Neues Fledermaus-Quartier

Wenn es klackert, platscht und piepst…

Jetzt habe ich schon zwei Termine des Workshops zum „Fledermaus-Kundschafter“ mitgemacht und bin einfach nur begeistert von diesen tollen Tieren. Wenn wir immer weniger Bienen und andere Insekten sehen, fällt das auf. Bei den Fledermäusen ist es anders: Sie leben weitgehend im Verborgenen und verschwinden deshalb oft relativ unbemerkt. Sie fallen Sanierungs- und Abrissarbeiten zum Opfer, aber auch dem Fällen von Bäumen. Grund genug, sich die Tiere mal genauer anzuschauen. Und heute habe ich mein Fledermausquartier im Nebengebäude vorbereitet…

Zwar wusste ich, dass es einige Fledermausarten gibt. Aber dass es so viele sind, ist verblüffend. Über 1400 verschiedene Arten existieren weltweit. Bis auf die Antarktis haben sie alle Kontinente besiedelt. Der größte Artenreichtum konzentriert sich in der äquatorialen Zone.
In Europa existieren verschiedene Familien. Da gibt es die Hufeisennasen, die Glattnasen, Bulldogfledermäuse, Langflügelfledermäuse und Flughunde.

Fledermäuse können als einzige Säugetierart aktiv fliegen. Die Flügel bestehen aus ihren verlängerten Finger- und mittelhandknochen, die mit dem Körper durch Flughäute verbunden sind. Damit die Flügel beim Abhängen im Quartier nicht lasch herunter hängen sind sie mit Sehnen ausgestattet, die beim Einklappen der Flügel behilflich sind. Außerdem besitzen sie kontraktionsfähige Arterien, mit denen sie fürs Sitzen einfach das Blut aus den Flügeln drücken.
Die Tiere können teilweise über 30 Jahre alt werden, was für Lebewesen dieser Größe ordentlich ist. Es gibt Fledermausarten, wie die Hummelfledermaus, die in eine Streichholzschachtel passen würden. Und dann gibt es einen Flughund, der 1,50 m Spannweite erreicht.
Die fliegenden Säuger ernähren sich je nach Art von Insekten, Fischen, Früchten und Beeren, und auch von Säugetierblut. – Die Blutleckenden (sie saugen es nicht) gibt es bei uns nicht.
Was mir unbekannt war: Viele Fledermäuse wandern und legen dabei Strecken von bis zu 4.000 Kilometer zurück, also ähnlich wie die Zugvögel.
Die einen jagen im Rüttelflug wie die Falken, andere jagen über dem Wasser und fangen Fische. Wieder andere haben eine angepasste, spitze Kopfform und lecken Nektar, ähnlich dem Kolibri.

Der Workshop, an dem ich momentan teilnehme, soll später dazu befähigen, per Bat-Detektor Fledermäuse anhand ihre Ortungsrufe zu identifizieren. Dabei können die Töne nur ein Bestandteil der Identifizierung sein, zusammen mit der Größe, dem Aussehen der Tiere, dem Lebensraum und der Art wie sie jahren. Wobei all dies auch wieder mit den Ultraschall-Lauten zusammenhängt, die sie abgeben.
Besonders spannend fand ich: Die Fledermäuse verändern ihr „Rufdesign“, abhängig davon, wo sie unterwegs sind. Der Abendsegler jagt beispielsweise in der freien Luft und ruft deshalb sehr laut und in einer niedrigen und vor allem praktisch gleich bleibenden Frequenz. Vorteil: Ein lauter Ton in niedriger Frequenz hat eine hohe Reichweite. Die brauch er auch, denn er ist schnell unterwegs und so nimmt er z.B. das Echo der Brücke wahr, bevor er mit ihr kollidiert.
Je näher eine Fledermaus in den Randbereich eines Waldes oder über eine Wiese fliegt, desto leiser und hochfrequenter wird ihre Stimme. Je höher die Frequenz ist, desto besser kann sie Beutetiere erkennen. Sie hört aus dem Echo übrigens sogar die Oberflächenstruktur heraus und kann dadurch beurteilen: „Guter Käfer, schlechter Käfer“ – Lecker oder eklig.
Jagt sie im Wald oder Dickicht, verkürzt sie ihre Rufdauer und der Ton fällt von einer hohen Frequenz ab in eine niedrige. Je näher die Beute oder eine Struktur (Bäume, Wiese, Fels,…), desto schneller gerät nämlich auch das Echo wieder zurück in die Ohren der Fledermaus. Und irgendwann kommt es zu einem „Blinden Fenster“, in dem die Fledermaus nichts erkennen kann, weil sie – während sie den Ortungsruf aussendet bereits das Echo vom vorherigen hört. Zwar ist die Gehörschnecke der Fledermäuse von Bindegewebe gehalten steht nicht wie beim Menschen in Verbindung mit den Knochen. Dies sorgt dafür, dass sich die Töne nicht über die Knochen ins Gehör verbreiten. Aber auch sie hört sich natürlich rufen. Und das irritiert gewaltig.
Fledermäuse können übrigens extrem laut rufen – bis zu 120 dB, also lauter als ein Bresslufthammer.

Die Große Hufeisennase hat hier eine weitere Besonderheit entwickelt. Durch den speziellen Aufbau ihrer Nase erzeugt sie einen Ton und wechselt abwechselnd für den nächsten geringfügig die Frequenz. Sie kann dann dadurch das Echo vom Ruf unterscheiden.
Mausohren und Langohren jagen auch im Blattwerk ihre Beute. Sie können dort allerdings durch ihre Ortungsrufe nicht die Beutetiere vom Hintergrund unterscheiden. Und was macht man in einem solchen Fall? Genau, man ist leise und hört auf das Rascheln der Käfer, oder richtet sich nach dem Geruchssinn.

Beim Blick aus dem Fenster habe ich eben auch wieder das große Flattern im Garten gesehen. Leider sind die Tiere zu schnell für die Kamera und es ist auch bereits zu dunkel, wenn sie auftauchen. Aber ich möchte ihnen einen neuen Unterschlupf bieten, eine Wochenstube, ein Überwinterungsquartier. Daher habe ich den Abstellraum in einem Nebengebäude heute kurzerhand zum Fledermaus-Quartier erklärt. Hier installiere ich noch direkt zwischen den Balken am Dach eine Art „Wärmeglocke“ aus Holz, in der sich die warme Luft sammelt und wo sich die Fledermäuse ihre Wochenstube einrichten können.
Schließlich hat mir der NABU vor kurzem diese Urkunde mit Plakette für ein fledermausfreundliches Haus überreicht. Und das möchte ich jetzt natürlich noch ausbauen.

Fledermäuse Willkommen
Fledermäuse Willkommen

 

Ein Gedanke zu “Wenn es klackert, platscht und piepst…

Schreibe eine Antwort zu Pipistrellus Pipistrellus – Grünschreiber Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s