Bei Vollmond in die Erdkammer

Na, auch froh, dass der Frühling Einzug gehalten hat und die, kalte schmuddelige Erkältungszeit vorüber ist? Im Winter musste ich mich gleich zweimal mit einem hartnäckigen und trocknen Reizhusten rumschlagen. Da hat man die Erkältung nach einigen Tagen hinter sich gebracht, hustet aber noch wochenlang, ist heiser und kann nachts nicht schlafen. Dem möchte ich beim nächsten Mal was Natürliches entgegensetzen können. Zwar ist es noch lange hin bis zum Herbst, doch hat mich am Wochenende die Lust am Kräutersammeln gepackt. Und ich habe ein Kraut gerupft, das als natürlicher Hustenstiller bekannt ist: Der Spitzwegerich. Ihn habe ich nicht in Alkohol eingelegt, oder gar getrocknet. Nein, ich habe mit ihm einen Erdkammersirup vorbereitet.

Erdkammersirup? – Das klingt erst mal wenig appetitlich. Doch schmeckt er sehr süß und hat es in sich.
Prinzipiell kann man alle genießbaren Kräuter in dieser Zubereitungsform haltbar machen. Man nutzt hierdurch vor allem die gleichbleibende Temperatur in der Erde, um einen Fermentierungsprozess in Gang zu bringen und zu halten. Esoterisch gesehen kann man es auch so sehen, dass man die Kräuter der Erde übergibt, wo sie mit positiver Energie aufgeladen werden und so heilsamer sind.
Egal wie man es nun sieht: Am Ende des Prozesses steht ein wirkungsvoller Sirup…

Doch eins nach dem anderen: Ich bin also am Wochenende aufgebrochen und habe Spitzwegerich gesammelt. Die Pflanze findet man an Wegrändern und erkennt sie vor allem an den spitz zulaufenden Blättern und den dicken Adern auf der Blattunterseite. Das untere Ende des Stängels ist rotbraun gefärbt. Und je nach Jahreszeit blüht der Spitzwegerich auch.

Spitzwegerich
Spitzwegerich

Dieses Wochenende habe ich ganz bewusst für die Ernte ausgewählt, denn es war Vollmond.
Ich habe mich in letzter Zeit ein wenig mit dem Mondkalender beschäftigt und damit, wann man am besten bestimmte Pflanzen einsät, pflanzt oder erntet. Die Zeit des zunehmenden Mondes oder des Vollmondes selbst ist ideal zur Ernte von Kräutern. Denn dann wirkt die Anziehungskraft des Erdtrabanten am stärksten und die Wirkstoffe verlagern sich dadurch vermehrt in die Blätter. Bei abnehmendem Mond oder gar Neumond kann man am besten Wurzeln ernten, da zu dieser Zeit die Wirkstoffe dort konzentriert sind.
So besagt es zumindest der Mondkalender. Da ich gerne mal experimentiere und durchaus daran glaube, dass es mehr gibt als das was wir sehen, möchte ich dem Mondkalender in Zukunft mehr Aufmerksamkeit schenken.

Der Mond ist an derart vielen natürlichen Prozessen beteiligt. Er beeinflusst Ebbe und Flut – je nachdem, in welcher Phase er sich befindet. Er steht in Verbindung mit der Fortpflanzung von Korallen, steht in Verbindung mit dem Verhalten von Tiefsee-Lebewesen oder Meeresschildkröten. Auch folgt das Plankton den Mondphasen. Warum also sollte der Mond nicht einen größeren Einfluss auf die Natur haben, als wir es wissenschaftlich momentan nachweisen können? Hätte vor fünfzig Jahren jemand davon berichtet, dass Bäume miteinander kommunizieren, man hätte ihm den Vogel gezeigt. Heute ist das hingegen bekannt und wissenschaftlich bewiesen.

Mond hin oder her: Ich habe also die Blätter des Spitzwegerichs gerupft und immer darauf geachtet, dass ich pro Pflanze nur einen Teil der Blätter entferne, um mir dann eine neue Pflanze zu suchen.
Dann habe ich die Ausbeute erst mal in kleine Stücke geschnitten und sie schichtweise in ein gut verschließbares Glas gepackt. Auf eine Schicht Blätter kam eine Schicht Honig. Das wiederholte ich so lange, bis das Glas voll war.

Spitzwegerich in Honig
Spitzwegerich in Honig

Dann entschied ich mich, auch noch ein paar Fichtenspitzen in meinem Garten zu ernten und packte sie in ein zweites Glas mit Honig.
Am Montag grub ich ein 60 Zentimeter tiefes Loch in meinem Garten und stellte die Gläser hinein. Ich suchte mir einen schönen Platz aus, direkt unter einem Holunderstrauch, und vergrub die Gläser hier. Dann markierte ich die Stelle, denn es wird ein wenig Zeit ins Land gehen, bis ich sie wieder ausgraben kann: Zwölf Wochen!

Die Erdkammer
Blick in die Erdkammer

Und dann halte ich, wenn alles gutgeht, einen natürlichen Hustenstiller in den Händen. Ich bin gespannt wie sich das Experiment Erdkammer entwickelt…

 

So, der August-Vollmond ist vorüber und heute habe ich mit etwas Verspätung die Gläser wieder aus der Erde geholt. Und was soll ich sagen…

Erdkammersirup mit Fichtenspitzen und Spitzwegerich
Erdkammersirup mit Fichtenspitzen und Spitzwegerich

Die Fichten, von denen die Spitzen stammten, sind heute aufgrund der Dürre und der Borkenkäfer leider abgestorben. Doch die sattgrünen Spitzen von damals haben ihre Wirkstoffe an den Honig abgegeben. Als ich das Glas öffnete, roch es herrlich nach Fichtennadeln und die Ätherischen Öle wurden daher gelöst. Der Spitzwegerich roch etwas herb, aber auch fruchtig. Nun werde ich beide Gläser noch ein paar Tage an einem dunklen Ort stehen lassen, dann die Blätter absieben und den Sirup in braune Fläschchen abfüllen. Diese werden dann im Keller gelagert und schon kann die Erkältungszeit kommen.

Das heißt, das wichtigste Heilmittel fehlt mir momentan noch: Der Kapuzinerkresse-Essig… Momentan fehlen mir allerdings noch die Blüten, da die Pflanze nur sehr dürftig welche hervorbringt. Ich werde aber die Tage damit beginnen einzelne Blüten zu sammen, sie in Apfelessig packen und in die Sonne stellen. Meistens packe ich 8-10 Blüten in die Flasche, lasse das Ganze etwa sechs Wochen stehen und dann färbt sich der Essig zunehmend orange.
Auch hier siebe ich die Blüten ab und sobald ich dann ein Kratzen im Hals spüre, trinke ich einen Esslöffel Essig auf ein Glas Wasser. Und schon ist es (meistens) wieder weg… 🙂

Kapuzinerkresse

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