Zwei naturgetreue Reh-Attrappen...

Pflanz Dir einen Wald!

Der Klimawandel ist in diesen Tagen wieder besonders zu spüren. Es ist viel zu trocken, Landwirte müssen mit Ernteeinbußen rechnen, aber auch die Natur leidet und Bäume sterben. Das ist schon das dritte Dürre-Jahr in Folge und die Auswirkungen auf unsere Wälder sind katastrophal. Dabei ist es gerade der Wald, der uns als Verbündeter im Kampf gegen den Klimawandel helfen könnte. Also bräuchten wir mehr davon. Und es gäbe eine ganz einfache Möglichkeit das zu erreichen.

Ich wohne in Rheinhessen, einer relativ waldarmen Region, die vor allem durch den Weinbau geprägt ist. Daher höre ich auch von Kommunalpolitikern immer die Aussage: Das hier ist keine Wald-Region, hier würde Wald nie wachsen. Dass ganz Deutschland früher von Wäldern bedeckt war, fällt bei dieser Aussage gerne unter den Tisch.

Ein weiteres Argument: Die Landwirte brauchen ja auch ihre Felder als Existenzgrundlage, ihre Weinberge zur Produktion von Wein.
Dass sie jedoch die gleichen Weinberge mit Handkuss verkaufen, sobald es darum geht, dass auf ihnen teures Bauland entsteht, wird gerne unter den Teppich gekehrt.

Und dann kommt noch die Aussage: Wir hätten außerdem gar keine Fläche für einen Wald.
Dass es durchaus Konzepte gibt, die keine großen Flächen benötigen, ist offenbar irrelevant.

Wald bedeutet Leben

Wälder sind nicht nur verbündete gegen den Klimawandel, da sie Kohlendioxid speichern. Sie regulieren zudem das Mikroklima und begrünte Flächen heizen sich deutlich weniger auf, als der Asphalt von Straßen, Mauern und Dachflächen von Häusern, oder diese „schönen“ Steinwüsten in Vorgärten.
Wälder filtern zudem die Luft, binden Schadstoffe, produzieren Sauerstoff.

Gleichzeitig ist der Wald nicht nur ein Verbündeter gegen die Klimaerwärmung, er mildert auch die Folgen hab und könnte uns vor Schlimmerem bewahren.
Denn in Wäldern werden große Mengen Wasser gespeichert, was bei längeren Regenperioden die Hochwassersituation abmildern könnte. Für den Sommer bindet ein natürlicher, intakter (kein wirtschaftlich intensiv und monokulturell genutzter) Wald Wasser und leitet dieses über Quellen auch in die Umgebung ab. Dadurch könnte man Hitzeperioden besser überstehen.

Auch bei uns kommt es, bedingt durch den Klimawandel, immer öfter zu extremen Wetterlagen. Wie hier das Niedrigwasser am Rhein bei Nierstein in Rheinhessen vor einigen Jahren.

Zudem ist der Wald ein Regenmacher. Neueste Forschungen zeigen, dass er durch die Absonderung bestimmter Stoffe die Wolkenbindung anregt, ebenso durch die Verdunstung. Er ist daher maßgeblich daran beteiligt, wie oft es regnet, denn er macht sich seinen Regen selbst, wenn man ihn denn lässt.

Daneben ist der Wald natürlich auch ein Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Pilze. Er ist Ruhepol und für viele momentan auch Zufluchtsort in Zeiten von Corona, wenn man eben nicht in die Ferne reisen kann, sondern im Inland seine Erholung finden muss.

Mehr Wald ist möglich

Es wäre daher dringend nötig, deutlich mehr Wälder zu schaffen. Mit ihnen könnte man nicht nur die Treibhausgas-Emissionen binden, um Zeit für eine Umwandlung hin zu einem Zeitalter ohne fossile Brennstoffe zu gewinnen. Man könnte das Artensterben bremsen, die Luftverschmutzung reduzieren und eben auch die Folgen der bereits deutlich spürbaren Klimakatastrophe reduzieren.

Die Argumente, dass man ja keinen Platz hätte oder hier in der Region kein Wald wachsen könne, widerlegen Erkenntnisse unterschiedlichster Akteure, die u.a. die Myiawaki-Methode angewandt haben.

Die Methode ist dabei recht einfach:

– Es reichen schon 60 Quadratmeter Fläche aus, um einen solchen kleinen „Wald“ anzulegen
– Eine große Anzahl einheimischer Bäume und Sträucher werden dort gepflanzt
– Eine Mulchdecke verhindert die Austrocknung und sorgt zugleich dafür, dass nur sehr wenig gegossen werden muss.
– Binnen eines Jahres wachsen die Bäume und Sträucher mehr als 1 Meter.
– Es entwickelt sich somit ein kleiner bewaldeter und autarker Bereich, der 30 mal mehr Kohlendioxid bindet als ein Nutzwald, eine hohe Artenvielfalt beherbergt, die Luft filtert und das Mikroklima und somit die Temperatur in der Umgebung reguliert und senkt.

Vor diesem Hintergrund hat sich der Verein Citizens Forests gegründet. Er regt Aufforstungsprojekte durch Bürger für Bürger an, auf regionaler Ebene entweder auf öffenltichem Grund, oder aber auch auf Privatgelände.

Ich finde diese Idee einfach nur toll und wollte sie deshalb hier einmal vorstellen. Da unsere Entscheidungsträger in der Politik und Wirtschaft wohl noch immer die Realität nicht sehen, da ihnen die Dollar- und Euro-Zeichen vor den Augen leuchten, muss der Wandel aus der Gesellschaft kommen. Daher denke ich, dass das Konzept sehr erfolgsversprechend ist und ich hoffe, dass sich viele beteiligen werden. Ich werde den Ansatz jedenfalls weiter verfolgen.

Achtung: Dies ist nur meine persönliche Meinung, ich stehe in keiner Verbindung mit dem Verein und auch nicht mit der Website über die Myiawaki-Methode. Ich möchte die Idee hier nur einmal vorstellen. Es gilt wie immer: Bitte die Datenschutzvereinbarung und die Angaben der jeweiligen Seite beachten! Ich übernehme hier keine Gewähr. 🙂

 

10 Gedanken zu “Pflanz Dir einen Wald!

  1. Toller Artikel und tolle Aktion.
    Ich muss allerdings anmerken, das eine wichtige Sache oft nicht erwähnt wird. Jeder neue Baum benötigt in den ersten 3 Jahren viel Wasser 💦 wir haben in den letzten 3,5 Jahren auf unserem großen Grundstück mehr als 30 Bäume angepflanzt ohne regelmäßige Wässerung wären sie schon eingegangen. Zum Glück gibt der Brunnen dieses Jahr auch nach 6 Wochen Hitze noch Wasser, aber wir stoppen jetzt erst einmal die weitere Bepflanzung.
    Ich bin immer erstaunt, wenn ich von Bewaldungs-Aktionen (in sehr trockenen Ländern) lese, wo das Thema Wasser nicht angesprochen wird.

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    • Sehr wahr. Das Wasser ist ein Problem und ganz besonders jetzt, wenn der Sommer so warm ist. So haben wir das Problem gelöst: Wir pflanzen nur im Frühjahr und Herbst, wobei der Herbst definitiv besser ist. Wir Pflanzen in grossen Massen, also gerne hunderte von kleinen Bäumchen und Sträuchern, die wir entweder in der freien Natur dort finden, wo der Mensch sie nicht haben will oder in unserem eigenen Garten. Wir pflanzen ein Gemisch aus Laubbäumen, Obstbüschen, Rosen, Brombeeren und ein paar Tannen. Wir lassen das Unkraut drum herum stehen, so überschattet es die kleinen Bäumchen im Sommer und sorgt dafür, dass sie weitaus weniger austrocknen. Wir giessen zwar auch an, aber haben nicht die Kapazität, auf täglicher Basis auch die Bäume zu giessen. Die müssen lernen, längere Wurzeln zu bilden und sich selbst zu versorgen. In der Regel überleben ca. 90 % auf diese Weise. Wichtig ist, dass man nicht sofort aufgibt. Manche Bäume sind erst mal ein oder zwei Jahre tot, nur um dann in voller Pracht ein zweites Leben zu starten. Hoffe, das hilft. liebe Grüsse aus dem hohen Norden von Liv

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      • Wir pflanzen hauptsächlich im Herbst und Winter auch eine Mischung aus Laubbäumen und Obstbäumen. Wir gießen nur ein oder zweimal die Woche. Wir versuchen mit Holzhacker ringsum zu mulchen, aber das Unkraut kommt durch und deckt schnell alles ab 😀
        Ich habe jetzt auch schon aus Kernen und Samen Bäumchen gezogen🌱

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      • Das ist ja sehr interessant und ein gutes System. Speziell auch, dass ihr die Bäume und Sträucher von dort holt, wo der Mensch sie nicht haben möchte. Das ist eine sehr gute und nachhaltige Idee. Das Projekt mit dem Mini-Wald baut auch ein Stück weit auf das Prinzip der Abdeckung der Erde, damit das Wasser nicht verdunstet. Sie arbeiten mit einer Mulchschicht und pflanzen so dicht, dass praktisch keine Erde frei liegt, wenn die Bäume und Sträucher erst einmal grün sind. Liebe Grüße Torsten

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    • Ja, das stimmt. Bei uns herrscht ja auch Dürre momentan. Ich denke auch, dass man sie in den ersten 2-3 Jahren in jedem Fall gießen muss. Und wenn man dann mit der Mulchdecke arbeitet, bleibt die Erde länger feucht und irgendwann trägt sich das System selbst. Aber die ersten Jahre wird man wohl nicht ums Gießen herum kommen. Das denke ich auch.

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  2. Dieser Artikel spricht mir noch mehr aus dem Herzen, als all das, was du sonst immer schreibst, denn genau das prädige ich aucvh immer, denn es ist sooo wahr!
    Toll, dass du dies schreibst, dass man nur 60 m2 braucht. Wir haben schon ein bisschen mehr als das in einen kleinen Wald verwandelt, aber es ist über verschiedene Teile unseres Gartens verstreut und so könnte man sagen, hier sind 60 m2, da 200 m2, hier 1000 m2… u.s.w. Es geht wirklich und mehr als das: Es ist einfach, preiswert, unkomplieziert und hat eigentlich nur Vorteile. Die Natur regneriert sich sehr schnell, wenn man ihr eine Chance gibt.

    Gefällt 3 Personen

    • Danke, das freut mich. Ich denke, es gäbe so viele Möglichkeiten. Leider ist der politische Wille noch immer nicht da und ich frage mich allmählich, was noch passieren muss, bis endlich gehandelt wird. Bei uns in den Weinbergen fallen immer mehr Hecken weg und es gab sowieso sehr wenige. Jetzt beginnen erste Rebstöcke ihre Blätter abzuwerfen, das es einfach nicht mehr regnet. Wir sitzen hier bald auf dem Trockenen und kommen die Landwirte mal auf die Idee, in den Weinbergen kleine „Wald-Flecken“ in dieser Art anzulegen? – Nein, selbst die Umweltbeauftragte unserer Verbandsgemeinde hält sich an den Planungen fest, die vor 50 Jahren zur „Flurbereinigung“ führten. Und das ist dann einfach so. Sie reagieren einfach nicht auf die geänderten Bedingungen. Irgendwann sind die Weinberge trocken und sie können dort nichts mehr anbauen. Fragt sich, was sie daraus lernen. Wahrscheinlich wandeln sie die Flächen dann im Bauland um und machen so noch das schnelle Geld.
      Mal sehen, ob wir unseren Bürgermeister überzeugen können, hier in der Gemeinde wenigstens 60 Quadratmeter für so ein Projekt zur Verfügung zu stellen.

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