Ein Hamster im Briefkasten

Der Titel klingt absurd, doch genauso ist es geschehen. Und das auch noch im Tierheim Mainz . Was hier vielleicht zunächst nicht so dramatisch klingt, ist ein grausames Drama zum Fest der Liebe. (Das Beitragsbild stammt vom Tierheim Mainz)

Denn der Hamster ist nicht etwa in den Briefkasten geklettert. Er wurde vielmehr von seinem empathielosen Besitzer in eine Plastiktüte gepackt, zusammen mit ein paar Körnern, und dann stopfte er das Tier durch den schmalen Schlitz des Briefkastens.

Den Artikel zur ganzen Tat findet ihr auf der Seite des Tierheims.

Der Hamster, den man Miracolo getauft hat, war schwer verletzt und unterkühlt. Und er hat diese Strapazen trotz aller Mühe der Tierschützer nicht überstanden. – Das Weihnachtswunder blieb aus.

Als Mitglied des Tierschutzvereins Mainz und Umgebung e.V., der das Tierheim betreibt, frage mich nun, wie herzlos man eigentlich sein muss, um ein fühlendes Wesen derart zu behandeln. Zwar hat man den Hamster immerhin zum Tierheim gebracht. Doch warum brachte man ihn nicht direkt hinein? In Mainz muss man für die Abgabe eines Tieres ja nicht einmal etwas bezahlen. Und trotzdem hat man den Hamster einfach in den Briefkasten geworfen…

Ein Tier bedeutet Verantwortung!

Mal von dieser herzlosen, und für mich völlig unverständlichen Tat abgesehen: Es werden allgemein unzählige Katzen, Hunde, Kaninchen, Vögel oder andere Tiere regelmäßig ausgesetzt. Im Idealfall bringt man sie dann doch noch zum Tierheim.
Doch sehr viel Leid könnte vermieden werden, wenn sich die Menschen, die ein Tier kaufen möchten, zunächst einmal über eines klar würden:

Grundsätzlich sollte sich jeder, der ein Haustier halten möchte, vor der Anschaffung genau über dessen Bedürfnisse und vor allem sein Verhalten informieren.

Hamster werden z.B. gerne an Kinder verschenkt. Doch sind die Tiere meist nachtaktiv, und somit weder als Kuscheltier noch als Spielgefährte geeignet.
Es bedarf eines verantwortungsbewussten Umgangs mit viel Hintergrundwissen, damit das Tier am Ende glücklich ist – und damit auch der Halter.
Hamster brauchen z.B. eine ordentlich große Fläche zum Laufen, Unterschlupfe, Schlafhöhlen und auch geeignetes Einstreu, in das sie ihre Gänge graben können. Das Einstreu muss regelmäßig gewechselt werden, sie brauchen artgerechtes Futter und man muss sich eben ihren Bedürfnissen anpassen. – Nicht umgekehrt!

  • Grundsätzlich gilt es, für alle künftigen Tierhalter einiges zu klären:
    Welche artspezifischen Verhaltensweisen hat das Tier eigentlich? Wann ist es aktiv, ist es verschmust, und passt es überhaupt zum eigenen Rhythmus?
  • Wie viel Fläche braucht es, also wieviel Auslauf, um sich wirklich wohl zu fühlen? Welche Einrichtung benötigt es? Klettert es gerne? Brauch es spezielle Einstreu?
  • Muss man mit ihm Gassi gehen und wenn ja wie weit? Wie lang? Wie oft?
  • Welches Futter braucht das Tier?
  • Wer kümmert sich um das Tier, wenn man Urlaub macht oder wenn man krank ist? Wer kümmert sich definitiv um das Tier?

In keinem Fall hat ein Tier was unterm Weihnachtsbaum zu suchen, auch nicht als Geburtstagsgeschenk für ein Kind. Man muss sich intensiv mit der Lebensweise des Tieres befassen und wenn man das getan hat, alles geklärt ist, erst dann – und wirklich erst dann (!) – kann man sich auf die Suche nach dem tierischen Mitbewohner machen.

Den findet man auch im Tierheim, und es sind sehr dankbare Tiere, denen man auf diese Art eine zweite Chance geben kann.
Tiere die übrigens in Zoohandlungen oder Gartenfachmärkten angeboten werden – speziell Nager – haben oftmals Fehlbildungen. Das heißt, die Zähne stehen z.B. schief, sodass sie nicht richtig kauen und so auch nicht richtig verdauen können, oder sich mit den schiefen Schneidezähnen ins Zahnfleisch bohren. Das macht regelmäßige Tierarztbesuche nötig, und man hat sich somit ein chronisch krankes Tier gekauft.

Warum also nicht gleich ein Tier aus dem Tierschutz holen? Das wurde untersucht, es wartet sehnsüchtig auf ein neues dauerhaftes Heim. Und wenn man es bei sich aufnimmt, kann man sowohl das Tier als auch sich selbst glücklich machen.

 

 

7 Gedanken zu “Ein Hamster im Briefkasten

    • Ich finde es auch erschreckend, wie die Menschheit in Teilen verroht. Bei uns treibt seit einiger Zeit wohl auch ein Hunde-Hasser sein Unwesen. Es wurde schon Wurst mit Rasierklingen darin ausgelegt, und vor kurzem Wurststücke, die bei Berührung an den Fingern brannten. Man kann sich wirkich nur noch fragen, was in solchen Menschen vorgeht. Nicht nur dass sie Tiere töten wollen, sie nehmen auch billigend in Kauf, dass Kinder sich z.B. an den Rasierklingen verletzen.

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