…las der Lemming und lief weiter

Nein, es war nicht der Lemming! Soviel vorweg, aber alles der Reihe nach: Heute war ich auf der Hiwweltour Ebersberg in Rheinhessen unterwegs und habe dort einen wunderschönen ehemaligen Steinbruch entdeckt. Er hat sich zu einem neuen und wirklich tollen Lebensraum entwickelt. Dort leben u.a. Falken, Graureiher, auch Milane sah ich. Insekten tummeln sich drumherum, Raubinsekten genauso wie Bestäuber. Fische schwimmen im See, Frösche und Molche sind sicher auch unterwegs. Eidechsen raschen im Gestrüpp. Und dann entdeckte ich sogar die Spuren eines Schweins.

Bei der Menge der Spuren konnten es durchaus auch mehrere gewesen sein, die hier hausten. Natürlich waren es keine Hausschweine, auch keine Wildschweine. Nein, das sind ja eher reinliche Tiere. Ich rede hier von den Schweinen unter den Menschen.

Müll im Paradies
Müll im Paradies
Monitor
Und sogar noch ein Monitor. Dessen Schwermetalle tun der Natur bestimmt besonders gut.

Und hier kommt auch das Schild mit der Aufschrift „Achtung Abgrund“ ins Spiel. Das stand am Steinbruch, und ich erkannte in ihm eine doppelte Bedeutung. Die Welt steht am Abgrund – Artensterben, Klimawandel, Dürre, Vermüllung, Vergiftung,…
Da ist es natürlich besonders cool, auch noch seinen Müll ausgerechnet in solch einem Paradies zu entsorgen.

Alter Steinbruch - neues Leben
Alter Steinbruch – neues Leben

Da denk ich mir: Leute, gehts noch? Wart ihr zu lange in der Sonne, oder war da noch nie was im Kopf, was überhitzen oder austrocknen könnte? Wirklich, ich muss hier kurz mal meinem Unmut Luft machen.

Doch das ist nicht das einzige Beispiel von menschlichen Lemmingen. Ich habe nun schon öfters Beschwerden gehört, dass man sich auch in Zeiten der Wasserknappheit nicht einschränken lassen wolle und seine Pools auch weiterhin mit Wasser befüllen, um darin zu baden.
Rundherum vertrocknen die Bäume, Sträucher und Wildblumen, Tiere verdursten und verhungern, aber Hauptsache man hat noch genug Wasser im Pool, um sich den Hintern zu kühlen. Wenn 50 Meter tiefe Brunnen zur Trinkwasserversorgung nicht mehr ausreichen, dann bohren wir halt 200 Meter tief, so wie in Mittelhessen, wo das Wasser knapp wird. Anstatt Wasser zu sparen, beuten wir halt den Rest auch noch aus: Klotzen statt kleckern heißt die Devise.

Klimaschutz? – Wo kämen wir denn da hin? Am Ende vielleicht noch zu einem Tempolimit auf deutschen Autobahnen. Und das wäre ja eine fast Existenz bedrohende Einschränkung. Daher: Lieber weiter rasen, und was interessiert schon die Hitze? Es gibt ja Ventilatoren und im Zweifel Klimageräte. Und im dicken SUV läuft auch so eine, also alles cool und easy.
Wen interessiert es da schon, dass die Landwirtschaft katastrophale Einbußen hinnehmen muss aufgrund des dritten Dürrejahrs in Folge? Man kauft ja eh nicht beim Bauern, sondern beim Discounter. Dann kommen Kartoffeln eben nicht aus Deutschland, sondern von Übersee. Die haben genug, und wenn nicht sollen sie noch die letzten Reste von diesem ominösen Regenwald abholzen. Der wird auch eher überbewertet. Dass es sich um eine GLOBALE Erwärmung handelt und Lebensmittel nicht im Supermarktregal wachsen, scheint bei vielen Zeitgenossen noch nicht angekommen zu sein. Auch nicht die Tatsache, dass selbst der tiefste Brunnen irgendwann mal leer wird und unsere Wasserpreise irgendwann auf dem Niveau eines Champagners landen werden, wenn das so weiter geht.

Aber auch das ist egal. Wir lassen uns doch nicht einschränken. So, und nun noch demonstrativ die Wasser-Stopp-Taste aus dem Spülkasten reißen, und sie dann in die Landschaft schmeißen!
Grundsätzlich ist alles so lange gut, wie es Klopapier und Nudeln in den Geschäften gibt. AAAABBER: Wenn das mal knapp wird, dann Leute, dann ist aber Alarmstufe dunkelrot!

So, jetzt habe ich mal ein bisschen Dampf abgelassen und möchte euch nun Teil haben lassen an meiner ansonsten sehr schönen Hiwweltour in Rheinhessen. Hier noch ein paar Bilder.

Der Steinbruchsee lebt (noch!)
Der Steinbruchsee lebt (noch!)
Ein Graureiher
Ein Graureiher
Komoran
…und ein Komoran sucht ebenso nach Fisch
Am Weg blüht es
Am Weg blüht es
Wespe auf Distel
Wespe auf Distel
Distelfeld
Ein Stück weiter blühen verschiedene Blumen, darunter ein riesiges Distelmeer
Ruine Neu Bamburg und Kirche
Nun ging es zur Ruine der Neu Bamburg, dahinter befindet sich die Katholische Kirche von Neu Bamberg.
Die Sonne brennt erbarmungslos über der Ruine
Die Sonne brennt erbarmungslos über der Ruine
Bei der Kirche erzählt der Austernfelsen vom Abgrund, vor dem wir nun stehen: Vor 30 Millonen Jahren war der Meeresspiegel deutlich höher. Dort, wo der Felsen heute liegt, lag damals ein tropisches Meer mit Haien, Rochen und eben auch Austern, wie man hier in den weißen Versteinerungen erkennen kann. Der Grund für den höheren Meeresspiegel: Damals lag die globale Temperatur höher, es gab praktisch kein Eis an den Polkappen, und der Meeresspiegel war 30 Meter höher als heute. Wir können gerade beobachten, wie das Eis an Nord- und Südpol dahin schmilzt und was dann mit dem Meeresspiegel passieren wird, kann man sich vorstellen. Aber wahrscheinlich freut sich mancher Zeitgenosse selbst darüber: Schließlich muss er dann nicht in die Südsee fahren, um ein tropisches Meer zu sehen. Doch ob das alles so idyllisch für die Menschheit wird, wage ich sehr zu bezweifeln.
Bei der Kirche erzählt der Austernfelsen vom Abgrund, vor dem wir nun stehen: Vor 30 Millonen Jahren war der Meeresspiegel deutlich höher. Dort, wo der Felsen heute liegt, lag damals ein tropisches Meer mit Haien, Rochen und eben auch Austern, wie man hier in den weißen Versteinerungen erkennen kann. Der Grund für den höheren Meeresspiegel: Damals lag die globale Temperatur höher, es gab praktisch kein Eis an den Polkappen, und der Meeresspiegel war 30 Meter höher als heute. Wir können gerade beobachten, wie das Eis an Nord- und Südpol dahin schmilzt und was dann mit dem Meeresspiegel passieren wird, kann man sich vorstellen. Aber wahrscheinlich freut sich mancher Zeitgenosse selbst darüber: Schließlich muss er dann nicht in die Südsee fahren, um ein tropisches Meer zu sehen. Doch ob das alles so idyllisch für die Menschheit sein wird, wage ich sehr zu bezweifeln.
Efeu
Und hier noch ein Sinnbild, das Mut macht Eine Efeu-Pflanze hat sich nicht beirren lassen und wächst hier mitten aus der Mauer der Ruine. Sie schafft das scheinbar Unmögliche, und ich hoffe, dass wir auch noch den Wandel zu einer besseren Welt schaffen.
Holunder
Andernfalls geht es unserer Spezies sehr bald so wie diesem Holunder hier und vielen anderen Pflanzen, die von der kranken Natur nicht mehr ernährt werden können und jämmerlich zugrunde gehen.

4 Gedanken zu “…las der Lemming und lief weiter

  1. Hast wirklich mal so richtig Dampf hoer abgelassen und das auch berechtigt!
    Nur bezüglich dem hinterlassenen Müll dieser „Spezies“ sie als Schweine zu bezeichnen, ist eine ziemliche Beleidigung den armen Tieren gegenüber, denke ich. 😉
    Liebe Grüße von Hanne

    Gefällt 3 Personen

  2. Ach, wie schade das alles ist. Da steht man mitten in der Natur und kann keine ungetrübten Freuden genießen. Immer ein riesen ABER, das den Blick verstellt.
    Wie muss das für die Menschen sein, die unbeirrt Müll und Hausrat in die Landschaft werfen, sich in Plastik hüllen und genormten Lebensmittel essen? Man könnte Mitleid bekommen mit so viel Stumpfsinn.

    Gefällt 3 Personen

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