Tomate Fuzzy Wuzzy

Neues Beet, neues Glück…

So langsam packt mich wieder das Aussaat-Fieber. Es ist zwar noch früh, doch in diesem Jahr möchte ich ein wenig experimentieren. So habe ich bereits Mitte Januar die ersten Tomaten eingesät und hoffe, dass bis Mai stattliche Pflanzen aus ihnen werden. Sie sehen schon ganz gut aus, doch wissen sie noch nicht, dass sie der kleine Teil einer potentiellen Revolution werden könnten. Das heißt, es ist eigentlich kein Fortschritt, sondern eher ein Schritt zurück – hin zur Ursprünglichkeit. Das Zauberwort heißt Mykorrhiza. Was das ist und wie auch die konventionelle Landwirtschaft von mehr Ursprünglichkeit profitieren könnte, davon möchte ich heute berichten.

Mykorrhiza, das sind urtümliche Lebewesen, die bereits vor vielen Millionen Jahren zur Besiedlung der Welt beigetragen haben. Ohne sie gäbe es wahrscheinlich keine großen Wälder, ohne sie wären die vielen grünen Naturparadiese so nicht entstanden. Mykorrhiza sind weder Tier noch Pflanze, sondern bilden eine eigene Gruppe: Die Pilze

Sie vermehren sich über Sporen, erstrecken ihr Myzel – ihr feines Wurzelgeflecht – über große Gebiete. Dabei sehen wir Pilze meist nur, wenn sie ihre Hüte aus dem Waldboden treiben. Ansonsten leben sie im Untergrund, und treiben dort allerhand voran.

Die Mykorrhiza leben in einer Symbiose mit Pflanzen. Manche haben sich auf Gehölze spezialisiert, andere auf Krautpflanzen, die oft nur einjährig leben. Dabei hat sowohl der Pilz etwas von der Zusammenarbeit, wie die Pflanze. Mir ihren Hyphen, den feinen Würzelchen des Pilzgeflechts, dringen sie in die Wurzeln der jeweiligen Pflanze ein. Durchlebt diese einen Mangelzustand, ist sie gerne bereit, sich auf die Kooperation einzulassen. Und schon geht’s los…

Jede grüne Pflanze bildet ja mit Hilfe der Photosynthese Zucker. Hiervon leitet sie einen Teil in die feinen Würzelchen, wo der Pilz sich darüber freut. Im Gegenzug gibt er der Pflanze Wasser, das er in seinem breiten Geflecht sehr gut speichern kann. Zudem kann er u.a. Mineralstoffe besser aufspalten als die Pflanze, und gibt sie ebenso an seinen Partner ab. Es ist praktisch eine Win-Win-Siutation.

Ein interessantes Video hierzu von einer arte-Dokumentationfindet man auch hier.

Revolution im Gemüsebeet

Soweit nun die Theorie. Doch im Gemüsebeet sieht es leider oft anders aus. Der Pilz ist auf die regelmäßigen Zuckergaben durch die Pflanze angewiesen und geht recht schnell ein, wenn er nach der Ernte seines Partners keine Ersatzpflanze findet, und stattdessen ein gejätetes, umgegrabenes Beet. Schade, denn er ist so wertvoll!

Dieses Jahr soll alles anders werden und ich starte in Kürze einen Versuch. Ich habe ein wenig Mykorrhiza in Pulverform zur Verfügung gestellt bekommen und werde damit meine Tomaten „impfen“. Jene, die nun im Dreiblattstadium auf der Fensterbank stehen und auf ihre große Zeit warten. Dabei werde ich versuchsweise eine Pflanze der gleichen Sorte und Entwicklungsstufe mit dem Pilz-Gebräu gießen, die andere nicht. Ich bin schon sehr gespannt auf die Entwicklung und werde hier darüber berichten.

Warum nicht eine uralte Taktik der Natur nutzen, sie im Gemüsebeet etablieren und dafür sorgen, dass die Pflanzen besser mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden? Es gibt auch Hinweise darauf, dass Mykorrhiza im gewissen Umfang die natürlichen Abwehrmechanismen der Pflanze stärkt und den Befall durch Schädlinge oder Pflanzenkrankheiten verhindert. Kein Wunder: Ist die Pflanze gut versorgt, wird sie sich auch gut entwickeln und ist gestärkt gegen Feinde von außen.

Gülle in Hülle und Fülle

Auch die konventionelle Landwirtschaft könnte endlich damit beginnen, sich zurück zu besinnen und ihr Handeln zu überdenken. Neue Vorschriften könnten dazu führen, dass konventionelle Landwirte zwangsläufig auf eine Technik zurückgreifen müssen, die heute vor allem im Ökolandbau angewendet wird. Denn aufgrund neuer Richtlinien für die Ausbringung von Gülle müssen die Landwirte sehr teure Geräte anschaffen. Dies wird manchen dazu bringen, seinen Hof aufzugeben. Oder eben umzudenken und die vermeintlich esoterischen Theorien, die im Ökolandbau angewendet werden, auch auf dem eigenen Acker zu nutzen.

Eine Richtlinie besagt, dass in Zukunft die Gülle mit Hochdruck in die Erde gespritzt werden muss. Nicht nur die Landwirte wird diese neue Technik teuer zu stehen kommen. Vor allem wird sie auch dem  bisschen Natur, das auf den konventionellen Äckern noch zu finden ist, ein für alle Mal den Garaus machen. In die Erde gepresste Gülle wird Insektenlarven ebenso abtöten wie Mikroorganismen und andere Bodenlebewesen. Das ohnehin um sich greifende Insektensterben wird dadurch noch mehr begünstigt, was einen weiteren Rückgang von Vogelbeständen bedeutet.

Dabei wäre eine Lösung des Problems in Sicht: Die Behandlung der Gülle mit Mikroorganismen, die so genannte mikrobielle Gülleveredelung. Hierdurch sinkt nicht nur die Geruchsbelästigung durch die Gülle. Vor allem auch die Feinstaubbelastung durch die Landwirtschaft geht zurück, die in Deutschland einen Anteil an der gesamten Feinstaub-Konzentration von 50 Prozent hat! Denn das entstehende Ammoniak aus der Gülle reagiert in der Luft zu Ammoniumsalzen – das ist nichts anderes als sekundärer Feinstaub.
Dieses Problem könnte die mikrobielle Gülleveredelung lösen und könnte eine bessere Nutzung der Gülle möglich machen.

Doch leider sträubt sich die Politik dagegen, größere und vor allem glaubhafte Versuchsreihen durchzuführen und diese Methode als Alternative zu ermöglichen. Stattdessen setzt sie in Zukunft darauf, Gülle in großen Massen unter Hochdruck 5-10 Zentimeter tief in die Erde zu spritzen. – Mit allen finanziellen Folgen für die Landwirte und negativen Auswirkungen für die Natur, aber auch die feinen Wurzeln der Nutzpflanzen. Zugleich sorgt diese Methode dafür, dass immer mehr Gülle ausgebracht werden kann, was am Ende zu einem immer größeren Anstieg der Nitratwerte im Grund- und Trinkwasser führen wird. Nitrat ist nicht nur enorm schädlich für die menschliche Gesundheit, es schadet auch den Ökosystemen, ihren tierischen und pflanzlichen Bewohnern.

Deshalb möchte ich heute ausdrücklich auf eine Petition hinweisen, welche die mikrobielle Gülleveredelung fordert. Ich unterstütze diese Forderung gerne und vielleicht ist ja der eine oder andere ebenso mit dabei und unterzeichnet diesen Aufruf zu nachhaltigem Handeln in der Landwirtschaft. Man findet unter dem Link auch nähere Informationen zur mikrobiellen Gülleveredelung.

Petition zur mikrobiellen Gülleveredelung

 

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