Baum fällt … – NICHT!

Was für tolle Nachrichten! Ich konnte es kaum fassen, dass ein Rodungsverbot für den Hambacher Forst erlassen wurde. Und als dann auch noch das Demonstrationsverbot für die geplante Groß-Demo am Forst aufgehoben wurde, machte sich ein Glücksgefühl in mir breit. Zwar ist der Wald damit noch nicht gerettet, aber bis zu einem endgültigen Urteil darf er nicht abgeholzt werden. Und die Chancen stehen wohl gar nicht mal so schlecht, dass RWE dieses Mal den Kürzeren zieht und sich – zusammen mit der verbündeten Landesregierung – einen neuen Werbeslogan aneignen kann: Außer Spesen nix gewesen!
Ja, Schadenfreude ist die schönste Freude… Und einen Schaden hat RWE allemal.

Aber selbst wenn der „Hambi“ nun bleiben sollte – was ändert sich wirklich? – Er ist schließlich nur ein kleiner Wald und wird die Erde nicht retten! Richtig, doch es ist nicht nur die Chance, dass „Hambi“ gerettet werden kann, die mich optimistisch stimmt. Der Hambacher Wald ist viel mehr!

Der Kampf um den Hambacher Forst ist ein Symbol für eine Öffentlichkeit, die nicht mehr alles mit sich machen lässt! Der mündige und denkende Bürger lässt grüßen, wenn er millionenfach Petitionen gegen die Abholzung des Forstes unterzeichnet und zu Zehntausenden zum Waldspaziergang aufbricht. Er nimmt sein Recht wahr, den Volksvertretern auf die Füße zu treten, wenn diese mal wieder dabei sind, die Zukunft zu verschachern und so dem Volk zu schaden, anstatt ihm zu dienen. – Und nur dafür ist ein Volksvertreter da: Um den Interessen des Volkes zu dienen!

Immer mehr Menschen scheinen nicht mehr bereit zu sein, einer Partei und deren Funktionären nach einem kurzen Wahlkampfgetöse die Stimme zu geben, um dann vier Jahre lang zum Schweigen verdammt zu sein, und zuzusehen, wie sich „die da oben“ die Taschen voll wirtschaften oder Lobbyisten bedienen.

Gleichzeitig scheint eine zunehmende Gruppe von Menschen nicht mehr gewillt, den Konzernen Milliardengewinne zuzugestehen, die auf Kosten der Zukunft, der sozialen Gerechtigkeit und unserer Erde erwirtschaftet werden, und deren Manager sich dafür auch noch Millionengehälter gönnen.

Ein Anfang ist gemacht und es sind mächtige Waffen, die uns die Demokratie und vor allem der Kapitalismus da bieten. Ja, auch der Kapitalismus hat etwas Gutes…

Wir wollen die Welt verändern, wollen Missstände beheben? Dann können wir direkt damit anfangen!

Der Druck der Öffentlichkeit hat – zusammen mit dem tollen Engagement des BUND für Umwelt und Naturschutz – ein klares Zeichen für Klima-, Arten- und Umweltschutz gesetzt und RWE einen teuren Strich durch die Rechnung gemacht.

Genau auf diese Art und Weise können wir unsere Zukunft verändern. Wir können Missstände bekämpfen mit friedlichem Protest und massenhafter Meinungsbekundung, besser als an der Wahlurne auch in Form direkter Demokratie.

Überall ist „Hambi“

Dabei ist ein „Hambacher Forst“ praktisch überall zu finden, immer mehr Natur muss dem Expansionsstreben der Menschen weichen. Auch direkt vor unserer Haustür.

Da fallen hundert Jahre alte Bäume einfach, um ein paar Parkplätze realisieren zu können, Wiesen werden durch Häuser zugebaut, Plätze mit Glyphosat wildkrautfrei gehalten. Die intensive Landwirtschaft lässt keinen Raum für Wildtiere, Neubaugebiete verdrängen immer mehr Feldbewohner wie Rehe, Hasen, Rebhühner und Fasanen. Einheitsblumen und Obstplantagen lassen die Blütenvielfalt verschwinden – und mit ihnen sterben die Insekten. Alte Bäume werden durch Neupflanzungen ersetzt – und entfallen so für Jahrzehnte für viele Tiere als Lebensraum oder Futterquelle. – Besonders für Fledermäuse, Eulen und andere Vögel ist das fatal.

Ein Gartenschläfer - Opfer des Treibens
Ein Gartenschläfer – Opfer des Treibens
Kahlschlag 2015
Kahlschlag 2015
Reste des Paradieses
Reste des Paradieses

Warum also nicht vor Ort eine Bürgerinitiative gründen, die sich gezielt für die Natur einsetzt und ihr somit eine Lobby gibt? In meiner Gemeinde werde ich dieses Vorhaben 2019 in Angriff nehmen.

Kahlschläge, Baumaßnahmen, fehlende Vielfalt und ungenügende Interessenvertretung nötigen mich dazu. Es fallen immer öfter alte Bäume mit der Aussage, es würden ja Ersatzpflanzungen vorgenommen. Doch diese Pflanzungen werden erst in Jahrzehnten den ökologischen Nutzen Erfüllen, den die gefällten Bäume zuvor hatten. Wie dann die Bewohner und Nutznießer des gefällten Baumes jene Jahrzehnte überleben, wird gerne totgeschwiegen. Kein Wunder, denn die Antwort ist drastisch: Sie überleben oftmals gar nicht, denn ihnen fehlen schlicht der Lebensraum oder das Futter.

Wie viele Singvögel sterben wohl in der kalten Jahreszeit mangels Futter oder Fettreserven?
Wie viele Fledermäuse verschwinden ohne ein Anzeichen spurlos, wenn ihre Höhle mit dem Baum abgeholzt wird?
Für wie viele Eulen fällt der Nistbaum weg und sie geraten dadurch in Not, dass sie nicht wissen, in welcher der 1,50 m hohen Ersatzpflanzung sie ein passendes Nest vorfinden und dort ihre Eier ablegen können…?
Und wie viele Säuger fallen einfach den Abholzungsaktionen zum Opfer?

All diese Schicksale zählt und dokumentiert niemand, und trotzdem sind sie Teil des Ökozids, der weltweit um sich greift! Auch bei uns vor unseren Augen und oft nur beiläufig wahrgenommen.

Und da können wir noch so sehr auf RWE schimpfen, gegen die Regenwaldabholzung protestieren und Staaten moralisch verurteilen, die ihre Naturschätze zerstören. – Wir tun hier nichts anderes!

Daher sollte auch in diesem Bereich der Widerstand wachsen, denn was im Kleinen wächst wird am Ende Großes verändern.

Es gibt zudem  Forderungen, dass jede Gemeinde bestimmte Biotope einrichten sollte, um ein Gesamtverbund zu erreichen, der die komplette Fläche Deutschlands überzieht. Involviert ist hierbei auch die Heinz-Sielmann-Stiftung und der Ornithologe Peter Berthold.

Warum sollte man diese Idee nicht in Angriff nehmen?
Das müssen aus meiner Sicht ja nicht mal riesige Projekte sein.
Ein größerer, amphibienfreundlicher Teich, ein kleines naturnahes Wäldchen, eine Wildblumenwiese mit Wildbienennisthilfen und blühenden Wildsträuchern. Und einfach ein Stück Land, auf dem die Natur existieren kann, ohne vom Menschen großartig gestört zu werden.

Hiermit wäre schon einiges getan und es würde ein Netz aus Ökosystemen entstehen, das zur Artenvielfalt beitrüge. Und ganz nebenbei unseren eigenen Lebensraum verschönern sowie die Lebensqualität verbessern würde.

Vom Konsumenten zum Weltverbesserer

Eine weitere Möglichkeit für uns alle ist und bleibt der strategische Konsum.

Das beginnt mit dem Kauf von Produkten, die kein Palmöl oder -fett enthalten. Wo die zu finden sind kann man u.a. unter www.umweltblick.de erfahren.

Natürlich sind Bio-Produkte und am besten fair gehandelte Waren den konventionellen vorzuziehen. Der Kauf von regionalen Produkten ist deutlich besser, als der von Erdbeeren aus Fernost, oder Spargel aus Israel. Bio saisonal und regional – das sind die besten Garanten für den Klima- und Umweltschutz.

Auf diese Art können wir mit Hilfe unseres Kapitals die Welt ein Stück weit besser machen. Denn Geld regiert die Welt – und wenn die Mehrheit der Menschen ihr Geld in gute Projekte investieren würde, wäre der positive Wandel nur noch eine Frage der Zeit!

RWE kündigen und einen echten Ökostromanbieter wählen – diese Forderung dominiert zu recht in der Diskussion rund um den Hambacher Forst. Doch damit ist es nicht zwangsläufig getan.

Investiert denn meine Bank in RWE oder allgemein in die Kohlekraft? Habe ich vielleicht sogar Aktien in einem Fond oder meiner Altersvorsorge, die ökologisch oder ethisch bedenklich sind? Da erlebt man einige Überraschungen, wenn man sich die Zusammensetzung solcher Fonds oder die Finanzierung von Versicherungen näher betrachtet.

Am Ende investiert man mit seinem Geld noch in die Kohlekraft, in Massentierhaltung, Kriegsgeschäfte oder Sklaverei, und unterstützt diese weltweite Entwicklung – und weiß es nicht einmal…

Banken, die nachhaltige Geldanlagen garantieren gibt es bereits auf dem Markt. Einige Beispiele:

(Bitte beachten: Die Links führen wie immer zu Inhalten, für die die jeweiligen Betreiber zuständig sind. Gleiches gilt für die entsprechenden Datenschutzbestimmungen. Dies sind keine konkreten Empfehlungen meinerseits, sondern einzig Hinweise!)

Die Umweltbank

Die GLS-Gemeinschaftsbank

Die Triodosbank

Die Ethik-Bank

Eine ganz gute Übersicht über nachhaltige Versicherungsprodukte findet man beim VCD-Service.

Hier gibt es beispielsweise eine Rentenversicherung bei der Concordia oeko, die ich selbst abgeschlossen habe und deren Rendite aus meiner Sicht gar nicht mal so schlecht ist. Das muss jedoch jeder selbst für sich entscheiden.

Selbst eine Krankenversicherung existiert, die sich die Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben hat:

BKK provita

Wenn wir also unseren Protest nachhaltig und massiv fortsetzen wollen, bleibt uns nichts anderes übrig, als die Probleme vor unserer Haustür anzupacken, unseren eigenen Konsum zu überdenken, und unsere Investitionen zu prüfen.

Eine positive Veränderung beginnt zunächst auch in unseren Köpfen.
Wir sollten daher niemals erwarten, dass andere sich für uns ändern werden.

Nichts wird sich ändern, wenn wir selbst uns nicht ändern…

Advertisements

5 Gedanken zu “Baum fällt … – NICHT!

  1. Hallo Grünschreiber,
    Danke für deinen engagierten Beitrag! Ein richtiger Rundumschlag :-). Aber du hast sowas von recht! Kennst du den Film „Tomorrow“? Ein großartiger Film, großartig positiv! Er zeigt, was möglich ist, und hat mich sehr beeindruckt. Vor allem die Idee mit den „Essbaren Städten“ – nun sehe ich überall potentielle Gemüseanbauflächen ;-).
    Finde ich super, dass du eine Bürgerinitiative gegen Kahlschlag gründen möchtest! Hast du dir schon mal überlegt, dich einer Gruppe anzuschließen, die es schon gibt, und eine Ortsgruppe zu gründen? Das hätte vielleicht den Vorteil, dass man eine gewisse Infrastruktur der Organisation sowie deren Erfahrungen usw. mitnutzen kann. Neben den üblichen Verdächtigen wie BUND Naturschutz gibt es auch weniger bekannte Organisationen, die sich konkret auf Wald und Bäume spezialisiert haben. Spontan fällt mir leider nur Plant for the planet. Hab auf die Schnelle noch was gefunden: https://www.fuereinebesserewelt.info/schuetzt-die-baeume/ – da steht, dass es schon vieel Bürgerinitiativen in der Richtung gibt – spannend, wußte ich gar nicht!

    Jedenfalls wünsch ich dir VIEL ERFOLG und engagierte Unterstützer! Das ist sicher kein einfacher Weg…
    Herzliche Grüße! Sabine

    Gefällt 2 Personen

    • Hallo Sabine, danke – freut mich sehr, dass Dir der Beitrag gefällt. Den Film „Tomorrow“ kenne ich bisher noch nicht, aber Du hast mich neugierig gemacht. 🙂 Ja, wenn ich ganz ehrlich sein soll, bin ich persönlich gerade vom BUND vor Ort relativ enttäuscht. Es gibt da ein paar Entwicklungen, die mir nicht so gefallen, denn es ist in unserer Gemeinde ein Naturkindergarten geplant. Das ist an sich toll. Aber dass man ihn direkt in einem wunderschönen Streifen Natur bauen möchte – einem der wenigen natürlichen Flächen in der Gemeinde, der schon die ganze Zeit von Kindern auf Entdeckungstour benutzt wird, aber auch von Rehen für die Aufzucht ihrer Jungen – das ist weniger schön. Zwar sind es über 1400 Quadratmeter und die Kita (Blockhütte) würde „nur“ eine Fläche von 60 Quadratmetern verbrauchen. Aber 60 qm sind 60 qm weniger, wo doch sowieso so wenig Natur noch vorhanden ist. Und dann kommen noch die Zufahrtswege, die Parkplätze dazu, es wird Natur durch Baufahrzeuge und Baumaßnahmen zerstört, der Lärm stört die Tiere vor Ort. Es gibt Leute, die nun eine Bauwagen-Variante bevorzugen würden, die deutlich weniger Natur zerstören und auch ausreichen würde. Und die BUND-Ortsgruppe (Kindergruppe) positioniert sich aus meiner Sicht nicht deutlich genug gegen die Blockhütte. Ganz davon abgesehen sind Nabu und BUND hier eher so ausgerichtet, dass sie Naturflächen im Ried pflegen oder maximal kleine „Natur-Inseln“ schaffen, also Wildbienennisthilfen oder eine Kräuterspirale bauen (das macht die BUND-Kindergruppe sehr gut). Dass man allerdings sich für den alten Baumbestand im Gemeindepark stark machen würde, das ist leider nicht der Fall. Oder einfach für mehr Grün in der Gemeinde, für die Neuanpflanzung von Blumen, der Einrichtung einer Wiese,… Gut – sie können auch nicht alles machen, und machen schon relativ viel, aber irgendwie denke ich, es fehlt eine Gruppe, die den Bäumen außerhalb von Landschaftsschutzgebieten eine Stimme gibt, und die einfach ein paar Blumenbeete in der Gemeinde einrichtet… Ob ich hier Leute motivieren kann, weiß ich noch nicht. 🙂 Aber danke Dir schon mal für den Link und fürs Daumendrücken. Ich glaube auch, es wird kein einfacher weg… Aber zumindest ein spannender. 😉
      Liebe Grüße Torsten

      Gefällt 1 Person

  2. Oh, das klingt tatsächlich ein bißchen enttäuschend. Mmh. Es hängt halt auch immer von den Leuten ab, die sich in so einer Gruppe engagieren. Vielleicht ist es ja auch ähnlich wie bei der BUND-Gruppe hier vor Ort: Es herrscht immer Mangel an Leuten, die sich aktiv engagieren und Aufgaben übernehmen. Und diejenigen, die handeln, haben dann so viel um die Ohren, dass vieles liegen bleibt, um das man sich eigentlich auch noch dringend kümmern müßte. So konzentriert man sich auf bestimmte Aufgaben. Man muß schon auch aufpassen, dass man sich nicht verzettelt.
    Vielleicht würden sie sich tatsächlich darüber freuen, wenn du als weiterer Aktiver dazukommst, die Ärmel hochkrempelst und dich der „Baumaufgabe“ widmest! Hier zumindest werden ständig händeringend Leute gesucht, die genau sowas machen würden. Fragen kostet ja nichts. Wir hier würden dich jedenfalls mit Kusshand nehmen 🙂
    Wie auch immer dein Weg sein wird: Ich wünsch dir viel Erfolg!!
    🙂 Liebe Grüße!
    Sabine

    Gefällt 1 Person

    • Ja, also bei uns existiert nur eine Kindergruppe des BUND mit einer Leiterin und das wars… Und der NABU ist mit der Pflege von Naturflächen in ganz Rheinhessen beschäftigt, also abmähen und so. Das ist dann nicht so meine Welt… Ich habe aber über Deinen Link-Tipp vom vorletzten Kommentar (https://www.fuereinebesserewelt.info/schuetzt-die-baeume/) eine interessante Verbindung zur Sielmann-Stifung gefunden. Sie gibt Tipps zum Errichten eines Biotops. Ihr Ziel: Jeder Gemeinde ihr Biotop. Und ich habe mir von dort Infos angefordert. Die werde ich einfach mal nutzen und im Winter / Frühjahr versuchen, durch die Presse einen Aufruf zur Gründung einer Bürgerinititiave zu erreichen, in der Facebookgruppe ein bisschen Werbung machen und dann sehen, wer vielleicht Interesse hat. Vielleicht kommt ja etwas zustande. Und wenn nicht, beibt immer noch der NABU… 😉 Liebe Grüße Torsten

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s