Ein kleiner Affe

30.003

Ein Tier ist nur ein Tier. Es ist sich seiner Selbst nicht bewusst, ist nur in der Lage zu Grundempfindungen, bedingt intelligent und kann auch hier dem Menschen nicht das Wasser reichen. Der ist hochentwickelt, legt ein komplexes Sozialverhalten an den Tag, ist in der Lage zu vielen Empfindungen, komplexem Denken und Fühlen. Er kann Trauer empfinden, genauso wie Wut oder Angst. Er besitzt eine Seele, eine komplexe Psyche. Zwischen Mensch und Tier liegen Welten, sie unterscheiden sich grundsätzlich. So lautet zumindest noch immer die mehrheitliche und offizielle Meinung. Doch was ist eigentlich, wenn ein Mensch krank wird? – Dann behandelt man ihn natürlich mit Medikamenten, deren Wirksamkeit und Unbedenklichkeit man zuvor an Tieren getestet hat.

Klingt seltsam, ist aber so: So grundverschieden Tier und Mensch angeblich sind, so ähnlich sind sie sich dann wieder, wenn es darum geht, Versuche an den Tieren durchzuführen und die Ergebnisse auf den Menschen zu übertragen.
Ein Tier, dem man nur sehr grundlegende Emotionen zugesteht, und sie eher auf Instinkte reduziert, ist also dennoch dazu geeignet, ein Antidepressivum zu testen, um seine Wirksamkeit für den Menschen nachzuweisen?
Dazu gibt es die unterschiedlichsten und zugleich perversesten Versuche, die man sich vorstellen kann. Denn um das Medikament auf seine Wirksamkeit hin testen zu können, muss man das Versuchstier zwangsläufig in eine negative, depressive Stimmung versetzen.

Das kann man sich in etwa so vorstellen: Man steckt eine Gruppe Ratten in eine ausweglose Situation, traktiert sie über einen längeren Zeitraum mit Elektroschocks und schaut sich dann an, wie sich ihre Gemütsverfassung verändert. Dann behandelt man den einen Teil der Gruppe mit dem zu testenden Wirkstoff und traktiert die gesamte Gruppe weiterhin. Alles wird dokumentiert, das Verhalten der Tiere studiert und getestet, inwieweit sich der Wirkstoff bewährt. Und wenn man genügend Daten gesammelt hat werden die Tiere getötet oder für weitere Experimente dieser oder ähnlicher Art missbraucht, bis man auch ihnen schließlich das Leben nimmt.

Meerschweinchen - auch Opfer bei Tierversuchen
Auch 15.445 Meerschweinchen litten allein 2017 in Tierversuchen

Es gibt auch Versuche, bei denen man Ratten über einen gewissen Zeitraum mit Stromstößen traktiert hat, während eine zweite Versuchsgruppe gut behandelt wurde. Dann setzte man die Ratten in einen Wasserbehälter, aus dem es kein Entkommen gab und sah zu, wie lange sich die zuvor gequälte Gruppe über Wasser halten konnte, im Verhältnis zu der Gruppe mit „positiverer Grundeinstellung“. Das Ergebnis: Die gequälten Tiere ertranken deutlich früher, die mit positiver Grundeinstellung hielten sich viele Stunden über Wasser, ehe sie entkräftet starben.

Im Jahr 2016 wurden allein in Deutschland laut Deutsche Welle 2,8 Millionen Tierversuche durchgeführt: An Mäusen, Ratten, Fischen, Kaninchen und Vögeln. Aber auch 4.000 Hunde, 2460 Affen und 770 Katzen litten in den Laboratorien. Damit ist die Zahl der Tierversuche um 50.000 angestiegen. Und speziell in der Kategorie „schwer“ stieg die Zahl der gequälten Tiere auf 100.000. Zur Kategorie „schwer“ gehört auch der Versuch mit den Ratten und den Stromstößen.

Solche Versuche beweisen ganz deutlich, dass Tiere sehr wohl zu ähnlichen oder gar gleichen Emotionen neigen, wie wir Menschen. Das heißt, sie sind ebenso leidensfähig wie wir. Sonst würde man ja auch keine Schmerzmittel an Tieren ausprobieren und die Ergebnisse vom Grundsatz her auf den Menschen übertragen können.

Die Mehrheit der Forscher, und vor allem der Konzerne die sie beauftragen, sind jedoch der Meinung, es sei ethisch nicht verwerflich, an Tieren zu forschen. Es sei nicht verwerflich, sie einzig zu züchten um sie in Käfige zu sperren, mit ihnen zu experimentieren, ihnen unsägliches Leid zuzufügen und sie schließlich zu töten.
Und sie begründen dies mit der Tatsache, dass die Versuche zum Wohle der Menschheit stattfänden, da man mit ihnen Schaden von Patienten abwenden und neue Medikamente entwickeln könne.

Ein Affe als Herzpatient?

Nun ist es grundsätzlich fragwürdig, inwieweit wir überhaupt dazu berechtigt sind, fühlende und denkende Wesen für unser Wohl zu missbrauchen und zu quälen. Doch lassen wir diese Überlegung einen Augenblick mal außen vor. Denn es stellt sich eine ganz andere Frage.
So ähnlich Tiere mit ihrem Schmerzempfinden und ihren Emotionen uns auch sind: Organphysiologisch gibt es deutliche Unterschiede. Sogar zwischen Menschen selbst existieren diese. Wäre das nicht so, gäbe es keinerlei Nebenwirkungen und jeder würde in gleicher Weise auf einen Wirkstoff reagieren.
Doch tatsächlich vertragen manche ein Medikament, andere reagieren allergisch. Bei dem einen menschlichen Patienten wirken die Pillen, während sie beim anderen gar nicht helfen. Solche Beispiele kennt wahrscheinlich jeder von uns.

Hinzu kommt: Ein Herzpatient, der gleichzeitig an Diabetes erkrankt ist, wird auf Medikamente anders reagieren, als ein Herzpatient der an sonst keiner oder einer anderen chronischen Krankheit leidet.
Und vor diesem Hintergrund soll es tatsächlich möglich sein, nach einem Medikamententest an einer Ratte und einem anderen Säugetier die Wirksamkeit oder Unwirksamkeit eines Wirkstoffs feststellen zu können? Ich glaube kaum…

Nach den obligatorischen Tierversuchen an einem Nagetier (Ratten, Mäuse, Kaninchen,…) und einem Säugetier (Katzen, Hunde, Affen,…) finden ohnehin Versuchsreihen an Menschen statt. Ansonsten könnte man die vielen Nebenwirkungen, die auf den Beipackzetteln stehen ja gar nicht feststellen. Und selbst hier weisen die Hersteller noch darauf hin, dass man bitte unerwünschte Reaktionen, die nicht in der Packungsbeilage aufgeführt wurden, dem Arzt oder Apotheker mitteilen solle.
Also selbst nach all den Versuchen an Nagern, Säugetieren und Menschen kommt es durchaus vor, dass man als erster „Glückspilz“ mit einer neuen Nebenwirkung reagiert. Und man muss gar nicht der Einzige sein, in dessen Körper der Wirkstoff unerwünschte Reaktionen hervorruft. Nicht umsonst werden Medikamente ja auch öfters mal wieder vom Markt genommen, weil sich unvertretbare Neben- oder Wechselwirkungen zeigen.

Diese Tatsache unterstreicht noch einmal die Frage, wie man denn bitte an einer Ratte erkennen soll, ob ein Mensch negativ auf einen Wirkstoff reagiert, während man das später selbst durch Testreihen an Menschen nicht feststellen konnte.

Näheres zum Thema kann man in einer interessanten Doku des WDR anschauen. Es geht hier um Laboraffe 30.003.

Wer schön sein will muss leiden lassen?

Doch nicht nur in der Medikamentenforschung werden Tierversuche durchgeführt. Es sitzen auch sehr viele Tiere in Versuchslaboratorien, um die Giftigkeit neuer Chemikalien für Reinigungsmittel oder Kosmetika zu testen. Dabei werden Stoffe beispielsweise Kaninchen in die Augen geträufelt und dort getestet, ob sie gefährlich für menschliche Augen sein könnten. Kaninchenaugen besitzen die Eigenschaft, nicht viele Tränen bilden zu können, weshalb der Stoff möglichst lange im Auge verbleibt. Ob das Tier dabei unter Schmerzen oder Juckreiz leidet, ob es blind wird oder am Ende an Sehstörungen erkrankt, ist egal. Das Tier wird ohnehin nach Abschluss der Testreihe sterben.
Und das nur um zu testen, ob ein neuer Wirkstoff in Reinigungsmitteln Augenreizungen beim Menschen verursachen könnte. Oder der Stoff in einem Haarshampoo gefährlich für die Augen sein könnte…

Zumindest diese Perversion brauchen wir nicht weiter tatenlos zu unterstüzen. Wir können solchen Produkten gezielt aus dem Weg gehen. Eine Übersicht über tierversuchsfreie Produkte findet man hier.
Auch im Geschäft kann man am Hasen des Tierschutzbundes erkennen, dass es sich um ein tierversuchsfreies Produkt handelt.

Grundsätzlich habe ich nun einiges über das Thema recherchiert und bin wirklich geschockt über die Arroganz und Selbstherrlichkeit, mit der hier Tiere zu Versuchsobjekten degradiert werden – als hätten sie keine Gefühle, kein Bewusstsein und keine Seele.

Und hierbei wurde mir mal wieder bewusst, dass es eher die Menschen sind, die solche Versuche durchführen oder rechtfertigen, die offenbar weder Herz noch Seele besitzen, geschweige denn ansatzweise ein Gewissen. Ja, ich würde ihnen grundsätzlich Empathie absprechen. Wie könnten sie sonst noch ruhig schlafen oder gar in den Spiegel schauen, während sie jeden Tag bewusst Tieren dieses Leid zufügen?

Tierversuche sind unnötig

Dabei ist eine Forschung ohne Tierversuche möglich. Davon ist die Organisation Ärzte gegen Tierversuche e.V  überzeugt. Und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass diese auch ein Gewinn für die Menschheit wäre.
Denn wie viele Wirkstoffe wurden wohl bereits ausgemustert, da sie sich im Tierversuch als schädlich erwiesen. Beim Menschen hätten sie vielleicht dazu beitragen können, Krebs zu bekämpfen und hätten hier gar keine negativen Wirkungen gezeigt. Denn man kann oft definitiv die Ergebnisse von Tierversuchen nicht auf den Menschen übertragen.

Zwar hat die EU folgende Richtlinie erlassen:

Richtlinie EU/2010/63:
„Aus ethischer Sicht sollte es eine Obergrenze für Schmerzen, Leiden und Ängste geben, die in wissenschaftlichen Verfahren nicht überschritten werden darf. Hierzu sollte die Durchführung von Verfahren, die voraussichtlich länger andauernde und nicht zu lindernde starke Schmerzen, schwere Leiden oder Ängste auslösen, untersagt werden.“

Doch Deutschland nutzt hier Lücken, um der Tierversuchslobby weiterhin Versuche der Kategorie „schwer“ zu erlauben. Auch bei der Einstufung in „leicht“, „mittel“ und „schwer“ werden Versuche gezielt in die untere oder mittlere Kategorie eingeordnet, um schwere Versuche durchführen zu können. Wahrscheinlich argumentiert die deutsche Regierung wie so oft mit dem unsinnigen Argument, ansonsten würden die Versuche dann eben in einem anderen Staat stattfinden.
Was ändert denn das an der Tatsache, dass sie grundsätzlich falsch sind?

Wer gegen diese legale Perversion protestieren möchte: Ärzte gegen Tierversuche sammelt Unterschriften

2 Gedanken zu “30.003

    • Erst dachte ich, der Artikel wird ein bisschen zu lang. Aber ich konnte mich dann auch nicht kürzer fassen, nachdem ich recherchiert hatte. Und dazu gäbe es leider noch einiges mehr zu sagen. Mal schauen, vielleicht in einem zweiten Artikel… 😉

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