Löwenzahnblüten

Konfuzius sagt…

Vor kurzem hat der Vorsitzende der Jusos Kevin Kühnert mit seinen Überlegungen eine Welle der Entrüstung losgetreten. Er sprach von der Utopie einer Gesellschaft, in der Autofirmen verstaatlicht werden könnten, ebenso Wohnungsgesellschaften. Als Hintergrund nannte er u.a. die hohen Mietpreise. Sowohl der politische Gegner, als auch seine Genossen aus der SPD antworteten geschlossen mit böser Kritik, nannten ihn einen DDR-Nostalgiker oder einen Populisten. Doch liegt er wirklich so verkehrt mit seinen Überlegungen? Zwar ist der Sozialismus keine Option, doch ist es der Kapitalismus?

Klimawandel, Luftverschmutzung, Plastikmüllberge, Regenwaldabholzung, Tierquälerei, Arten- und Insektensterben, Kinderarmut, arme Rentner und Arbeitnehmer, der Anstieg von psychischen Erkrankungen in der Arbeitswelt. Und auch die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander.

Wenn wir uns die Ursachen dieser Probleme einmal genauer anschauen, werden wir oft auf die „Gier“ stoßen. Und diese ist grundsätzlicher Bestandteil des Kapitalismus.
Geld und Gewinn stehen schließlich im Mittelpunkt des Wirtschaftssystems.
Früher trug unser System einmal den schönen Namen „Soziale Marktwirtschaft“, heute kann man es getrost „unsozial“ nennen. Es ist auf pures monetäres und materielles Wachstum ausgelegt, setzt auf Massenkonsum. Und dabei profitieren wenige von den erzielten Gewinnen, während die absolute Mehrheit in die Röhre schaut.
Etwa ein Prozent der Menschen weltweit besitzen 40 Prozent des Vermögens. Und 42 reiche Menschen besitzen so viel, wie 3,7 Milliarden Arme zusammen.

Selbst in einem reichen Land wie Deutschland können viele Vollzeit-Jobber nicht von ihrem Geld leben und müssen einen Zweitjob annehmen, oder Sozialhilfe beantragen. Hunderttausende Rentner stehen bei den Tafeln an, ebenso Sozialhilfe- oder Hartz IV-Empfänger. Die Kinderarmut nimmt zu, ebenso die Verschuldung der Menschen. Viele können ihre gestiegenen Mieten nicht mehr bezahlen, oder die anderen Lebenshaltungskosten. Dadurch klafft auch in Deutschland die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander.

Dabei regiert doch der Kapitalismus seit langem die Welt, jener Heilsbringer, der über den gescheiterten Sozialismus gesiegt hat.
In dieser Wirtschaftsform steht das Kapital über allem – auch über dem Lebenswert.
Und so regelt der Markt längst nicht alles zum Guten. Wer das bezweifelt, kann ja einen der vielen Vollzeitjobber im Niedriglohnsektor befragen, die regelmäßig bei den Tafeln um Essen anstehen müssen.

Studieren heißt nicht kapieren

Besonders die Kritik an Herrn Kühnert, er habe ja nicht mal ein abgeschlossenes Studium, finde ich persönlich diskriminierend und völlig fehl am Platz. Das klingt ja so, als hätten alle mit Studienabschluss die Weisheit mit dem Löffel gefressen, Menschen mit „nur“ einer Berufsausbildung seien ahnungslos.
Es sind viele studierte Menschen in Wirtschaft und Politik, die unsere Welt an den Abgrund gebracht haben. Dies zeigt, dass ein Studium noch lange nicht garantiert, dass jemand etwas besser beurteilen oder vollbringen kann.

Schon Konfuzius sagte:
„Menschen von dem ersten Preise lernen kurze Zeit und werden weise.
Menschen von dem zweiten Range werden weise, lernen aber lange.
Menschen von der dritten Sorte bleiben dumm und lernen Worte.“

Und er hat es auf den Punkt gebracht: Erst Erfahrung, eigenständiges Denken und Hinterfragen des Status quo bringen den Fortschritt. So war es schon immer in der Geschichte: Revolutionäre Veränderungen und Verbesserungen entstanden nicht durch jene, die Wissen auswendig lernten und es zitieren konnten, sondern durch Querdenker, die Strukturen hinterfragten.
Das heutzutage natürlich nicht gewünscht, in einem System, in dem sich wenige Entscheidungsträger ihr Stück vom großen Kuchen sichern wollen. Lobbyisten lassen sich nun mal nicht gerne ins Handwerk pfuschen – noch weniger ihre Auftraggeber.

So ist wohl auch die Kritik von Herrn Lindner (FDP) zu verstehen an den Schülerprotesten für das Weltklima. Damals hatte er ja gefordert, die Kinder sollten besser in die Schule gehen und lernen, und den Klimaschutz den Fachleuten überlassen…
Etwa jenen hochstudierten Fachleuten, die seit vielen Jahren einen echten Klimaschutz mit allen Mitteln torpedieren? Die in den Vorstandsetagen vieler Konzerne, jenen hunderten Lobbyisten in den Parlamenten, oder gar in den Regierungen?!

Da lobe ich mir doch das eigenständige Denken vieler Kinder und Jugendlicher, die sich einfach nicht ihre Zukunft rauben lassen möchten, von jenen gierigen Geiern. Jenen, die nun darauf warten, dass der Klimawandel endlich das Eis über der Arktis zum Schmelzen bringt, damit man dort die großen Erdöl- und Erdgas-Vorkommen fördern kann, um sie dann auch noch zu verbrennen.
Man muss nicht studiert haben, um zu verstehen, dass der Weg jener „Fachleute“ in naher Zukunft

in den Abgrund führt, den „Fachleuten“ und ihren Gönnern aber nochmal eine „Goldene Nase“ beschert hat.

Emotionale Bankrotterklärung

Auch führt ein Studium z.B. nicht zur nötigen Empathie, die eine gute Personalführung voraussetzt. Doch das ist im Kapitalismus irrelevant. Angestellte werden als Produktionsfaktoren verheizt, mit primitivsten Mitteln aus der Firma geekelt, wenn man sie zum Low-Performer herunterstuft oder sie einfach nicht mehr benötigt.
Das zeigen nicht nur aktuell die Prozesse gegen France Télécom, wo Manager offenbar Angestellte massiv unter Druck setzten, bis sich einige von ihnen sogar das Leben nahmen. Man macht Menschen im Zweifel psychisch krank. – Hauptsache die Rendite stimmt, oder man kann durch ihren Weggang Kosten sparen.

Dass Respekt und Wertschätzung umgekehrt die Zufriedenheit und Produktivität der Angestellten erhöhen, scheint in vielen Führungsetagen unbekannt zu sein. Kein Wunder – Empathie kann nicht durch ein Studium erlernt werden, sie ist eine Charaktereigenschaft. Eine, die durch den Kapitalismus komplett in die Bedeutungslosigkeit verfrachtet wurde.

Man geht über Leichen. Menschen, Tiere, Ökosysteme, Werte, Ethik, Empathie: All das hat keinen Platz in einer Welt, in der alles nur um die Gewinne einiger weniger geht. Daher sind Überlegungen für eine alternative Wirtschaftsform absolut legitim, ja geradezu notwendig!

Eine Wirtschaftsform, in der der Aktienkurs eines Unternehmens eben nicht in die Höhe schießt, nachdem der Abbau von tausenden Arbeitsplätzen mit vielen menschlichen Schicksalen dahinter, angekündigt wurde.

 

 

 

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2 Gedanken zu “Konfuzius sagt…

  1. Es muss möglich sein, politische Alternativen zu diskutieren. Wenn jeder Ansatz dazu in eine Schublade gesteckt wird, dann sichern sich diejenigen ihre Profite und ihre Macht, denen nichts an gerecht verteiltem Wohlstand (in Deutschland, Europa und weltweit), nichts an den Grundlagen des Lebens, nichts an der Zukunft unserer Kinder wichtig ist. Es braucht viele Kühnerts in den demokratischen Parteien!

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    • Hallo, ja der Meinung bin ich auch. Über Alternativen diskutieren zu können ist nicht nur die Grundlage der Demokratie, es ist auch die Grundlage von Fortschritt und Weiterentwicklung. Eine solche Debatte schmerzt natürlich bei all denen, die nicht bereit sind, etwas Grundlegendes zu ändern, da sie dadurch schlechter dastehen würden. Gerade eine Volkspartei in der Glaubwürdigkeits-Krise wie die SPD wäre gut beraten, solche Debatten zuzulassen. Und nicht auf ihre eigenen Parteikollegen verbal einzuprügeln. So wird weder die SPD einen neuen Aufbruch schaffen, noch wird sich etwas zum Besseren ändern… Hoffen wir auf mehr Kühnerts in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

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