Ich glaub mein Schwein pfeift…!

Unsere Bundeslandwirtschaftsministerin hat eine klare Forderung: Fleisch muss teurer werden. Denn Fleisch von glücklichen Tieren hat nun mal seinen Preis. Da hat sie recht, doch stinkt die Aussage ausgerechnet aus ihrem Mund zum Himmel wie ein Stück Gammelfleisch in der brütenden Nachmittagshitze…

Ist sie nicht die Ministerin, die die tierquälerischen Kastenstände für Schweine weiterhin beibehalten möchte? War sie es nicht, die für die Qualität von Fleisch mit dem Tierwohlsiegel der Stufe 1 geworben hat? – Das ist die tierquälerischste Haltungsform! Steht sie nicht einem Ministerium vor, das vor kurzem die Milchquote abgeschafft hat, wodurch die Milchpreise ins Bodenlose gefallen sind? – Wodurch Kühe immer mehr Milch geben müssen, aber immer weniger kosten dürfen, damit die Landwirte überhaupt noch überleben können?
Hat ihr Ministerium dann wenigstens eine Initiative auf EU-Ebene gestartet, um die Agrar-Subventionen weg von der Masse und hin zum Tierwohl zu steuern? – Nein! Sie hat auch nie klare Kante gegen das MERCOSUR-Abkommen mit Südamerika gezeigt, das massiv den Klima- und Artenschutz torpediert, und auch zu einer massenhaften Einfuhr von Rindfleisch aus Südamerika führen wird. Und was passiert, wenn billiges Fleisch eingeführt wird? Richtig: Das Angebot steigt weiter, wodurch der Preis fällt.
Die Ministerin ist sogar Befürworterin des MERCOSUR-Abkommens!

Und nun fordert sie allen Ernstes, dass die Verbraucher dann eben mehr Geld für ihr Fleisch zahlen müssten, wenn sie denn wollten, dass die Tiere nicht gequält wurden.
Ist das nicht pervers? Eine Ministerin tut mit ihrem Handeln alles dafür, dass Fleisch immer billiger wird, steckt Steuermilliarden in die Massentierhaltung und fördert sie massiv. Und dann zeigt sie auf den Verbraucher und sagt: Du bist schuld daran, dass das Fleisch so billig ist, weil du es so billig willst. Dann machen wir es eben teurer. Das hast Du dann davon. Und über die Steuer zahlst Du gleichzeitig weiterhin die Subventionen, damit auch in Zukunft die Massentierhaltung Bestand haben wird.

Was mit den Mehreinnahmen passieren soll? Wie sich die Haltungsbedingungen verbessern würden? Wieviel davon der Handel einstecken wird? Und wieviel über die Mehrwertsteuer zusätzlich beim Staat landet? Dazu sagt sie nicht viel.
Auch verschweigt sie, dass der Konsum an Schweinefleisch in Deutschland zurückgegangen ist. Dafür ist der Export von Schweinefleisch ins Ausland in den letzten zwölf Jahren um über 50 Prozent gestiegen. Und warum ist das so? Genau: Weil Fleisch so billig produziert wird, auf Kosten der Tiere, der Menschen vor Ort, der Umwelt und der Qualität. – Und natürlich gefördert durch Steuermilliarden.

Da kann man nur hoffen, dass man diese Mogelpackung entlarven wird, ehe man sie umsetzt. Fleisch muss teurer werden – ganz klar! Aber nicht ausschließlich durch eine „Tierwohl-Abgabe“, sondern durch eine geänderte Subventionspolitik und die Umsetzung bestehender Gesetze.

So ist die Kastenstandhaltung seit Jahrzehnten illegal und verstößt gegen das Tierschutzgesetz. Auch das Töten von männlichen Küken mit Hilfe von Gas oder durch den Schredder verstößt gegen das Tierschutzgesetz, wird aber weiterhin toleriert, da es angeblich keine andere Lösung gibt. Die gäbe es sehr wohl, denn das Problem besteht nur, weil man zwei Zuchtlinien geschaffen hat: Hühner die viele Eier legen und dafür wenig Fleisch ansetzen – und eben Hühner, mit viel Fleisch und wenig Ei-Produktion. Früher gab es beides in einer Rasse: Moderat viele Eier und am Ende der Legezeit ein Huhn als Fleischlieferant.
Auch die Kürzung der Schwänze bei Schweinen schon vor langer Zeit von der EU verboten worden, findet in Deutschland aber weiterhin statt. Kein Wunder: Sperrt man Schweine ein, werden sie aggressiv und beißen sich die Schwänze ab. Das sind Verhaltensstörungen, da die Tiere in den Ställen leiden. Doch anstatt ihnen mehr Platz und artgerechte Haltungsbedingungen zuzugestehen, schneidet man ihnen lieber die Schwänze ab, damit sie sich nicht mehr beißen können…
Das ist doch ein widerliches, krankes System!

Und da spricht die Ministerin tatsächlich von Tierwohl? Sie sollte besser früher als später ihren Posten räumen müssen, und kann ihre Tierwohl-Augenwischerei am besten gleich mitnehmen. Arbeitslos würde sie schon nicht werden, denn bei dem einen oder anderen Konzern ist sicher noch ein Platz für sie frei. Kontakte scheint sie ja genügend zu haben.

Ein Gedanke zu “Ich glaub mein Schwein pfeift…!

  1. Landwirtschaftsminister*innen haben, scheint es, oft eine gewisse Lobbyaffinität, wenn nicht sogar ein persönliches Interesse, wie seinerzeit die niedersäschsische Landwirtschaftsministerin mit ihrem familieneigenen Putenmastbetrieb Ahlhorn: Astrid Grote-Lüschen war immerhin Geschäftsführerin in Deutschlands zweitgrösstem Mastputenbrüterei-Betrieb. 2010 musste sie wegen eines entsprechenden Skandals zurücktreten.
    Wenn man sich überlegt, wieviele Skandale es rund um die deutsche Fleisch“erzeugung“ in den vergangenen Jahren gegeben hat, ohne dass sich in der Praxis etwas an den Zuständen geäbdert hat, muss man tatsächlich an der Politik zweifeln, die entweder zu verfilzt ist mit den gigantischen Geschäftsbereichen in Landwirtschaft, Industrie und Handel, oder zu feige, sich mit der billig Fleisch konsumierenden Wählerschaft anzulegen.

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