Das grüne Telefon aus dem Rhein

Das grüne Telefon…

Wenn Dir das Leben Steine in den Weg legt, bau ein Haus daraus. Dieser sehr gute Spruch kam mir in den Sinn, als ich im letzten Sommer durch das ausgetrocknete Flussbett des Rheins bei Nierstein spaziert bin, und dabei allerhand Müll fand. Ich suchte vergeblich nach passenden Steinen,  dafür fand ich zum Glück ein schönes, grünes Telefon mit Wählscheibe. Und schon konnte es losgehen… Das Teil war geradezu prädestiniert für den Bau eines Hauses. Klingt als hätte ich „eine Meise“? – Nein, es ist natürlich ein Rotkehlchen! Aber das nur fast… 🙂

Denn was macht man am besten mit einem solch schönen, grünen Telefon, das irgendwer irgendwo in den Fluten des Rheins versenkt hat?

Genau: Man nimmt es auseinander, baut Wählscheibe und Elektronik aus, reinigt es, nimmt ein wenig rote und weiße Farbe, bringt es so wieder in Schuss.
Und dann … schraubt man es, mit der Wählscheibenöffnung nach oben, an ein Brett und hängt es in etwa zwei Metern Höhe unter einem Dachvorsprung an eine efeubewachsene Wand.

Ein Telefon als Nistkasten für Nischenbrüter
Das rote Telefon…

Und jetzt kommt das Rotkehlchen ins Spiel: Das wird früher oder später dort einziehen, denn Rotkehlchen sind so genannte Nischenbrüter. Sie bauen gerne mal kurzerhand ihr Nest in Gießkannen, Blumenkästen, Wandnischen – und eben auch in sanierte, grüne, aus dem Rhein gefischte Telefone.
Das hoffe ich doch zumindest.

Das Telefon war jedenfalls gut geeignet, da das größere Loch der Wählscheibe einen idealen Einflug bietet. Die „bauchige“ Verbreiterung des Apparats in Höhe der Hörergabel bietet genug Platz für Nest und Eier. Flüssigkeit, die unweigerlich auch mal im Nest entsteht, kann durch die Löcher der ursprünglichen Kabelanschlüsse abfließen.
Alles im Lot findet so ein achtlos weggeworfenes Telefon eine zweite und nachhaltige Verwendung.

Rotkehlchen beim Abflug
Rotkehlchen beim Abflug

Wer übrigens einen Nistkasten für Nischen- oder auch Halbhöhlenbrüter in herkömmlicher Art aus Holz bauen möchte, findet beim NABU einen übersichtlichen Plan.

Weißblech für die Meise

Da ich nicht jedes Jahr im Rhein Telefone oder ähnliches finde, habe ich natürlich auch schon aus Holz einige Nistkästen gebaut. Auf Upcycling – also dem Aufwerten eines vermeintlichen Abfallprodukts – muss man auch hier nicht verzichten. So kann man natürlich Resthölzer verwenden oder auch alte Latten neu zuschneiden und verschrauben. Um auf die recht umweltschädliche Dachpappe zu verzichten, die dem Häuschen einen wichtigen Schutz vor Regen bietet, habe ich auf eine Alternative zurückgegriffen, die ansonsten im Müll gelandet wäre. Sie fällt leider ab und zu an, da ich gerne mal Fisch aus Konserven esse. Doch anstatt dieses Weißblech dann in die gelbe Tonne zu werfen, habe ich es kurzerhand zu einem Dach umfunktioniert. Das geht ganz einfach mit einem Schraubstock, mit dem man die Dosen entsprechend plattdrücken kann. Die Deckel sind ja ohnehin schon platt und man muss sie nur noch entsprechend auf den Dächern aufbringen.

Nistkasten mit Weißblech-Dach
Nistkasten mit Weißblech-Dach – und genau so macht man es nicht: Hier liegen die Schrauben frei und es könnte Regen ins Holz gelangen. Das war der Prototyp und nachdem er fertig war, kam mir in den Sinn, dass die Schauben besser verdeckt wären… 😉 In diesem Fall zu spät.

Worauf man jedoch unbedingt achten sollte, sind die Hände! Weißblech kann sehr scharfkantig sein und man kann sich ordentlich in die Finger schneiden. Also besser Handschuhe bei den Arbeiten tragen und zusehen, dass man scharfe Kanten mit einer Feile entfernt, ehe man das Blech auf dem Dach anbringt. Damit es beim Ausputzen der Nistkästen dann nicht doch noch eine blutige Überraschung gibt…

Wenn man die Blechteile anbringt, sollte man sie von unten nach oben anschrauben. So kann man mit den jeweils oberen Blechen die Verschraubungen der unteren verdecken, durch die ansonsten irgendwann Wasser ins Holz eindringen würde. Ganz oben angelangt kann man einen Blech-Streifen installieren und ihn an der Front- und Rückseite der Dach-Hölzer befestigen.

Die Bleche sollten sich natürlich so überlappen, dass das Wasser wie bei Dachziegeln abfließt, und nicht unter die jeweiligen Bleche gelangt.

Die Innenseite der Blechdosen habe ich, soweit möglich, zum Holz hin installiert, damit die oft vorhandene Beschichtung durch den Regen nicht abgewaschen werden und in die Natur gelangen kann. Auf diese Art kann man auch den einen oder anderen Deckel von Katzenfutterdosen weiter verwenden und eine nachhaltige Alternative zur Dachpappe nutzen.

So gehts weiter…

Nachdem ich diese beiden Upcycling-Ideen umgesetzt habe, ist mir relativ schnell klar geworden, dass bei uns viel zu viel im Müll landet. Und dass man vieles noch sinnvoll verwenden könnte.
So wird sich in Kürze eine Küchenreibe in ein Windlicht verwandeln, ein Joghurtbecher in einen Lampenschirm, und im Feld gefundene Glasflaschen in einen Kerzenständer.

Mehr darüber bald beim Grünschreiber… 😉

Ein Gedanke zu “Das grüne Telefon…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s