Da lachen ja die Hühner (nicht!)

Über viele Jahrzehnte werden gezielt zwei getrennte Hühnerrassen gezüchtet: Eine, die viele Eier legt. Und die andere, die viel Fleisch ansetzt. Grund: Die Gier nach Profit und immer mehr Masse.
Bei der „Produktion“ von neuen Legehennen werden sowohl Hennen als auch Hähne geboren. Da Hähne bekanntlich keine Eier legen, und die Rasse zur Eierproduktion auch nicht wirklich Fleisch ansetzt, sind die Hähne überflüssig. Was also tun mit ihnen? Richtig – man tötet sie so schnell und wirtschaftlich wie möglich.
Vor einigen Jahren begann die öffentliche Diskussion darüber, ob es denn richtig sei, männliche Küken nach dem Schlupf direkt zu vergasen oder zu schreddern. Und die Frage nach dem Tierschutz stand im Raum, denn das Tierschutzgesetz besagt ja: Kein Tier darf ohne vernünftigen Grund getötet oder ihm unnötiges Leid zugefügt werden.

Heute urteilte nun das Bundesverwaltungsgericht über die Frage, ob denn die gängige Praxis weiterhin rechtens sei. Und man befand: Bis auf weiteres dürfen die ungewünschten Hähne geschreddert und vergast werden, da es ja seit Jahrzehnten gängige Praxis sei. Und es sei den Betrieben nicht zuzumuten, die Mehrkosten für die Hähne zu tragen. Aber Lösungen seien in Sicht und wenn diese dann auch wirtschaftlich umsetzbar seien, müsse das Töten natürlich ein Ende haben.

Es sterben pro Jahr 45 Millionen Hähne in Schreddern und in mit Gas gefluteten Behältern. Und dies seit Jahrzehnten, mit immer weiter steigender Tendenz. Dies ist eine gängige Praxis – ganz richtig. Doch diese gängige Praxis verstößt seit Jahrzehnten gegen das Tierschutzgesetz! Man hat Tiere gezielt auf Massenproduktion gezüchtet, hat den „Ausschuss“ in Form von momentan 45 Millionen Hähnen jährlich billigend in Kauf genommen. Und nun möchte man erst mal abwarten, bis es eine endgültige Lösung gibt?!

Faule Eier

Genau hier zeigt sich wieder, wie gering noch immer der Tierschutz in seiner Wertigkeit angesiedelt ist. Doch nicht nur den Geflügelzüchtern kann man diese Entwicklung anlasten. Man kann es auch der Lebensmittelindustrie ankreiden, die in so vielen Fertigprodukten Eier nutzt und somit enorm und oft nur im Kleingedruckten erkennbar zur Massentierhaltung beiträgt. Und man kann es natürlich uns selbst anlasten, die wir regelmäßig Fertigprodukte mit Eiern essen, oder Eier insgesamt in überhöhtem Maße.

Früher hatten die Menschen selbst Hühner, die haben Eier gelegt. Und wenn diese Eier aufgebraucht waren, musste man eben warten, bis es neue gab. Sicher war auch diese Form der Haltung nicht immer so toll: Wenn Hühner ihre Eier auf natürlichem Wege ausbrüten, sind auch etwa fünfzig Prozent von ihnen männlich. Und kein noch so überzeugter Tierfreund kann alle Hähne behalten. Also wurden auch damals die Hähne geschlachtet. Aber sie wurden eben auch geschlachtet und genutzt, nicht kurz nach der Geburt einfach wie Abfall geschreddert. Und vor allem all das nicht in dieser gewaltigen Masse. Das ist der Unterschied!

Vegan – das Gelbe vom Ei?

Nun kann man sich darüber streiten, ob es überhaupt tierfreundlich sein kann, Eier zu essen. Denn am Ende steht der Tod eines ausgewachsenen oder ungeborenen Tieres. Doch dann muss man sich auch fragen, ob das Konsumieren von Milch und Milchprodukten ethisch vertretbar ist. Man muss sich fragen, ob man wirklich Käse zu sich nehmen möchte, für deren Herstellung ein Kalb geboren werden musste, das früh geschlachtet wird. Und dessen Magen wird vielleicht auch dafür genutzt, den Lab für die Herstellung vom Käse zu gewinnen.

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Ja, am Ende steht die Frage nach der veganen Ernährung im Raum und die stelle ich mir auch immer mal wieder. Ich habe zwar meine Hühner, die durch den Garten flitzen, aber die sind auch schon in die Jahre gekommen, legen immer seltener ein Ei. Und ich müsste eigentlich wieder zwei neue Hühner dazu setzen. Bei meinen gackernden Gartenbewohnern weiß ich, wie sie leben. Aber wie ist es mit der Milch? Wie ist es mit dem Käse? Oder dem Fisch? Da weiß ich nicht, wie es den Tieren ergangen ist.

Kann vegan gesund sein?

Noch konnte ich mich nicht dazu durchringen, mein Leben auf weitgehend vegane Nahrungsmittel umzustellen, da ich auch nicht die Informationen darüber finde, wie man einen Nährstoffmangel vermeidet. Ein bisschen Bedenken habe ich hier schon.

Beim Nachdenken kam mir dann aber auch die Überlegung in den Sinn:  Warum stellt man eigentlich bei der veganen Ernährung die Frage nach den Nährstoffen so in den Mittelpunkt? Jeder, der praktisch alles isst, kann sich ebenso einseitig ernähren, dadurch krank werden. Und bei ihm stellt man nicht die Frage nach dem Nährstoffmangel!?

Mein Ziel ist es nun allerdings, immer mehr vegane Speisen auf meinem Teller landen zu lassen, um zumindest teilweise von diesem perversen Lebensmittelsystem Abstand zu bekommen. Und man kann bei bestimmten Speisen auch sehr gut auf vegane Alternativen ausweichen, ohne auf den Nährstoffgehalt achten zu müssen:
Vegane Schokolade, Kuchen ohne Eier und Milch, veganen Joghurt, …

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Auch kleine Wachteln sind fühlende Lebewesen

Was mir jedoch aufgefallen ist: Bei veganen Rezepten stehen immer sehr viele exotische Zutaten auf den Listen. So klima- und umweltfreundlich eine fleisch- und milchfreie Ernährung sein mag, so klimaschädlich sind Avocados, Mango, Chia-Samen oder Sojasprossen mit ihren langen Transportwegen und der Plantagenwirtschaft. Gerade Soja wird zudem mehrheitlich aus genetisch veränderten Bohnen erzeugt.
Also kann das aus meiner Sicht auch nur sehr bedingt die Lösung sein. Ich werde die nächste Zeit damit verbringen, mir einen größeren Überblick zu verschaffen, um meine Ernährung umzustellen.

Und ich werde hier darüber berichten.

8 Gedanken zu “Da lachen ja die Hühner (nicht!)

  1. Lieber Torsten,
    dieser Beitrag spricht mir aus dem Herzen. Ich kaufe Eier nur noch bei Freunden, bei denen ich sehen kann, wie die Hühner gehalten werden. Das hat zur Folge, dass es manchmal auch vorkommt, dass es keine Eier gibt, weil die Hühner überall gerade nicht legen.
    Die Verstöße gegen das Tierschutzgesetz sind zahllos. Ich bitte Dich, folgende Petition zu unterzeichnen und mir zu helfen, sie zu verbreiten:
    Retten Sie den Rotmilan und andere von der Ausrottung bedrohte Arten!
    http://chng.it/N9XMrks9
    Mit herzlichen Grüßen
    René

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  2. Die „einfachste“ vegane Ernährung liegt in den Rezepten früherer Generationen. Ein Blick in die Klosterküche beispielsweise oder in Kriegsküche (Tante Linas Kriegsküche). Es muss nicht die Exotik sein, denn alles das, der ganze Transport, schadet durch Treibstoff der Natur ebenso.
    Mein Tipp:
    Einfach mal die alten Kochbücher entstauben und dort hinein blättern – die Rezepte sind es wert ausprobiert zu werden.

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    • Hallo und vielen lieben Dank für den interessanten Kommentar. Ich werde mich mal nach solchen Rezeptbüchern umschauen. Denn wie Du schon sagst. – Wenn es exotisch wird leidet am Ende auch die Natur. Und wir haben ja auch so viele leckere und gesunde Gemüse und Obstsorten, und vor allem auch Wildkräuter.

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      • Genau das ist der Punkt.
        Nimm als Beispiel Sauerkrautnudeln … dazu brauchst du nur Sauerkraut, Mehl, Salz und Wasser … und Salat als Beilage (hab ich aus einem der Kochbücher von Tante Lina) … einfach und vegan und alles im Land hier vorhanden ohne großen Transport…

        Reinschauen lohnt sich 😉

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      • Kannst mir ja mal verraten, ob du später ein gutes Rezept gefunden hast.

        KLeiner Tip auch aus den Büchern:
        Kartoffel/Senf Aufstrich ….
        brauchst nur gekochte Kartoffeln, Essiggurkel, Senf nach Wahl und ein paar Gewürze, das mischen und fertig 😉

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