Aus die Maus?

Gestern stieß ich auf ein Nest der besonderen Art: Mäuse hatten sich in einem alten Holzofen eingenistet, den ich in einem unbewohnten Nebengebäude abgestellt hatte. Was tun?! Hausmäuse gelten als Schädlinge und die wenigsten wollen sie gerne um sich herum wuseln sehen. Das gilt zumindest für die wilden Varianten der Tiere. Gezüchtete Mäuse werden ja auch als Haustier gehalten. Natürlich fressen die wilden Mäuse vieles, was ihnen zwischen die Zähne kommt. Auch nagen sie Dinge an und sorgen so für Fraß-Schäden. (Scheinbar haben es ihnen Gummischläuche an Waschmaschinen ganz besonders angetan, wie ich feststellen musste…) Und sie verbreiten Krankheiten. Zugleich sind sie aber auch faszinierende, soziale und empfindsame Lebewesen.

Mäuse können bis zu drei Jahre alt werden, wenn sie nicht vorher von der Katze oder den vielen anderen natürlichen Feinden gefangen werden. In dieser Zeit gebären die weiblichen Tiere Unmengen an Nachwuchs. Bereits nach acht etwas Wochen ist eine Maus gebärfähig und ab diesem Moment bringt sie fünf oder mehr Jungen zur Welt. – Pro Monat, versteht sich.

Die Nager stehen oftmals unter Bestandsdruck. Gefahren lauern überall. Doch durch ihre Fortpflanzungsfähigkeit, die Schnelligkeit und die Intelligenz bringen es die Tiere fertig, sich immer weiter zu verbreiten.

Ein weiterer Grund ist auch das Sozialverhalten der Tiere. Während ein dominantes Männchen sein Revier unerbittlich gegen Eindringlinge oder Kontrahenten verteidigt, gibt es in einem solchen Revier oft mehrere Weibchen. Diese sorgen gemeinsam für die Jungenaufzucht. Sie nutzen ein Nest und säugen die Tiere – unabhängig davon, von welchem der Mäuse es nun stammt. Dadurch kann die eine Maus das Nest warmhalten, während die andere sich auf Futtersuche begibt.
Dabei sind Mäuse nicht gerade wählerlisch. Doch sie fressen nicht nur die Lebensmittelvorräte des Menschen auf. Sie ernähren sich auch von Insekten, Fallobst, Beeren, Nüssen und Samen.

Sie orientieren sich mit Hilfe von Duftdrüsen und Urinmarkierungen. Denn sie sind äußerst vorsichtig, meiden freie Flächen und laufen meist an den Wänden oder Einrichtungsgegenständen entlang – auf ihnen bekannten Pfaden.

Die Mütter umsorgen ihren Nachwuchs und verteidigen ihn energisch.

Kleine Mäuse im Nest...
Kleine Mäuse im Nest…

Als ich diese Schublade aus dem Ofen gezogen hatte, sprang mir dann auch eine Maus entgegen, eine zweite folgte. Sie rannten dann unter einen Schrank und ich dachte mir: Das wars
Doch Fehlanzeige! – Als ich die Schublade herausgezogen hatte, kullerten zwei kleine Mäuse auf den Boden. Sie torkelten herum, eine lief nur im Kreis, die andere tapste mir entgegen.
Schnell brachte ich die Schublade raus in den Hof und wollte die beiden anderen … ja, was wollte ich mit ihnen tun? Sie raussetzen und somit von ihrer Mutter trennen, was ein klares Todesurteil gewesen wäre? Während ich die Schublade draußen abstellte und noch über meine moralischen Bedenken sinnierte, bewegte sich etwas in den Plastik- und Papierschnipseln. Ich sah genauer hin und entdeckte eine weitere kleine Maus… Und noch eine… Und noch eine…
Also brachte ich die Schublade mitsamt Nest wieder zurück ins Gebäude. Doch was sollte ich jetzt tun?

Ich will schließlich keine Maus im Haus – auch wenn es nur ein Nebengebäude war. Sie hatten schließlich die Waschmaschine auf dem Gewissen und wer wusste, was sie noch anstellen würden.
Doch ich konnte auch diese kleinen Mäuse jetzt nicht einfach sterben lassen, oder sie ihrem sicheren Untergang aussetzen. Es musste noch eine Möglichkeit geben. Ich konnte sie ja einfach im Nest belassen, bis sie größer waren, um sie dann mit der Lebendfalle zu fangen und sie in die Freiheit zu entlassen.

Ich weiß, ich weiß: Viele werden jetzt den Kopf schütteln und sagen, ich hätte eine Vollmeise.
Doch wie konnte ich praktisch Wasser predigen und Wein trinken? Ich setze mich jeden Tag für den Tierschutz ein und da kam nichts anderes in Frage, als den kleinen Mäusen eine Chance zu geben. Sie sind ein wichtiger Teil dieser Welt und auch ihre Geburt ist ein Wunder, so wie die Geburt dieser weißen Mäuse hier, mit der liebevollen Pflege durch die Mutter…

 

Ich setzte sie also zurück und wartete darauf, bis die Mutter auftauchte. Hierzu hatte ich eine Lebendfalle aufgestellt, damit ich sie einfangen konnte. Zusammen würde ich sie dann mit ihren Jungen an einen sicheren, trockenen Platz im Garten setzen.
Doch die Mutter kam nicht, und eines der Jungen bewegte sich nach dem dritten Kontrollbesuch nach etwa einer Stunde nur noch recht träge. Würde ich nun diese Kleinen auf dem Gewissen haben?
Ich nahm die Lebendfalle wieder weg und hoffte, dass die Mutter nun auftauchen würde. Die hatte ich während meinen Kontrollbesuchen zwei Mal unter einem Schrank hin und her huschen sehen. Vielleicht arbeitete sie ja schon am neuen Unterschlupf?

Als ich dann nach einer Stunde wieder nach den Kleinen sah, waren sie weg. 😊 Ja, die Mutter-Maus hatte offenbar ein schönes Notquartier für sie gefunden und jede einzelne Maus zu sich geholt. Ich war glücklich und werde in einigen Tagen damit beginnen, die Mäuse mit der Lebendfalle zu fangen und zuvor das Loch verschließen, das sie in die Tür des Nebeneinganges gefressen haben.
Ich schätze das Alter der Kleinen auf etwa zwölf Tage, da das Fell schon vorhanden ist, aber die Augen noch geschlossen waren. Die öffnen sich nämlich erst am 16.Tag. Nach 20 Tagen müssen sie nicht mehr gesäugt werden, und dann kann ich alle ruhigen Gewissens einfangen.

Manch einer wird jetzt sagen: Was macht der denn für Worte. Das sind doch eh nur Mäuse. Doch für mich sind auch sie Wesen, die ein Recht haben zu leben.

Und nein: Als Fan kann ich mir das jetzt nicht verkneifen… Viel Spaß 😉

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