Hagelkörner im Salat - das drumherum ist übrigens ein Schneckenkragen

Eissalat

Gestern bekam der Name eine ganz neue Bedeutung: Hagelkörner im mühsam vorgezogenen Eissalat, zerfetzte Blätter und umgeknickte Blumenkohl-Pflanzen. Zum Glück waren die Paprikapflanzen noch so klein, dass sie die etwa ein Zentimeter dicken Hagelkörner verfehlten. Aber trotzdem: Es landete ein wichtiger Aspekt des Klimawandels glatt in meinem Hochbeet!

Natürlich gab es auch früher schon Hagelschauer, starke Sturmböen und Gewitter. Aber diese Wetterextreme häufen sich doch spürbar. Und was ist mit der Dürre, die nicht nur in Deutschland seit Anfang letzten Jahres herrscht? Schon jetzt sind erschreckend viele Bäume vertrocknet oder zumindest hitzegeschädigt. Der Rhein hat bereits Ende April einen erschreckend niedrigen Wasserstand erreicht. Und die Böden sind in vielen Regionen noch immer viel zu trocken. Forscher sagen ein weiteres Dürrejahr voraus. Hoffen wir, dass sie sich irren.

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Der Rhein im Sommer letzten Jahres… Noch einige Wochen Trockenheit und wir sind wieder an diesem Punkt angelangt.

Zugleich kann man fast täglich beobachten, wie sich die Moderatoren oder gar Meteorologen im Radio oder Fernsehen über jeden weiteren regen- und wolkenfreien Tag freuen, von viel zu hohen Temperaturen schwärmen und diese Klimaveränderung als sonniges Geschenk des Himmels anpreisen.

Die Zeit des Ignorierens

Damit offenbart sich einmal mehr das Schlimme am Klimawandel: Vielen Menschen scheint das Problem noch immer nicht ganz klar zu sein. Für viele scheint die Priorität darin zu liegen, von Frühling bis Herbst (oder besser gleich auch im Winter) in der Sonne zu brutzeln und sich zu bräunen, mehrmals im Jahr in den Urlaub zu fliegen, und auch zuhause den strahlendblauen Himmel zu genießen. Das scheint ihnen wichtiger zu sein, als das tägliche Brot sicher zu wissen.

Es heißt immer so schön: „Die Natur braucht den Regen.“ Das klingt so gönnerhaft, als müsse man der armen Natur dann mal eben helfen, weil man seinen sozialen Tag hat.
Dass wir jedoch alle auch die Natur brauchen um zu leben, dass wir Teil dieser Natur sind, das hat unsere hochtechnisierte Gesellschaft in Teilen offenbar vergessen oder verdrängt.
Und auch wir brauchen den Regen. Unsere Felder mit Gemüse, Getreide, Weinreben und Obst benötigen auch Wasser zum Wachsen. Und auch wir selbst trinken Wasser in vielen Varianten. – Als Kaffee, Tee, pur, in Fruchtsäften, im Bier, und im übertragenen Sinne auch im Wein.

Diese Tatsache scheint irgendwie verloren gegangen zu sein im Sommer-Sonne-Bräunungswahn. Wir wohnen zudem nicht im sonnigen Süden in subtropischen Breiten, wo es natürlicherweise seltener regnet. Und wo übrigens der Klimawandel ebenso neue Wüsten schaffen wird.

Und Essen wächst in Marktregalen

Es scheint, als vertrauen viele Meschen weiterhin blind darauf, immer genügend Essen zu haben, das ja offenbar in den Regalen der klimatisierten Supermärkte wächst.

Dabei ist auch Essen keineswegs eine Selbstverständlichkeit! Schon jetzt sind die Getreidevorräte aufgrund der Dürre letztes Jahr weltweit knapp, Getreide wird immer teurer und somit weniger bezahlbar für Menschen in armen Staaten. Auch dies scheint vielen egal zu sein. Was interessiert einem schon der Einheimische, der im Slum vor dem Hotel im Urlaub am Meer um sein Überleben kämpft? Hauptsache das Wasser ist warm genug, die Sonne scheint und es gibt bloß keine Quallen…
Aber was passiert eigentlich, wenn es so weitergeht mit dem Klimawandel? Was geschieht, wenn auch bei uns irgendwann das Essen knapp oder unbezahlbar teuer wird? Schon heute gibt es Millionen Menschen, die an den Tafeln anstehen müssen, weil sie einfach nicht genügend Geld für das tägliche Leben zur Verfügung haben. Das wird sich mit dem Klimawandel dramatisch verstärken.

Es mag sein, dass die Mehrheit der Menschen etwas über Klimawandel weiß. Doch ist jener Mehrheit offenbar einfach nicht bewusst, wie gefährlich uns diese rasante Klimaveränderung mit all ihren Wetterextremen werden kann. Sie ist weit mehr als „nur“ der Wegfall des Winters. Der Klimawandel zerstört auch nicht nur die Lebensgrundlagen von Eisbären oder Korallen. Auch lässt er nicht nur den Meeresspiegel ansteigen, wodurch irgendwo im Nirgendwo ein paar Südseeatolle überflutet und somit unbewohnbar werden.
Und höhere Temperaturen sowie mehr Sonnentage bedeuten eben nicht, dass man dann einfach mal einen höheren Lichtschutzfaktor auftragen kann, die Klimaanlage einschalten und das Problem ist gelöst…

Der Klimawandel bedroht die Existenz vieler Arten auf dieser Welt – allen voran unsere eigene.

Anpassen?

Wir können uns anpassen – so glauben viele. Zurecht?
Gerade gestern habe ich gehört, dass in ganz Deutschland momentan zwei einsatzfähige Löschhubschrauber der Bundeswehr, sowie zwei bis drei der Bundespolizei zur Verfügung stehen. Man schafft es offenbar nicht einmal, die Anzahl dieser Hubschrauber zu erhöhen, angesichts der offenbar deutlich erhöhten Risiken für Wald- und Torfbrände.

Ja, es schafft ja nicht mal manch ein Waldbesucher, wenigstens beim Spaziergang das Rauchen einzustellen oder seinen Müll mitzunehmen, anstatt ihn in die Natur zu werfen, wo z.B. eine Glasscherbe ganz leicht ein Feuer verursachen kann.

Ein Bild - zwei Extreme: Gewitter im Anzug und im Vordergrund eine vertrocknete Blautanne
Ein Bild – zwei Extreme: Gewitter im Anzug und im Vordergrund eine vertrocknete Blautanne

Wie kann dann bitte die Menschheit bei so viel Betonkopf-Mentalität daran glauben, dass sie sich an eine grundsätzliche, schnelle und massive klimatische Veränderung mit Wirbelstürmen, Tornados, Überflutungen, langen Dürreperioden, Hitzewellen, dauerhaft überfluteten Millionenstädten an den Küsten sowie ganzen Staaten und die damit verbundenen Flüchtlingsbewegungen, anpassen kann?
Wir schaffen es ja nicht einmal, ein bundesweites Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen einzuführen, das eigentlich fast nur Vorteile bringt. – Außer für die Hersteller von spritschluckenden PS-Geschossen, die man auf diese Art dazu bringen könnte, sparsamere Modelle zu bauen. Doch das wäre wohl zu einfach, ebenso eine CO2-Steuer auf Flugkerosin und das Aufforsten in unseren Wäldern, aber auch das massive Anpflanzen von Bäumen in Städten und Gemeinden.

Dafür liebäugelt man eher damit, den Sprit für den Autofahrer deutlich teurer zu machen, anstatt die Autohersteller anzuhalten, sparsamere Modelle zu bauen und vor allem hierbei auch nicht mehr zu mogeln.
Das erinnert mich irgendwie an das Schauspiel um die Ökostromumlage, die seit einigen Jahren den Strom deutlich teurer macht. Diese Umlage zahlt nämlich nicht jeder.
Alle, die einen geringen Stromverbrauch haben legen ordentlich drauf, während viele mit hohem Verbrauch die Umlage gar nicht zahlen müssen!

Beispiel: Der Betreiber eines Lebensmittelmarktes ersetzte vor einiger Zeit seine Kühltruhen und
-regale durch Geräte mit hoher Energieeffizienz, um die Umwelt zu schonen. Das Resultat: Vor der Umstellung zahlte er keine Ökostromumlage, da er mehr Strom verbrauchte. Nun verbraucht er weniger und muss einen dreistelligen Betrag nachzahlen. Was macht er also? Genau, er muss seinen Stromverbrauch in Zukunft wieder erhöhen, da er sich ansonsten die Stromrechnung nicht mehr leisten kann.

Ist das nicht irre?! Ein absoluter Wahnsinn!

Wer viel Strom verbraucht zahlt keine Ökostromumlage. Und wer sich umweltfreundlich verhält, seinen Stromverbrauch senkt, wird durch die Ökostromumlage noch bestraft.
Wann ändert sich hier etwas? Wann zahlen beispielsweise die Betriebe der Massentierhaltung endlich die Ökostromumlage, wenn sie schon allein durch ihre Arbeit massiv zum Klimawandel beitragen? Stichwort: Regenwaldabholzung für Futtermittel, Gülle- und somit Methangas-Emissionen,… Eine genauere Übersicht über Betriebe, die von der Umlage befreit wurden, findet sich auch auf der Website des BaFa (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle).
Demnach zahlen beispielsweise insgesamt 41 Schlachtbetriebe keine Ökostromumlage!

Würden die Großverbraucher nicht von Vergünstigungen profitieren, wären sie gezwungen, energieeffizienter zu arbeiten, der Stromverbrauch würde sinken. Und zugleich würde die Belastung der kleinen und mittleren Stromverbraucher durch die Ökostromumlage zurückgehen, da die Kosten der Energiewende von breiteren Schultern gestemmt werden könnten.

Sommer, Sonne, Sonnenschein…?

Dieser Irrsinn ist lange schon bekannt, doch irgendwie scheint er in einem Klima des Ignorierens und der Ablenkung unterzugehen.
Und irgendwie scheint am Ende dann doch alles viel wichtiger zu sein, als dieser Klimawandel:
Gewinnmaximierung von Auto- und Agrarindustrie, Rasen auf der Autobahn, Erdbeeren im Winter, möglichst günstige und mehrmalige Urlaubsflüge im Jahr, Sommer, Sonne, Sonnenschein,…

So kam mir gestern, als ich meinen zerfledderten Salat begutachtete, auch ein etwas abgewandelter, aber doch sehr passender Spruch in den Sinn:

Sind alle Felder verdorrt, der letzte Rest Grundwasser abgepumpt, die Flüsse ausgetrocknet und die Klimaanlagen ausverkauft, erst dann werdet ihr feststellen, dass Essen nicht im Supermarkt wächst und man Sonnenmilch nicht trinken kann!

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