Rotkehlchen beim Abflug

Und, piepts noch?

Alle Vögel sind schon da… Hoffmann von Fallerslebens Lied handelt von Amsel, Drossel, Fink und Star – und der ganzen Vogelschar. Vögel sind die Boten des Frühlings. Im Winter herrscht Stille, mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen stimmen nach und nach die Vögel wieder ihren Gesang an, balzen, brüten und flattern umher. Doch was haben sie den ganzen Winter gemacht? Und vor allem: Was machen sie bald wieder, im bevorstehenden Herbst? Sie vollbringen ein unvorstellbares Wunder.

Sie wandern in den Süden…

 

Wer etwas mehr Zeit hat, kann sich diese Dokumentation des ZDF anschauen…

Viele kämpfen beim Weg in den Süden so sehr, dass sie ihre inneren Organe aufzehren. Andere fliegen in Formationen, um Energie zu sparen. Wieder andere sind Tag und Nacht in der Luft, schlafen sogar, während sie sich in hunderten Metern über dem Erdboden gleiten lassen. Sie überqueren die Alpen, das Mittelmeer, legen tausende Kilometer zurück.
Dabei orientieren sie sich tagsüber nach der Sonne, nachts nach dem Polarstern. Und wenn es wolkig ist, nehmen sie das UV-Licht der Sonne wahr, während sie offenbar ein Organ besitzen, mit dem sie bei nächtlicher Bewölkung das Magnetfeld der Erde sehen können.

Das ganze Spektakel betreiben sie, um im Süden Futter zu finden, um dort zu brüten, und sie wandern auch, um ihre Art zu verbreiten. Im Frühling fliegen sie wieder gen Norden und sind wieder alle da. – Amsel, Drossel, Fink und Star…

Doch Moment: Irgendwie scheint da etwas schief zu laufen! Es sind lange nicht mehr alle Vögel da, es wird immer stiller und leiser da draußen.
Was ist der Grund dafür? Sind es die vielen Hauskatzen? Die bösen Elstern? Oder gar die Windräder? Eichhörnchen? Das Usutu-Virus?

Der NABU bietet eine tolle Übersicht, und hierdurch wird klar, warum immer mehr Vögel sterben:

Weniger Lebensraum = Weniger Leben

Die monokulturelle Landwirtschaft hat hier den Löwenanteil. In Gebieten ohne natürlichen Bewuchs können viele Vögel einfach nicht mehr bestehen. Ihre Bruträume schwinden, ihre Futterquellen (Wildsamen, Insekten) versiegen, und ihre Lebensräume (die auch unsere Lebensräume sind!) werden durch Chemikalien vergiftet.

Auch in Siedlungen verschwinden immer mehr Hecken, Bäume und Grünland. Dadurch sinken die Bestände der Insekten, das Futterangebot speziell für die Vogelbrut geht hierdurch zurück.

Während die Hauskatze geschätzte 20 – 100 Millionen Tiere pro Jahr auf dem Gewissen hat, sterben viele Vögel auch durch den Flug gegen Glasscheiben. Bis zu 115 Millionen sind das, im Straßenverkehr sterben geschätzte 70 Millionen. Speziell beim Vogelzug werden viele Tiere durch die Lichter unserer Städte irritiert, kreisen über den die Lichtquellen, die heller sind als der Polarstern. Dadurch vergeuden sie wertvolle Energie, fallen entkräftet und tot vom Himmel. Oder sie sind derart erschöpft, da sie die weitere Reise nicht überstehen. Zu diesen Opfern gibt es noch keine gesicherten Zahlen.
Stromleitungen haben bis zu drei Millionen der Tiere auf dem Gewissen, die Jagd fordert 1,2 Millionen Opfer. An Windkraftanlagen sterben etwa 100.000 Tiere.

Da draußen findet ein echtes Massensterben statt und wir wundern uns darüber, dass es immer weniger zwitschert und pfeift?

Hannes Jaenicke hat in seiner Dokumentation eindrücklich vom Vogelmord im Süden berichtet, von Fallenstellern und „Singvogel-Gourmets“ berichtet.

Doch es sind nicht (nur) solche Gefahren, die unsere Vogelwelt in Bedrängnis bringen. Es ist vor allem eines: Wir töten den Lebensraum, den die Vögel benötigen.

Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch: Wir können etwas ändern, und zwar jeder von uns. Hier ein paar Tipps:

  • Bio-Lebensmittel kaufen
    Am besten vom Bauern um die Ecke, von dem man weiß, er betreibt nachhaltige Landwirtschaft
  • Im eigenen Garten Vogelschutz-Hecken pflanzen.
    Dazu zählen die Vogelbeere, die Kornelkirsche, der Schwarze Holunder, die Schlehe, der Speierling, die Vogelbeere, Vogelkirsche und Weißdorn. Auch Obstbäume eignen sich hervorragend. Weitere Tipps bietet hier auch der NABU.

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    Wildkräuter wie Disteln dienen durch die Samen ebenso als Futterquelle für Vögel. Gleichzeitig bedeutet mehr Natur im Garten auch mehr Insekten. – Vorausgesetzt natürlich, wir verzichten auf Pestizide, Herbizide, Fungizide und andere Gifte.
    Blühpflanzen ziehen Insekten magisch an. Daher ist die Anlage einer Wiese oder eines Blühstreifens mit möglichst heimischen Wildblumen sinnvoll für den Insekten- und Vogelschutz.

  • Vögel füttern ist wichtig
    Wir sollten sie daher immer das ganze Jahr über mit Körnern und vor allem Meisenknödel versorgen. Womit ich mich momentan nicht gut fühle ist die Vorstellung, dass das Fett in Meisenknödeln sicherlich aus der Massentierhaltung stammt. Doch lässt es sich bisher nicht vermeiden. Dafür kann man zumindest Knödel ohne Netz kaufen. Die Netze können nämlich den Tieren gefährlich werden, und sie bestehen aus Plastik, was man ja ohnehin vermeiden sollte.
  • Nistmöglichkeiten schaffen
    Sehr wichtig ist es auch, den Vögeln Nistmöglichkeiten zu bieten. Die brüten nämlich normalerweise in Baumhöhlen, in Mauernischen oder Felsvorsprüngen. Da es immer weniger alte Baumbestände gibt mit Höhlen und beim Sanieren von Häuern die Nischen verschwinden, reduziert sich auch das Angebot natürlicher Nistmöglichkeiten.

    Doch auch hier gibt es einfache Möglichkeiten Abhilfe zu schaffen: Das Anbringen von Nistkästen, selbst gebaut oder gekauft (ich kann hier nur www.vivara.de empfehlen)

 

 

 

2 Gedanken zu “Und, piepts noch?

  1. Gute Zusammenstellung, danke für deinen Beitrag! Interessant sind die Todeszahlen, so erschreckend sie auch sind – v. a. die im Vergleich zu Glasscheiben und Hauskatzen geringe Zahl bei Windkraftanlagen. Gut, wenn es mehr Windkraftanlagen gibt, wird sich dieZahl noch erhöhen, aber wir werden wohl nicht ganz um Windkraftanlagen drumherum kommen. Mittlerweile weiß man ja auch von einigen Möglichkeiten, die Kollissionen hier zu senken, man müßte es nur umsetzen. Da haben wir es wieder, das „müßte“… statt TUN.

    Auch die Todeszahl durch Hauskatzen könnte man senken – durch entsprechend dichtes und dornenreiches Gebüsch. Gibt es kaum noch, also wo soll Jungvögelchen sich verstecken? Hunde helfen übrigens auch 😉 in unserem Garten jagt keine Katze mehr, Vieleicht finden sich deswegen regelmäßig ab Anfang August all die vielen Jungvögel bei uns ein. Vielleicht wissen sie, dass sie hier einigermaßen sicher sind…

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    • Ja, ich glaube wenn die Windkraftanlagen an wirklich geeigneten Stellen aufgestellt würden, könnte man hier auch das Risiko senken. Was ich noch immer nicht verstehe: Warum muss man eigentlich diese Monster-Anlagen in die Landschaft bauen. sie könnten in geeigneten Gebieten genauso die Installation von kleinen Windrädern auf Gebäuden fördern und dann könnte der hier produzierte Strom auch direkt verbraucht werden. Aber da steht ja wieder die Frage nach der Rendite im Raum, und die Interessen der Stromkonzerne stehen solchen dezentralen Lösungen mit kleinen Windrädern, Solaranlage usw. im Wege.
      Für die Vögel würde aus meiner Sicht vor allem auch eines helfen: Die Pflanzung vieler neuer und dichter Hecken. Dort sind sie wie Du schon sagst vor Katzen und anderen Raubtieren geschützt, sie finden dort Möglichkeiten zur Brut und vor allem auch in geeigneten Hecken das Futter, das sie benötigen. Manche Hauskatzen sind wirkliche Vogelfänger, aber andere halten sich da zurück und es passt gar nicht in ihr Beutespektrum. Und wieder andere Katzen, solche wie meine, fangen zwar ganz selten mal eine Meise im Flug, haben aber so kurze Zähne, dass die Meise unverletzt wieder den Abflug macht. 😉 Und meine Katze ist ja auch ne Wohnungkatze. Blöd nur, wenn eine Kohlmeise durchs gekippte Fenster in die Wohnung fliegt und die Katze sie mit einem Sprung in die Luft fängt…

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