Mord und Totschlag

Die EU strebt ein Freihandelsabkommen mit den so genannten Mercosur-Staaten an. Das ist ein Bündnis mehrerer südamerikanischer Länder, die einen Binnenmarkt bilden. Mitglieder sind u.a. Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und Venezuela. Das Ziel des Abkommens besteht darin, Zölle und andere Handelshemmnisse abzubauen, den Handel anzuregen und somit jede Menge Geld zu verdienen. Doch der Preis hierfür ist hoch, und es könnte zudem das Weltklima komplett zum Kippen bringen.

Eigentlich klingt das doch ganz gut: „Freihandelsabkommen
Wir können frei handeln, beide Seiten profitieren durch Einnahmen und neue Märkte. Es könnten neue Sozial- und Umweltstandards in Südamerika eingeführt werden, Menschen könnten aus ihrer Armut herausgeholt werden.
Doch leider ist nicht alles Gold was glänzt. Und freier Handel meist ist das Gegenteil von Fairem Handel. Schließlich vertragen sich Gier und Fairness rein garnicht.

Unsere heimische Industrie jubelt angesichts des bevorstehenden Abkommens, bei dem die Zölle fallen und man verkaufen kann, was das Zeug hält.

Unsere Landwirtschaft sieht das jedoch komplett anders. In Südamerika existieren völlig andere Standards: Sei es im Lohnsektor, im sozialen Bereich, im Naturschutz oder im Tierschutz. Man „produziert“ dort Rindfleisch deutlich billiger, als es in Europa der Fall ist. Denn man muss die europäischen Tierschutz- und Naturschutzstandards nicht beachten. Genetisch verändertes Futter darf eingesetzt werden, bei uns verbotene Pestizide kann man ebenso nutzen wie Hormone. Es gibt laschere Gesundheits-Standards für Angestellte usw.
Daher regt sich massiver Widerstand gegen dieses Abkommen, das eine Überflutung des europäischen Markts mit billigstem Fleisch befürchten lässt.
Das wiederum könnte dazu führen, dass bei uns Tier- und Naturschutzstandards reduziert werden, da man ja mit der Konkurrenz mithalten muss…

Global – fatal!

Was mir jedoch nicht weniger dramatisch erscheint ist die Tatsache, dass durch das Abkommen der Warenverkehr über die Weltmeere weiter zunehmen wird. Mit Schweröl betankte Schiffe werden südamerikanisches Fleisch über den Atlantik oder Pazifik schippern und somit einen dicken CO2-Fußabdruck hinterlassen.
Müssen wir denn tatsächlich Rindfleisch über tausende Kilometer transportieren, während auch in Europa Tiere massenhaft in den Ställen stehen, deren Fleisch wir dann wiederum nach China exportieren?! Ist das nicht Wahnsinn?!

In Zeiten der existenzbedrohenden Klimakrise erscheint mir dies derart unpassend, dass man glaubt, unsere Staatschefs schweben teilweise in anderen Welten und Realitäten.
Doch es ist nicht nur der Transport, der mir als völlig unpassend erscheint.

Geschäfte mit Kriminellen

Der brasilianische Machthaber Bolsonaro hat offen erklärt, dass ihm Klima- und Regenwaldschutz herzlich egal sind. Er gibt den Regenwald vielmehr für die landwirtschaftliche Nutzung frei.
Mehr noch: Er vertreibt die Ureinwohner aus ihren Reservaten, verfolgt sie und schürt Hass. Und er ist so mitverantwortlich für jüngste Vorfälle der Gewalt, bei denen man einen Indigenen gefoltert und beinahe getötet hat. Weitere Ureinwohner verloren bereits ihr Leben.

Schon seit längerem ist Brasilien für Naturschützer das gefährlichste Land auf der Welt, die man dort praktisch kurzerhand zum Abschuss freigibt. Diese Entwicklung wird sich durch den neuen Machthaber verstärken. Und, nein, ich möchte diese Person nicht als Präsidenten bezeichnen, auch wenn er demokratisch gewählt wurde. Ein Präsident muss in seinem Amt einen staatstragenden und umsichtigen Mann repräsentieren, was er aus meiner Sicht nicht tut.

Das Blut klebt auch an unseren Händen…

In Brasilien Regenwaldflächen mit beeindruckender Artenvielfalt. Diese werden bereits seit vielen Jahren gerodet, um auf den frei gewordenen Flächen Futterpflanzen anzubauen, mit deren Ernte man die Tiere in der europäischen, amerikanischen und asiatischen Massentierhaltung fettfüttert. Und wir essen mit unserem massenhaften Konsum von Fleisch, aber auch von Milchprodukten quasi den tropischen Regenwald auf.

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Wir sind also direkt beteiligt an diesem Wahnsinn. Doch das bedeutet zugleich, wir könnten etwas durch eine Änderung unseres Konsumverhaltens bewirken. – Weniger Fleisch, dafür aber echte Bioprodukte, am besten aus der Region. Und eben auch eine Reduzierung von Milchprodukten.
Das Gegenteil wird nun jedoch der Fall sein. Denn es droht durch das Freihandelsabkommen eine weitere Steigerung des Billigfleisch-Angebots und somit der Abholzung des Regenwaldes.

Brasilien hatte sich laut Vertragswerk verpflichtet, die Entwaldung zu bekämpfen sowie nachhaltige Anbaumethoden zu nutzen. Auch die Achtung von Arbeitnehmerrechten hatte man zugesichert. Mit Bolsonaro steht all dies jedoch nun in Frage.

Es bleibt zu hoffen, dass die EU nicht vollends ihre Werte verrät, nur um das „schnelle Geld“ zu fördern und den freien Handel voranzutreiben.
Man sollte inzwischen aus der Geschichte der vielen Kriege, ethnischen Säuberungen und Gräueltaten eines gelernt haben: Mit Kriminellen arbeitet man nicht zusammen, sondern man boykottiert sie!

Als kriminell entpuppt sich zunehmend das Vorgehen der brasilianischen Regierung: Den indigenen Menschen gegenüber ebenso, wie gegenüber der Natur, dem Weltklima und unsrer aller Zukunft.

Was wir aktiv tun können:

  • Weniger Fleisch essen, dafür Bio möglichst aus der Region
  • Weniger Milchprodukte konsumieren, dafür Bio möglichst aus der Region. Oder habt ihr schon vegane Alternativen probiert, wie Hafermilch oder Milch aus Lupinen? Die sind lecker. Vegane Schokolade schmeckt ebenfalls überraschend gut.
  • Keine tropischen Hölzer kaufen, nur heimische Holzarten nutzen, und auf das FSC-Siegel achten. Tropische Hölzer tragen Namen wie „Palisander“, „Akazie“ und mehr. Eine Übersicht findet ihr bei Rettet den Regenwald e.V.
  • Die Petition von Rettet den Regenwald e.V. unterschreiben, die an die brasilianische Regierung, den Senat und die Abgeordnetenkammer gerichtet ist. (Zum Thema Datenschutz wie üblich: Es gelten die Datenschutzbestimmungen der jeweiligen Website zu beachten!)
  • Ebenso von Rettet den Regenwald ist die Petiton gegen Mercosur, die an die EU-Kommission und ihre Mitgliedsstaaten gerichtet ist. (Zum Thema Datenschutz wie üblich: Es gelten die Datenschutzbestimmungen der jeweiligen Website zu beachten!)
  • Den Konsum reduzieren: Regenwald fällt auch dem Bergbau zum Opfer. Seltene Erden lagern unter den Naturschätzen unserer Welt, die wiederum für die Herstellung von Handys, Computer und viele andere Elektrogeräte verwendet werden. Aber auch andere Bodenschätze werden in den Wäldern abgebaut, um auch unsere Gier nach immer mehr Konsum zu befriedigen. Beispiel: In Brasilien baut man Bauxit ab, das zur Herstellung von Aluminium benötigt wird. Und Aluminium findet sich in sehr vielen Verpackungen, aus ihm besteht aber auch die bei vielen Menschen noch immer gern genutzte Alufolie. Also: Finger weg davon, es gibt sehr gute Alternativen.
  • Auch wenn wir Papier vermeiden leisten wir einen Beitrag zum Schutz der Wälder, auch Regenwälder. Wenn wir Toilettenpapier, Papiertaschentücher und Küchenrollen kaufen, sollten wir darauf achten, dass es aus Recyclingpapier hergestellt wurde. Speziell Küchenrollen lassen sich ganz einfach durch die Nutzung von Textiltüchern vermeiden. Das ist nicht nur nachhaltiger, sondern vor allem auch: Billiger! 🙂

 

 

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