Falter-Vielfalt

Es gibt einen erfreulichen Trend: Man möchte gerne das Insektensterben stoppen, sät deshalb Blühstreifen aus. Speziell Landwirte werden hier vermehrt aktiv. Das ist sehr lobenswert. Doch speziell für die Falter ist ein solches Pollen- und Nektarangebot nur bedingt wertvoll. Denn ihre Raupen haben nichts davon. Sie brauchen vielmehr Fraßpflanzen, die im Blühstreifen-Saatgut nicht enthalten sind.

Die Raupen von Faltern benötigen unterschiedlichste Fraßpflanzen. Dazu gehören Brennnesseln, aber auch Disteln, Klee, Kohlgewächse und viele andere Wildkräuter und Sträucher zählen dazu. Manche Falter sind auf nur eine oder weniger Fraßpflanzen spezialisiert. Gibt es diese nicht mehr, gibt es auch keine Falter mehr. – Und sei der Blühstreifen noch so groß.

Schwalbenschwanz
Schwalbenschwanz
Admiral
Admiral

Was die Lösung für dieses Problem sein kann, die zudem auch noch Kosten und Arbeit spart, zeigt zuletzt die Corona-Krise. Das Arte-Journal berichtete heute in seiner Nachrichten-Zusammenfassung davon, dass u.a. in Irland die Krise dazu führte, dass Grünflächen über Wochen nicht abgemäht wurden. Die Folge: Auf einer solchen Fläche wuchs nach einigen Wochen plötzlich die Bienen-Ragwurz, eine auch in Deutschland heimische Wildorchidee. Sie wird zunehmend in ihrem Bestand bedroht – vor allem auch aufgrund ihrer späten Blüte und somit der Tatsache, dass sie vor Samenreife dem Mäher zum Opfer fällt.

Taubenschwänzchen
Das Taubenschwänzchen
Tagpfauenauge
Tagpfauenauge

 

Auch in unserer Gemeinde finden gerade wieder Mäh-Aktionen statt. Die Grünpatenschaftsfläche unserer Naturschutzgruppe wurde Anfang letzter Woche vom Bauhof abgemäht. Wo zuvor noch blühende Disteln, Mohn, Färberwau, Kamille und weitere Pflanzen blühten, befindet sich nun nur noch eine kahl rasierte Fläche.
Nächstes Jahr werden wir versuchen, das Mähen der Fläche selbst zu übernehmen, und können somit gezielt Blühpflanzen stehen lassen.

 

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Ein Federgeistchen

 

Je näher man dem Gebiet kommt, desto mehr Blühpflanzen entdeckt man. Und wo die sind, sind meist auch die Insekten nicht weit, wie dieser Schachbrettfalter hier auf der Distelblüte.
Ein Schachbrettfalter auf Distelblüte

 

Dass es sich lohnt zeigt nicht nur das Beispiel in Irland. Auch verschiedene Studien weisen darauf hin, dass weniger Mähen mehr Artenvielfalt bedeuten kann. Daher gibt es auch in verschiedenen Kommunen bereits Programme, die dies im Fokus haben, wie u.a. die Leipziger Volkszeitung berichtet.

Und mehr Pflanzenarten bedeutet speziell in Bezug auf den Schutz von Schmetterlingen auch eine größere Artenvielfalt unter den Faltern.

 

Das hier scheint ein Weißling zu sein, vielleicht ein Kohlweißling? So sicher bin ich mir da noch nicht...
Und hier ein Weißling
Baumweißling
Baumweißling
Ein Kleines Ochsenauge - der eine Fleck verrät, es ist ein Männchen, An diesem Fläch befinden sich Schuppen, die Sexual-Lockstoffe aussenden.
Ein Kleines Ochsenauge – der eine Fleck verrät, es ist ein Männchen, An diesem Fläch befinden sich Schuppen, die Sexual-Lockstoffe aussenden.

 

2 Gedanken zu “Falter-Vielfalt

  1. Die Blühstreifen sind Hummel- und Honigbienenfreundlich und sonst kaum noch etwas. Viele Wildbienen sind spezialisiert und leider favorisieren die Blühstreifenmischungen des Landhandels nichtheimische, ergo nicht winterfeste Arten, von denen nicht nur Schmetterlingsraupen nichts haben, sondern auch so manche Wildbienenart nicht.
    Dazu kommt, dass sie mit Beginn der Gerstenernte meist mit abgemäht werden, was wiederum allen Tieren den Nutzen nimmt, seien es Insekten oder schutzsuchende Rebhühner & Co. – für mich sind diese bunten Streifen inzwischen eher eine Augenwiscgherei, die den radelnden Ahnungslosen vorgaukeln, hier würde landwirtschaftlischerseits Artenschutz betrieben.

    Besser wäre es, vernünftiges Brachenmanagement zu betreiben, mit Randstreifen, die tatsächlich stehengelasssen werden, statt diese zu mähen – Verzeihung zu mulchen! – während der für den Landwirt harmlose, weil fristgerecht zum Tode verurteilte Blühstreifen darüber hinwegtäuscht, dass hier immer noch gezielt heimische Kräuter bekämpft werden.

    Wiesen für den Artenschutz können nicht nach den konventionellen Ratfatz-Heuwiesen-Kriterien mit der Maschine gemäht werden, da hast du ganz recht, denn die Blühpflanzen starten nicht alle zugleich, und die Falter, die an Gräsern und anderen Wiesenpflanzen ihre Eier ablegen, sind erstaunlich zahlreich.
    Da wäre es schon gut, die Kunst der Sensenmahd wiederzubeleben und ausgewählte Flecken und Streifen mindestens bis zum Herbst stehen zu lassen und dann zu alternieren, für die Überwinterer.
    Auf grossen Flächen lassen sich sogar damit „ordentlich“ aussehende Formen erzielen, so dass die Akzeptanz bei eventuell ahnungslosen Betrachtern grösser wäre – sofern keiner kommt und sich für den eigenen Bedarf bedient.

    Auf meinen Wieseninseln im Garten genügt mir die Handsichel, aber da verfahre ich auch nach dem Auswahlprinzip. Sense und Sichel gewährleisten ausserdem, dass der Schnitt nicht zu tief geht. So manchem der anwesenden Tieren sichert diese altmodische und langsamere Schnittweise, dass sie entkommen und überleben können.

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