Der arme Papagei!

Wachteleier erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Auch ich hatte ja vor einem Jahr zwölf Eier ausgebrütet, aus denen zehn Tiere schlüpften, es überlebten neun. – Sieben Hähne, zwei Hennen. Während die Hähne nur krähen legen die Hennen seit einer Woche wieder fleißig Eier: Drei pro Tag! Das ist eine starke Leistung! Allerdings haben sie ja auch eine große Voliere, bekommen gutes Futter, und fangen ab und zu mal eine Maus…

Das scheint normal zu sein, so habe ich recherchiert. Und so hat es mich nur kurz verwundert, als ich sah, wie die beiden Hennen diesen Futterdieb massiv attackierten und ihn schneller töteten, als man eingreifen konnte.
Wachteln fressen in der Natur neben wenig vegetarischer Kost vor allem Insekten, Würmer – aber auch Frösche und kleine Säugetiere.

Zwei Wachteln auf Mäusejagd
Zwei Wachteln auf Mäusejagd. Die waren verblüffend schnell und zankten sich um die Maus…

Vor allem laufen die Tiere durch die Gegend, haben genügend Platz um sich aus dem Weg zu gehen und haben Unterschlupfmöglichkeiten. Trotz großer Voliere hatte ich bei meinen Hennen und den Hähnen ein etwas schlechtes Gewissen.
Als ich jedoch die Recherchen von Report Mainz sah, wurde mir klar wie luxuriös die gefiederten Freunde bei mir leben.

Kommunikation als Einbahnstraße

Ein „netter“ Nachbar hatte mir wegen des (zugegeben lauten) Krähens der Hähne vor einiger Zeit einen anonymen Brief in den Briefkasten geworfen. Er drohte damit, den Tierschutz einzuschalten, da dieser dauernd schreiende Papagei offenbar nicht artgerecht gehalten würde – sonst würde er ja nicht dauernd so laut krähen.
Hier zeigte sich mal wieder: Kommunikation ist alles – und wenn sie zur Einbahnstraße reduziert wird, dann wird eben aus einem Wachtelhahn ein Papagei gemacht. Ich habe natürlich für mehr Ruhe gesorgt und nachts herrscht nun in jedem Fall Stille.

Ob sich der Nachbar nun auch über die tierschutzwidrigen Bedingungen bei der Wachtelhaltung in deutschen Ställen empören wird? Ich glaube weniger…
Unsere zuständige Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner sieht jedenfalls laut Bericht keinen Bedarf dafür, Mindestvorschriften für Wachteln wie bei Hühnern einzuführen. Denn die existieren so scheinbar gar nicht. Auch dürfen die Hersteller auf die Kartons so ziemlich alles abdrucken. – Sogar eine Wachtel im Grünen auf einem Nest, während die enthaltenen Eier von Tieren aus der Käfighaltung stammen.
Irreführende Werbung? – Nein, darum kümmert sich natürlich keiner. Hauptsache, man darf ein vegetarisch hergestelltes „Schnitzel“ nicht mehr als „Vegetarisches Schnitzel“ bezeichnen. Alles andere wäre doch irreführend – so der Vorgänger von Frau Klöckner…
Und so stehen meist vierzig bis sechzig Wachtelhennen auf einer Fläche von einem Quadratmeter,  auf Gitterböden in Käfigen, picken und rupfen sich gegenseitig die Federn aus, laufen teils nackt herum und leiden unter psychischen Störungen. Während ihre Eier in Kartons angeboten werden, die von natürlicher Idylle nur so strotzen.

Aber hey – Hauptsache die Eier sind gut, so kurz vor Ostern! Diesem Fest der Wiederauferstehung und des Lebens…

Entschuldigung, aber bei so viel Ignoranz und fehlender Empathie kann man gar nicht genug essen, wie man kotzen müsste. Dem Halter aus der Reportage mache ich hier weniger einen Vorwurf, sondern der zuständigen Ministerin. Sie muss rechtliche Rahmenbedingungen schaffen, damit die Haltung möglichst tiergerecht erfolgt. Tut sie aber nicht, da sie wie erwähnt keinen Handlungsbedarf sieht.

Ein bisschen ist das wie mit dem Drohbrief meines anonymen Nachbarn. Anstatt sich mit der Problematik zu befassen, sich die Tiere einmal vor Ort anzuschauen und nach den Problemen offen zu fragen, wird die Forderung nach einer Haltungsvorschrift einfach weggewischt. Kein Wunder: Sieht die Bundeslandwirtschaftsministerin in den Wachteln doch nur ein Produkt, im Wert gemessen in Eurozeichen. Ich sehe in den Tieren Lebewesen, gemessen an ihren vorhandenen Emotionen und ihrem Seelenleben.

Wenn Kommunikation zur Einbahnstraße wird, werden dann eben fühlende und denkende Lebewesen zu Wirtschaftsgütern gemacht, durch empathielose Zeitgenossen. – Als Idealbesetzung in Bundesministerien?

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