Der TEAM-Geist

Teamplayer stehen hoch im Kurs. Teamfähigkeit ist oft die Voraussetzung Arbeit zu finden. Teams können funktionieren, harmonieren, sie können aber auch kollidieren. Doch ausgerechnet eine bestimmte Komponente des Team-Geists kann dazu führen, dass nichts geht. Warum?

Ihr kennt das bestimmt auch. Man läuft in der Fußgängerzone und sieht plötzlich, wie einer älteren Frau die Einkaufstüte reißt und das Obst auf den Boden kullert. Wenn man sich dann mal umschaut, wird man etliche Passanten entdecken, die vielleicht mal kurz mal hinschauen und sehen, dass ja einer hilft, um dann weiterzulaufen. Dass auf der Erde etliches liegt und teilweise sogar davon rollt, ist dabei zweitrangig. Für Hilfe ist ja gesorgt und fertig.

Schlimmer ist es, wenn jemand am Bahnsteig plötzlich umkippt. Wir kennen alle Berichte über Passanten, die dann einfach weiter gehen oder sich gaffend hinstellen. Viele sagen dann: „Es hilft ja schon jemand.“ „Ich kann das ja nicht.“ „Ich habe es eilig.“

Hinter all dem steht auch der so genannte Team-Geist.

Denn das Wort TEAM kann in diesem Fall auch für folgende Abkürzung stehen:
T oll
E in
A nderer
M achts

Mann verlässt sich darauf, dass andere schon helfen werden:
Der Frau mit der Einkaufstüte ebenso wie dem Mann mit dem Herzinfarkt.

Und dieser Gedanke ist irgendwie überall präsent. Ich habe mal von einem Versuch gehört, bei dem die Hilfsbereitschaft von Menschen getestet wurde.
Am Rande einer Landstraße hatte man ein beschädigtes Auto abgestellt mit einer deutlich verletzt aussehenden Person. Fuhr ein einzelnes Auto vorbei, war die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass es anhielt. Waren mehrere Fahrzeuge hintereinander unterwegs, verließ der eine sich darauf, dass der andere schon helfen würde. Das kam dann auch bei der Befragung heraus.

Doch was macht das mit uns, dieses „Team-Denken“? Was macht es mit der Welt?

Es sorgt nicht nur dafür, dass man Menschen in einer Notsituation potentiell zurücklässt. Es ist auch eine der größten Triebfedern unserer Umwelt- und Klimakrise.

Letztens kam mir das schon in den Sinn, als wir das Rheinufer bei uns säuberten. Aus meinem Umfeld habe ich öfters gehört: „Das ist nicht mein Müll. Warum soll ich den dann wegräumen?“
Ich habe dann entgegnet, dass es zwar nicht mein Müll ist aber meine Natur, die da verdreckt wird. Das zog allerdings auch nicht.

Irgendwie ist es genau dieses Wegschieben von Verantwortung.
Warum soll ich den Müll wegräumen, wenn ich ihn gar nicht hingeworfen habe?

Doch es geht weiter, denn es geht nicht nur um den Müll.
Klimawandel? – Da soll die Politik doch endlich mal was machen! Und den Trump müssen sie halt abwählen.
Verschmutzung der Weltmeere? – Da müssen sich die „da oben“ mal Gedanken machen und endlich handeln!
Agrarwüsten und Pestizide auf den Feldern? – Warum erlässt die Politik nicht schärfere Vorschriften, damit die Landwirte endlich damit aufhören, unsere Natur zu vergiften?

Also: Toll, ein anderer machts?

Aber sorge ich etwa nicht mit meinen Urlaubsflügen, dem dicken SUV oder dem Kohlestrom für Treibhausgase?
Bin ich kein Müll-Auftraggeber, wenn ich im Geschäft in Plastik und andere Folie verpackte Produkte kaufe, inklusive der toll in Plastikschalen portionierten Obststücke?
Und wenn ich dieses in Plastik verpackte Obst kaufe, das tausende Kilometer Flug hinter sich hat, ehe es in Plastikschalen verpackt wurde, torpediere ich dann nicht auch die lokale Landwirtschaft? Von der zwar Qualität aber auch niedrigste Preise gefordert werden.

Heute finden wieder die Klima-Proteste statt. Und sie haben absolut ihre Berechtigung! Ich unterstütze Fridays for Future. Die Proteste sind wichtig, doch ebenso wichtig wäre auch, dass alle die da protestieren erkennen, welche Macht in ihrem eigenen Konsum steckt. Nur was nachgefragt wird, wird hergestellt oder angeboten.

Wir tragen alle Verantwortung.
Oft hört man, ich als Einzelner kann doch gar nichts verändern. Doch in Wirklichkeit sind die großen Veränderungen immer von Einzelnen ausgegangen. Denn viele Einzelne ergeben eine große Masse.

Und so wären wir auch wieder beim echten Team, das tatsächlich das bedeutet, wie wir es kennen: Alle ziehen an einem Strang um etwas ganz Großes zu bewegen.

6 Gedanken zu “Der TEAM-Geist

  1. ich frag mich manchmal woran das liegt, mit der hilfsbereitschaft meine ich, ob das erziehungssache ist? oder eher eine charakterfrage? es gab doch den fall, der durch die medien ging, in dem ein älterer herr einen infarkt in einer sparkassenfiliale erlitten hat, im vorraum zu den geldautomaten. es sind unzählige menschen an ihm vorbeigegangen (die dachte er sei betrunken o.ä.). er ist dann tatsächlich da auf dem boden gestorben. schrecklich.

    teamfähig sind auch nicht alle leute, aber oft kann man das vermitteln. so ist jedenfalls meine erfahrung.

    Gefällt 2 Personen

    • Ja, von dem Fall habe ich auch damals gehört. Ich kann mich an einen Tag erinnern, als ich als Kind mit meinem Vater auf einer Radtour im Ort unterwegs war. Da saß in einem abschüssigen Weg in den Weinbergen etwas weiter entfernt von einem stark genutzten Weg jemand, der „Hallo“ gerufen hat. Er klang auch sehr komisch von der Stimme und erst dachten wir, er wäre betrunken. Wir haben angehalten, einige andere Spaziergänger gingen weiter ohne auf die Rufe zu achten. Und dann entschied ich mein Vater, zu ihm hoch zu laufen, ich ging mit etwas Abstand hinterher. Als wir näher kamen sahen wir erst, dass er am Kopf blutete und schienbar unter Schock stand. Wir fuhren nach Hause und holten den Notarzt (damals gab es noch keine Handys) und es kam heraus, dass der Mann mit dem Fahrrad gestürzt war. Er hatte sich den Kiefer gebrochen, eine Gehirnerschütterung und ich glaube den Arm. Er kam dann später mal vorbei und bedankte sich herzlich. Und er war auch schockiert darüber, dass so lange keiner geschaut hatte.
      Ich verstehe das auch nicht, es ist wahrscheinlich eine Mischung aus Erziehung, Charakterfrage und vielleicht auch Angst, etwas falsch machen zu können. – Speziell wenn es um Erste Hilfe geht. Und man verlässt sich eben darauf, dass andere helfen, nach dem Motto „Toll, ein anderer machts…“ Ich kann es auch nicht verstehen.

      Liken

  2. Geh mal mit einer Gruppe kleiner Kinder in den Wald. Da hast du Kinder in Gummikleidern, die sich nicht schmutzig machen dürfen. Du hast welche, die das große Räubermesser dabei haben und gleich einen Baum fällen.
    Manche waren waren noch nie dort. Entweder sie staunen und lernen, oder sie zertreten sofort das erste Insekt, das ihnen begegnet.
    Ist das Charakter oder Erziehung?
    Das sind große Themen. Vielen fällt es schwer, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen und sich kritisch zu hinterfragen – wie sollen sie denn Verantwortung für andere übernehmen?

    Manchmal denke ich, die Menschen sind allgemein sehr abgestumpft durch ihren hohen Medienkonsum und verharren dann auch in der realen Lebenswelt in einem Beobachterstatus.

    Persönlich lebe ich nach dem Grundsatz: Wir missionieren niemanden, aber wir machen die Dinge so, wie wir sie für richtig halten. Lass die anderen mit dicken Autos herumbrausen und sie ihre Grundstücke zuschottern, wir haben uns das nicht vorzuwerfen.
    Über die Jahre höre ich von all diesen Leuten nur Komplimente über unseren schönen Garten. Ich bringe ihnen leckeres Gemüse und verschenke Selbstgemachtes. Dieses Jahr habe ich einige Tomatenpflanzen in der Nachbarschaft weitergegeben und auch Ableger von unseren Blumen waren beliebt.

    Etwas verändert sich, im Kleinen nur, aber es reicht für ein wenig Hoffnung.

    Mal wieder ein Aufsatz – du bringst mich zum Nachdenken. Danke dafür!

    Gefällt 1 Person

    • Ja, da hast Du vollkommen recht. Und ich denke es ist auch genau das Problem des hohen Medienkonsums. Wir werden ja förmlich überflutet von Informationen, Werbebotschaften und einer gekonnten Mischung daraus. Dadurch können viele Menschen einfach auch gar nicht mehr reflektieren, oder haben dies vielleicht auch noch nie gelernt.
      Du hast vollkommen recht, und es wichtig den Leuten aufzuzeigen, dass es auch anders (und oft besser) geht. Ob sie es annehmen ist ihre Sache, aber vielleicht bekommen sie dadurch ein Bewusstsein dafür. Am Ende kann man meist nicht das Handeln des anderen verändern, sondern nur sein eigenes. Aber dadurch ändert sich vielleicht auch die Einstellung des anderen.
      Ein schönes Wochenende 🙂

      Gefällt 1 Person

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