Cool ohne Kuh?

Zunächst mal: Dies ist keine Werbung. Doch um Werbung geht es allemal… Kühle als Milchmaschinen? Viele Landwirte und der Bauernverband kritisieren den Hersteller Katjes für dessen neusten Werbefilm. In dem wird die Massentierhaltung thematisiert und gleichzeitig für eine vegane Schoko-Variante geworben. Auch der Deutsche Werberat hat sich eingeschaltet und beurteilt den Spot als zu einseitig. Eine ganze Branche würde in Misskredit gebracht. Da fragt man fragt sich schon: Weshalb sind sprechende Kühe auf grünen Wiesen keine Rüge des Werberats wert?

Jahrelang flimmerte diese sprechende Kuh auf den Bildschirmen, die auf einer grünen Wiese stand und für einen Joghurt-Hersteller warb. Sie ist zwischenzeitlich verstummt, doch es gibt sie noch immer: Diese idyllischen Bilder von pickenden Hühnern, grinsenden Schweinen und Kühen, die auf sattgrünen Wiesen grasen.
Dass es sich hierbei vorwiegend um irreführende Werbung handelt – um nicht zu sagen: Werbelügen – thematisiert der Werberat nicht. Das ist sehr schade, stellt es doch seine vermeintliche Unabhängigkeit in Frage.
Denn die wenigsten Milchkühe stehen nun mal auf einer Wiese, sie stehen im Stall oder in großen Hallen. Von Wiesen haben die meisten Kühe in ihrem Leben nichts gesehen.

Doch was ist nun mit Katjes und diesem Video, das angeblich alle Milchviehhalter in ein schlechtes Licht stellen soll. Schauen wir es uns mal an…

 

Was ist die Botschaft dieses Videos?
„Jedes Leben ist wertvoll. Und Kühe sind keine Milchmaschinen. Auch nicht für Schokolade.“
Und man hat eine vegane Schokolade entwickelt – bestehend aus Hafermilch. Mit „Cool ohne Kuh“ schließt der Spot.

Und nun? Welcher Aussage möchte der Bauernverband gerne widersprechen?
Dass jedes Leben wertvoll ist? Oder dass Kühe keine Milchmaschinen sind?

Wir sind Teil des Problems – und Teil der Lösung

Es wäre natürlich zu kurz gegriffen, wenn wir das Problem der Massentierhaltung nur an den Landwirten festmachen würden. Wir nehmen immer mehr Milchprodukte und Fleisch zu uns. Deshalb wird die Nachfrage größer, die Preise werden immer niedriger. Hinzu kommt, dass die Landwirte früher ihre Milch noch oft direkt an Endverbraucher verkauft haben. Heute steht eine ganze Lieferkette zwischen dem Landwirt und dem Verbraucher. Alle verdienen sich hieran eine goldene Nase – angefangen bei den Molkereien, bis zum Groß- und Einzelhandel. Und der Landwirt kann nicht vorgeben, wieviel die „Produktion“ von Milch kostet, sondern bekommt den Preis von den Molkereien diktiert. Je niedriger der Preis ist, desto weniger ist die Kuh wert, und desto weniger kann ein Landwirt in das Wohl der Kühe stecken.

Aber wie funktioniert eigentlich die „Produktion“ von Milch?
Die Milch ist nichts anderes, als die Muttermilch bei uns Menschen: Eigentlich dafür gedacht, den Nachwuchs mit Nährstoffen zu versorgen, damit er groß und stark wird. Doch der bekommt keinen Tropfen von dieser Milch, sondern wird mit einer Art von billigem Milchersatz gefüttert. Dazu wird das Kalb von der Kuh direkt nach der Geburt getrennt. Das männliche Kälbchen geht bald auf die Reise zur Bullenmast, denn mit einem männlichen Tier kann man in der Milchviehhaltung nicht viel anfangen. Dann wird das Kalb binnen weniger Monate derart gemästet, damit es möglichst schnell ein Schlachtgewicht erreicht. Es stirbt also weit unter seiner Lebenserwartung, praktisch noch als Kind. Seine Mutter hat es in der Zwischenzeit nicht mehr zu Gesicht bekommen.

Die ist auch schon wieder schwanger, wie zuvor künstlich besamt, denn einen Bullen sieht sie nie. Eine Kuh gibt für etwa dreihundert Tage nach der Geburt eines Kälbchens Milch. Ziel ist es, dass sie pro Jahr ein Kälbchen bekommt, damit die Milchproduktion nicht zum Erliegen kommt.

Bis zu über 20.000 Liter Milch gibt eine Kuh heutzutage innerhalb von dreihundert Tagen. Bei meist drei bis vier Kälbchen in einem Kuhleben sind das stolze 60.000 – 80.000 Liter Milch. Diese Höchstleistung zerstört den Organismus der Kuh und laugt sie förmlich aus.  Die Knochen leiden, aber auch die Gelenke, Euter und Gebärmutter entzünden sich.
Während eine Milchkuh in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts im Durchschnitt 2.500 Liter Milch im Jahr gab, sind es heute 10.000 Liter.

Dies läuft so über drei bis vier Jahre. Dann ist die Kuh fertig und abgemagert, sie hat sich abgerackert, damit wir unsere billige Milch trinken können, hat oftmals in engen, dunklen Ställen mit Spaltenböden und ohne jegliche Weide existiert, hat drei bis vier Kälbchen geboren und sie nie aufwachsen sehen. Und dann wird sie geschlachtet – ebenso weit unterhalb ihrer eigentlichen Lebenserwartung von bis zu zwanzig Jahren!

So, und nun? Steht noch die Frage im Raum, ob nicht jedes Leben wertvoll ist.
Wie empfindsam Kühe sind, zeigt folgendes Video von Mutterkühen, denen ihre Kälber weggenommen wurden. Und ja: Auch in der Biomilch-Produktion ist nicht alles Gold was glänzt, auch wenn die Zustände hier noch artgerechter sind, als es in der konventionellen und vor allem industriellen Tierhaltung der Fall ist.

Am Ende ist die Kritik am Werbespot von Katjes aus meiner Sicht absolut nicht nachvollziehbar. Der Spot rüttelt auf, er weist auf ein massives Problem hin.

Und er bietet zugleich einen klaren Lösungsansatz: Wir können auf Milch verzichten, ohne verzichten zu müssen.
Für mein Müsli nutze ich bereits Hafermilch, ebenso als Trinkschokolade. Schoki gibt’s nicht nur von Katjes in der veganen Variante, sondern auch von anderen Herstellern. – Reismilch, Hafermilch oder andere vegane Alternativen schmecken mindestens genauso lecker, wie Produkte mit tierischer Milch. Beim Kochen und Backen kann man ebenso gut auf Milch und andere tierische Bestandteile verzichten. – Butter kann man durch Pflanzenöl ersetzen, Milch durch pflanzliche Alternativen, und Eier durch Apfelmus (funktioniert super und gibt auch noch ein leckeres Aroma z.B. bei Schoko-Kuchen!)

Gesicht-Gedicht Rind

„Cool ohne Kuh“ passt ganz gut in eine Zeit der Tierquälerei in der Massentierhaltung, die zugleich einen massiven Beitrag zu Klimawandel, Artensterben und zur Vergiftung von Lebensräumen darstellt.

Und mal ganz ehrlich: Können Fleisch, Eier, Milch und Milchprodukte von gequälten Wesen, die man oft nur durch den Einsatz von Antibiotika und Hormonen am Leben erhält, wirklich so gesund sein?

Ehe man sich diesen wichtigen Anliegen verschließt, ja sogar Diskussionen führt über irreführende Namensgebung (wie veganes Schnitzel oder vegane Milch), sollte man sich über eine andere irreführende Bezeichnung Gedanken machen: Lebensmittel

Denn ein Mittel fürs Leben ist das, was man uns heutzutage auftischt immer seltener!

2 Gedanken zu “Cool ohne Kuh?

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