Schnell mal Kohle scheffeln…

Die Folgen des Klimawandels sind in diesem neuerlichen Rekordsommer deutlich zu spüren und zu sehen. Aufgrund des Abschmelzens des Eises im Polarmeer und der daraus folgenden Erwärmung, werden die Temperaturgegensätze zwischen Äquator und Polarregion geringer. Dadurch verändert sich offensichtlich der Luftstrom, der in hohen Schichten der Atmosphäre herrscht, weshalb sich der Zug der Luftdruckgebiete verlangsamt. Sie bleiben länger auf einem Platz. Somit herrscht seit Februar in weiten Teilen Deutschlands Trockenheit, und seit Monaten ist es viel zu warm. In vielen Regionen Deutschlands fiel innerhalb der letzten sechs Monate nur die Hälfte des Regens, als es üblich wäre. Die Folgen für die Landwirtschaft, aber auch vor allem für die Natur sind katastrophal. Momentan tobt in den USA ein Hurrikan, es werden Rekordregenmengen erwartet. Und auch in Asien wütet ein Taifun.
Und was folgert man in der Politik aus dieser Entwicklung?
Kettensägen raus, Bäume fällen, Kohle fördern!

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Tatort Hambacher Forst: Ein Protestcamp von Umweltschützern wird durch den Einsatz massiver Polizeikräfte geräumt. Die Umweltschützer kämpfen für den Forst, sie kämpfen für die Heimat, die ihnen Braunkohlebagger weggraben. Und natürlich kämpfen sie für Klima- und Naturschutz.

Doch mit diesem Thema stoßen sie bei der CDU-geführten Landesregierung auf taube Ohren. Kein Wunder – in den Ohren der gewählten Volksvertreter stecken offensichtlich Kopfhörer, gesponsert von dem Energiekonzern RWE. Den Werbeslogan VoRWEggehen nimmt man dort wortwörtlich und setzt sich über alle Erkenntnisse von Wissenschaftlern oder über die Meinung der Bevölkerung hinweg: Man besteht darauf, diese Braunkohle zu fördern. Koste es, was es wolle…
Denn man will eines: Kohle machen – wortwörtlich und im übertragenen Sinne. Nachdem man schon unzählige Anwohner ihrer Heimat beraubt und Dörfer eingerissen hat, will man sich offenbar von einem Stück Wald mit einigen Umweltschützern nicht aufhalten lassen. Rein aus Prinzip schon nicht!
Auch wenn man in der Bundespolitik schon offen von einem Kohleausstieg spricht. – Man bleibt dabei. Dieser Wald muss weg!

Einzigartiges Juwel

Man glaubt eigentlich, dass es solche Vorgänge nur in irgendwelchen „Bananenrepubliken“ mit dubiosen Machthabern geben kann. Doch es passiert mitten in Deutschland:
Auf dem Land des Hambacher Forstes wächst seit 12.000 Jahren, also seit der letzten Eiszeit, durchgehend Wald. Es hat sich also eine einzigartige Untergrundstruktur entwickelt. Von den ursprünglich 4.000 Hektar sind gerade mal hundert übrig geblieben. Doch diese haben es in sich:
140 geschützte Tier- und Pflanzenarten leben im Hambacher Forst.
Es stehen Bäume in dem Wald, die 350 Jahre alt sind.
Und eine weitere Besonderheit: Es handelt sich um einen Stieleichen-Hainbuchen-Maiglöckchen-Wald, der einmalig in Europa ist.

Eigentlich müsste dieses einzigartige Juwel unter besonderen Schutz gestellt werden. Stattdessen soll es jedoch den Braunkohlebaggern weichen.

Kohle scheffeln

Man hält trotz Klimaschutz, Kohleausstieg, Artenschutz und Einzigartigkeit des Waldes an dem Plan fest, den Hambacher Forst abzuholzen, um die darunter befindliche Kohle fördern zu können. Die Eurozeichen leuchten in den Augen, und anstatt ein deutliches Zeichen für den nötigen Kohleausstieg zu setzen, den Klimaschutz und für den Erhalt von Wäldern als Kohlestoffspeicher und Lesbenraum, will man den Plan mit aller staatlichen Gewalt umsetzen. – Auch gegen einen massiven Widerstand in der Bevölkerung.

Kurzsichtiger und durchschaubarer könnte Lobbypolitik nicht sein. Man gibt sich nicht einmal die Mühe zu verdecken, dass man als Volksvertreter lieber nicht die Interessen des Volkes, sondern die eines Konzerns vertritt.

Gleichzeitig beschwert man sich über die Umgangsformen von Despoten oder machtverliebten Präsidenten, die ebenso die Interessen des Volkes nicht beachten und zum Wohl einer Minderheit handeln.

Demokratie? Politikverdrossenheit? Der Schutz unserer Lebensgrundlagen? Eine lebenswerte Zukunft für unsere Kinder und Kindeskinder? Das wird alles untergeordnet, am Ende zählt nur, dass „der Rubel rollt“. Und das im Idealfall in die eigene Tasche.

Die Sorge um die Versorgungssicherheit mit Strom kann jedenfalls nicht der Hintergrund sein, dass man unbedingt diese Kohle fördern und weiterhin an der Kohleenergie festhalten möchte. Denn bereits in den ersten sechs Monaten des Jahres 2017 hatte Deutschland eine Strom-Überproduktion von 24 Milliarden Kilowattstunden. Das entspricht etwa drei Viertel der in Deutschland im gleichen Zeitraum erzeugten Atomstromenergie. Näheres dazu schreibt die Badische Zeitung.

Geld regiert die Welt

Dieser Spruch trifft es mal wieder wie so oft auf den Punkt. Kurzfristiger Profit wiegt schwerer als die Tatsache, dass unsere Nachfahren noch überlebensfähige Bedingungen auf der Erde vorfinden sollten.

Doch wenn es wirklich so ist, wenn wirklich Geld die Welt regiert, warum beginnen wir dann nicht mitzuregieren? Unsere Kaufentscheidung zählt, unser Geld kann etwas zum Guten oder zum Bösen bewegen. Das gilt bei jedem Kauf im Supermarkt, bei der Geldanlage in Aktien oder auf Banken, sowie beim Kauf von Strom.

Vom VoRWEggehen zum WEggehen ist es nur ein kleiner Schritt, ein Wechsel zum nachhaltigen Stromanbieter ist schließlich keine große Sache, nicht umständlich und auch nicht unbezahlbar teuer. Doch sollte man nicht auf das „grüne Mäntelchen“ hereinfallen, das RWE und andere Konzerne sich anziehen. Sie bieten „Ökostrom“ an, nur unter einem anderen Firmennamen, und man unterstützt mit dem Bezug des Stroms von ihnen dann doch ihr Geschäftsgebaren. Und das besteht eben aus Eurozeichen – Nachhaltigkeit und Klimaschutz aus Überzeugung haben die wenigsten von ihnen im Sinn.

Ein Boykott hat vor vielen Jahren den Mineralölkonzern „Shell“ in die Knie gezwungen, der rücksichtslos seine Ölplattform „Brent Spa“ im Meer versenken wollte. Er ließ von seinem Vorhaben ab, nachdem sehr viele Autofahrer seine Tankstellen boykottierten und er finanzielle Einbußen hinnehmen musste. Dieses Beispiel macht klar: Geld kann ein mächtiges Druckmittel sein, strategischer Konsum kann die Welt in positive Bahnen lenken.

Daher lauten auch mein Tipp und mein Appell, sich bei folgenden vier Ökostrom-Anbietern umzuschauen. Bei ihnen ist dann auch „Öko“ drin, wo „Öko“ drauf steht:

Naturstrom

Lichtblick

Greenpeace Energy

EWS Schönau

Wer sich zudem für einen Erhalt des Hambacher Forstes einsetzen möchte, dem kann ich nur die Petition von Greenpeace empfehlen. Und darüber hinaus eine natürlich sachliche E-Mail an den Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen armin.laschet@landtag.nrw.de

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7 Gedanken zu “Schnell mal Kohle scheffeln…

  1. Danke für deinen engagierten Beitrag! Gut geschrieben! Gefällt mir – mag man irgendwie trotzdem kaum klicken. Es ist zum an die Decke gehen… aber du hast es ja so treffend beschrieben, da braucht man nichts mehr ergänzen.
    Wir sind übrigens schon seit ein paar Jahren bei einem „grünen“ Stromanbieter, der auch Strom aus der Region verwendet. Das wäre tatsächlich ein Zeichen, das vielleicht sogar die größte Wirkung zeigen würde: Wenn die aktuellen Stromkunden von RWE scharenweise wegkündigen würden… Ja, die Verbraucher nutzen ihre Macht leider viel zu wenig.

    Gefällt 2 Personen

    • Danke Dir. – Ja, man mag gar nicht „gefällt mir“ klicken… Die Verbraucher nutzen leider ihre Macht viel zu selten. Seit langem heißt es „Geld regiert die Welt“, doch dass man das auch im positiven Sinne nutzen kann und durch die eigene Kaufentscheidung die Welt verbessern kann – diese Erkenntnis hat sich in der breiten Masse leider noch nicht so durchgesetzt… Ich bin auch seit Jahren bei Naturstrom und ganz zufrieden. Und wenn alles gut geht, und mein Tiny-House-Plan nächstes Jahr umgesetzt werden kann, bin ich auch bald Besitzer einer kleinen Photovoltaik-Anlage, um meinen „eigenen“ Strom zu nutzen… 🙂

      Gefällt 1 Person

      • Wow! Das ist ja großartig! Diese Tiny-Häuser find ich genial. Und dann noch mit eigenem Strom. Hat was! Da mußt du dann unbedingt drüber berichten.
        Das mit der eigenen Photovoltaik-Anlage haben wir uns auch schon ein paar Mal überlegt. Aber wir brauchen so wenig Strom, dass wir den dann gar nicht nutzen könnten. Und diese Akkus sind leider noch irre teuer. So beziehen wir unseren Strom regional, u.a. von den Windrädern hier in der Nähe. An sich ist das gar nicht so schlecht, wenn sich bei der Stromerzeugung mehrere zusammentun. Denn einen gewissen Grundsatz an Equipment braucht man für jede einzelne Anlage. Je größer sie ist, umso mehr rechntet sich das, im Hinblick darauf, dass ja auch das Equipment hergestellt werden mußte.
        Am 6.10. ist Demo in Buir, Hambacher Wald. Hast du vermutlich mibekommen. https://www.stop-kohle.de/aufruf/
        Fährst du auch hin? Wir haben Glück, bei uns in der Nähe wird ein Bus organisiert, da haben wir uns angeschlossen.

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      • Ja, ich finde die Idee der Tiny-Häuser auch genial. Genügend Platz zum Leben, aber eben nicht zu viel Raum, um einen Überblick zu behalten. Ich denke, das ist nicht nur in Sachen nachhaltigem Konsum sinnvoll, sondern wirkt sich auch positiv auf die eigene Gesundheit aus. Je mehr man anhäuft, desto mehr muss man dafür ja arbeiten und desto mehr steht es im Weg oder man muss es abstauben… 😉 Ich werde in jedem Fall darüber berichten und hoffe, dass das auch mit der Stromerzeugung klappt. Mein Plan ist es zumindest, Photovoltaik zu nutzen. Ich habe im Garten schon eine Solarzelle, um ab und zu mal eine Pumpe oder ein Radio einschalten zu können. Allerdings gibt es da ein technisches Problem und die Inselanlage läuft noch nicht wirklich gut. 🙂 Ich werde mir die Sache im Herbst mal genauer anschauen.
        Was ich für nächstes Jahr auch noch plane ist der Bau eines Solarofens bzw. einer Solar-Kochkiste. In diesem Sommer hätte man ja jeden Tag damit kochen können und ich habe einen alten, defekten Elektroherd mal aufbewahrt, um daraus nächstes Jahr so eine Kochkiste zu bauen. Mal schauen, ob das klappt… Ich werde in jedem Fall auch darüber berichten, sobald es losgeht… 🙂
        Also am 6.10. bin ich leider schon verplant, lese aus meinem Krimi „Unser aller Erbe“ in Bingen. Sonst wäre es sicher auch interessant gewesen.

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