Gedanken am Rhein…

Gestern war ich zwischen Nackenheim und Nierstein an einem Seitenarm des Rheins unterwegs. Zwischen dem Hauptstrom und dem Seitenarm befindet sich die Insel Kisselwörth – ein Naturschutzgebiet. Dorthin kann man auch manchmal mit dem Boot übersetzen und ich werde das auch irgendwann mal tun. Aber auch im Arm des Rheins war einiges los…

Nachdem in den letzten Wochen wieder mal „Ebbe“ herrschte und man ein Stück weit ins Flussbett gehen konnte, ist nun wieder mehr Wasser im Rhein. Darüber freuten sich sicher auch diese Schwäne mit ihrem inzwischen großen Nachwuchs.

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Ein Stück weiter kamen sie auch an Land und putzten sich.

Schwäne mit Nachwuchs am Rhein

Unter Wasser gabs offenbar einige Leckerbissen…

Schwan beim Fressen unter Wasser

Aber auch an Land ab es etwas zu sehen. Der „Rote Hang“, an dem aufgrund der Steillagen kein Weinbau mehr möglich ist, wird von der Natur zurück erobert. Man sieht zwar auch hier , dass es sehr trocken war dieses Jahr. Doch ist die natürliche Vegetation am besten angepasst und für diesen relativ trockenen Standort steht sie eigentlich noch relativ gut da. Die Natur weiß eben sehr genau, wie sie sich an extreme Wetterlagen anpassen kann.

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Ein Blick auf die Insel Kisselwörth offenbart, dass Totholz alles andere als tot ist.

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Auch dieser Baum scheint das Zeitliche gesegnet zu haben, doch ist sein Holz alles andere als tot. So genannte Xylobionten besiedeln abgestorbenes Holz. Dazu zählen natürlich die verschiedenen Arten von Borkenkäfern, aber auch viele andere Käferarten, Wespen, Hornissen und Ameisenarten bohren sich durch Borke, Bast, Splintholz und Holz. Diese Gänge und Höhlen werden wiederum von Wildbienenarten besiedelt. Spechte hämmern Höhlen in Stämme, aber auch die Fäulnis frisst Hohlräume hinein.

Ausgehöhlter Baumstamm

Darin finden wiederum Fledermäuse, Vögel, Nager und andere Tiere Unterschupf und Nistraum. Auch Schlangen und Echsen stehen auf Totholz, denn dieses bietet ihnen Lebensraum und Unterschlupf zugleich. Holz heizt sich auf, bietet somit den wechselwarmen Tieren einen Wärmespeicher. Und zugleich dienen die anderen Bewohner als Futter.
Auch der Mensch hat eine seiner zivilisatorischen Errungenschaften mitunter dem Totholz zu verdanken. Um seine Kunst, Feuer zu machen zu perfektionieren, nutzte er lange Zeit Zunderschwämme, die nichts anderes als Baumpilze sind.

Morsches Holz hängt über den Seitenarm

Der Weg am Rhein entlang liegt direkt neben der B9. Und da war es abzusehen, dass auch wieder Unmengen an Plastik in der Natur lagen. Ich hatte eine kleine Tüte dabei und sammelte beim Spaziergang das Zeugs auf. Unterwegs kam mir dann eine offenbar wohnungslose Frau entgegen, ein  Fahrrad mit Anhänger dabei, so voll gepackt durch allerlei Krimskrams. Mit diesem Rad konnte sie garantiert gar nicht mehr fahren, schieben konnte sie es sichtbar nur mit Mühe. Ich ertappte mich bei der Frage, warum sie das alles mit sich herum schleppte. Es wäre doch viel leichter, wenn sie nur das mit sich herum fahren würde, was sie auch wirklich benötigt.

Und dann kam mir plötzlich die Frage in den Sinn, dass das auf diesem Fahrrad wahrscheinlich alles war, was sie besaß.
Wie groß müsste wohl mein Fahrrad sein, wenn ich alles drauf packen wollte, was in meiner Wohnung herumsteht? Was ich mir so mal nebenbei gekauft habe, weil es für kurze Zeit interessant war?
Wie viel von dem Zeugs das ich besitze, brauche und nutze ich wirklich? Ich habe zwar schon einmal im Anflug des Minimalismus ein wenig ausgemistet. Doch da stehen noch so viele Dinge herum – hauptsächlich DVDs, Videokassetten, Bücher. Teilweise welche, die ich noch gar nicht angeschaut oder gelesen habe. Oder solche, die ich zwar gesehen und gelesen habe, bei denen sich aber ein zweites mal nicht lohnen würde.
Wie viel leichter wäre es wohl, wenn man sich von dem trennen würde, was man nicht braucht. Und nur das kaufen, was man wirklich benötigt oder was einem wirklich glücklich macht?

Und schon wären wir auch wieder ein Stück weit beim Müll-Problem. Wie viel Verpackung ist überflüssig? Wie viel verpacktes Fast-Food-Zeugs produziert nicht nur Müll, sondern auch noch Pfunde, Krankheiten, Karies und eine Zuckersucht, Massentierhaltung, Kinderarbeit, Treibhausgase, Regenwaldabholzung und pestizidvergiftete Landschaften? Können einem solche Lebensmittel wirklich glücklich machen, oder gesund? Ich glaube kaum.

Dann sah ich wieder zu den vorbei rasenden Autos, die wirklich im Sekundentakt da fuhren. Warf noch einen Blick auf die Frau mit dem Fahrrad in der Ferne. Und dachte mir: Vielleicht sollte sich tatsächlich jeder mal fragen, wie groß „sein Fahrrad“ sein müsste, um all die Dinge zu transportieren, die er besitzt. Wie schwer die Last wäre, wenn er sie auf diese Art transportieren müsste. Und wie schwer die Last für ihn auch tatsächlich ist:

Wir konsumieren um kurzfristig glücklich zu sein
Zum Konsumieren brauchen wir aber Geld
Geld bezahlen wir mit unserer Zeit
Zeit bedeutet unser Leben
Und unser Leben ist doch am Ende das wichtigste und größte Glück von allem!

Nicht die schöne Verpackung zählt, sondern nur der Kern der Sache.

3 Gedanken zu “Gedanken am Rhein…

    • Danke Dir 🙂 Leider hat meine Antwort etwas länger gedauert. Hier ist einiges los und daher kam auch mein Blog und WordPress allgemein etwas zu kurz. Ich hoffe, das wird sich bald wieder etwas normalisieren. – Sobald die diesjährigen Projekte unserer Naturschutzgruppe abgeschlossen sind. LG 🙂

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