Die Ziege mit dem irren Blick

Ja, was ist denn das?!

Heute war ich in der Wetterau unterwegs. Nachdem ich bei Selters kurz die Salzwiesen gesehen habe, und die renaturierte Nidder angeschaut, wurde mir bald klar: Ich würde heute keinen Salzwiesen-Rundweg mitten in der Sonne laufen können. Meine Arme waren schon rot und nicht weit von einem ordentlichen Sonnenbrand. Was also tun? Genau: In den Wald flüchten. Und dort fand ich dann etwas…

Ja, was war das? Es sah aus wie Gewöhnlicher Gundermann, der auch bei mir zu Hause wächst. Doch was hatte es mit diesen dicken Früchten auf sich, die auch noch feine Häärchen hatten? Ich nutzte meine Flora-Incognita-App und die sagte auch nur, das sei der Gundermann. Seltsam, da würde ich aber nochmal genauer nachschauen.

Was ist dran am Gundermann?
Was ist dran am Gundermann?

 

Vorher hatte ich schon ein paar Eindrücke in Selters gesammelt.

Blick über die Salzwiesen auf Selters
Blick über die Salzwiesen auf Selters
Blumen auf der Wiese
Blumen auf der Wiese
Die Störche in der Ferne, auf der anderen Seite der Nidder
Die Störche in der Ferne, auf der anderen Seite der Nidder
Die renaturierte Nidder bei Selters
Die renaturierte Nidder

Und dann war da ja auch noch die Ziege mit dem irren Blick, die auf dem Beitragsbild zu sehen ist.

Aber nun war Schluss! Meine Haut brannte, und sie war mir wichtiger als die Salzwiesen dort draußen, oder die Nidder.
Ich ärgerte mich schon, weil mir das nun entgegen würde. Doch es halb nichts: Ich musste aus der Sonne, mir war extrem heiß.

Also war es naheliegend, in den Wald zu fliehen.
Dabei dachte ich mir dann, dass das ja leider nur ein Wirtschaftswald war. Und meistens findet man dort nicht mehr viel Natur.
Doch in diesem Wald war das anders! Und da stand zu recht ein Schild des Forstamts Nidda, dass dieser Staatswald „anders“ sei und nachhaltig bewirtschaftet werde nach dem PEFC-Siegel. Nachdem ich den Zustand dieses Waldes gesehen habe, werde ich künftig beim Kauf von Holz wirklich auf dieses Zeichen achten, denn der Wald war in keinem schlechten ökologischen Zustand. Es gab Bereiche mit Totholz, einige angelegte Tümpel am Wegrand, es waren keine großen Schneisen zu erkennen mit tiefen Fahrgleisen, die ich aus anderen Wirtschaftswäldern kenne.
Auch bestand der Wald aus vielen Buchen, aber auch aus anderen Bäumen und Sträuchern. Hier stand Farn, dort standen Holunder, ein Stück weiter sogar ein…

Fingerhut
Fingerhut

 

Blätterdach
Auch der Blick nach oben offenbarte eine wunderbare Aussicht.
Ein komischer Vogel
Ein komischer Vogel saß in einem Baum, machte einen Riesen-Lärm und fing schließlich dieses Insekt hier. Bisher habe ich ihn noch nicht einordnen können. Aber man hörte im gesamtem Wald verschiedene Vögel singen, Schwarzamseln flogen durch das Dickicht, es waren etliche Nistkästen angebracht und Fledermaus-Spaltkästen. Ein Reh rannte vorbei.
Gebänderte Pracht-Libelle
Und schließlich tauchte sogar noch eine weibliche Gebänderte Pracht-Libelle auf.
Und am Ende, als ich gar nicht mehr damit rechnete, entdeckte ich doch noch Spuren vom Homo Verdrecktus der offenbar instinktiv dazu verleitet wird, seine angesammelten Schätze in aller Öffentlichkeit zur Schau zu stellen und zu sagen: Schaut her, ich bin so schlau, dass ich mir alles kaufen kann. Aber zu dumm, um es dann richtig zu entsorgen.
Und am Ende, als ich gar nicht mehr damit rechnete, entdeckte ich doch noch Spuren vom Homo Verdrecktus der offenbar instinktiv dazu verleitet wird, seine angesammelten Schätze in aller Öffentlichkeit zur Schau zu stellen und zu sagen: Schaut her, ich bin so schlau, dass ich mir alles kaufen kann. Aber zu dumm, um es dann richtig zu entsorgen!

 

Doch Moment, da war ja noch was mit dem Gundermann… Was sind das nun für Kugeln?
Ich hatte einen Verdacht und recherchierte ein wenig, als ich wieder zuhause war und mich erst mal abgekühlt hatte. Und dann fand ich es:

Die Kugeln sind die Nester der Gundermann-Gallwespe. Die gibt mit ihrem Legestachel im zeitigen Frühjar die Eier in die Blattknospen – zusammen mit Stoffen, die das Zellwachstum der Blätter steuern. Somit sorgt die Gallwespe dafür, dass das Blatt sich nicht normal entwickelt, sondern zu einer Galle mit einfachem Verschluss oder sogar einzelnen Kammern heran reift. Dadurch wird ein Teil der Pflanze vom Tier umfunktioniert, in eine Behausung für die eigene Brut. Der Nabu hat hierzu eine interessante Übersicht.
Toll, oder?

 

6 Gedanken zu “Ja, was ist denn das?!

  1. schöne Bilder und eine schöne Tour
    ja, ich kann auch nicht verstehen, wie man dazu kommt seine Möbel in der natur zu lassen!
    bei uns gibt es sehr viele Flohmärkte und dergeleichen, mehr als normale Geschäfte und somit würde niemand was wegwerfen sondern es entweder spenden oder verkaufen

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  2. Danke, die Tour war am Ende wirklich sehr schön, auch wenn ich mir von den Salzwiesen mehr versprochen hatte. Gut, ich konnte sie eben leider auch nicht erkunden wegen der Hitze.
    Bei uns wächst glaube ich auch das Bewusstsein der Müllvermeidung, des Upcyclings und des Recyclings. Aber was man hier teilweise in der Natur findet, ist unglaublich. Elektrogeräte, Kontoauszüge, Unterhosen, Schuhe, Kleidungsstücke, Flaschen, Dosen, Lebensmittelverpackungen, ganze Säcke mit Restmüll, teils auch Sondermüll,… Und das teilweise direkt neben Wertstoffhöfen, in denen man eigentlich seinen Müll abgeben kann.

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    • Jetzt muss ich mal doof fragen:
      Warum heissen die Salzwiesen? Die liegen doch nicht am Meer und werden überschwemmt, oder?
      Ja das mit dem Müll… ich denke, das íst einfach eine bestimmte Gruppe von Leuten, die auch andere Dinge tun, die noch viel schlimmer sind. Die sind einfach asozial aufgrund mentaler Probleme.
      Doch bei uns gibt es eben einen Markt für Gebrauchtes. Und somit wollen dann selbst solche Leute lieber das Geld haben als den Müll einfach irgendwo hinzuwerfen.
      Denn Möbel in die Natur werfen macht Arbeit. Wenn du ne annonce aufgibst und für die Möbel noch Geld kriegst, dann hast du kaum Arbeit, aber noch was dafür.
      In Deutschland hingegen wird manm als Bedürftig angesehen, wenn man seine Kleidung oder seine Möbel zweite Hand kauft. Wir kaufen aber prinzipiell nichts Neues. Nicht nur weil es preiswerter ist und Müll vermeidet, sondern weil wir weniger Giftstoffe einatmen wollen und weil ironischerweise die gebrauchten Sachen bessere Qualität sind als viele neue. Denn wenn man sie in den Zweite-Hand-Laden geben kann, müssen sie schon von anständiger Qualität sein, ansonsten sinmd sie schon vorher hin.

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      • Ja, ich kenne Salzwiesen auch eigentlich nur vom Meer. Allerdings kommt hier aus dem Untergrund über Quellen salzhaltiges Wasser und fließt auf die Wiesen. Dadurch hat sich ein ganz besonderes Ökosystem entwickelt. Das hatte mich daran auch so fasziniert. Schau mal: http://naturschutzfonds.wetterau.de/lebensraeume/salzwiesen/
        Da hast Du vollkommen recht. Bei uns gilt es in vielen Teilen noch immer als arm, wenn man sich gebrauchte Dinge kauft. Es gibt zwar schon einen Markt für Second-Hand, aber der ist bei weitem nicht so groß. Und die Müll-Sünder scheinen einfach ein grundsätziches Problem zu haben, ihnen fehlt ein Problembewusstsein oder einfach überhaupt die Möglichkeit der Reflektion, was sie da eigentlich tun. Im September findet wieder der RhineCleanUp statt, da laufen tausende Menschen am Aktionstag am Flusslauf des Rheins und auch an den Nebenflüssen herum und sammeln den Müll, den andere dort hinterlassen haben. Es ist erschreckend zu sehen, was die Leute hier alles in die Landschaft werfen. Aber es ist auch toll, wenn man sieht, wie sich eine Gegenbewegung formiert, der es nicht egal ist, dass überall Müll in der Natur landet. Ich habe zwar schon von einigen das Argument gehört: „Warum soll ich das denn wegräumen? Ich hab es nicht hingeworfen, es ist nicht mein Müll.“ Ich sag dann immer: „Es ist auch nicht mein Müll, aber es ist meine Natur, mein Lebensraum, der da verdreckt wird.“ Und daher mache ich mit.

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  3. Sehr interessant.
    Danke für den Link.
    Weisst Du, ich denke, es ist wirklich eine ganz bestimmte Sorte Mensch, die nicht besonders intelligent ist und kein besonderes Ethikbewusstsein hat. Ich habe neulich so einer Person versucht, zu helfen und das wurde überhaupt nicht angenommen. Irgendwie ist es bei solchen Leuten hoffnungslos, es sei denn, man schafft es, zuerst ihren mentalen Zustand zu handhaben. Eine positive Geschichte kenne ich allerdings, von einem Mann, der mir erzählte, dass er, als er jung war, einfach alles in der Natur rumgeworfen habe. Irgendwann sei ihm dann klargeworden, was er tat, und seitdem hebt er überall den Müll von anderen auf, um den Schaden wieder gutzumachen.

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    • Ja, mein Vater hat früher auch immer Müll aus dem Autofenster geworfen, wenn wir in Urlaub waren, als ich noch Kind war. Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern. Heute habe ich ihn bekehrt und er sammelt sogar Müll mit ein beim RhineCleanUp. 🙂 Und er wirft auch keinen mehr raus.

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