Schnell mal das Huhn baden…

Hier war was los die letzten Tage! Ich musste meine alte Hühner-Dame baden. Und das gleich mehrfach. Ich weiß nicht, wer am Ende mehr von der Seifenlauge abbekommen hat – sie oder ich. Doch es zählt nur eines: Das Baden scheint ihr zumindest vorerst das Leben gerettet zu haben. Denn es stand auf der Kippe und so richtig fit ist sie noch immer nicht.

Alles begann letzten Donnerstag. Da bekam sie ein wenig Durchfall, aber fraß noch ordentlich. Ich beherzigte den Tipp eines Bekannten und mischte in ihr Futter ein wenig Heilerde aus der Apotheke. Die soll nämlich nicht nur beim Menschen gegen Sodbrennen und Durchfall helfen, sondern auch bei Hühnern die Giftstoffe binden und so die Darmfunktion unterstützen. Am Freitag nahm jedoch ihr Appetit deutlich ab und am Samstag stand sie eigentlich nur noch in der Ecke rum.  Sofort wurden Erinnerungen an Wilma wach und ich dachte: Hoffentlich schafft sie das!

Da mein Tierarzt am Wochenende nicht offen hat, sah sich eine Bekannte dankenswerterweise das Huhn mal an und wir entdeckten etwas Grausames: Fliegenmaden hatten sich nahe der Kloake eingenistet und fraßen dort bereits ein Loch. – Schlimmer wie im Horrofilm! Es schien also klar, dass es nur noch um eines gehen konnte: Die Arme so schnell wie möglich von ihren Schmerzen zu erlösen.

Also rief ich den tierärztlichen Notdienst an. Der Arzt dort berichtete jedoch, er hätte keine Ahnung von Hühnern und daher auch keine entsprechenden Medikamente. Er nannte mir dann drei Kollegen, zu denen auch mein Tierarzt zählte, die sich mit Geflügel auskennen würden. Doch die waren am Wochenende eben nicht zu erreichen. Der Weg zur Tierklinik war zu weit. Und selbst töten mit einem gezielten Schlag – das traute sich hier keiner zu, so wie es mein Opa früher immer mit dem Beil bei den Hühnern gemacht hatte.

Zum Glück erreichte ich dann meinen Tierarzt doch noch und der empfahl mir etwas, womit ich gar nicht gerechnet hatte: Baden Sie es in Seifenlauge und schauen Sie mal, wie es sich entwickelt.
Ich weiß zwar, dass mein Opa immer auf die Wirkung von Kernseife geschworen hat, wenn er mal einen Dorn oder einen Holzsplitter im Finger hatte, der sich entzündete. Aber sollte das jetzt auch dem Huhn helfen?

Was blieb mir anderes übrig? – Ich probierte es aus und setzte es direkt in eine Wanne mit lauwarmem Wasser und ganz viel Kernseife, hielt es mit der einen Hand fest, während ich mit der anderen seine Kloake und den Bereich drumherum vorsichtig abspülte. Anfangs war es schon sehr abgeneigt gegen diese neue Art der Körperpflege und versuchte ein paar mal, davon zu flattern. Ich hielt es fest, war aber am Ende klatschnass und voller Seifenschaum.

Huhn beim Baden...
Huhn beim Baden…

Nach zehn Minuten nahm ich es wieder aus dem Wasser, trocknete es ein wenig ab und setzte es in die Voliere der Wachtel-Hähne, die nachts ohnehin ins Haus umziehen. Und – siehe da: Es begann bereits damit, sich über ein Stück gekochte Kartoffel herzumachen. Das war schon immer eine seiner Lieblingsspeisen, und nun schien sie ihm auch wieder zu schmecken.

Es geht aufwärts...
Es geht aufwärts…

Am Sonntag badete ich es dann gleich zweimal, wobei ihm das sichtlich gefiel. Es schien ihm gut zu tun und es begann auch wieder mehr zu fressen. Die Schmerzen schienen sich in Grenzen zu halten, denn es schüttelte sogar sein Schwanzgefieder und begann damit, es zu pflegen. Allerdings sah ich noch immer neben der Kloake diese Stelle mit dem Maden-Befall.
Der Hunger der alten Dame hielt sich noch immer sehr in Grenzen, der Stuhlgang wirkte auch noch nicht so toll.

Auch am Montag badete ich sie wieder zweimal, wobei sie mittags fast eine halbe Stunde lang im lauwarmen Wasser blieb und es sichtlich genoss. Ich hielt sie fest, streichelte sie, und schließlich machte sie sogar ein Nickerchen.
Abends ging es dann endlich zum Tierarzt. Der gab ihr eine Aufbauspritze und sprühte ihr Hinterteil mit einem Medikament ein. Und dann fiel er fast vom Glauben ab, als ich ihm sagte, dass sie bereits vier Jahre alt sei. – Das sei für diese Rasse ein biblisches Alter und ich müsste damit rechnen, dass sie nicht mehr sehr lange lebt. Aber zum Einschläfern sei sie auch noch zu fit.

Ich nahm sie also wieder mit nach Hause und setzte sie in einen kleinen Raum im Nebengebäude. Dort habe ich Streu ausgelegt, in das sie sich setzen kann, Futter und Wasser gibts natürlich auch. Und vor allem kommen ihr vorerst mal keine Fliegen mehr zu nahe. Sie frisst moderat, wobei es ihr besonders Haferflocken angetan haben. Ihr Stuhlgang wird zunehmend normal und sie wirkt auch wieder wacher und agiler. Und vor allem ist sie eines nach der Bade-Aktion geworden: Zutraulich und verschmust.
Hoffen wir, dass ihr noch ein wenig Zeit auch wieder im Freien bei ihrem Hahn und ihren Hennen-Kollegen gegönnt ist. Vorerst bleibt sie aber erst mal hier.

Nur gebadet wird jetzt nicht mehr… 🙂

Ganz viele Streicheleinheiten
Ganz viele Streicheleinheiten

 

Hier gibt es übrigens noch eine interessante Reportage über „Inge“ und „Klaus“ – Zwei Küken wachsen heran. Dies ist eine weitgehend tierfreundliche Haltung – in der Massentierhaltung sieht ein Huhn nicht mal das normale Tageslicht. Und Hühner wie Hähne werden in der kommerziellen Eierproduktion bei weitem nicht so alt, wie meine beiden Damen.

9 Gedanken zu “Schnell mal das Huhn baden…

      • Das freut mich. Mir gefällt die Idee, dass ein Huhn durch liebevolles Baden „gezähmt“ wird und gesundet. Da sieht man mal, dass Hühner (wie alle Tiere) Zuwendung brauchen und genießen. Das Wort Nutztier degradiert sie ja praktisch schon zu einem Gegenstand und macht es leicht, ihnen Bedürfnisse abzusprechen.

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    • Da hast Du vollkommen recht. Durch die Bezeichnung, die wir Hühnern, Schweinen, Rindern, Puten, Enten, Gänsen und anderen Tierarten geben, machen wir klar: Diese Tiere können wir für unsere Zwecke nutzen. Und manch einer, dem ich vom gebadeten Huhn erzählt habe, war sichtbar irritiert: Im Zweifel haut man ihm halt den Kopf ab oder lässt es einfach „eingehen“ – es legt ja eh keine Eier mehr. Natürlich setzt man es extra, damit es die anderen Eierleger nicht noch infiziert, sonst bringen die ja nichts mehr ein… Doch ist es wirklich so einfach? Kann ich es mir so einfach machen? Nachdem ich diesem Huhn in die Augen gesehen und erkannt habe, dass es genauso leidend schaut, wie ein Mensch der Schmerzen hat, dass es genauso entspannt im warmen Wasser liegt, das ihm gut tut… Wie kann ich da so denken und handeln? Es sind fühlende und denkende Wesen – ob wir sie nun Haustiere oder Nutztiere nennen. Hund, Katze, Huhn, Kuh: Das sind alles nur menschliche Bezeichnungen für verschiedene Arten, die unterscheiden sollen. Doch am Ende sind sie alle fühlende und denkende Wesen. Ich möchte nun nach und nach weg von den tierischen Lebensmitteln und spiele mit dem Gedanken, eine Ausbildung zum Veganen Ernährungsberater zu machen. So könnte ich für mich und meine Ernährung etwas lernen, und zugleich später das Wissen auch an andere Menschen weitergeben.

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      • Du hast es so gut auf den Punkt gebracht, da gibt es nichts hinzuzufügen.
        Vegane Ernährung finde ich super, bin aber selbst noch vegetarisch unterwegs. Es ist ein ständiger Zwiespalt, aber immer noch besser als mit Fleischkonsum. Vegane Ernährung wird so übertrieben mit Lifestyle verknüpft, dass die meisten Leute total davon abgeschreckt sind. So ist das auch in meinem Umfeld, da darf ich gar nicht erwähnen, dass ich mich dafür interessiere. Was keiner weiß: Auch Spaghetti mit Tomatensauce sind vegan. Man muss sich nicht von überteuerten Spezialprodukten und Quinoa-Schischi ernähren 😉 Die Idee mit der Ausbildung gefällt mir, vielleicht kannst du dann mit einigen Vorurteilen aufräumen (bei den Skeptikern).

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