Schnecken-Schrecken

Es könnte alles so schön sein: Meine vorgezogenen Tomatenpflanzen sind dieses Jahr richtig toll geworden, und so habe ich einige sogar bereits mit Blütenansätzen in den Garten gepflanzt. Fast zwanzig verschiedene Tomatensorten konnte ich dieses Jahr vorziehen – von der „Weißen Königin“, über die dunklen „Black  Plum“, die gelben „Dattelwein“, säuerliche „Johannistrauben“ oder die „Reisetomate“ mit einzelnen auseinanderpflückbaren Fruchtteilen. Ich habe für sie extra solche Plätze gesucht, die nach oben hin auf natürliche oder künstliche Weise vor Regen geschützt sind, da die Pflanzen ja sehr anfällig für Pilzerkrankungen sind. Auch sechs verschiedene Kohlsorten warten darauf, ins Beet gepflanzt zu werden. Doch bereits das Auspflanzen der Tomaten endete in einem Massaker, ebenso die Aussaat von Radieschen, Möhren oder gar Salat. Es ist wahrlich eine Plage, die nicht nur meinen Garten heimsucht: SCHNECKEN

Dabei sind es hauptsächlich die, die „aus dem Häuschen“ sind. Sie vermehren sich gefühlt ebenso schnell, wie sie fressen. Während die bräunlich-orangenen Tierchen heimisch sind, ist die Spanische Wegschnecke knallorange und eine eingeschleppte Art. Beide haben eines gemeinsam: Sie haben keinen natürlichen Feind in unseren Breiten. Vielleicht frisst ein Igel noch die eine oder andere Schnecke, aber nur sehr widerwillig. Kein Wunder: Die Haut ist ledrig, der Schleim extrem klebrig.
Und so kriechen die Biester beim kleinsten Regenschauer wie eine Lawine aus ihrem Unterschlupf, fallen über die Beete her und machen so ziemlich alles platt, was nach Gemüse oder Blume ausschaut. Eine hochgewachsene Kartoffelpflanze haben sie binnen einer Nacht bis auf die Stängel abgefressen, ebenso eine Tomate. Und morgens ist nichts mehr von den Tätern zu sehen, bis auf ihre schleimigen Spuren auf der Erde.

Mit Schneckenzäunen hatte ich nur bedingten Erfolg, da sich benachbarte Pflanzen während des Regenschauers auf den Schneckenzaun gesenkt und dadurch offenbar eine Brücke für die schleimigen Tierchen gebaut hatten. Kaffeesatz, den man anpreist als Hilfsmittel gegen Schnecken, entfaltet auch nur sehr bedingt eine Wirkung. Und Sand hält Schnecken nur dann ab, wenn er trocken ist. Da die meisten Schnecken jedoch besonders dann kriechen, wenn es feucht ist, macht der Sand keinen Sinn.

Freibier fürs Tier?

Bierfallen hatte man mir schon einige Male empfohlen und ich setze sie auch ab und zu ein. Dazu nehme ich ein altes Gurkenglas, grabe es etwa zur Hälfte in die Erde und fülle es ebenso bis zur Hälfte mit irgendeinem billigen Bier. Die Folge ist tatsächlich, dass schon innerhalb einer Nacht Unmengen Schnecken tot im Gerstensaft liegen. Das klingt erst mal gut. Doch leider ist genau dieser Erfolg fatal fürs Beet. Denn der Geruch des Bieres zieht die Schnecken aus bis zu 100 Metern an, einige von ihnen kriechen ins Bier. Doch viele andere „riechen den Braten“ und erkennen, dass ihre Artgenossen in dieser Brühe ihr Leben verlieren. Oder das Glas ist einfach nur voll. Angelockt bleiben sie dann hier, und wenn es schon kein Freibier gibt, genehmigen sie sich wenigstens den Gratis-Snack von der Salatbar, inkl. den Kohlrabi daneben. Und verfahren nach dem Motto: All you can eat. Und sie können essen…
Kurz gesagt: Mit Bier lockt man sich im Zweifel viel mehr Schnecken ins Beet, als man sie vorher hatte.

Daher taugt die Bierfallen-Taktik nicht. Außer man überzeugt einen ungeliebten Nachbarn von der vermeintlichen Wirksamkeit, der dann gleich mehrere Fallen in seinem Garten aufstellt, alle Schnecken aus der Umgebung anzieht, und man selbst hat seine Ruhe… 😉

Schneckenkorn

Im Fachhandel gibt es verschiedene Präparate, die eine Lösung versprechen. Sie sind giftig für Schnecken, man bringt sie in Körnerform im Beet aus. Ein Lockstoff lässt die Schnecken die Körnchen fressen, wodurch sie sich vergiften. Entweder sie vertrocknen nun, oder aber sie verhungern.
Klingt zunächst einmal auch ganz effektiv. Doch sterben die Tiere oftmals erst nach einigen Tagen. Denn sie verhungern ja. Das ist alleine aus dem Tierschutzaspekt schon sehr bedenklich, ist es doch Tierquälerei.
Zugleich lockt man sich mit diesen Lockstoffen natürlich auch mehr Schnecken an, als man sie bereits im Beet hatte.

Ein weiterer Nachteil dieser Methode ist das Gift. Es tötet alle Schnecken, macht also nicht vor bestimmten Arten Halt. Dabei sind es Tigerschnegel und andere einheimische Schneckenarten, welche die Eier der Spanischen Wegschnecke vertilgen und somit die Population dieser Tiere in Schach halten. Vergiftet man auch sie, verschafft man den schädlichen Schnecken einen weiteren Vorteil, nimmt ihnen die wenigen natürlichen Feinde. Auch Laufkäferarten greifen Nacktschnecken an und ich wage zu bezweifeln, dass das Schneckengift auf ihre Gesundheit keine Wirkung zeigt.
Da das Gift von praktisch allen Schneckenarten aufgenommen werden kann, ist auch die Gesundheit anderer Nützlinge gefährdet. Was passiert, wenn ein Vogel eine vergiftete Schnecke frisst, wenn eine Kröte sie vertilgt, oder aber ein Igel? Genau: Auch sie nehmen das Gift auf und werden im Zweifelsfall daran sterben. Wir töten also mit dem Gift letztlich auch die natürlichen Feinde der Schädlinge. Und das kann ja nicht die Lösung sein.

Die Lösung?

Aber was ist die Lösung? Wie kann man sich gegen diese gefräßigen Biester zur Wehr setzen und der Schneckenplage ein Ende setzen?
Eine endgültige Antwort habe ich auch noch nicht gefunden. Es gibt ein paar ganzheitliche Ansätze, die ich gerade verfolge und ausprobiere.

Einer davon ist ein sehr brutaler: Das Töten der Schnecken
Mir fällt es wirklich nicht leicht, da ich Vegetarier bin und eigentlich keiner Fliege etwas zu Leide tun möchte. Doch ist mir natürlich auch klar, dass es ein „Weiter so“ nicht geben kann. Oder ich kann meinen Gemüseanbau getrost an den Nagel hängen. Auch fressen die Schnecken Blumen und andere nützliche Pflanzen, was dem Ökosystem in meinem Garten schadet, und meinen Bemühungen im Insektenschutz. Daher muss etwas passieren.

So stelle ich den Tieren eine Falle: Sie mögen feuchte, warme und dunkle Unterschlupfe, unter denen sie sich verstecken und auf den nächsten Regen warten. Ist der Boden erst mal feucht, geht’s los…
Diese Taktik nutze ich aus, lege Bretter und Steine locker auf den Boden. Ich warte eins, zwei Nächte, drehe die Verstecke dann um und töte die dort gefundenen Tiere dann mit einem Stein schnell und hoffentlich schmerzlos. Auch lasse ich einige Häufchen mit Pflanzenabfällen im Garten liegen, in denen sich die Schnecken gerne aufhalten und futtern. Diese Plätze eignen sich ebenfalls zum Abfangen der Tiere.
Das Töten bereitet mir dabei wirklich Bauchschmerzen, denn die Schnecken sind an sich sehr schöne und interessante Tiere. Doch momentan bleibt mir zur Reduktion der Bestände nichts anderes übrig.

 

Zum Schutz meiner Pflanzen habe ich weitere Schneckenkragen bestellt, die mit ihrem Rand ein Hochkriechen der Tiere verhindern. Dadurch kann ich meine Kohlpflanzen auch bald relativ sicher im Beet einpflanzen. Auch behelfe ich mir mit vermeintlichem Plastikmüll und verschaffe ihm einen neuen Sinn. Ja, man könnte hier von Upcycling sprechen. Schneidet man aus einem Getränkebecher den Boden heraus, kann man ihn über kleine Salatpflanzen stülpen und zum Schutz nach oben hin mit dem Deckel verschließen.

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Alte Plastikbecher – neuer Sinn: Hier kommt keine gefräßige Schnecke rein, die jungen Pflanzen sind zudem vor zu viel Sonnenlicht geschützt. Und der Becher wirkt sogar wie ein kleines Treibhaus.

 

Lücke im Ökosystem
All dies ist natürlich nur ein Notbehelf. Die Lösung läge in einem funktionierenden Ökosystem mit natürlichen Feinden der Schnecken. Eine Möglichkeit schwebt mir hier vor: Die Ansiedlung einiger Laufenten.
Doch auch das ist mit einigen Hürden verbunden. Zwar fressen die Laufenten sehr gerne Nacktschnecken. Doch was, wenn sie eine vergiftete erwischen? Die Nachbarn nutzen schließlich Schneckenkorn und so könnte das Entenprojekt ein sehr schnelles und grausames Ende nehmen.
Auch fressen Laufenten nicht nur Schnecken, sondern sie verschmähen auch Salat, Kohl oder andere Gemüsepflanzen keineswegs. Zudem graben sie bei ihrer Schnecken-Suche im Garten herum und verursachen dort mehr oder weniger Chaos.
Und meine schlimmste Befürchtung: Sie könnten meinen Naturteich erreichen, darin schwimmen, die Bepflanzung zerstören und die Frösche fangen.

Irgendwie reizt mich die Ansiedlung von Laufenten schon, doch erscheinen mir Risiko wie Aufwand momentan einfach zu hoch.
Ich versuche nun erst mal, mit weiteren Schneckenkragen und anderen Schutzmechanismen die Tiere von den Pflanzen fern zu halten, pflanze nur kräftige und gesunde Pflanzen ins Beet. Außerdem gieße ich von nun an nur noch morgens die Beete, da die Schnecken meist nachtaktiv sind.
Außerdem betreibe ich Upcycling, denn ich nutze jetzt alle nicht vermeidbaren Plastikverpackungen weiter und verleihe ihnen einen neuen Sinn: Den Schutz meiner Pflanzen.

Ich hoffe auch, dass sich wieder ein Igel in meinem Garten einfindet, der natürlicher Feind der Schnecken (und damit leider auch Konsument von vergifteten Tieren) ist. Kröten fressen ebenso Schnecken und so habe ich den Uferbereich meines Teiches ein wenig so gestaltet, dass er krötenfreundlicher ist. Bisher haben sich allerdings „nur“ Teich- und Wasserfrösche angesiedelt.
Laufkäfer dürften sich in meinem Garten wohl fühlen, da es in meinem naturnah gestalteten Garten sehr viele schöne Eckchen für sie gibt. Und diese sind ebenso natürliche Feinde der Schnecken.

 

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5 Gedanken zu “Schnecken-Schrecken

  1. Die einheimischen und die sogenannten spanischen Wegschnecken sind kaum zu unterscheiden – auch die Farbe ist da nicht unbedingt der Indikator. Wobei die knallorangen meines Wissens eher die einheimischen sind.
    Ich habe auch schon einiges probiert – alles natürliche Maßnahmen, Gift kommt nicht in Frage. Absammeln scheint mir auch die beste Methode. Und dann an den Feldrand bringen – töten mag ich sie nicht.
    Ich habe den Eindruck, dass es weniger Nackstschnecken werden, je länger mein Garten naturnah gestaltet ist. Hier fühlen sich auch Tigerschnegel wohl – sie helfen wahrscheinlich bei der Nacktschneckenreduzierung.
    Viel Glück und Wachstum für Dein Gemüse!

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    • Hallo, in der Zwischenzeit habe ich wieder einige Salatgurkenpflanzen trotz Schutzkragen an die gefräßigen Tierchen verloren, auch noch eine Tomaten- und eine Kohlpflanze. Schweren Herzens habe ich heute im Salat-Hochbeet ein wenig Schneckenkorn gestreut. Allerdings das von Neudorff, das im ökologischen Landbau zugelassen ist. Normal verzichte ich auch strikt auf Gifte. Aber ich habe heute kleine Salatpflanzen ausgepflanzt und ich fürchte wirklich, dass nach dem nächsten Regenschauer alle Pflanzen weg sind. Ich habe auch den Garten sehr naturnah gestaltet und ich habe das Phänomen bei anderen Pflanzenschädlingen festgestellt: Hier sind fast keine Blattläuse mehr, nur wenige Raupen. Aber die Schnecken wie gesagt, die treiben mich wirklich in die Verzweiflung… Ich hoffe, dieser einmalige Einsatz stoppt mal die Plage ein wenig und ich kann endlich mal ein bisschen Salat selbst essen… 😉

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      • Ich kann Dich gut verstehen. Es ist Jahre her, dass ich zuletzt mal Kürbispflanzen durchbekommen habe. Und meinem Himalayamohn haben die Schnecken auch keine Chance gelassen.
        Inzwischen habe ich’s aufgegeben mit Zucchini & Co. Immerhin habe ich eigene Äpfel, Johannisbeeren und Nüsse. Und Kräuter und ein paar Erdbeeren lassen mir die kleinen Schleimer auch manchmal. 😊

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      • Was die Schnecken in diesem Jahr verschont haben, waren die Erdbeeren. Ich hab es ihnen allerdings auch nicht so einfach gemacht, denn ich habe eine Erdbeer-Säule gebaut aus einem Kanalrohr und an der Seite Löcher rein gefräst, das Rohr mit Erde befüllt und die Erdbeeren an der Seite rein gepflanzt. Und mit Hochkriechen haben die Schnecken es wohl nicht so, vielleicht auch, weil sie dort oben keine Erdbeeren erwarten… 😉

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