Waschbär

Die Mär vom invasiven Bär…

Jetzt ist es amtlich! Der Waschbär bedroht die Artenvielfalt in Deutschland. So lautet zumindest die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP. Die Frage lautete in etwa, inwieweit denn bitte invasive Arten eine Gefahr für die Artenvielfalt darstellen. Und ein Teil der Antwort klang so: Der Waschbär bedroht u.a. die Europäische Sumpfschildkröte sowie einige Amphibien-Arten. Endlich haben wir nun also den Schuldigen gefunden, den Schuldigen für den Niedergang von Sumpfschildkröte & Co…

Invasive Arten sind tatsächlich eine Gefahr für die heimische Tier- und Pflanzenwelt. Sie verdrängen einheimische Arten und haben selbst oft keine natürlichen Feinde, die ihre Bestände regeln könnten. – Soviel vorweg.

Aber mal ganz ehrlich: Man will doch nun nicht tatsächlich dem Waschbären die Schuld dafür in die Schuhe schieben, dass die Europäische Sumpfschildkröte vorm Aussterben steht?
Das wäre in etwa so, als würde man die Schwerkraft für sein gebrochenes Bein verantwortlich machen, nachdem man – mit Blick auf das Smartphone – die Treppe runtergefallen ist.
Die Schwerkraft ist eine Konstante – genau wie die Tatsache, dass Waschbären eben Waschbären sind und nur deshalb Schäden verursachen, da sie in unseren Ökosystemen nichts zu suchen haben. Irgendwelche Menschen haben einige Tiere bei sich in Gefangenschaft gehalten, die sind ausgebrochen und haben sich von da an vermehrt. Punkt!
Also ist dem Waschbären hier schon mal kein Vorwurf zu machen.

Kein Sumpf – keine Sumpfschildkröte…

Bleibt die Frage nach der Europäischen Sumpfschildkröte. Doch die ist schon seit Jahrzehnten in ihrem Bestand bedroht, ebenso unsere Amphibien-Arten. Und das definitiv nicht aufgrund der Waschbären.
Die Tiere sind bedroht durch den Menschen, durch seinen Raubbau an der Natur, durch seine Gier, seine ökologische Ignoranz und Dummheit. Dass nun der Waschbär den Sumpfschildkröten und einigen Amphibien-Arten den Rest geben könnte ist fatal. – Ganz ohne Frage! Doch glaube ich, die Wahrscheinlichkeit liegt deutlich höher, dass der Mensch ihm zuvorkommen wird.

Anstatt sich hier auf neue Problembären oder Nilgänse, Goldschakale, Nutrias und Bisams einzuschießen – und dies im wahrsten Sinne des Wortes – sollte man eines beachten: Wenn man auf eine dieser Tierarten mit dem Zeigefinger deutet, weisen drei Finger der gleichen Hand zu einem selbst. Der Mensch wird verantwortlich sein für das größte Artensterben seit dem Aussterben der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren. Und was tut er? Er bläst zur Jagd auf Waschbär, Nilgans & Co. Ganz logisch! Wenn man das eigentliche Problem nicht lösen will, knallt man halt eben mal ein paar Waschbären ab.

Der Mensch als invasive Art

Sicher muss etwas gegen diese invasiven Arten unternommen werden. Fraglich ist es, ob das nun durch den Abschuss der Tiere erfolgen muss, oder doch eher durch sanftere Methoden stattfinden könnte (Essensreste für Waschbären unzugänglich machen, die Tiere kastrieren,…)

Vor allem aber muss der Mensch etwas gegen seine eigene invasive Art unternehmen. Er muss sich endlich mehr zurücknehmen, muss sich seiner Rolle als größtes Problem auf der Welt bewusstwerden. – Und zugleich seiner Rolle als Teil der Natur.
Er hat den Waschbären erst zum Problembären gemacht. Die Nilgans wurde durch ihn zur invasiven Art, die Störche und andere Tiere verdrängt. Und er ist es zugleich selbst, der Störche und andere Tiere in ungleich größerem Ausmaße verdrängt, schädigt, ihre Lebensräume vernichtet, ihnen Nist- und Futtermöglichkeiten nimmt. Zu derart zerstörerischen Ausmaßen wären ganze Heerscharen von Waschbären, Nilgänsen und Nutrias gar nicht in der Lage.
Das muss der Menschheit bewusstwerden. Und damit meine ich jedem von uns.

Und wir brauchen Konzepte, wie wir in Zukunft mit anderen invasiven Arten umgehen. Die werden nämlich nicht nur aus irgendwelchen Gehegen ausbrechen und sich vermehren. Sie werden durch die weltweiten Warenströme rund um den Globus verteilt, wandern aber auch bei uns ein infolge des ebenso vom Menschen verursachten Klimawandels. Die Klimazonen verschieben sich, und mit ihnen wandern auch sehr viele Tier- und Pflanzenarten.

Wir sind alle sind Teil des Problems – und somit können wir auch Teil der Lösung werden!
Vor allem müssen wir unverzüglich handeln. Denn Worte sind nur Luft, erst Taten füllen sie mit Wahrheit.

 

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