Das ist doch mal ein Graffity Künstler leider unbekannt, aber Respekt und danke für dieses schöne Werk! Das passt auch haargenau auf meinen Blog und daher muss es hier einen Platz finden.

Greta for president! ;-)

Die Rede von Greta Thunberg vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen erhitzt die Gemüter. Manche werfen ihr Panikmache vor, andere stört es, dass sie ihre Rede abgelesen hat. Und wieder andere kritisieren ihre Emotionalität. Ich hörte kürzlich sogar in einem Radio-Kommentar, dass ihre Rede „überdreht“ gewesen sei. Doch was ist dran an diesen Vorwürfen? War die Rede tatsächlich „überdreht“ und „überzogen“?

„Wie könnt ihr es wagen?“, fragte sie und fuhr fort: „Ich sollte nicht hier sein. Ich sollte auf der anderen Seite des Ozeans in der Schule sein. Aber ihr alle kommt zu uns jungen Leuten, damit wir euch Hoffnung geben. Wie könnt ihr es wagen?“ (…) „Wir sind am Beginn eines Massenaussterbens und alles worüber ihr reden könnt, ist Geld und Märchen über unendliches Wirtschaftswachstum. Wie könnt ihr es wagen?“

Dann habe ich mir ihre Rede ein paarmal angesehen und bewusst darauf geachtet, wie sie es gesagt hat. – Mit ihrer ganzen Emotionalität, ihrer Wut und ihren Tränen.

Und nun frage ich mich, wie es sein kann, dass sie für diese Rede tatsächlich Spott, Häme und Kritik erntet – selbst von den Medien.

Überzogen?

Man kritisiert Greta mit ihrer angeblich überzogenen Ansprache, wirft ihr Panikmache vor.
Doch was ist eigentlich mit den vielen Menschen, die schwärmen von Sommer, Sonne, Sonnenschein – am besten an 365 Tagen im Jahr? Und in die sich nun zu Beginn des Herbstes immer weiter sonnige und trockene Tage wünschen? Sie schwärmen von der Sommerbräune, obwohl um sie herum die Wälder absterben aufgrund der ungewöhnlichen und extremen Dürre.

Fichten - von Dürre und Borkenkäfern getötet
Fichten – von Dürre und Borkenkäfern getötet

Immer mehr Landwirte geben den Anbau von Getreide und anderen Feldfrüchten auf, da sie in Folge der andauernden Dürrephase immer öfter Komplettausfälle erleben. Und die Gletscher schmelzen ab – zuletzt wurde das Verschwinden des Pizol-Gletschers in der Schweiz betrauert.

Diese blinden und tauben Menschen, die sich immer mehr Sommer, Sonne, Sonnenschein wünschen, werden nicht etwa kritisiert. Man bringt ihnen sogar Verständnis entgegen und stimmt auf ihre gebetsmühlenartigen Wetterwünsche gar die Wettervorhersage ein:
„Genießen Sie heute noch mal den sonnigen Tag, morgen wird es leider wolkig, aber schon übermorgen wird es wieder deutlich wärmer und schööön trocken.“
Nur im Idealfall schiebt der Wettermoderator noch ein halbherziges „Die Natur freut sich über den Regen.“ hinterher, wenn es denn mal regnet.

Aber was schert uns schon die Natur? Sie bietet uns kein superschnelles Internet, kein 5G, keine Pauschalreise zum Spottpreis, kein Allradfahrzeug für die Innenstadt, keine Designer-Klamotten und keinen intelligenten Assistenten mit Sprachsteuerung.

Nur so profane Dinge wie frische Luft, Sauerstoff, Wasser, Essen und Wärme, Licht und Dunkelheit, hat sie zu bieten… Dann soll sie sich mal anstrengen. Für ein superschnelles Internet hätte man es schon längst geschafft, seine eigenen Gewohnheiten grundsätzlich umzustellen…

Trinken sie dann Sonnenmilch?

Aber jetzt mal im Ernst: Wie kann man so offen ignorieren, dass wir Bäume zum Atmen brauchen, Wasser zum Trinken und fruchtbare Felder für unsere Ernährung? Kann man so blind sein, oder so unwissend? Hat man das vergessen? Oder nicht mehr auf dem Schirm, dass wir von dieser Natur dort draußen leben? Sauerstoff produzieren nicht wir – den produzieren Grünpflanzen und Bäume.
Eines sollte auch unseren Sonnenanbetern klar werden: Von Sonnenmilch und Sommerbräune kann man letztlich nicht leben.
Ich denke, diese Menschen haben die Dringlichkeit der Situation noch immer nicht begriffen und wollen es vielleicht auch nicht, um nicht aus ihrer Komfortzone zwischen Sonnenbrille, Drink und Strand kommen zu müssen.

Auch bei uns kommt es, bedingt durch den Klimawandel, immer öfter zu extremen Wetterlagen. Wie hier das Niedrigwasser am Rhein bei Nierstein in Rheinhessen vor einigen Jahren.
Auch bei uns kommt es, bedingt durch den Klimawandel, immer öfter zu extremen Wetterlagen. Wie hier das Niedrigwasser am Rhein bei Nierstein in Rheinhessen vor einigen Jahren.

Beim Klimawandel geht es nicht um so profane Dinge wie Sommerbräune. Er bedroht die Lebensgrundlagen von uns allen! Definitiv!
Beispiel Gletscher: Der Rhein und viele andere Flüsse werden durch Gletscher gespeist. Schmelzen diese Gletscher ab, und es kommt zugleich zu Dürrephasen, wie sie seit den letzten zwei Jahren in ganz Deutschland mehr oder weniger herrschen, werden Flüsse wie der Rhein früher oder später phasenweise austrocknen. Die Vergangenheit hat uns gezeigt, wie sehr sich diese Ereignisse häufenm wie 2017 und 2018. Mit dem Wasser verschwindet dann nicht nur die Funktion des Transportweges, auch nicht nur das kostenlose „Freibad“.
Mit dem Wasser verschwindet auch seine Eigenschaft als grundlegendes Mittel zum Überleben: Es wird viel Trinkwasser aus dem Uferfiltrat des Rheins gewonnen, das dann wegfällt!
Forscher befürchten, dass bereits in dreißig Jahren zwei Drittel der Gletscher in den Alpen abschmelzen könnten.

Kein Grund zur Panik?!

Große Sorge ist also angebracht, wenn man sich anschaut, mit welch rasantem Tempo der Klimawandel voranschreitet, während die Klimaschutzbemühungen in Zeitlupe ablaufen und von allen Seiten ausgebremst werden.

Dass Greta Thunberg den Tränen nahe ist, zeugt nicht von Schwäche! Es zeugt auch nicht davon, dass sie durch ihre Behinderung weniger belastbar wäre, so wie es manche Menschen bereits mithilfe ihres in Reality-Soaps erworbenen psycholoigschen Fachwissens festgestellt haben wollen.
Nein, es zeugt aus meiner Sicht davon, dass sie sich mit dem Thema eingehend befasst hat, dass sie Angst hat und wütend ist auf diese träge, faule, uneinsichtige Masse, die einfach dabei zusieht, wie die Zukunft verspielt wird. Die Zukunft jener Generation und folgender Generationen. Aber auch die heute bereits älteren Personen werden noch massiv unter dem Klimawandel zu leiden haben, der sich in den nächsten Jahren deutlich verschärfen wird.

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Im Winter 2017 führte der Rhein Niedrigwasser…
Das Rheinhochwasser am 07.01.2018 in Mainz-Laubenheim - überflutete Felder und Straßen
Im Winter 2018 folgte ein Hochwasser…
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Im Sommer 2018 extremes Niedrigwasser…

Weinen bedeutet übrigens keineswegs, dass eine Person schwach ist: Ganz im Gegenteil! Wer in der Öffentlichkeit weint, der gibt eine Schwäche preis und riskiert so Verletzungen. Man muss also stark sein, um diese Schwäche zu zeigen.
Dass Greta Thunberg empathisch ist, also mitfühlend mit den vielen Opfern, die der Klimawandel bereits jetzt gefordert hat, kann man ihr doch nicht wirklich vorwerfen, oder?

Ein „Like“ – mehr wert als ein Leben?

Ich finde es eher äußerst bedenklich, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der täglich dabei zugesehen wird, wie Frauen, Kinder und Männer im Mittelmeer ertrinken!
Doch wir müssen nicht mal das Beispiel der Flüchtlingsbewegungen anschauen, um solchen Empathie-Minimalisten zu begegnen.
Werfen wir einen Blick auf unsere Autobahnen und schon sehen wir diese vielen Personen, die nicht nur die Dreistigkeit besitzen, die Rettungsgasse zu blockieren und somit das Leben von Unfallopfern zu gefährden. Es gibt auch genügend „Menschen“, die aktiv am Unfallort ihr Handy zücken, um möglichst gestochen scharfe Bilder eines Verletzten oder Toten zu machen, während sie ihr Selfie-Konterfei ebenso noch in die die Kamera recken. Hauptsache ein „Like“ – ganz egal, ob man den Rettern und Opfern dadurch wertvolle Zeit nimmt.
Hierüber hält sich die öffentliche Empörung in Grenzen. Diese selbsternannten Tatortfotografen dürfen sogar noch die Retter am Unfallort bespucken, beschimpfen oder handgreiflich attackieren.

Und vor diesem Hintergrund macht man sich tatsächlich Gedanken darüber, dass eine Klimaschutz-Aktivistin aufgrund der Dringlichkeit einfach die Tränen nicht zurückhalten kann und mutmaßt, dass sie durch ihre Behinderung einfach nicht stark genug sei?!
Nein, das hat nichts mit ihrer Behinderung zu tun: Das nennt man einfach Empathie, man nennt es Emotionalität und Herz. – Etwas, das in unserer Zeit vielen abhandengekommen ist.

Klimaschutz = soziale Kälte…?

Außerdem weist ja nicht nur Greta Thunberg auf die Dringlichkeit des Klimaschutzes hin. Nein, das tun über 90 Prozent aller Forscher, die sich mit dem Thema beschäftigen! Sie rufen zu grundsätzlichen Veränderungen auf, beraten direkt die Regierungen. Und dann kommen Wirtschafts- und Verkehrsminister und wollen keine Regeln. Nicht mal ein Tempo-Limit auf deutschen Autobahnen steht zur Debatte.
Und auch die CO2-Steuer lehnen sie ab. Angeblich wollen sie keine sozialen Härten, weil die niedrigen Einkommensschichten es sich nicht leisten können, mehr für das Benzin zu zahlen.
Diese armen Einkommensschichten interessieren zwar ansonsten kein bisschen, doch wenn es um Klima- oder Tierschutz geht müssen sie herhalten. Sie können dann ja auch durch die Prämien für Elektrofahrzeuge profitieren, welche die Regierung nun auf den Weg bringen möchte.
Oder? – Ach nein… Ein Elektroauto kann sich doch nur die höhere Mittelschicht leisten. Und den spritschluckenden SUV ebenso… Aber mit den unteren Einkommensschichten war auch noch was. Die bekommen weiterhin das billige Fleisch, denn über die Massentierhaltung und ihren Beitrag zum Klimawandel wurde mit keinem Wort gesprochen. Dabei trägt sie mit mindestens 15 Prozent der Treibhausgasen weltweit zum Klimawandel bei.

Es gibt soziale Modelle der CO2-Steuer, die sogar die Möglichkeit bieten, dass Menschen am Ende mehr in der Tasche haben als heute. Ein Beispiel bietet die Schweiz. Doch für eine solche öko-soziale Reform fehlen unserer Bundesregierung einfach Wille und Mut. Der Druck muss offenbar wachsen, um die Schnarchnasen an der Regierung zu engagiertem Handeln zu zwingen.

Gretas Versprechen

Greta Thunberg genießt meinen höchsten Respekt für ihr Engagement und ihre klare Ansage. Ich hoffe, dass noch sehr viele weitere Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene ihrem Beispiel folgen werden. Und dass sie wie Greta verkünden werden: „Ihr versagt momentan. Aber die jungen Leute beginnen, euren Verrat zu begreifen. (…) Und wenn ihr euch dazu entscheidet, zu versagen, dann sage ich: Wir werden euch nie vergeben. Wir lassen euch damit nicht davonkommen.“

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Beim letzten Klimastreik waren weltweit vier Millionen Menschen auf den Straßen. Wann sind es vierzig oder hundert Millionen? Angemessen wäre es allemal.
Und der Widerstand wächst: Zusammen mit 16 anderen Kindern und Jugendlichen verklagt Greta Thunberg fünf G20-Mitglieder wegen dem Verstoß gegen die UN-Kinderrechtskonvention. Hier die offizielle Website von childrenvsclimatecrisis.
Neben der Türkei, Brasilien, Frankreich und Argentinien wird auch Deutschland angemahnt, durch einen echten Klimaschutz zum Wohl der Kinder und somit den nachfolgende Generationen zu handeln.

Und gerade heute wurde bekannt, dass Greta Thunberg mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wird. Wieder giften viele Menschen gegen diese Entscheidung. Doch ich finde es absolut angemessen. – Für das Engagement, dass Greta an den Tag legt, ebenso für ihr Herzblut, das sie in ihre Arbeit steckt. Und vor allem: Als Symbol für die Dringlichkeit, mit der wir uns dem Kampf gegen den Klimawandel widmen sollten.
Schließlich geht es nicht darum, ob wir eine 16-jährige mögen, oder nicht. Es geht um nichts Geringeres als um die Existenz dieses Planeten als lebenswerten Ort. – Und somit die Existenz von uns allen, unseren Kindern und Nachkommen.

2 Gedanken zu “Greta for president! ;-)

    • Freut mich, dass Dir der Artikel gefällt. Es war mir einfach wichtig, mich zu der Kritik an Greta zu äußern. Heute las ich einen Bericht von Friedrich Merz von der CDU. Er meinte, Greta sei zwar bewundernswert, aber krank.
      Also das einzige was hier krank ist, ist diese Welt mit so vielen Betonköpfen, die nichts verstehen, die als Volksvertreter eigentlich zum Wohl der Menschen arbeiten müssten. Und am Ende sie doch nur betrügen, belügen und nicht zu ihrem Wohl handeln. Bei so viel Dreistigkeit von Merz könnte ich wirklich grad noch einen Artikel schreiben… 😉

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