Gibts ein Happy-End?

Kükenschreddern in der Lebensmittelindustrie ist leider noch immer traurige Realität. Hähne fallen dieser unethischen und barbarischen Methode ebenso zum Opfer, wie dem „Vergasen“. Der Grund: Man kann die standardmäßig genutzte Rasse in der Eierproduktion nicht für die Fleischproduktion nutzen, da die Tiere darauf gezüchtet sind, all ihre Energie ins Eierlegen zu stecken, und nicht „Fleisch anzusetzen“. Und da Hähne keine Eier legen, tötet man sie direkt. Die BID – Bruderhahn Initiative Deutschland versucht diesem Wahnsinn ein Ende zu setzen und auch die „Hähne“ zu nutzen.

Grundsätzlich ist das Abwägen nach dem „Nutzen“ aus meiner Sicht genau das Problem. Es ist schließlich ein lebendiges, fühlendes und denkendes Wesen, dem wir hier den Nutzen absprechen und es einfach brutal töten, da es leider mit dem falschen Geschlecht auf die Welt kam.

Soweit also die Theorie. Doch die Praxis ist nicht nur im Großen eine schwierige Sache, sondern auch im Kleinen. Denn auch ich stehe nun genau vor diesem Problem: Was tun mit sieben Wachtelhähnen, die sich gegenseitig picken, morgens um drei Uhr krähen und die Nachbarn auf die Palme bringen…? Wirklich mit Tomaten und Hackfleisch füllen, nachdem sie geschlachtet wurden, wie es mein Tierarzt empfohlen hat? Doch bin ich dann wirklich besser als hene, die ich hier regelmäßig kritisiere? Oder ist es doch nur ein „Nutz-Tier“?

Die Hähne jedenfalls haben mich schon viele Nerven gekostet. Nachdem ich die beiden Hennen von ihnen abtrennen musste, da sie sonst zerrupft worden wären, begannen sie kurze Zeit später, sich einen Schwächeren aus der Hahn-WG herauszupicken – im wahrsten Sinne des Wortes. Vier der sieben Hähne liefen nach wenigen Tagen mit Glatze herum, hatten auf dem Kopf und im Genick keine Haare mehr. Sie waren gestresst und mir wurde bald klar, dass ich sie so nicht halten konnte. Also trennte ich sie provisorisch ab und plante ja ohnehin noch eine zweite Voliere in einem Garten, der sich außerhalb des Wohngebiets befindet. Denn auch laut konnten die Tiere werden. Ihr Schrei klingt ein wenig wie das Rufen der Moorhühner in dem vor Jahren bekannten PC-Spiel, gemischt mit dem Krächzen einer Krähe. Tagsüber ist das schon sehr Nerv tötend, wenn man sich in der Nähe befindet. Aber nachts, genauer in den frühen Morgenstunden um etwa drei Uhr, steht man senkrecht im Bett, wenn sie zu rufen beginnen. Zumal einer beginnt, der zweite folgt, der dritte, dann wieder der erste, es entschließt sich der vierte zu rufen, und der zweite erwidert. Ganz klar, denn sie wollen ja nur sagen: Das ist mein Revier, Hennen willkommen, Hähne bleibt weg!

Der Hahn kräht
Der Hahn kräht

Während der Bauarbeiten der Voliere im anderen Garten, die sich ohnehin ein wenig verzögerten, wurde mir klar, dass ich nicht alle sieben dort unterbringen kann. Schließlich ist dieser Bereich mit 2×3 Metern deutlich kleiner, als die Voliere im Garten hinterm Haus, und selbst da bekommen sie sich in die Federn. Ich begann damit, mich umzuhören, ob denn jemand Interesse an einem Wachtelhahn hatte.
Doch außer für den Backofen wollte keiner einen haben…

Der Stresspegel stieg, da eben auch Nachbarn sich beschwert hatten, und in mir keimte der Gedanke, die Tiere wirklich zum Tierarzt zu bringen, um sie ihm zu überlassen. Er hatte mir angeboten, dass er sie übernehmen und schlachten könne.

Doch dieser Gedanke wurmte mich massiv. Ich konnte doch nicht meine Ideale verraten und zudem auch noch diese Tiere dem Schlachter übergeben, denen ich vor einigen Monaten noch beim Schlüpfen geholfen hatte.

Was aber tun? Es musste etwas passieren, und zwar schnell, denn so konnte es nicht bleiben.
Und es war ja auch nur ein „Nutz-Tier“, das man nun einmal schlachtete, wenn es dick genug war. Es legte ja auch keine Eier, kostete nur Futter…

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Doch in jedem Blick dieser Tiere steckt Intelligenz, es steckt Emotion und sehr wohl Bewusstsein dahinter. Forscher haben herausgefunden, dass Hühner die Intelligenz von Kleinkindern besitzen. Gefühle und eine artspezifische Bewusstheit stehe ich ohnehin so gut wie jedem Lebewesen zu. Und ich denke, wer den Tieren Seele oder Bewusstheit abstreitet, der kann nicht glaubhaft argumentieren. Schließlich hat keiner jemals eine Seele gesehen, fotografiert oder hat auch nur die geringste Vorstellung davon, eine sie aussieht. Und wenn man nicht mal weiß, wie eine aussieht, wie kann man ausschließen, dass ein Wesen eine besitzt?

Welches Recht hatte ich also, diese kleinen Lebewesen ihrem Schlachter zu übergeben? Wie konnte ich über Leben und Tod entscheiden und sagen: Och, diese zwei behalte ich, diese fünf müssen leider dran glauben?

Das ging mir immer und immer wieder durch den Kopf. Und ich habe mir vorgenommen, so schnell nicht aufzugeben. Vielleicht findet sich ja ein Plätzchen für den einen oder anderen Hahn? Oder ich finde eine andere Lösung.

Damit die Nachbarn schlafen können, setze ich seit einigen Tagen sechs der Hähne jeden Abend in geräumige, mit Streu, Futter und Wasser ausgestattete Kartons, die in einem Nebengebäude vom Haus stehen. Dort schlafen sie dann und wenn sie hier krähen, hört sie keiner. Die beiden Hennen sitzen im Hof, da sie nicht sehr laut sind und außerdem erst morgens um sechs Uhr zu singen beginnen. Eine ist noch etwas beengt untergebracht, da es den beiden Damen in dem recht geräumigen Meerschweinchen-Käfig zu eng war, und eine der anderen den Kopf blutig gepickt hatte. Doch auch sie wird bald einen geräumigen Vogelkäfig bekommen, den ich bestellt habe.

So können die beiden Damen noch ausharren, bis die beiden Herren in den anderen Stall umgezogen sind. Und die restlichen hoffentlich eine neue Heimat gefunden haben. Einen Rundruf habe ich bereits gestartet: Gnadenhöfe, Tierheime, Tierparks und Tierschutzvereine habe ich bereits abtelefoniert und angemailt. Bisher noch ohne Erfolg. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Was am Ende steht, kann ich noch nicht sagen, also ob es ein Happy End geben wird. Aber eines kann ich definitiv behaupten: Ich werde nichts unversucht lassen, den Tieren ein schönes und artgerechtes Leben zu bieten.

Wer Interesse oder Tipps hat – gerne immer her damit… 🙂

 

 

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