann werfe ich einen Teil weg und so ist auch der Spareffekt dahin.
Aber auch ein überschrittenes Haltbarkeitsdatum sagt nicht zwangsläufig etwas darüber aus, ob das Lebensmittel schon verdorben ist. „Mindestens haltbar bis… bedeutet nicht: danach schädlich bis tödlich“
Selbst Salz trägt ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Ein Blick auf mein Ursalz in der Küche zeigte mir heute: Es ist 250 Millionen Jahre alt, lagerte tief in der Erde Norddeutschlands, hat etliche Warm- und Eiszeiten überstanden, die Dinosaurier überlebt, Unwetter und Kriege.
Aber am 15. Mai 2023 ist es dann leider abgelaufen. Klingt etwas absurd, oder?

Natürlich sollte man bei leicht verderblichen Waren aufpassen. Einen Eiersalat, Tiramisu, frische Muscheln, Fisch oder Tartar sollte man besser nicht mehr essen, wenn es seine kurze Haltbarkeitszeit überschritten hat.

Doch bei anderen Lebensmitteln gibt es bestimmte Merkmale, mit denen man feststellen kann, ob sie noch gut sind.

Bei Joghurt lässt sich das eigentlich recht einfach feststellen. Hat es einen Alu-Deckel, schaut man, ob der sich nach oben gewölbt hat. Dies ist ein erstes Zeichen, dass es eventuell nicht mehr genießbar sein könnte, muss es aber nicht sein. Durch Riechen und Schmecken erkennt man es jedoch relativ schnell.
Das gilt auch für Joghurt im Glas. Um ein solches übrigens länger haltbar zu machen stellt man es umgekehrt in den Kühlschrank. Dadurch dringt keine Luft mehr zwischen Deckel und Glas ein, und das Joghurt verdirbt nicht so schnell.
Naturjoghurt ist ungeöffnet oftmals noch viele Wochen nach Ablauf der Haltbarkeit genießbar.
Auch bei rohen Eiern kann man sehr leicht testen, ob sie noch gut sind. Man legt sie in kaltes Wasser. Schwimmen sie mit einer Seite steil nach oben, stehen eventuell sogar hochkant, sollte man besser die Finger davonlassen. Bleiben sie jedoch unter Wasser, sind sie gut und können noch gegessen werden.

Grundsätzlich können wir auf unseren Geschmack, den Geruch und die Augen vertrauen. Das sind schließlich Hilfsmittel, die uns die Natur evolutionär mitgegeben hat. Auch Obst mit leicht fauligen Stellen muss man nicht gleich wegwerfen. Man kann den Bereich großzügig herausschneiden. Nur wenn Schimmel erkennbar ist, hört der Spaß auf und das Obst gehört in den Müll.

Aus alt mach … lecker

Doch was tun, wenn ein Lebensmittel geschmacklich oder von der Konsistenz her nicht mehr wirklich zu genießen ist? Auch das heißt nicht, dass es entsorgt werden muss.
Ich persönlich mag zwar keine Bananen in grünem Zustand. Sobald die Schale braun oder gar schwarz wird, werden sie vom Geschmack her aber auch eher gewohnheitsbedürftig.
Doch sie weg zu werfen wäre viel zu schade. Warum nicht einen Bananenkuchen backen? Oder ein veganes Eis herstellen?
Brot und Brötchen werden recht schnell hart. Doch kann man aus ihnen noch einiges machen. Arme Ritter sind ein Beispiel, sie schmecken hervorragend als Dessert, hergestellt aus weißen harten Brötchen. Man kann aber auch einfach eine Küchenreibe benutzen, um aus alten Brötchen frische Semmelbrösel herzustellen.

Obst das kurz vorm Verderben steht kann man zu leckerer Marmelade verarbeiten oder einmachen. Auch Gemüse kann man einlegen.
Damit es gar nicht so weit kommt, kauft man Obst und Gemüse besser direkt vor Ort beim (Bio-)Bauern. So hat es keine weiten Transportwege hinter sich, was Treibhausgase einspart. Es wurde reif geerntet, nicht lange gelagert und enthält somit auch noch viel mehr gesunde Nährstoffe. Und es ist bei weitem nicht so schnell verderblich.

Nicht schön, aber gesund

Doch nicht nur in unseren privaten Küchen landen viele Lebensmittel im Müll.
Auch bestimmte Regeln beim Verkauf von Obst und Gemüse sorgen dafür, dass Essen entsorgt werden muss. Und dabei handelt es sich um völlig intakte, frische Lebensmittel. Nur ein kleiner Makel sorgt dafür, dass sie nicht im Supermarktregal landen. Das kann eine harmlose Verfärbung auf der Schale sein, eine leicht abweichende Form oder auch eine Abweichung in der Größe. Schon wird es von vielen Verbrauchern gemieden, die Märkte nehmen es aus dem Sortiment und am Ende von den Bauern gar nicht mehr an. Die bleiben darauf sitzen und werfen es weg.

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Auch diese leckere alte Salatgurken-Sorte hat keine Chance im Einheitswahn…

Doch auch hier tut sich was. Verschiedene Initiativen haben es sich zur Aufgabe gemacht, solche unförmigen Feldfrüchte zu retten. Dazu zählt z.B. Etepetete.
Und vielleicht hat ja auch der Landwirt um die Ecke oder der Händler auf dem Wochenmarkt unförmiges Obst und Gemüse zu bieten, das genauso gut schmeckt wie das mit einheitlicher Form.

Es gibt also durchaus Möglichkeiten, die Lebensmittelverschwendung zu stoppen.
Auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen tut sich auf diesem Gebiet einiges.

Das ist grün

Die Deutsche Bahn, über deren Engagement ich ja bereits mehrfach berichtet habe, setzt im Zusammenhang mit ihrem Projekt „Das ist grün genau diese Philosophie um. Sie kombiniert Umweltschutz mit einem sozialen Aspekt. Lebensmittel, die in den Fernverkehrszügen nicht mehr angeboten werden können, gibt man weiter an Einrichtungen der „Tafel Deutschland e.V.“. Auch Geschirr, das nicht mehr genutzt wird, übergibt man an die Bahnhofsmissionen. Bis 2030 will die Deutsche Bahn ihren CO2-Ausstoß halbieren, bis 2050 komplett klimaneutral werden. Ein Teilaspekt hiervon ist, Lebensmittel vor der Tonne zu bewahren und sie gleichzeitig einem guten Zweck zuzuführen. Die Deutsche Bahn setzt mit über 150 verschiedenen Maßnahmen einiges daran, etwas für den Klima-, Natur- und Ressourcenschutz zu tun.

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