Wir brauchen einen Klima-Wandel

In Bonn findet mal wieder eine Weltklimakonferenz statt. Es wird, wie man der Regionalpresse entnehmen kann, mit bis zu 25.000 Teilnehmern gerechnet, die über den weltweiten Klimaschutz debattieren und beraten. Hinzu kommen 1.000 Vertreter der Presse. All jene berichten und beraten darüber, wie man den Ausstoß von Treibhausgasen reduzieren kann. – Und sie kommen alle zu Fuß…? Nein, die Meisten kommen wohl per Flugzeug, mit dem Auto, und nur im Idealfall mit der Bahn! Klimaschutz lässt grüßen, zusammen mit dem ökologischen Fußabdruck. Die Anreise, die Unterbringung und Verpflegung, die Logistik hinter dem Event, der Energieaufwand und der Müll… Immerhin gibt es vor Ort innerhalb der Transferzone Elektrobusse (wirklich mit Ökostrom geladen?), Pappbecher werden durch Trinkflaschen ersetzt, es wird auf recyclingfähige Materialien gebaut. Die Tagungsräume werden mit einer Mischung aus Strom (Ökostrom?) und Öl (!) beheizt. Und für die Wiese an der Rheinaue, die sicherlich nach Ende der Veranstaltung weitgehend zerstört sein wird, hat man bereits 117 Millionen Euro zur Wiederherstellung eingeplant. Rechnet man hier noch mit ein, dass die Veranstaltung am Ende vielleicht wieder nur heiße Luft produziert, wird sie zum echten Erfolg – für jene, die sich den Nordpol dauerhaft eisfrei wünschen, um dort noch mehr Öl und Bodenschätze abbauen zu können…

Es steht nicht gut um unsre Welt, nicht nur den Eisbären schmilzt der Boden unter den Füßen weg. Die Lebensräume vieler Arten werden durch den Klimawandel und seine Folgen bedroht. Dazu gehören die tierischen Bewohner der Korallenriffe ebenso wie die Menschen, die Inseln und Küstengebiete bewohnen und bereits vor dem Anstieg des Meeresspiegels fliehen. Ja, es gibt heute bereits Klimaflüchtlinge, die vor Dürren, Überflutungen, dem Rückgang von Fischbeständen und klimatischen Verschiebungen flüchten.

Den Menschen hoch im Norden schmilzt der Permafrost unter den Füßen weg, die Erde weicht auf, Bäume und Häuser werden instabil. Und die Bakterien, die im Permafrost seit Jahrtausenden eingeschlossen sind, könnten in naher Zukunft freigesetzt werden und Prozesse in Gang setzen, die unglaubliche Mengen Treibhausgase (Kohlendioxid und Methan) an die Atmosphäre freisetzen würden.  Ein deutlich höherer Temperaturanstieg wäre die Folge – mit apokalyptischen Folgen, wie dem Anstieg des Meeresspiegels um bis zu 30 Meter!

Nachdem der Ober-Cowboy der Welt bereits jeglichen Klimawandel leugnet, mit der AfD eine Partei in den Bundestag gewählt wurde, die es ihm gleichtut, und selbst eine potentielle Jamaika-Partei wie die FDP den Klimaschutz dem Wachstum opfern möchte, bleibt auf ein wenig mehr Verstand bei den anderen Beteiligten zu hoffen. Wenn Deutschland seiner Rolle als Klimaschützer gerecht werden will, muss man die Kohlekraftwerke abschalten und auf Erneuerbare Energien setzen. Das steht unweigerlich fest! Und natürlich müssen viele Staaten diesem Beispiel folgen. Dabei gibt es positive Signale aus China. Und auch viele andere Staaten haben erkannt, dass es sich auf einer Welt in der Klimakrise nicht gut Dollarscheine zählen lässt. – Geschweige denn überleben!

Von der Spitze des Eisbergs

Doch kann man auf diese Art die Welt retten, indem man Symptome bekämpft und nicht deren Ursachen?
Hinter dem Klimawandel steht schließlich sehr viel mehr als nur der verstärkte Ausstoß von Treibhausgasen.

Die Abholzung von Bäumen, in fernen Regenwäldern oder auch bei uns direkt vor der Haustür, ist ein weiterer Grund des Klimawandels, da Bäume Treibhausgase speichern und somit Verbündete gegen den Klimawandel sein sollten. Stattdessen fallen sie der Säge zum Opfer: Weil sie einem Bauvorhaben in unserer Stadt im Weg stehen. Weil sie hinderlich für die industrielle Landwirtschaft sind. In den Tropen, weil der Boden auf dem sie stehen, ideal für den Anbau von Energiepflanzen oder Ölpalmen ist. Oder da ihr Gebiet billige und ideale Standortbedingungen für den Anbau von Futterpflanzen bietet, die wiederum in der Massentierhaltung verfüttert werden können. Sie werden gefällt, um aus ihnen Werbematerialien herzustellen, die in unseren Briefkästen und von dort direkt in der Mülltonne landen. Hinzu kommen Papierverpackungen jeglicher Art, für deren Herstellung man den Zellstoff der Bäume braucht.
Dabei sind Bäume und Wälder auch Lebensräume, mit ihnen fallen viele Tier- und Pflanzenarten der Säge zum Opfer. Das zum Thema „Artensterben“…

Die Massentierhaltung ist ein wesentlicher Faktor für die Klimaerwärmung. Hier spielt nicht nur der massenhafte Anbau von Futterpflanzen auf dem Boden gerodeter Wald- und Wiesenflächen oft in den Tropen eine Rolle, in Folge dessen auch wiederum viele Arten an den Rand der Ausrottung gebracht werden.
Die entstehende Gülle bei der Tierhaltung vergiftet nicht nur Böden, Grundwasser und Flüsse mit Nitrat, verseucht die Natur und somit die Lebensgrundlagen vieler Tiere. So ist der  Regenwurm aufgrund vermehrter Gifteinträge auf den Äckern teilweise vom Aussterben bedroht! – Jener natürliche Produzent von Humus und somit fruchtbarer Erde!
Und die Massentierhaltung produziert auch jede Menge Methan – ein hochwirksames Treibhausgas – sowie weitere klimaschädliche Stoffe.

Der Herstellung von Verpackungsmaterialien, Ge- und Verbrauchsgegenständen, fallen nicht nur Bäume zum Opfer. Auch kostet die Produktion sehr viele Rohstoffe, deren Abbau auch wiederum Treibhausgase produziert und Natur vernichtet und vergiftet, Arten verdrängt. Recycling klingt gut, doch dass die Recyclingquote noch relativ gering ist und hinter ihr viel Ausschuss steht, dass Recycling auch sehr viel Energie kostet, steht auf einem anderen Blatt. Konsumstreben und Wegwerfmentalität heizen somit nicht nur den Klimawandel an, sondern auch Umweltzerstörung, Artensterben und nicht zuletzt Ungerechtigkeit und Armut (Kinder- und Sklavenarbeit in Bergbauminen sind keine Seltenheit!)

Nicht zuletzt ist es auch die Mobilitätssucht, die Treibhausgase explosionsartig entstehen lässt. Gerade donnert ein Flugzeug im Landeanflug auf den Frankfurter Flughafen über meine Dachgeschosswohnung… Vielleicht ist einer der 25.000 Delegierten der Weltklimakonferenz an Bord, der in einen Inlandsflug nach Köln-Bonn umsteigt? – Wer weiß?
Fluglärm mit all seinen negativen Folgen fürs Herz-Kreislauf-System?  Feinstaubbelastung? Abgelassenes, hoch krebserregendes Kerosin über Wäldern mit abgestorbenen Bäumen? Das ist egal, beim Auto gibt es den Abgasskandal, beim Flugzeug scheint es normal zu sein, dass die Bewohner der Einflugschneisen vergiftet werden…
Wir wollen ja auch möglichst oft in Urlaub fliegen, ich kenne Menschen, die gleich vier oder fünfmal im Jahr in den Süden aufbrechen. Es sei ihnen gegönnt, dennoch ist diese Entwicklung ein absoluter Wahnsinn!

Ich kenne auch Menschen, die sich einen dicken spritfressenden SUV kaufen, auf Prestige bedacht. Die das Auto dann abbezahlen mit dem Lohn aus einer Arbeit, die sie nicht erfüllt und bei der sie sich aufreiben. Doch sie machen den Job weiter, machen sogar Überstunden, um Geld zu verdienen, das sie brauchen, um anderen zu imponieren, die sie nicht mögen…
Sie wollen anderen gefallen, mit dem was sie sich leisten können: Dicke Karossen, Reisen in ferne Länder, eine viel zu große Wohnung, schicke Markenklamotten,…
Dazu wird dann auch schnell mal ein Kredit aufgenommen, der dann über Jahre hinweg belastet und sie weiter in ihrem Job ohne Sinn hält.

Lebenszeit auf Pump?

Leben auf Pump – das trifft so ziemlich den Dauerzustand unserer Zeit. Unser Planet erscheint „ausgebrannt“. Und irgendwie fühlen sich auch immer mehr seiner Bewohner so.
Warum ist das so? Wollen wir nicht alle letztlich einfach nur glücklich sein? Ist es nicht das, was uns antreibt, was unsere Herzen bewegt?

Viele suchen das Glück leider im Konsum, im Vergänglichen. Sie quälen sich lieber durch einen Job, der ihnen keinerlei Erfüllung bringt, der sie nervt und belastet. Das daraus gewonnene Geld investieren sie dann in neuem Konsum, um dadurch doch noch ein Glückgefühl zu erreichen. Dabei vergessen sie: Dieses ist nicht nachhaltig, es hält nur kurz an wie ein Feuerwerk, verpufft, und es bleiben nur Rauch und Asche übrig: Der stickige Rauch des Zwanges eines Lebens auf Pump.
Man kann sich sehr viel Geld leihen, um konsumieren zu können, und es nach und nach wieder hart erarbeitet zurück zu bezahlen. Doch um dieses Geld zu verdienen müssen wir Lebenszeit investieren. – Und die gibt es nicht auf Pump, wenn wir mal keine mehr haben…

So wird dieser Text nun auch am Ende zum Plädoyer für Konsumverzicht, nachhaltigen Konsum und für die Gewissheit:
Das Klima innerhalb der menschlichen Zivilisation muss sich wandeln, und zwar hin zu einem ganzheitlichen Streben nach Glück. Nehmen wir uns ein Beispiel am Staat Bhutan. Dort steht nicht das Bruttosozialprodukt im Mittelpunkt des staatlichen Handelns, ist nicht das Wirtschaftswachstum die Doktrin für Wachstum und Fortschritt. In Bhutan steht das Bruttosozialglück im Mittelpunkt.
Würden wir uns auf das wahre Glück besinnen, uns von Werbestrategen nicht mehr einreden lassen, was wir brauchen und was nicht, und würden wir uns dem ausufernden Konsum sperren, so stünde einem echten Klimaschutz nichts mehr im Wege. Und solche Windbeutel-Veranstaltungen wie in Bonn könnte man sich dann vielleicht auch ein Stück weit sparen.

 

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