Steinkauz

Steinkauz ermordet!

Nachdem meine Wildkamera momentan etwas rebellierte und ich mir beim Reparieren nun auch noch ordentlich und schmerzhaft den Finger gequetscht habe, gibt es von letzter Nacht kein Steinkauzbild – dieses ist von vorgestern. „Von vorgestern“ sind wohl auch manche Menschen im Geiste, denn es gibt tatsächlich Zeitgenossen, die seltene Streuobstwiesen mit hundertjährigen Obstbäumen mutwillig zerstören. Sie fällen sie und machen weder vor Naturschutzvorschriften noch möglichen Strafen halt…

Geschehen vor einigen Wochen im rheinhessischen Engelstadt. Dort wurden zweimal hintereinander mehrere 100 Jahre alte, gesunde Obstbäume ohne Genehmigung gefällt.
Auch der SWR berichtete darüber. Beschwerden bei der Unteren Naturschutzbehörde ziehen nun Ermittlungen nach sich. Welche Strafe den Umweltsünder erwartet bleibt allerdings abzuwarten…

Auch bei Frankfurt-Harheim wurden alte Bäume einer Streuobstwiese gefällt. Das besonders Unglaubliche daran: In den Bäumen befanden sich zwei Steinkauz-Niströhren. Die hat man wohl abgerissen und so auf den Boden gestellt, dass die Tiere darin nicht entkommen konnten. Ein Steinkauz starb, der andere überlebte nur, weil er sich am anderen nährte. Nach tierärztlicher Behandlung geht es ihm nun körperlich wieder gut und er konnte ausgewildert werden. Die Kriminalpolizei ermittelt noch nach dem Täter.

Doch man fragt sich wirklich, welchen Vogel solche Barbaren im Kopf haben. Für mich ist das einfach nicht nachvollziehbar. Die Tiere sind stark bedroht und besonders geschützt, es drohen Strafen bis zu 50.000 Euro für solche Umweltsünden. Und trotzdem scheint es manche Menschen umzutreiben, aus Mutwillen, Hass auf die Natur oder den Vogel selbst das bisschen Lebensraum zu zerstören, das ihm noch geblieben ist. – Und sogar vorm Tod eines Tieres schrecken sie nicht zurück.

Wie irre muss man sein? – Um es auf den Punkt zu bringen. Mehr bleibt mir einfach nicht zu sagen…

 

 

13 Gedanken zu “Steinkauz ermordet!

    • Ja, ich kann es auch nicht verstehen, wie man auf solche Ideen kommt. Vor allem im erwähnten Engelstadt ist es erschreckend, wie ein Neubürger eine ganze Ortschaft in Unruhe versetzt und sich gegen die Masse stellt. Und mit seiner Dreistigkeit auch noch erreicht, dass sich keiner so recht traut, sich ihm entgegen zu stellen. Und die, die es tun könnten (Kreisverwaltung) tun es nicht oder nur sehr zögerlich.

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    • Ja, gerade jetzt in Corona-Zeiten schätzen viele die Natur als Ausgleich, machen Sport, gehen in der Region wandern, tanken neue Kraft. Und darunter gibt es viele, denen die Natur ansonsten absolut egal ist. Und die sich daher auch nicht für ihren Schutz einsetzen. Dabei sollte gerade jetzt der Wert der Natur vielen klar werden. Und gleichzeitig, welche Folgen der Klimawandel haben wird, wenn schon „nur“ ein Virus unser gesamtes Leben auf den Kopf stellt. Ich glaube, viele Menschen haben auch die Verbindung zur Natur komplett verloren. Sie denken, das ist irgendwas Abstraktes, das man schützen kann aber nicht muss. Und sie sehen gar nicht mehr, dass das Korn fürs Mehl nicht in Supermarktregalen wächst, auch nicht beim Online-Händler, sondern auf Feldern. Und dazu braucht es funktionierende Ökosysteme, lebendigen Boden, passende Temperaturen und vor allem genügend Regen…

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    • Ja, so ist es leider. Mir fehlen da die Worte. Ich habe den Naturschützer in Engelstadt gehört und mich mit einem seiner Mitstreiter unterhalten. Die kleine Gemeinde ist schockiert und der Bürgermeister selbst ratlos. Denn der jenige, der die Fläche dort gekauft und die Bäume einfach abgesägt hat, ist wohl sehr gewissenlos und geht auch mit Gegnern nicht gerade zimperlich um… Erschreckend, dass es so etwas gibt. Und noch erschreckender ist es, dass die Untere Naturschutzbehörde nach meinem Eindruck viel zu wenig unternimmt bzw. viel zu lange wartet. In der Zeit hatte der Täter ein zweites Mal zugeschlagen und weitere Bäume abgesägt. Ich kenne allerdings auch diese Behörde durch die Aktivitäten unserer Naturschutzgruppe, und auch ihre Zögerlichkeit…

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      • Kommt mir alles so bekannt vor… wir haben ähnliche Schwierigkeiten hier mit einem Landwirt, der quasi dafür verantwortlich ist, dass eine der größten Krötenpopulationen hier im Landkreis verschwindet. Er lässt das Wasser im Teich ab, wenn die Kröten ankommen udn laicehn wollen. Er setzt Fische rein, die den Laich fressen. Er fährt nachts mit sienem Traktor über die Wege, wo die Kröten drüber wandern. Er güllt die Wiesen, über die sie drüber müssen. Er lässt seine riesige Garage offen, in die die Tiere bei der Rückwanderung reinwandern und nicht mehr rauskommen, und fährt dann mit seinem Traktor rein und raus. Er hat in die Hauptwanderroute einen riesigen Berg Reifen gelegt, in dem sich die Tiere verirren und viele auch nicht mehr rausfinden.
        Vor zwei Jahren war ich nachts mal auf seinem Gelände unterwegs, gepflastert von Krötenleichen, kein Witz. Anscheinend hat er Kameras aufgestellt, denn er kam dann aus seinem Haus gerannt und hat mich über die Wiese verfolgt.
        Mittlerweile sind kaum noch Kröten da.
        Meine Wut gegen dieses Verhalten ist kaum zu beschreiben.
        Die Untere Naturschutzbehörde ist dran, aber: Weil man ständig Sorge hat, dass es noch schlimmer wird (ich frag mich, wie´s noch schlimmer geht) ist man immer nur am Reden, statt eine fette Anzeige nach der anderen zu starten.
        Dieses Jahr hat man zum ersten Mal härtere Maßnahmen ergriffen, und siehe da, er hat immerhin den extra vorher abgelassenen Teich innerhalb von 2 Tagen wieder mit Wasser gefüllt.
        Manche Menschen verstehen es nur, wenn man mindestens genauso skrupellos „zurückschießt“ wie sie. Und wenn man das nicht sofort macht, wir des immer schlimmer. Zögern ist bei solchen Menschen falsch, es wird als Schwäche ausgelegt und als Freibrief genutzt.
        Natürlich ist der Landwirt nicht die einzige Bedrohung für die Kröten, die letzten trockenen Jahre waren auch schlimm. Aber er hat die letzten Jahre die Chance auf Nachkommen massiv verhindert.

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      • Das ist ja auch einfach unglaublich. Ich kann einerseits solche Menschen nicht verstehen. Haben sie denn kein Problembewusstsein und was haben sie davon, wenn sie Kröten oder Käuzen das Leben schwer machen? Außerdem kann ich nicht nachvollziehen, dass die Behörden noch immer zahnlose Papiertiger zu sein scheinen. Wenn man nur Strafen androht, sie aber nicht oder viel zu spät durchsetzt, braucht man auch keine solche Behörde… Ja, ich weiß nicht, ob sich die Leute in Engelstadt trauen, den Mann anzuzeigen. Es gibt Gerüchte, dass dieser Mensch – wenn man ihn so nennen kann – sogar die Radmuttern an einem Fahrzeug gelöst hat, da ihm die Person in die Quere kam. Zum Glück passierte nichts, nachweisen konnte man ihm es allerdings auch nicht. Aber der kämpft wohl mit allem, was ihm gerade in den Sinn kommt…

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  1. Wow, das scheint ja ein crasser Mensch zu sein. Die Entscheidung heisst wohl: Wie weit lässt man sich von so jemandem terrorisieren? Oder schafft man es, Solidarität zu zeigen und gemeinsam ein Zeichen zu setzen? Kann doch nicht sein, dass ein Mensch eine ganze Gemeinde terrorisiert und niemand traut sich, ihm Grenzen aufzuzeigen? mmpf… Da regt sich mein Widerstandsgeist 😉

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  2. Ja, eine Arbeitskollegin hat es mir erzählt, es ist eine kleine Gemeinde von ein paar hundert Einwohnern. Und selbst der Bürgermeister hat wohl keine Lust mehr, wie sie gesagt hat… Ich bin gespannt, wie das weitergeht. Ich denke auch, da müssten sich die Leute solidarisieren und den Typen aus dem Dorf treiben. 😉 Ist ja eine kleine, eingeschworene Dorfgemeinschaft. Aber noch funktioniert das wohl nicht.

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  3. Oh….ich bin wütend und enttäuscht, dass es immer wieder Menschen gibt, die mit Naturschutz nichts am Hut haben und Tiere nicht als Lebewesen betrachten. Auf diversen webseiten beobachte ich in jedem Jahr live und in Echtzeit Steinkäuze, die in ihren kleinen Häuschen ihre Jungen ausbrüten und aufziehen. Das ist so herzerwärmend und niedlich, dass ich mich immer wieder von Neuem daran begeistere.

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    • Ja, ich finde das auch immer so schön mit anzusehen. Nächstes Jahr möchte ich in meine Niströhre auch eine Kamera einbauen und mal sehen, wie sich das entwickelt. Momentan kann ich ja nur von außen zusehen und das ist schon spannend. Es ist wunderschön zu sehen, wie ein Vogel aus einem Ei schlüpft. Ich hatte mal die Gelegenheit, Wachteln beim Schlüpfen zu beobachten und ihnen sogar aus der Schale zu helfen. Das ist wirklich ein Wunder. Umso mehr kann ich Menschen nicht verstehen, die so mit Tieren umgehen, ihre Nistbäume fällen und sie sogar töten.

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