Dämonentanz in Raunächten

Bald ist es wieder soweit. Wir verabschieden ein altes Jahr und begrüßen ein neues. Gutes wie Schlechtes hinter sich zu lassen und sich für neues zu öffnen, kann ein Silvester mit sich bringen. So stehen auch die guten Vorsätze bei vielen Menschen hoch im Kurs: Mehr auf die Gesundheit achten, Sport treiben und aufhören zu rauchen. Und auch den ökologischen Fußabdruck zu verringern steht bei immer mehr Menschen auf dem Plan. Doch beginnt nicht schon das Morgen mit dem Heute? Ist es sinnvoll, bis zu einem festen Datum zu warten, um Gewohnheiten zu ändern? Und können gute Vorsätze gelingen, wenn man noch in der Silvesternacht gegen sie verstößt?

An Silvester gehen wieder 100 Millionen Euro alleine in Deutschland in Schall und Rauch auf. Dann wird wieder geböllert was das Zeug hält, es werden Raketen in den Himmel geschossen. Und in vielen Köpfen warten gute Vorsätze für ein gesünderes, besseres und ökologischeres Leben, während über ihnen Unmengen an Schwarzpulver verglühen.

Das Umweltbundesamt schätzt, dass bundesweit eine Menge von 4000 Tonnen Feinstaub freigesetzt wird. Dies entspricht 15 Prozent der Menge, die alle Autos und LKW innerhalb eines Jahres in Deutschland erzeugen! Und dies in einer Nacht!
Gute Vorsätze? Die können dann für viele doch noch bis morgen warten!

Zum Nichtraucher werden?

Die WHO schätzt, dass Feinstaub bei jedem vierten Tod durch Lungenkrebs eine Rolle spielt, und bei 15 Prozent der Schlaganfälle!
Feinstaub-Grenzwerte für Autos? – Die scheren wenig, wenn am Neujahrstag der (sicher noch industriefreundlich angesetzte) Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft um das zehn- bis zwanzigfache überschritten wird.
Das Rauchen aufgeben? – Es genügt, an Silvester einen kräftigen Zug zu nehmen und man hat wahrscheinlich eine wirksame Dosis eingeatmet.
Wie war das mit dem guten Vorsatz, mehr auf die Gesundheit zu achten? – Das hat noch Zeit bis zum Neujahrstag…?

Und der ökologische Fußabdruck? Die vielen Gifte, die in die Umwelt gelangen? Die geschätzten 2.000 Tonnen Kohlendioxid als Treibhausgas? 550 mal könnte man stattdessen einen Überseeflug unternehmen. Stattdessen schaut man dem funkelnden Feuerwerk zu, geht dann wieder zurück ins Haus und beobachtet die Rauchschwaden, die draußen durch die Lande wabern. Und lässt besser mal die Fenster zu.
Schade, dass die vielen Wildtiere das nicht können. Sie können sich nicht in ihre Behausung zurückziehen, Fenster und Türen schließen, und die Ohren zuhalten. Vielmehr geraten die meisten in Panik, wenn es blitzt, ohrenbetäubend knallt und heult. Vögel fliegen irritiert und panisch durch die Nacht und wie viele das Schauspiel nicht oder verletzt überleben, bleibt ein Geheimnis dieser in Rauch gehüllten Neujahrsnacht. Das gilt natürlich nicht nur für Vögel.
Wie verängstigend diese Knallerei ist, kann jeder beobachten, der einen Hund, eine Katze oder einen Vogel als Haustier hat. Die meisten Tiere kriechen verängstigt hinter den Schrank, unters Bett oder sitzen panisch in der Ecke.

Böllerdreck in der Natur
Böllerdreck in der Natur

Und keiner kann mit Sicherheit sagen, wie viel Müll insgesamt bei den Silvester-Partys anfällt, und vor allem irgendwo in der Natur zurück bleibt.

Ökologisch korrekt Dämonen vertreiben…

Wäre es daher nicht ein richtig guter Vorsatz, auf diese Böllerei zu verzichten und lieber das Jahr sinnvoll, gesundheits- und umweltverträglich zu beginnen?
Mit einem schönen Gesellschaftsspiel, mit guter Unterhaltung, Kaffeesatzlesen anstatt Bleigießen, mit gutem Sekt oder Wein und ein paar Häppchen kann man mit den guten Vorsätzen bereits im alten Jahr beginnen.
Und wer dennoch nicht darauf verzichten möchte, etwas gegen den Dämonentanz zu tun, der laut früher Überlieferung in den Raunächten zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Januar (Dreikönigstag) stattfindet, und dem man mit Lärm, Rauch und Feuer schon früher Einhalt gebieten wollte, kann sich auch anders etwas Gutes tun:
In Spanien gibt es den Brauch, sich um Mitternacht mit jedem Glockenschlag eine Weintraube in den Mund zu stecken und sie zu essen, was Glück bringen soll. In Tschechien heißt es, ein Linsengericht um Mitternacht zu verspeisen bringe finanzielles Glück. Und die Griechen spielen an Silvester Karten und andere Glücksspiele bis zum Morgengrauen. Wer hier gewinnt, dem winkt das ganze Jahr über Glück. Wer nicht gewinnt, soll zumindest Glück in der Liebe haben.

Apropos Glück: Ist dieses nicht das Einzige, was man durch Teilen verdoppeln kann? Warum also nicht dem Aufruf der Organisation „Brot für die Welt“ folgen und für „Brot statt Böller“ spenden? Das bringt in jedem Fall Glück!

P.s: Gerade las ich, dass laut WHO die Gesundheitsversorgung des Südsudan ein Jahr lang sichergestellt werden könne, würden in etwa so viele finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, wie sie alleine in Deutschland in Silvesterfeuerwerk investiert werden. Das bedeutet, eine Gesundheitsversorgung von 2,4 Millionen Menschen wäre mit den Böller-Ausgaben möglich! Der Verband der pyrotechnischen Industrie rechnet für dieses Jahr alleine in Deutschland mit einem Umsatz von über 130 Millionen Euro!

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