Endlich: Gift hinter Glas

Neonikotinoide sind künftig verboten! So konnte man es lesen in einem Post des Bundesumweltministeriums bei Facebook vom 27.04.2018. Weiter hieß es: „Ein erster Erfolg für den Insektenschutz: Die Anwendung von Neonikotinoiden im Freiland wird komplett verboten! Die Stoffe sind künftig nur noch im Gewächshaus erlaubt, wo sie keinen Insekten schaden – das haben die EU-Mitgliedstaaten heute beschlossen. Auch Deutschland hat für ein Verbot gestimmt.“
Das ist wirklich eine tolle Nachricht! Doch einen Haken hat die Sache: Sie stimmt so nicht, Fake News lässt grüßen…

Zunächst einmal: Es ist tatsächlich ein deutlicher Fortschritt, dass die Anwendung von drei Neonikotinoiden innerhalb der EU fürs Freiland verboten wurde. Schließlich stehen diese drei im Verdacht, das Bienen- und Insektensterben mit zu verursachen, indem sie den Tieren u.a. die Orientierung nehmen oder sie schlicht vergiften. Daher ist es gut, dass man diese drei Gifte fürs Freiland verbietet.

Doch – und jetzt kommt ein Haken – werden sie eben nur fürs Freiland verboten, im Gewächshaus sind sie weiter erlaubt. Somit gelangen sie über dort erzeugte Lebensmittel auch in die Nahrungskette, über Abfälle in die Umwelt, sie gelangen über Pollen, Staub oder die Luft ins Freiland. Das lässt sich gar nicht vermeiden, denn nach außen hin abgeschlossene Biosphären sind Treibhäuser nicht.

Außerdem, und das ist der größte Schwachpunkt bei dieser Positivmeldung: Es werden eben nur drei Gifte (Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid) fürs Freiland verboten, der Rest bleibt weiterhin erlaubt!
Speziell das Insektizid Sulfoxaflor, das in den USA aufgrund seiner Bienengefährlichkeit verboten wurde, ist in der EU weiterhin zugelassen! Und auch andere Neonikotinoide stehen schlicht im Verdacht, Insekten zu schaden. Wen wundert das? Schließlich sind sie dafür konzipiert. Sie greifen gezielt das Nervensystem von Insekten an.
So fordert auch der  NABU, dass alle Neonikotinoide und Stoffe mit dem selben Wirkmechanismus verboten werden.

Warum der Fake?

Nun könnte man die Frage in den Raum stellen, was zu diesem irreführenden Post des Umweltministeriums führte. War es überschwängliche Euphorie in Verbindung mit einer hohen Dosis Nikotin(oid), Unwissenheit oder bewusstes Verschweigen? Man weiß es nicht. Jedoch wären alle drei Möglichkeiten aus meiner Sicht für das Umwelt-Ressort der Bundesregierung ein Armutszeugnis. Schließlich sollte dieses Ministerium für den Umweltschutz einstehen.
Mit falschen Meldungen jedenfalls trägt man nicht dazu bei, man beschönigt und setzt die rosarote Brille auf.

Die arme Chemieindustrie?

Landwirte und Chemieindustrie kritisieren übrigens diese EU-Entscheidung des Verbots.
Doch letztlich können die Landwirte auf andere Neonikotinoide ausweichen.
Und die arme Chemieindustrie? Muss sie nun am Hungertuch nagen, brechen ganze Wirtschaftsregionen zusammen? Nein, ganz sicher nicht! Vielmehr hat man bereits neue Wirkstoffe im Giftschrank, die kurz vor der Zulassung stehen. Sie sind ebenso schädlich wie Neonikotinoide, nur heißen sie eben anders. Somit sind sie auch nicht verboten. So wird die Verbotsentscheidung für diese drei alten Gifte auch zu einem Kaufanreizprogramm für neue. Irgendwie bekommt das Verbot dadurch einen faden Beigeschmack.

Am Ende bleibt dann auch wieder mal die Glaubwürdigkeit ein Stück weit auf der Strecke. Die Insekten sterben weiter, denn ihnen fehlt ein Gesamt-Rettungsplan, der weit darüber hinausgeht, dass man sie nicht bewusst vergiftet. Sie brauchen Lebensraum, brauchen Nistmöglichkeiten, Blüten- und somit Futterpflanzen. Diesen Plan vermisst man noch immer. Stattdessen verlängert man die Zulassung des Unkrautvernichters „Glyphosat“ um fünf Jahre, mit dem man jene wilden Blütenpflanzen flächendeckend vernichtet und die Umwelt vergiftet… Damit die Industrie auch Zeit hat, hier einen wirkungsvollen Ersatz auf den Markt zu bringen?

Aber es ist alles im rosaroten Bereich. Und vielleicht folgt ja bald der nächste Post, der lautet:
Super-Erfolg! „Pestizide“ müssen von nun an die Bezeichnung „Bienenfreund“ tragen, und müssen in einer grünen Packung verkauft werden, auf der eine Sonnenblume zu sehen ist.

Und dann wird alles gut… Summ, Summ, Summ

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