Da ist doch der Wurm drin…

Schon gesehen? Bei REWE gibt’s jetzt auch Insekten-Burger zu kaufen. Kein Witz! Der Lebensmittel-Multi hat wohl als erster in Deutschland den Ernährungstrend erkannt und Insekten ins Sortiment aufgenommen. Wir erinnern uns: REWE will ja auch Vorreiter sein in Sachen Nachhaltigkeit, kooperiert mit dem WWF. Tiersticker fürs Sammelalbum werden verteilt, gemeinsame Aktionen gestartet und allgemein mit dem Umweltschutzgedanken geworben. So muss REWE nun natürlich auch beim Insektentrend Vorreiter sein. Schließlich bedeutet die Ernährung mit diesen kleinen Krabblern die Zukunft, ist gut fürs Klima, für die Umwelt und den Planeten. Das ist doch so, oder?

Zunächst einmal: Wer glaubt, durch die Nutzung von Insekten das Tierschutzthema „Massentierhaltung“ entschärft zu bekommen, der glaubt auch, dass US-Präsident Trump den Weltfrieden bringen wird.
Zwar hört man ab und zu von irgendwelchen Möchtegern-Experten Aussagen, dass die Massentierhaltung für Insekten ja geradezu ein Segen sei, und sie sich darin wohlfühlen würden. Doch wenn man etwas Falsches immer und immer wiederholt, wird es dadurch trotzdem nicht richtiger, sondern maximal dümmer!

Kein Tier lebt gerne mit anderen Tieren zusammen gepfercht in engen, stickigen Boxen, zu Hunderten oder gar Tausenden, ohne die Möglichkeit, sein natürliches Verhalten auszuleben!

Auch lebt ein Tier nicht gerne ausschließlich im Larvenstadium, da man es, bevor es sich zum erwachsenen Wesen entwickelt, zu Burger verarbeitet!

Und nein: Insekten sind keine empfindungslosen, dummen oder unwürdigen Geschöpfe.

Ohne Insekten liefe nichts auf dieser Welt, würden viele Pflanzen nicht bestäubt werden, die natürliche Vegetation würde sich nicht mehr verbreiten, und die Böden würden sich nicht regenerieren. Die Erde würde massiv an Fruchtbarkeit verlieren und somit das Leben auf diesem Planeten immer weiter zurückweichen.

Eine solche Entwicklung können wir aufgrund des Insektensterbens ja heute auch schon beobachten, wo auf monokulturellen Ackerwüsten Tonnen Kunstdünger ausgebracht wird, und Apfelbäume von Menschenhand mit Pinseln bestäubt werden müssen.

Bienen
Blick ins Bienenvolk

Insekten verfügen zudem sehr wohl über komplexe soziale Verhaltensweisen. Ein Blick ins Bienen- oder Ameisenvolk bietet die Möglichkeit, sich sowohl von Schwarm-Intelligenz als auch vom sozialen hochkomplexen sozialen Gefüge zu überzeugen.

Ebenso haben Tiere außerhalb von Insektenstaaten einiges zu bieten. So sind Feuerwanzen beispielsweise fürsorgliche und aufopferungsvolle Mütter. Sie sorgen für ihren Nachwuchs, versorgen ihn unaufhörlich und fallen lieber selbst tot um, als ihn im Stich zu lassen. Davon könnte sich manch ein Mensch eine Scheibe abschneiden.

Feuerwanzen
Feuerwanzen

Kellerasseln, die nun wirklich nicht die Lieblinge vieler Menschen sind, betreiben ebenso Brutpflege und legen verblüffende soziale Verhaltensweisen an den Tag.

Spinnen vollbringen architektonische Meisterleitungen, wenn sie Netze bauen. Sie verfügen über einen verblüffenden Tastsinn und können Luftvibrationen hervorragend wahrnehmen. Und selbst einige in Sozialverbänden lebende Spinnen betreiben Brutpflege. Bei ihnen opfern sogar teilweise die „Tanten“ ihr Leben, für die Existenz der „Neffen“ und „Nichten“.

Spinne und Netz
Spinne und Wunderwerk

Es gibt noch sehr viele weitere Fakten rund um die Insekten, und es werden immer neue wunderbare Eigenschaften entdeckt. Doch so richtig interessiert das keinen.

Nur ist der Nährboden des Unrechts

Und so würden dann auch die meisten Menschen sagen, „das ist ja nur eine Käferlarve“, die man als „Rohstoff“ für die Burger verarbeitet.
Wieviel Unrecht hat dieses Wörtchen „nur“ bis heute bereits in vermeintliches Recht gehüllt? Wie viele Volksgruppen wurden mit diesem Wort als minderwertig erklärt, verfolgt und ermordet? Wie viele Tiere hat man mit dieser Begründung bereits gequält, eingesperrt, getötet und ausgerottet? Und welches Unrecht wird dieses Wörtchen „nur“ noch rechtfertigen müssen?

Wie viele hunderte Käferlarven müssen wohl leiden und ihr Leben lassen, damit man auch nur einen dieser neuen Burger zubereiten kann? Wie werden sie leben, und vor allem: Wie werden sie sterben? Tötet man sie vorher, ehe man sie zermahlt? Betäubt man sie? Oder werden sie bei lebendigem Leibe geschreddert, wie die nicht benötigten männlichen Küken?

Karl, der Käfer?
Karl, der Käfer? Das ist der natürliche Lebensraum von Käfern und zuvor ihren Larven!

Der Hersteller „Bug Foundation“ scheint sich offenbar lobenswerterweise schon Gedanken über die Nachhaltigkeit seiner Produkte zu machen.
Zugleich schildert er jedoch in seinen FAQs, die Buffalowürmer würden heruntergekühlt, „schlafen einfach ein“ und würden dann als Burger „wiedergeboren“. Eine Formulierung, bei der es mir wirklich eiskalt den Rücken herunter läuft. Und ich weiß nicht, wobei sich mir eher der Magen umdreht: Bei dem Gedanken, Insekten zu essen oder wenn ich diese Zeilen lese.  In diesem Zusammenhang von „Wiedergeburt“ zu sprechen bestätigt in mir die Vermutung, dass viele Menschen den wahren Wert des Lebens heutzutage gar nicht mehr kennen. Ansonsten würde man ein Produkt, das aus getöteten Tieren besteht, wohl niemals als „wiedergeboren“ bezeichnen.
Das Ableben jedenfalls klingt, als würden die Würmer einfach schön einschlafen. Wenn ich es jedoch richtig verstehe, werden sie sehr weit herunter gekühlt. Entweder sie erfrieren dann, was kein schönes Ableben darstellt. Oder die Tiere fallen in einen Schlaf und werden dann lebendig „verarbeitet“, was ebenso kein harmonisches Ableben bedeutet.

Die grundsätzliche Frage ist außerdem: Welche Tierchen werden ihnen folgen? Nimmt REWE bald auch Insekten ins Sortiment auf, die zur „Produkt-Herstellung“ bei lebendigem Leib in siedendes Öl geworfen wurden? Weit ist der Schritt hiervon nicht. Und wie viele verschiedene Insekten werden wohl das Sortiment bilden? Bei REWE und bei den anderen Supermarktketten?

Prima Kima durch Insekten?

Gerne argumentiert man ja, dass die Ernährung mit Insekten deutlich umwelt- und klimafreundlicher sei. Das ist der Anbau von Erbsen, Bohnen und anderen proteinhaltigen Pflanzen auch. Doch wie viele vegane Produkte hat REWE denn im Sortiment? Sind die nicht auch oftmals klima- und umweltfreundlicher als Fleisch? In jedem Fall! Produkte aus Lupinen, Weizen, Dinkel, Soja, Hafer, Reis & Co. Vorausgesetzt, sie stammen aus nachhaltigem Anbau und am besten aus Europa.
Leider suche ich solche veganen Angebote jedoch meist vergeblich in meinem Markt.

Müssen es also wirklich Insekten sein, die am Ende angeblich ein wenig schmecken wie Erdnuss-Flips, so habe ich gehört? Warum dann nicht gleich Erdnüsse nutzen?

Libellen bei der Paarung
Libellen-Liebe

Die Burger enthalten jedenfalls Sojabohnen und (Bio-)Sojaprotein-Konzentrat, was auch wieder Anbauflächen erfordert. Sicher nicht so viele wie bei der „Fleischproduktion“, aber trotzdem. Auch sind Eier in den Burgern enthalten, die lobenswerterweise aus Freilandhaltung stammen. Was jedoch „Freiland“ bedeuten kann, zeigen entsprechende Reportagen und ein Ende der Massentierhaltung werden solche Produkte die Eier enthalten nicht einläuten, sondern die Produktion dort weiter befeuern.

Grundsätzlich stellt sich mir noch eine ganz andere Frage: Wird denn der Konsum von Insekten wirklich die klimaschädliche Massentierhaltung ersetzen, werden Insekten-Burger die Haltung von Schweinen, Rindern und Hühnern zurückdrängen? Oder werden Insekten im Sortiment nicht am Ende noch zusätzlich zum täglichen Schnitzel verköstigt – als kulinarisch-exotischer Nerven- und Gaumenkitzel? Gezüchtet in Fabriken, in denen vielleicht nicht mal mehr der Veterinär sporadisch vorbeischauen muss, da das ohnehin lasche Tierschutzgesetz einen Schutz von Insekten so gar nicht vorsieht?

Muss man denn wirklich jeden Tag Fleisch oder Wurst essen? Früher gab‘s das doch auch nicht! Vor fünfzig Jahren gab es einmal pro Woche Fleisch und das war dann ein Festmahl. Auch in meiner Kindheit in den Achtzigern war Fleisch noch keine derartige Massenware. Damals war das Fleisch noch wertvoll, es hatte die Wertschätzung, die einem Lebensmittel gerecht wird, das durch den gewaltsamen Tod eines Lebewesens entsteht. Heute ist Fleisch Massenware und man könnte meinen, die tägliche Dosis sei lebensnotwendig und eine Einschränkung absolut tödlich. Dabei ist eher das Gegenteil der Fall!

In jedem Fall schaffen wir uns mit dieser neuen Art der Massentierhaltung, die aus Insekten besteht, auch neue Probleme. Wir schaffen neue gequälte Geschöpfe, neue „Produktionsfaktoren“ in unseren Lebensmittel-Fabriken. Faktoren, die fühlen, leben, denken und leiden. Kann das der Sinn sein?

Kohlekraftwerke verhageln weiter die Klimabilanz in Deutschland, Autoabgase immer größerer SUVs lassen den Treibhausgasausstoß steigen, die energieintensive Produktion von Plastikverpackungen steigt weiter an, die Abholzung der Wälder nimmt zu, ebenso die Zerstörung der Natur…

Das Rheinhochwasser am 07.01.2018 in Mainz-Laubenheim - überflutete Felder und Straßen
Das Rheinhochwasser am 07.01.2018 in Mainz-Laubenheim – überflutete Felder und Straßen

Hauptsache, wir essen Insekten, die klimafreundlich hergestellt wurden! Sie sind der Klimaschutzbeitrag, Teil eines modernen Ablasshandels, der unsere immer neuen Klimasünden ausgleichen soll, auf Kosten anderer Wesen.

Mich persönlich überkommt da ein zunehmender Brechreiz, der nicht dem Ekel vor Insekten geschuldet ist, sondern dem Ekel vor dem unmoralischen Verhalten der Spezies Mensch!
Wer ebenso empfindet, dem kann ich nur die Teilnahme an dieser Petition bei Change.org nahelegen.
Für alle, die teilnehmen möchten ein allgemeiner Hinweis: Dies ist eine externe Seite, auf die ich keinen Einfluss habe, und sie hat auch eine eigene Datenschutzerklärung.

 

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