Tabula Rasa

Diskussion beendet!

Man mäht das Ufer eines Grabens ab, damit das Wasser weiter abließen kann. Und dann nimmt man das Schnittgut und mulcht den Bereich, kippt es also in den Graben. So geschehen schon oft in meiner Gemeinde. Ein anderes Bild zeichnete ein Artikel der Umweltbeauftragten in der Zeitung: Es werde kein „tabula rasa“ gemacht, die Uferbereiche würden nur in Handarbeit und nicht maschinell gepflegt. Uferbewuchs würde nur entfernt, wenn er den Abfluss des Wassers behindere, ansonsten Flora und Fauna überlassen. Wie passt das zusammen?

Das fragten wir uns auch von der Naturschutzgruppe und nahmen über die Presse Stellung zu diesem Thema. Hier der Artikel. Und die direkte Antwort der Umweltbeauftragten wurde ebenso abgedruckt.

Allgemeine Zeitung Mainz, 14.07.2020
Allgemeine Zeitung Mainz, 14.07.2020

Darauf nahm ich Stellung zu den Aussagen und betonte noch einmal, dass ein Graben nicht besser das Wasser abtransportiere, je mehr Schnittgut darin enthalten sei.
Außerdem ging ich noch einmal auf die Brut- und Setzzeit ein und machte den Vorschlag, dass man doch aufgrund regionaler Gegebenheiten wenigstens die Pflege-Planung innerhalb dieses Zeitfensters vom 1. März bis 30. September einen Monat zurück verlegen könnte. Denn das Klima in Rheinhessen ist ohnehin mild, Flora und Fauna deutlich weiter als die in Bayern oder Hamburg. – Und damit auch die Vogelbrut.

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten:
Während der Flurbereinigung in den 70er Jahren habe es keine großartigen Naturschutzauflagen gegeben, die Landschaft sei dem wirtschafltichen Nutzen angepasst worden. Nur einzelne kleine Bereiche seien als Hecken-Bereiche übrig geblieben.
Man mulche am Ufer der Gräben ohnehin, wenn dort keine Gehölze vorhanden seien. Dazu lasse man das gehächselte Schnittgut im Graben und am Ufer liegen. Bis das wieder entfernt würde könne ein bisschen Zeit vergehen.
Außerdem richte man sich nach den Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie und so erfolge der Rückschnitt stets nur zeitversetzt und nicht über den gesamten Bereich.
Zur Brut- und Setzzeit: Man mache die Gesetze nicht und richte ich nach den Vorgaben. Sollten Aussnahmen nötig sein, würde man sich an die übergeordneten Stellen wenden.

Meine Antwort darauf:
Die Flurbereinigung sei ja nun inzwischen ein halbes Jahrhundert her. Und auch den Landwirten wäre immer klarer, dass sich etwas ändern müsse. – Angesichts Insektensterben, Artensterben und Klimawandel. Daher würden sie ja auch vermehrt Blühstreifen säen und somit einen Beitrag zum Insektenschutz leisten.
Ich schlug dann vor, dass man doch die Praxis der gemulchten Gräben überdenken und dort die Natur machen lassen solle. – Nur mit notwendigen, gestalterischen Eingriffen, um ein Wuchern bestimmter Arten zu verhindern. Schließlich habe gerade die Corona-Krise gezeigt, dass auf Flächen, die nicht gemäht (oder gar gemulcht) werden seltene Arten auftauchten.
Außerdem ging ich noch einmal darauf ein, dass ich mir nicht vorstellen könne, dass das Einbringen von Mulchmaterial in Gräben den Wasserabfluss fördern würde. Beim nächsten Regen-Ereignis würde doch das Schnittgut auch weitergetragen und im Verlauf des Grabens zu Verstopfungen führen.
Ich wies noch einmal darauf hin, dass ich im Zusammenhang mit der Brut- und Setzzeit nicht von der Gesetzgebung gesprochen hätte, sondern von der Planung. Würden hier die Pflegearbeiten früher geplant aufgrund der klimatischen Bedingungen, wäre keine Gesetzesänderung nötig.

Als Antwort erhielt ich folgendes:
Vielen Dank für Ihre Ausführungen und Anmerkungen.
Mit freundlichen Grüßen

Was soll man dazu sagen? Mir fällt eigentlich nichts mehr ein.
Nur eines: Unsere Arbeit als Naturschutzgruppe ist bei einer solchen Antwort von der Umweltbeauftragten offenbar sehr wichtig.

5 Gedanken zu “Diskussion beendet!

  1. Grmpf.
    Das wirkt entweder ignorant oder hilflos.

    Solche anlässlich der Flurbereinigung gezogenen Gräben gibt es hier auch, mit „schwierigem Mäh- und Ausbaggerverhalten“ , um das höflich auszudrücken. Die gelten nicht als Naturgewässer und stehen zur landwirtschaftlichen Nutzung der Feldanlieger zur Verfügung, inklusive Feldbewässerung und Ausspülen vom Güllefass. Es ist zum Haareausraufen.

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    • Ah, läuft das auch bei euch so? Bei uns heißt es auch, es wären ja nur wasserabführende Gräben und keine Fließgewässer. Aber man müsse sich natürlich trotzdem nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie richten. Deshalb würde man den Bewuchs an den Gräben auch nicht auf ganzer Länge zurückschneiden, sondern immer nur in Etappen. Ein schöner Trost, wenn es danach so aussieht… Ja, ich glaube es ist hier bei uns eine Mischung zwischen ignorant und hilflos, und einfach machtlos gegenüber den Landwirten und Gemeinderäten, die es immer noch nicht verstanden haben, was auf dem Spiel steht. Und dass es anders vielleicht viel besser wäre.

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      • Das dürfte die Lage genau beschreiben.
        Diese Ggräben stehen schliesslich in Verbindung mit natürlichen Gewässern, wobei man sich sogar bei dem in den 60er Jahren kanalisierten Fluss inzwischen der Kanal-Ausrede bedient, wenn es um Schnittmassnahmen von Flussgras und Uferstreifen geht, vor allem in eingedeichten Zonen.
        Hochwasserschutz muss leider, wie vor einigen Jahren gelernt werden musste, ernst genommen werden und hinsichtlich der Gräben muss man das Praktische auch einsehen, aber wenn ich sehe, dass hier andererseits die Landwirte die Gräben mit Buschwerk und Bäumen zuwachsen lassen und es schlitzohrig als die unberührt zu lassende Feldrain-Zone behandeln, und andererseits die gartelnden Dorfbewohner ( Scnittstellen sind gegeben) ihre Gartenabfälle zusätzlich in die Gräben kippen, bis dort kaum noch eine Vertiefung bleibt, dann werden Ignoranz und Tatenlosigkeit offenbar. Wenn dann noch das unselig ahnungslose Bauhof-Kommando der Gemeinde mit dem Maschinenschnitt ohe Sinn und Verstand die Hecken und Bäume entlangfährt, und den Schnitt auch noch in den Graben schiebt, ist der Unfug perfektioniert.

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  2. Der Mensch gibt Fehler nicht gern zu und Einsichten brauchen ihre Zeit und engagierte Menschen, wie dich. „Man habe sich im Rahmen bestehender Gesetze bewegt“ ist die beliebteste Rechtfertigung unserer Zeit und der Weg des geringsten Widerstands, um einer Diskussion und Veränderung aus dem Weg zu gehen. Verantwortliche sind sich ihrer Verantwortung oft nicht bewusst und der gesunde Menschenverstand ist ein seltener Gast auf Mutter Erden. Trägheit ist eine zutiefst menschliche Eigenschaft und es ist schon erstaunlich, welcher Aufwand betrieben wird, um diese zu verteidigen. Mit dieser Energie könnte man ebenso Probleme angehen, aber dazu braucht es gewachsene Persönlichkeiten.

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    • Oh ja, diese Begründung habe ich auch schon sehr oft gehört. Und wenn diese nicht greift, dann sind es Ausnahmeregelungen zur Verkehrssicherungspflicht. Ich verstehe auch nicht diese Trägheit und wie Du schreibst, warum in die Beibehaltung des Bestehenden so viel Energie gesteckt wird. Es könnte ja auch sehr viel besser werden, würde man sich mal bewegen. Nur leider fehlen hierzu der Mut, aber auch der Wille und die Einsicht in vielen Bereichen der kommunalen Verwaltung. Da bleibt nur, weiterhin das Bewusstsein für diesen Artenmord vor der eigenen Haustür zu schärfen und Menschen dazu zu bewegen, sich diesem Treiben in den Weg zu stellen.

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