Destruktiv

Es gibt diese Menschen, die dir die eine jährliche Urlaubsreise mit dem Auto vorwerfen und sagen, die mache dich unglaubwürdig in Sachen Klimaschutz. Das sind dann jene Menschen, die selbst nicht mal den kleinen Finger krumm machen, um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Sie haben eigentlich auch gar kein Interesse am Klimaschutz: Nein, ihnen geht es nur ums Prinzip! Sie suchen nach dem Wurm im Apfel. Und selbst wenn da gar keiner ist, erfinden sie ihn einfach.

So ähnlich verhält es sich wohl auch mit der folgenden Geschichte aus meinem Naturgarten, die ich hier gerne mal erzählen möchte…

„1,20 m über Grenze!“ – Diese Botschaft fand ich vor einigen Tagen am Blühstreifen vor, den ich hinter meinem Garten angelegt habe. An den Garten grenzt der Klee-Acker eines Landwirts, der gerne mal mit einem grünen Image wirbt.

Jahrelang wuchs zwischen meinem Garten und diesem Acker nur hohes Gras, in dem Blüten praktisch keine Chance hatten. Daher entschied ich mich vor zwei Jahren, auf diesem Streifen einige Blumen einzupflanzen und zu säen.

Er ist nun Anziehungspunkt für Wildbienen, Hummeln, Wollschweber, Käfer und Falter. Borretsch blüht neben Mohn, die gelben Blüten der Königskerzen erstrahlen hier ebenso, wie das Blau der Kornblumen. Bienenfreundliche Rosen, Tulpen, Narzissen, Löwenmäulchen und Ringelblumen bieten Insekten ein breites Buffet.


Klingt gut – klingt aber nur so: Denn zwar können sich die Insekten am Nektar laben, ich kann mich an den Insekten erfreuen sowie an den Farben des bunten Blühstreifens. Und selbst für Passanten auf einem nahen Feldweg können die bunten Farbtupfer ein Augenschmaus in der ansonsten recht farblosen Welt der intensiv bewirtschafteten Weinberge rundherum sein.
Doch Mooooment! Das wäre ja zu einfach. – Dem Bauern schmeckts nicht!

Dabei hat er gar keinen Schaden durch diese Blüten, denn im Bereich dieses Streifens wächst ja überhaupt gar kein Klee. Der war noch nie dort, es wuchs ja immer Gras auf diesem Streifen.
Einige Gärten weiter lassen Gartenanlieger zwischen ihrem Gartenzaun und dem Acker noch immer das Gras wild wachsen, und das scheint den Bauern nicht zu stören. Er erntet dieses Gras auch nicht – schließlich will er ja nur den Klee…

Es ist seit vielen Jahrzehnten ein ungeschriebenes Gesetz, dass ein kleiner Streifen zwischen Acker und Gärten frei bleibt. Einige andere Gartenanlieger nutzen einen (zugegeben etwas engeren Bereich), um mal eine Reihe Kartoffeln anzubauen, mal Bohnen. Auf dem Rest des Streifens mähen sie immer aufkommenden Graswuchs ab. Ich entschied mich für die Naturschutz-Variante, und nun habe ich den Salat.

Mir erschließt sich nicht mal im Ansatz der Sinn, weshalb der Blühstreifen nun schlechter sein soll, als ein Streifen mit wild wucherndem Gras. Aber wahrscheinlich gibt es da auch gar keinen höheren Sinn. Es ist einfach rein das Prinzip: Ich nutze den Streifen, darf ihn aber nicht nutzen, auch wenn der Bauer ihn nicht nutzt. Dann soll da lieber Gras wachsen. Blüten?! – Das wäre ja noch schöner! Was bilde ich mir auch ein, mit Blumen einen Beitrag zum Schutz der Natur zu leisten, von der gerade ein Landwirt existenziell abhängig ist? Frechheit, ich bin aber auch dreist!

Ich werde nun einige der Blumen verpflanzen, damit es Ruhe gibt. Doch zeigt mir dies einmal mehr:
Die Welt ist voller destruktiver Menschen, denen ein ungenutzter Streifen mit wenig insektenfreundlichem Gras lieber ist, als eine blühende Oase für Wildbiene & Co.
Sie reden von Ökologie, stellen sich traditionell und umweltfreundlich dar. Doch letztlich entscheidet das Handeln, nicht das Reden!
Und ein Bauer, dem die Natur so offenkundig am Ende des Tages egal ist, der hat aus meiner Sicht nicht mal den Grundsatz der Landwirtschaft verstanden…

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