Carlos schreit

Wiiillmaaaa!

Heute möchte ich mal wieder über meine kleine Hühnerschar berichten. Und über Carlos den Hahn. Der kann Wilma ganz gut riechen, und schiebt ihr alles zu, was lecker aussieht. Das ist sein Lieblingshuhn. Dann gibt es noch zwei weitere Damen in seinem Harem – und eine Ausgestoßene…

Alles begann vor etwa einem Jahr. Carlos und seine drei Damen scharrten glücklich und zufrieden in ihrem Außengehege. Doch das war nur die Ruhe vor dem Sturm: Ein Greifvogel lauerte auf einer der nahen Fichten und im richtigen Moment stürzte er sich auf eine der Hennen. Und die Hühnerrasse Sussex ist wirklich eine sehr robuste, schwere und starke Rasse. Den Angriff selbst haben wir nicht miterlebt, als wir in den Garten kamen um eigentlich die Hühner ins Bett zu bringen (also auf die Stange, und den Stall für die Nacht dicht zu machen) saß der weißgraue Greifvogel auf dem Huhn und hatte es weitgehend ausgeweidet. Der Hahn war so gestresst, dass sein Kamm richtig blau schimmerte, doch das gab sich nach ein paar Tagen wieder. Doch die Unsicherheit in der Hühnerschar blieb und wir überspannten dann den Auslauf mit jeder Menge Kordel, sodass ein Greifvogel solcher Größe eher eine Bruchlandung hinlegen würde, als noch einmal zu den Hühnern zu gelangen. Rot-weiße Flatterbänder warnen zudem potentielle Täter, die aus der Luft eindringen wollen vor den Hindernissen.

Es kehrte wieder Ruhe in die nun nur noch drei Tiere zählende Gruppe. Da Hennen und Hahn nun schon über zwei Jahre auf dem Buckel hatten, legten die Damen natürlich auch nicht mehr so viele Eier. Das lässt nämlich nach eineinhalb bis zwei Jahren deutlich nach. Es sei ihnen auch gegönnt und die Hühner dürfen bei mir so lange leben, wie es ihnen ihr Schicksal ermöglicht. Das haben die sich schließlich auch verdient, bei den vielen Eiern, die sie schon für uns gelegt haben.

Trotzdem war klar, dass wir mit dieser Anzahl von Eiern nicht über die Runden kommen würden. Und so fuhren wir so im April dieses Jahres zu einem Hühnerzüchter und kauften zwei Hennen. Die setzten wir mit in die Gruppe und anfangs nahm der Hahn auch beide freudig an. Eine der alteingesessenen Damen zeigte den beiden Neuankömmlingen dann natürlich, wer hier die Wilma, also die Leithenne ist. Und das Problem war schnell beseitigt.

 

Emma schaut um die Ecke: Ist die Luft rein...?
Ist die Luft rein…?

Dann jedoch wurde Carlos der Hahn sehr ruppig. Er begann damit, eine der neuen Hennen wirklich heftig anzugehen, sodass ich teilweise dazwischen gehen musste. Es floss auch ein wenig Blut und ich grübelte schon darüber nach, wohin ich die neue Henne ausquartieren konnte. Ein wenig legte sich das Problem – vor allem auch, da die Henne dem Hahn meistens aus dem Weg ging und auf dem Apfelbaum Zuflucht suchte. Da hoch zu folgen traute sich Carlos offenbar nicht wirklich und so blieb es tagsüber weitgehend ruhig. Ich hatte dem Baumhuhn, das ich Emma getauft habe, auf einem Kunststoffbehälter eine eigene VIP-Futterstelle eingerichtet, damit es dort Salat, Salatgurken, Löwenzahn, Gras, Sonnenblumenkerne und ab und zu Nudeln schnabeln kann.

Emma auf dem Baum...
Emma auf dem Baum…

Ab und zu erlebte ich mal wieder kurze Stress-Situationen, in denen der Hahn das Huhn anging. Aber es hielt sich noch relativ in Grenzen, und Emma kam zunehmend gut mit den anderen Hennen klar. Dabei entpuppte sich Emma als richtig schlaue, sensible und vor allem verschmuste Henne. Ja, wenn man ihr einen kleinen Happen vor den Schnabel hält, bliebt sie sogar sitzen und wenn man dann langsam mit der Hand auf ihren Rücken greift, lässt sie sich genussvoll streicheln und schläft dabei auch teilweise ein.

Emma am VIP-Buffet
Emma am VIP-Buffet

Sie ist neugierig und hat es bisher als einziges Huhn geschafft, eine kleine Schwachstelle im Zaun zu finden, wodurch sie in den restlichen Gartenbereich kam und dort ein wenig den Salat abgraste, während die anderen Hühnervögel hinterm Zaun sitzend ordentlich in die Röhre schauten.

Das Baumhuhn
Das Baumhuhn

Und offenbar hatte der Hahn es dann doch mit seinem Imponier-Gehabe übertrieben, hatte den Sprung auf den Apfelbaum gewagt, und hat sich hierbei den rechten langen Sporn fast komplett abgerissen. Am ersten Tag humpelte er ein wenig und ich sah mir die Wunde genauer an. Es war allerdings nicht allzu dramatisch und so wuchs alles wieder zu und dieser Fortsatz am Bein beginnt schon wieder nachzuwachsen.

Sensibles Huhn
Sensibles Huhn

Seit diesem Vorfall scheint Carlos ein wenig ruhiger geworden zu sein und Emma steht nicht mehr ganz so unter Druck. Sie bekommt morgen noch eine zweite Sitzstange im Schlafstall installiert. Momentan schläft sie wohl zusammen mit Anna (der zweiten Neuen, die allerdings nicht so vom Hahn gehasst wird) draußen vor dem Schlafstall, aber innerhalb der nachts geschlossenen Voliere. Auch werde ich die Seiten noch ein wenig Winddicht machen, denn Zugluft mögen Hühner gar nicht.

Schau mir in die Augen...
Schau mir in die Augen…

Da speziell Emma mir sehr sensibel erscheint, habe ich mir überlegt, ein buntes kleines Glockenspiel im Stall zu installieren. Ich habe schon einige Male gehört, dass es Hühner mit besonderer musikalischer Begabung gibt. Und ich glaube, Emma gehört dazu. Wenn ja, werde ich darüber berichten…

 

Ein Gedanke zu “Wiiillmaaaa!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s