Eiche in der Oldendorfer Totenstadt

Baum-Zeit

Sie stehen herum wie angewurzelt, scheinbar bewegungsunfähig, im Herbst werfen sie ihre Blätter und Früchte ab, im Frühling Blüten, verschmutzen damit unsere Straßen und Wege. Und sie verteilen jede Menge Pollen – ein Graus für Allergiker. Bei Sturm brechen sie ab, gefährden Menschenleben, Sachwerte und die Verkehrssicherheit. Und nun sollen ausgerechnet sie die Erde vorm Klimakollaps retten?

Wenn man sich den Umgang mit Bäumen und Sträuchern anschaut, könnte man meinen, sie wären für nichts nutze. Ausnahme: Wenn sie Früchte tragen sind sie gut, auch wenn sie als Sichtschutz dienen oder schön exotisch aussehen. Aber ansonsten haben Pappeln, Fichten, Birken & Co. noch immer nur einen geringen Stellenwert in der Gesellschaft. Oder warum werden sie wohl sonst überall rigoros abgesägt und müssen aus profansten Gründen weichen, weil sie einfach mal im Weg stehen.

(Kurze Anmerkung: Der Artikel enthält Links, mit denen mein Blog nicht in Verbindung steht. Bitte wie gehabt die Datenschutzbestimmungen der jeweiligen Websites beachten!)

Nun berichten Forscher, dass es möglich sei, mit Hilfe der Aufforstung zwei Drittel der menschengemachten Treibhausgas-Belastung in der Atmosphäre auszugleichen.
Das kommt in den Medien so überraschend rüber, doch lernt man schon als Kind in der Schule die Funktion der Photosynthese. Es nutzen alle Grünpflanzen das CO2 in der Luft, um für sich selbst Energie zu produzieren. Als Abfallprodukt entsteht dabei das O2, auch Sauerstoff genannt, durch das wir alle atmen können.

Das gilt für junge Bäume wie auch für die alten Zeitgenossen wie diese Eiche.

Die 1000-jährige Eiche in Bergen ist mit 40 Metern Höhe und einem Stammumfang von über 7 Metern ein Naturdenkmal. Das Alter ist nicht belegt.
Die „1000-jährige Eiche“ in Bergen ist mit 40 Metern Höhe und einem Stammumfang von über 7 Metern ein Naturdenkmal. Das Alter ist nicht belegt.

 

Wir sägen am Ast, auf dem wir sitzen

Bäume und Wälder sind ideale Kohlenstoffspeicher, wie übrigens auch die Moore. Das ist schon lange bekannt und trotzdem werden die Wälder und Bäume aus unterschiedlichsten Gründen abgeholzt:
Unser massenhafter Konsum tierischer Produkte verschlingt Unmengen Futterpflanzen, die meist dort angebaut werden, wo zuvor Regen- und Urwälder wuchsen.
Bioethanol im Autotank stammt ebenso von solchen Plantagen aus dem Regenwald. Palmöl und -fett in Fertiglebensmitteln, Reinigungsprodukten und Kosmetika werden aus der Ölpalme gewonnen, die wiederum in tropischen Gebieten auf gerodetem Regenwald gewachsen ist. Gleiches gilt für Soja – also Vorsicht bei der Aussage, die vegetarische oder vegane Lebensweise wäre grundsätzlich immer umwelt- und klimafreundlich.

Sellerieschnitzel mit Pommes und Rote Bete-Salat
Sellerieschnitzel mit Pommes und Rote Bete-Salat

Selbst das Holz für die Terrassendielen stammt aus dem Regenwald, aber auch Hölzer für Möbel, Laminat und andere Materialien der Inneneinrichtung. Bezeichnungen wie „Palisander“, „Mahagoni“, aber auch „Akazie“ deuten auf tropische Hölzer hin. Hier eine Übersicht von Rettet den Regenwald e.V. Auch Papier benötigt Zellstoff und dieser stammt von gefällten Bäumen. Schauen wir in unsere Papiertonne und somit auf unseren ausufernden Papierverbrauch, sehen wir, wo die Wälder landen. Und nicht zuletzt landet Holzkohle aus bedenklicher Quelle auch gerade jetzt wieder massenhaft auf unseren Grills.

Baumallee
Baumallee

Auch Moore verschwinden zugunsten von Acker- und Bauland. Und mit jeder Packung torfhaltiger Gartenerde sorgen wir dafür, dass einmalige Naturschätze verschwinden, damit unsere Geranien im Blumenkasten auch schön blühen. – Was übrigens auch ohne Torf durchaus möglich ist!

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Eine Möglichkeit der Abholzung entgegenzusteuern wäre es nun, den Konsum tierischer Produkte auf ein Mindestmaß zu reduzieren, Palmöl möglichst ganz von unserem Speiseplan zu verbannen. (Hier findet man eine gute Übersicht zu Bezugsquellen palmölfreier Produkte)
Beim Kauf von Hölzern sollte man zunächst überlegen, ob man sie denn wirklich braucht. Und wenn ja kann man auf das FSC-Zertifikat achten und auf die Langlebigkeit der Produkte. Auch bei Grillkohle findet man immer öfter das FSC-Zertifikat und man könnte ja auch auf einen Solargrill oder die Solar-Koch-Kiste umsteigen. Papierverbrauch vermeidet ein „Bitte keine Werbung“-Aufkleber auf dem Briefkasten, aber auch bewusster Konsum, bei dem Papiertüten einfach durch Stofftaschen oder Körbe ersetzt wird. Ebenso kann man Papier-Verpackungen vermeiden, indem man möglichst frische Produkte kauft. Küchenrollen kann man durch waschbare Stofftücher ersetzen.

Zum Aufforsten kann man sogar kostenlos beitragen, wenn man die Suchmaschine Ecosia.org nutzt. Die haben bereits 61 Millionen Bäume gepflanzt!

Und Moore schützt man am besten, indem man keine torfhaltigen Produkte kauft, und eine Moorschutz-Aktie erwirbt.

Mut zum Wald

Doch zurück zu den Bäumen: Die Erkenntnis, dass diese eine Lösung der Klimakrise sein könnten, kommt sehr spät. Eigentlich drängt sich die Tatsache schon seit Jahren auf. Doch bisher hat man dies vollkommen ignoriert.
Selbst vor unserer eigenen Haustür wird nicht mehr Wald gepflanzt – es werden immer mehr Bäume gefällt.
Die Wissenschaftler haben nun berechnet, dass man zur Aufforstung theoretisch eine Fläche zur Verfügung hätte, die so groß ist wie die USA. Hier böten sich vor allem Länder wie Russland, die USA, Kanada, Australien, Brasilien und China an.
Die Städte habe man ausgeklammert, da man hier ja mehr Flächen für einen anderen Nutzen brauche.

Blick auf die Our, dem Grenzfluss zwischen Deutschland und Belgien
Blick auf die Our, dem Grenzfluss zwischen Deutschland und Belgien – eingerahmt von Wald

Schon wieder denkt man zweidimensional. Man möchte zwar aufforsten, dies aber nur in Form von Waldgebieten. Und man verweist dabei auf Staaten, deren Staatschefs sich in letzter Zeit nicht gerade als Umwelthelden hervorgetan haben, sondern eher als geistige Tiefflieger. Wie will man sie davon überzeugen, Bäume zu pflanzen, wenn sie nicht mal den Klimawandel als Gefahr anerkennen? Oder wenn sie, wie der brasilianische Präsident, den Regenwald zur landwirtschaftlichen Nutzung freigegeben haben?

Man ignoriert zudem komplett die Tatsache, dass der Klimawandel gerade die grö0eren Siedlungsgebiete und ihre Bewohner hart treffen wird. Hitzewellen, die den schwarzen Asphalt aufheizen und für tropische Nächte sorgen – das Leben in Städten und größeren Siedlungsgebieten wird im Sommer immer unerträglicher werden, da sich alles aufheizt!

Anders ist es, wenn Bäume die Sonnenstrahlen davon abhalten, den Boden zu erreichen. Und wenn sie durch ihre Verdunstung ein positives Mikroklima schaffen. Sie filtern zudem die Luft, wirken regulierend auf den Grundwasserspiegel bei Dürre und Überschwemmungen.
Und trotzdem wollen wir sie in unseren Städten nicht sehen, da man hier die Flächen für einen anderen Nutzen braucht?!

Eine scharfe Waffe gegen den Klimawandel besteht tatsächlich darin, dass wir Bäume pflanzen. Vor unserer Haustür, Klimaschutzwälder oder -wäldchen für jede Gemeinde oder besser noch den Landkreis. Ein Baum für jeden Einwohner.

Das klingt vollkommen utopisch? Ist es aber nicht! Der Landkreis Emsland hat es uns bereits vorgemacht und das gesteckte Ziel von 316.000 Bäumen um 15.000 übertroffen!
Man stelle sich vor, jede Gemeinde, Stadt oder jeder Kreis in Deutschland würde diesem Beispiel folgen: Es würden alleine hier mindestens 83 Millionen Bäume gepflanzt. In der EU leben 512 Millionen Menschen – also könnten hier 512 Millionen Bäume gepflanzt werden.

Wälder und Wäldchen dienen zudem nicht nur dem Klimaschutz. Sie können einen großen Beitrag zum Artenschutz leisten, zur Luftreinheit und für die Naherholung.
Wo bleibt hier also endlich der Masterplan?

Scheitert es an den Kosten? – Das glaube ich nicht, denn für die Bankenrettung standen Billionen Euro zur Verfügung.
Jetzt geht es um unser aller Überleben, um die Zukunft und somit auch um die wirtschaftliche und soziale Stabilität. Das sollte uns deutlich mehr wert sein, als gescheiterte Bankinstitute zu retten.
Zumal sich die Kosten für ein solches Projekt pro Gemeinde oder Stadt ohnehin in Grenzen halten. Im Emsland kostete der Klimaschutzwald etwa 2 Millionen Euro – und das für 42 Hektar Fläche.

 

 

 

 

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