Frohe Ostern…

Ostern ist das Fest des Neubeginns, des neuen Lebens. Nicht umsonst hat das Christentum für das Osterfest Eier und Hasen als Sinnbild der Fruchtbarkeit gewählt. Das ist eine tolle und leckere Sache und auch ich habe einige Schokoeier und einen Schokohasen verspeist. Beim Blick auf die Zutatenliste des Hasen bin ich dann jedoch etwas ins Grübeln gekommen. Und ausgerechnet ein Schoko-Ei brachte mich schließlich auf die Palme…

Genau genommen auf die Ölpalme. Ich fragte mich, wie denn ein Symbol des Neubeginns und der Fruchtbarkeit so viel Leid und Unrecht in sich tragen kann. Enthalten waren neben Zucker vor allem Kakaobutter, Palmöl und Milch, noch ein paar Eier der Eierlikör-Füllung dazu… Und schon war das Unfruchtbarkeitssymbol komplett.

Palmöl ist nicht nur dafür bekannt, sehr billig zu sein, sondern auch für seine guten Verarbeitungseigenschaften. Doch zugleich sind es die vielen Ölpalm-Plantagen, die ganze Regenwälder auslöschen. Ihr monokultureller Anbau bringt den massiven Einsatz von Pestiziden, Düngern und anderen Giften mit sich, wodurch die umgebende Umwelt verpestet wird. Menschen werden krank, sterben, der Nachwuchs kommt aufgrund der Gifte krank oder mit Missbildungen zur Welt. Tier- und Pflanzenarten werden ausgerottet, fallen dem Abholzen, Brandroden und der Monokultur zum Opfer.

Und all dies nur, damit in unseren Regalen eines dieser Fruchtbarkeitssymbole mit möglichst günstigem Preis liegen und unsere Kinder glücklich machen kann. Dass Palmöl beim Konsumenten  im Verdacht steht auch Krebs auszulösen ist ebenso alles andere als das Gelbe vom Ei.

Apropos Ei: Auf der Packung stand deutlich geschrieben, dass diese Eier aus „Bodenhaltung“ stammen. Dies ist praktisch die Mindestanforderung für Hühnerhaltung. Doch ein artgerechtes Leben ist für die Tiere hier keinesfalls möglich. Deshalb „dopt“ man sie auch mit Antibiotika, damit sie möglichst viele Eier in ihrem kurzen Leben produzieren und die Tortur gerade lange genug überstehen, um wirtschaftlich gewesen zu sein. Durch diesen Antibiotikaeinsatz nach dem Gießkannen-Prinzip, bei dem auch „Reserve-Antibiotika“ eingesetzt werden, schafft man Resistenzen und riskiert, dass bei Menschen eine Behandlung mit Antibiotika im Notfall nicht mehr erfolgsversprechend ist, wodurch heute bereits jährlich viele tausende Menschen weltweit sterben.

Menschen sterben auch aufgrund von Ausbeutung oder durch den Einsatz von Pestiziden. Gerade beim Anbau von Kakao sind Kinder, die eigentlich in der Schule sein müssten, mit in den Plantagen tätig. Sie müssen dort arbeiten, damit die Familien überleben können. – So niedrig ist der „Hungerlohn“ dieser modernen Sklaverei.
Das UTZ-Siegel auf den Schokoeiern beruhigte mich zunächst ein wenig, zusammen mit dem Schriftzug, dass man 100% UTZ-zertifizierten Kakao kaufe und somit nachhaltigen Kakaoanbau unterstütze.
Doch ein genauerer Blick auf das Siegel lässt die Bedenken nicht wirklich verschwinden. Denn beim UTZ-Siegel werden Richtlinien nach eigenem Ermessen aufgestellt. Außerdem werden die Preise, die der Landwirt erhält, nicht festgeschrieben. Vielmehr richten sie sich nach dem, was der Markt bereit ist zu zahlen.
Laut Recherchen bei Wikipedia ist Kinderarbeit wohl strikt verboten. Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr dürfen nicht mit gesundheitsschädlichen Stoffen in Berührung kommen, Menschen über 18 wird immerhin Schutzkleidung zugestanden. Körperliche Strafen sind untersagt – na wenn das ein Fortschritt ist, will man nicht wissen, was in nicht zertifizierten Plantagen vor sich geht…!
Doch ist dieses UTZ-Siegel wirklich so zuverlässig?
Naja, Landwirte müssen nicht sofort alle Bedingungen dieses selbst erstellten Verhaltenskodexes erfüllen. Während der ersten zwei Jahre der Zertifizierung darf sich beispielsweise bloß kein Mitarbeiter ernsthaft verletzen und muss gesund bleiben, denn erst ab dem dritten Jahr muss in dem Unternehmen ein in der Ersten Hilfe ausgebildeter Mitarbeiter anwesend sein.
Und auch das Thema „Kinderarbeit“ ist wohl präsenter als man zugeben will. Zumindest im Jahr 2012 dokumentierte der dänische Journalist Miki Mistrati in der NDR-Reportage Schmutzige Schokolade II eindeutige Verstöße gegen die selbst auferlegten Richtlinien und gegen die Menschlichkeit. Ja, es wurden offenbar sogar Kinder verschleppt, um unter sklavenähnlichen Bedingungen für den Kakao zu schuften, der in unseren Regalen liegt, ausgezeichnet mit diesem UTZ-Siegel. Ob dies heute noch immer so ist, kann ich nicht beurteilen. Aber meine persönliche Meinung hat dieser Film, in Kombination mit diesem selbst auferlegten Verhaltenskodex, deutlich beeinflusst und die Frage aufgeworfen, warum sich hier wirklich etwas geändert haben sollte.
Der Film offenbart jedenfalls, dass das Siegel kein Land wo Milch und Honig fließen garantiert – nein, es garantiert nicht einmal, dass beim Kakaoanbau soziale und selbst auferlegte Mindeststandards eingehalten werden!

Einen Blick auf die in meinen Schoko-Ostereiern enthaltene Milch riskiere ich nicht einmal mehr. Gequälte Kühe, geschlachtete Tiere mit ungeborenen Kälbern im Mutterleib, die dort nach dem Schlachten ersticken; ausgemergelte Tiere nach nur sehr kurzer Lebensdauer, vegetiert in engen Ställen der Massentierhaltung,…

Oh nein, es sind wahrlich faule Eier, die uns hier grün eingefärbt ins Nest gelegt werden! Und sie haben nichts mit neuem Leben, dem Neubeginn oder einer lebenswerten Zukunft zu tun.
Da geht doch nichts über die Eier der eigenen Hühner, mit natürlichen Mitteln gefärbt… Sie enthalten kein Leid, sind zuckerfrei, deutlich gesünder.

ei

Und für mich sind sie ein wirkliches Symbol des Neubeginns: In Zukunft gibt es bei mir nur noch Schokolade aus fairem Handel 

P.s.: Der Schnee vom Beitragsbild stammt nicht von diesem Jahr, und der Hase daher auch nicht. Leider ist mir an Ostern keiner vor die Linse gehoppelt und jetzt musste dieser Schneehase herhalten… 😉

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8 Gedanken zu “Frohe Ostern…

  1. Liken fällt mir schwer. Eher ein Sternfür den informativen Inhalt. Das Palmöldesaster ist wirklich furchtbar, vor allem wenn man mal etwas hinter die Kulissen schaut und sieht, was einige Geschäftsleute auf skrupellose Art und Weise mit der Natur in Indonesien und Borneo machen (Palmöl). Aber auch Kakaoanbau und andere Dinge zerstören zunehmend die letzten Naturparadiese dieser Erde. Wenn das so weitergeht sieht es in ein paar Jahrzehnten ganz düster aus…

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