Springspinne mit Schatten

Springspinnenschattensprung

Letztens machte ich Bekanntschaft mit dieser Springspinne hier. Erst glaubte ich, das sei ein Käfer, doch ich zählte die Beine: Acht waren zwei zu viel für ein Insekt. Dann lief das Tier springend umher und spätestens da wurde mir klar: Es muss sich um eine Springspinne handeln. Eine mit dunklem Körper und wunderschön grün schimmernden Mundwerkzeugen. Ich fotografierte sie von allen Seiten und sah mir später die Bilder an. Da entdeckte ich plötzlich ihren Schatten. Wie im Horrorfilm machte er diese kleine schöne Spinne ganz groß, ließ sie bedrohlich wirken. Und ich dachte mir: Das ist ja fast wie im wahren Leben…

Wie oft stehen wir vor einem solchen Schatten, wie erstarrt und gelähmt? Er erscheint uns riesig und überwältigend. Meist haben wir ihn selbst konstruiert, indem wir einen Lebensumstand aus der Deckung heraus beobachten. Wie automatisch verändern wir mit jedem Zögern unsere Position, wodurch der Schatten immer bedrohlicher wird – und irgendwann erscheint er uns übermächtig. Oder wir bekommen sein Bild über Außenstehende immer wieder vor die Nase gehalten, bis wir ihn für wahr nehmen, diesen Schatten.

Wir wenden uns von ihm ab, da wir keine Chance sehen, ihn zu umgehen oder über ihn zu springen. Angst, Resignation oder pure Bequemlichkeit verdonnern uns so einfach zur Tatenlosigkeit:

Dann können wir eben nicht mit dem Fahrstuhl fahren, nicht auf Türme klettern oder vor Menschen einen Vortrag halten. Und wenn wir uns in Menschenansammlungen unwohl fühlen, gehen wir eben nicht ins Fußballstadion, ins Kino, oder in die Kneipe…
Wir können dann eben nichts an unguten zwischenmenschlichen Beziehungen ändern, an unserem ungeliebten Job oder an unserem Körper. Wir können nicht abnehmen, nicht aufhören zu rauchen oder zu trinken.

Verhaltensmuster zu ändern würde heißen, sich mit diesem übermächtigen Schatten auseinander zu setzen, oder ihn gar überspringen zu müssen. Und das ist gefühlt unmöglich.
Auch können wir die Welt nicht ändern. Was können wir schon gegen den Klimawandel oder das Artensterben ausrichten, wenn Trump, Putin, Merkel & Co. dies nicht wollen oder können?

Wir bleiben starr in der Ecke sitzen und stellen uns tot, während dieser Schatten uns tagein tagaus begleitet.

Doch am Ende bleibt es nur ein Schatten, eine optische Täuschung, die uns in ihrem Bann hält. Sie macht uns Angst, macht uns träge und handlungsunfähig. Und wir können diesen Schatten tatsächlich nicht einfach so überspringen.

Wir können jedoch unsere Blickrichtung ändern, können eine andere Perspektive einnehmen. Wenn wir das tun, dann wird der Schatten kleiner. Er wird so klein, bis er gänzlich verschwindet und den Blick auf die eigentliche Herausforderung freigibt.

Aus einem Problem wird eine Herausforderung, wenn wir genau das tun. Wenn wir es uns anschauen, seine Risiken aber auch seine Möglichkeiten erfassen. Und vor allem, wenn wir unsere Möglichkeiten ausloten, die uns dieses Problem am Ende bieten kann.

So wird aus dem Problem eine Herausforderung, aus der Herausforderung eine Chance.
Und wir müssen nur unseren Blickwinkel ändern, um die Sicht auf das Schöne zu ermöglichen.
Klingt eigentlich ganz einfach, ist es aber nicht. Es ist anstrengend und gleicht dann doch einem Sprung über den eigenen Schatten.

Doch, wie war das nochmal mit dem Schatten? Am Ende ist auch er nur eine optische Täuschung.

Die Springspinne
Die Springspinne
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2 Gedanken zu “Springspinnenschattensprung

  1. springspinne. das habe ich ja noch nie gehört. vielen dank fürs bekanntmachen. 🙂 eine schönheit ist das auf den ersten blick ja nicht. wo hast du die gefunden, draußen irgendwo, oder in der wohnung. *gleichmalallefensterschließe* *lach*.
    du hast einen schönen bogen geschlagen um dieses thema herum. veränderungen sind möglich, sogar dann, wenn man gar nicht dran glaubt. das wichtigste ist: etwas tun oder etwas nicht mehr tun, was macht, dass es es nicht tut. wenn du weißt, was ich meine. ist manchmal nicht so einfach, aber möglich. ich wünsche dir alles gute und ein schönes wochenende. liebe grüße und danke für den schönen artikel.

    Gefällt 1 Person

    • Ja, diese Springspinne war tatsächlich keine Schönheit. Aber Du kannst die Fenster ruhig wieder öffnen – ich hab sie draußen gefunden… 🙂 Sie saß in einem ausgedienten Kochtopf, den ich draußen per Upcycling wieder eingesetzt habe und dachte scheinbar, man sieht sie nicht vor dem schwarzen Hintergrund. Ich habe letztens gelesen, die Springspinnen sehen gestochen scharf und können sogar Farben wahrnehmen wie der Mensch. Eigentlich haben sie nur zwei verschiedene Farbrezeptoren (grün und UV-Licht), können aber eine Art von Filter zwischenschalten und sehen somit auch rot. Stand so im Spiegel. https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/springspinnen-sehen-gestochen-scharf-und-das-in-farbe-a-1034412.html
      Sie kann also auch ihre farbliche Perspektive verändern, blickt grün-hoffnungsvoll in die Welt. Aber wenn ihr etwas gar nicht passt, schaltet sie den Filter an und „sieht rot“… 😉

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